{"id":62922,"date":"2024-08-21T13:12:05","date_gmt":"2024-08-21T11:12:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=62922"},"modified":"2024-09-08T19:32:35","modified_gmt":"2024-09-08T17:32:35","slug":"otto-ehrhart-der-glaeserne-turm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2024\/08\/otto-ehrhart-der-glaeserne-turm.htm","title":{"rendered":"Otto Ehrhart, Der gl\u00e4serne Turm"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2024\/08\/otto-ehrhart-der-glaeserne-turm.htm#comments'>2 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Vor elf Jahren <a href=\"https:\/\/www.lovelybooks.de\/autor\/Thomas-R.-P.-Mielke\/\">fragte jemand bei lovelybooks.de:<\/a> &#8222;Wer weiss etwas \u00fcber den Autor Otto Ehrhart und seinen Science fiction-Roman &#8218;Der gl\u00e4serne Turm&#8216; von 1927?&#8220; &#8211; und zwar auf der Seite des deutschen Science-Fiction-Autors Thomas R. P. Mielke, den ich von Perry Rhodan her kenne. Mielke selber ist vor vier Jahren gestorben. Inzwischen kann ich mit Informationen dienen. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der gl\u00e4serne Turm&#8220; ist eine Erz\u00e4hlung, die im 10. Band des Jahres 1927 der <em>Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens <\/em>erschien. Das war eine Zeitschrift im gebundenen Oktavformat, sah also aus wie ein Buch, jeweils gut 200 Seiten stark. Ich glaube nicht, dass die Erz\u00e4hlung nach 1927 noch einmal irgendwo erschienen ist &#8211; bis zum Jahr 2007, als Detlef M\u00fcnch sie f\u00fcr seine Sammlung <em>Der Krieg der Zukunft vor 100 Jahren<\/em> entdeckte, in <em>Band 3: Die Nachkriegsjahre 1919\u20131928: Antikriegsutopien von Otto Ehrhart, Friedrich Freska und Paul von Schoenaich<\/em>. <a href=\"http:\/\/www.synergenverlag.de\/Zukunftskrieg\/\">Auf dieser Verlagsseite<\/a> findet man immerhin Band 1, auch <a href=\"http:\/\/www.synergenverlag.de\/SF-Reihe\/\">andere Werke der SF-Reihe dort<\/a> sehen sehr interessant aus, wie auch M\u00fcnchs Anmerkungen und Einordnungen lesenswert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcnch h\u00e4lt es f\u00fcr fraglich, dass der Otto Ehrhart der Erz\u00e4hlung identisch ist mit dem Otto Ehrhart, der ab 1928 Natur- und Tiererz\u00e4hlungen ver\u00f6ffentlichte (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_Ehrhart\">Wikipedia<\/a>). Und tats\u00e4chlich passt &#8222;Der gl\u00e4serne Turm&#8220; so gar nicht zum ansonsten doch recht einheitlichen Werk Ehrharts. Allerdings wird die Erz\u00e4hlung bereits 1933 in einem biographisch sehr detaillierten Aufsatz zu Ehrhart erw\u00e4hnt (Herbert G\u00fcnther: &#8222;Otto Ehrhart-Dachau.&#8220; In: <em>Die Literatur: Monatsschrift f\u00fcr Literaturfreunde<\/em> 36, S. 21\u201325) &#8211; deshalb gehe ich davon aus, dass das schon stimmt so.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz zum Inhalt: In einer knappen Rahmenhandlung blickt das Land Asinesien zur\u00fcck auf den einstigen, bezwungenen Feind Ameropa, dessen verw\u00fcstete L\u00e4nder wieder fruchtbar sind, bis auf den Bereich um einen riesigen Turm. In diesem Turm fanden sich die Leichen von ameropischen Ingenieur-Soldaten mit Aufzeichnungen aus ihren letzten Tagen; diese Aufzeichnungen stellen den Hauptteil der Erz\u00e4hlung dar. Darin erfahren wir: Ameropa setzt auf Technik und Gehirn; erfolgreiche Genieingenieure erhalten Haihirne eingesetzt. Asinesien hat dagegen den Geist entwickelt, sie sind Vegetarier und Pazifisten, au\u00dfer wenn ihr F\u00fchrer\/oberstes religi\u00f6ses Wesen befiehlt, sich zu wehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ameropa hat <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Blinkenlights\">Blinkenlights<\/a> (&#8222;Vielfarbige Lichter blinkten in bestimmten Intervallen auf&#8220;), Kontakt zu Marsrepubliken, eine Springlichtsignalabteilung, Verkehrs- beziehungsweise Turmliftschleudern, eine Fernsicht\u00fcbertragungsstation, Kampfringe, &#8222;Ultogiganten&#8220; (riesige Schiffe, mit den m\u00f6glicherweise auch Raumfahrt m\u00f6glich ist) und schrecklicke Waffen. Es gibt einen Countdown f\u00fcr den Angriff: &#8222;Zwei, drei, vier&#8220; &#8211; der R\u00fcckw\u00e4rtscountdown wurde erst nach dem Film <em>Frau im Mond<\/em> 1928\/29 verwendet. Ameropa ist von Umweltgiften zerst\u00f6rt. Asinesien dagegen sch\u00fctzt das eigene Land mit einem &#8222;Lautwall&#8220; und wehrt sich mit wirkm\u00e4chtigen Lautfolgen (durch Megaphone verst\u00e4rkt) erfolgreich gegen Ameropa.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eine andere Ehrhart-Leser, mit dem ich Kontakt habe, war so freundlich, mir den alten Band mit der Erz\u00e4hlung zu schicken. Ich habe sie digitalisiert und pr\u00e4sentiere sie hier der interessierten \u00d6ffentlichkeit. Gut m\u00f6glich, dass noch Tipp- und Umbruchfehler drin sind, ich freue mich \u00fcber Hinweise.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"background-color:#cfecff\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der gl\u00e4serne Turm<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Erz\u00e4hlung von Otto Ehrhart<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Neu-Ameropa, Mai 6000.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Gro\u00df sind die Taten und Wunder des gewaltigen Inkarnierten Y\u00ear Icho R\u00e2n! Sein Name ist heilig \u2013 heilig. Die G\u00e4rten der ameropischen Erde bl\u00fchen wieder, und ihr Duft begl\u00fcckt die Welt. Nur eine Landschaft ist verflucht! \u2013 Diese: Seht ihr den riesigen Turm, der die B\u00e4uche der Wolken zu schlitzen scheint? Seht ihr, wie gr\u00fcn er schillert und leuchtet? \u2013 Das Land dort wird nie wieder fruchtbar sein! Vom Wahn der Hirne, von des alten Ameropas Verblendung und Ende erz\u00e4hlt der Turm uns also: Im Jahre f\u00fcnftausendachthundert \u2013 demnach f\u00fcnfhundertneunundneunzig Jahre nach der Zerst\u00f6rung Ameropas durch die fliegenden Glasschiffe Y\u00ear Icho R\u00e2ns, nach der Vernichtung ihrer gewaltigen Vierzig-bis-achtzig-Millionen-St\u00e4dte \u2013 stie\u00dfen asinesische Forscher bei der Suche nach wieder bebaubaren \u00d6dl\u00e4ndern auf diesen Turm. Man stellte fest, da\u00df er auf den Tr\u00fcmmern der ehemaligen ameropischen Gewaltstadt Centrocitta I, jener m\u00e4chtigen Bautenmasse von rund hundertf\u00fcnfzig Kilometer Umfang, ruhte. Diese aus Schmelzglaszement gegossenen H\u00e4user waren dreihundert Meter hoch und zweihundert Meter tief unter der Erde verankert. Der Hauptverkehr fand unterirdisch statt; magnetische Zweisekundenblitzz\u00fcge und Personenschleuderkreisel dienten dem Verkehr. Die Oberstadt war lediglich dem Luftverkehr vorbehalten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Jahrhundertelang waren die ameropischen L\u00e4nder durch \u00e4tzende Erdgasausd\u00fcnstungen, die alles Menschliche vernichtet hatten, nicht zu betreten gewesen. Allein der Turm, dieser steile, vierhundert Meter messende und aus dem z\u00e4hen Material des elastischen, milchgr\u00fcnen Glases hergestellte Hochbau, trotzte allem Verderben. S\u00e4mtliche Gelasse des ovalen, sich nach oben zu verj\u00fcngenden Geb\u00e4udes waren inwendig zerst\u00f6rt und enthielten nur noch ein Chaos verbogener, geschmolzener Apparate und Maschinenteile. Der letzte, oberste, mit einer durchsichtigen Kuppel \u00fcberw\u00f6lbte Raum war allein noch vollkommen erhalten, aber mit enormen, vier Meter dicken und acht Meter hohen Versenkt\u00fcren verriegelt, die aus einer \u00fcberstahlharten Materialmischung des Metalles \u201eDiavjern\u201c und Neobenitblendplatten bestanden. Au\u00dferdem hatten sie dem Durchmesser entsprechende, gleich starke und etwa eineinhalb Meter im Quadrat messende Diamantglasdurchsichtsbl\u00f6cke. Da die Zusammensetzung der vorerw\u00e4hnten Stoffe der Forschung sich nicht erschlo\u00df, machte man sich daran, diese Blockfenster, deren Urstoffe hinl\u00e4nglich bekannt waren, mittels magischer, zersetzender Lautformeln zu l\u00f6sen. Eine Arbeit, die bald geschehen war.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Man drang durch die so entstandene \u00d6ffnung ein und stand vor einem unentwirrbaren Durcheinander verchiedenster Instrumente, Apparate und Maschinenteile. Gleichzeitig aber entdeckte man die auf dem Boden liegenden wohlerhaltenen Leichen von drei mumifizierten Ameropanern. Diese Menschen hatten dicke, kautschukartige Isolieranz\u00fcge an und waren mit Schalld\u00e4mpfern, Sauerstofferzeugungspatronen und drahtlosen Kopfempfangsmembranen ausger\u00fcstet. Einer der M\u00e4nner hielt in den verkrampften Fingern einen kleinen, eigent\u00fcmlichen Apparat, der durch mit Kohleseide umsponnene Platindr\u00e4hte mittels Saugmembranen aus Meerkatzenschaumwolle immer noch an den vertrockneten Schl\u00e4fen haftete. Die genauere Untersuchung der Leichen ergab, da\u00df sie ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe, ja unf\u00f6rmige Gehirne hatten und haarlos waren. Sie besa\u00dfen aber k\u00fcnstliche, goldene, massiv gearbeitete und dehnbar konstruierte Sch\u00e4deldecken. Ihr Knochenbau war \u00fcberraschend schwach, weshalb die einzelnen Glieder durch sinnreiche versilberte Prothesen gest\u00fctzt waren. Die falschen, anscheinend nur der Wortgestaltung und Versch\u00f6nerung dienenden Z\u00e4hne bestanden aus gr\u00fcner, irisierender Saphritemaille.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Bisher wu\u00dften wir von den Ameropanern nur ungef\u00e4hr folgendes: Sie bewohnten nach dem gro\u00dfen Erdbeben im Jahre dreitausend, bei dem die Weltteile Afrika und Australien v\u00f6llig in neuentstandenen Ozeanen versanken, jene fr\u00fcher getrennten und nun durch neue Erderhebungen miteinander vereinten ehemaligen L\u00e4nder Amerikas und Europas. Bei dieser Katastrophe trennten sich auch die bisher mit Europa verbundenen asiatischen L\u00e4nder durch einen gewaltigen Einbruch des Meeres, das die gesamte ehemalige Breite des europ\u00e4ischen Ru\u00dflands samt Skandinavien bedeckte, vom Festland.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wir wu\u00dften, da\u00df die Ameropaner infolge \u00dcbernutzung der Erdfl\u00e4che und ihrer gef\u00e4hrlichen, Schwefels\u00e4ure und giftige Gase entwickelnden Technik allen Pflanzenwuchs allm\u00e4hlich unm\u00f6glich gemacht hatten, da\u00df aus diesem Grunde die Tiere eingegangen waren und sie sich ernstlich mit der Frage der k\u00fcnstlichen Ern\u00e4hrung befassen mu\u00dften. Mit unserem Mutterlande, Asinesien, hatten sie \u00fcber dreizehnhundert Jahre keine Verbindung, da wir es verstanden hatten, einen sch\u00fctzenden Wall um unsere Inselk\u00fcste zu legen. Aus vielen Gr\u00fcnden suchten wir keine Ann\u00e4herung an das Gehirnland. Denn w\u00e4hrend sich unsere Kultur fast ausschlie\u00dflichlich einer praktischen Erkenntnis der Naturgeheimnisse sowie Ergr\u00fcndung der im geistigen Menschen verborgenen einfachen Wunderkr\u00e4fte widmete, versanken die Ameropaner in einem unaufhaltsamen, grauenvollen Chaos der Technik. Innere geistige Werte achteten sie nicht, dagegen wurd k\u00fchlem, scharfem Denken die h\u00f6chsten staatlichen Ehren zuteil. Somit bevorzugten sie das absolute Gegenteil von dem, was wir erstrebten: Vertiefung des Gef\u00fchls bis zur Erweckung des \u201einneren Geistesmenschen\u201c, dem Erkenntnis und Macht \u00fcber alle Dinge aus der Urform \u00fcberkam. Der Weg der Gehirnmenschen, durch Zerfaserung mit Maschinen und kompliziertesten Apparaten solches zu erreichen, hatte sich als verh\u00e4ngnisvoll erwiesen. \u2013 Die Geschichte des gr\u00fcnen Turmes zeigt es.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Seit seiner Auffindung ist es nicht nur den Eingeweihten, die alle Dinge aus sich selber wissen, sondern jedem von uns gegeben, Einblick in die geschichtliche Vergangenheit dieses merkw\u00fcrdigen Landes zu gewinnen. Mit Schaudern lesen wir den Bericht eines Augenzeugen \u00fcber die letzten Tage der Gewaltstadt Centrocitta I. Von einem Augenzeugen insofern, als man neben einer der vorerw\u00e4hnten Leichen \u2013 die sich als die des F\u00fchrers der zerst\u00f6rten Stadt, James Thot Nescher erwies \u2013 ein auf blauer Glashaut geschriebenes Manuskript vorfand, das dechiffriert folgende Enth\u00fcllungen \u00fcbermittelte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Centrocitta I, 12. Oktober 5200.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Diese Aufzeichnungen erfolgen angesichts des sicheren Todes. Nach den gestrigen K\u00e4mpfen und der Zerst\u00f6rung unserer Stadt sind wir drei hier in diesem Turm eingeschlossenen wohl die letzten \u00dcberlebenden und Todgeweihten Ameropas. Meine Gef\u00e4hrten sind die Genieingenieure Sir Adot Mercure und Sir Bras Bly. Alle andern Leute meines Stabes sind tot: verbrannt, in Atome zerrissen und zerst\u00e4ubt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wir sind ruhig und gelassen, haben Ungeheures erlebt, und es ist mir reiner geistiger Genu\u00df das Geschaute jetzt mit Hilfe des von einem meiner f\u00e4higsten Ingenieure erfundenen Gedankeninschrift\u00fcbertragungsapparates (Geintr\u00e2pat 555) m\u00fchelos und automatisch, w\u00e4hrend ich sie denke, in klaren, rotge\u00e4tzten Kurven auf der blauen Glashaut entstehen zu sehen. In Erwartung des unvermeidlichen Todes ist dies die angenehmste, zeitk\u00fcrzendste Besch\u00e4ftigung, die denkbar ist. Die einzelnen Teile dieses feinnervigen, dabei handlichen leicht in der Tasche zu bergenden Apparates wurden in luftleeren R\u00e4umen mit edlen, bis auf ein tausendstel Millimikrometer reagierenden Instrumenten hergestellt. Kein Volk der Erde, vielleicht des ganzen Universums, hat je eine solche H\u00f6he der Pr\u00e4zisionsmechanik erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wir k\u00f6nnen noch zweiundsiebzig Stunden leben \u2026 Wir haben Sauerstoff f\u00fcr Wochen, Nahrungspillen f\u00fcr Jahre in unseren Taschen \u2026 Nach drei Tagen aber wird die elektrische Umdrosselung des Befehlsturmes nachgeben, die gef\u00e4hrlichen, infolge der Sprengungen freigewordenen Abgase werden die nach au\u00dfen f\u00fchrenden Gewaltspannungsdr\u00e4hte zerfressen, durch die entstandenen \u00d6ffnungen langsam eindringen und uns t\u00f6ten. Wir verf\u00fcgen \u00fcber keine Mittel, dem entgegenzuwirken, und wir m\u00f6chten es auch nicht. Es w\u00e4re m\u00f6glich, da\u00df wir auch noch einen vierten Tag erleben, es k\u00f6nnte sein, aber es ist unwahrscheinlich. Unser Ende schreckt uns nicht, denn in der Stadt unter uns lebten achtzig Millionen Menschen, die nun alle tot sind. \u2013<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Bis zum letzten Atemzug erf\u00fcllt Stolz meine Gedanken, wenn ich mir unsere grandiose Vergangenheit vergegenw\u00e4rtige. Man wei\u00df, da\u00df vor vierhundertvier Jahren unsere wenn auch karge Landschaft \u2013 als Antwort auf einen von uns im Jahre 4798 unternommenen \u00dcberfall \u2013 durch eine Glasflugzeugflotte asinesischer M\u00f6nche verw\u00fcstet wurde, und es ist ebenso bekannt, da\u00df seitdem die ameropische Erde an giftigen Erdgasausbr\u00fcchen leidet, die wir jedoch mit Hilfe elektrischer Konzentrationsringe auf belanglose Gegenden verdr\u00e4ngen konnten. Was unsere Wissenschaftler, Chemiker, Ingenieure, Architekten, Milit\u00e4rs und vor allem auch unsere Chirurgen seitdem erfunden haben, ist unerh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Mit mir stirbt eine der gr\u00f6\u00dften Sch\u00f6pfungen Ameropas, der gr\u00f6\u00dfte Geist der Welt. Man wird dies erst recht verstehen, wenn ich das genauer erkl\u00e4re. Vor achthundert Jahren lie\u00df ich mir \u2013 die Bedeutung einer damals noch gewagten Operation klar erfassend \u2013 das Herz eines frischgefangenen Hais \u00fcbertragen. Haiherzen sind die dauerhaftesten, z\u00e4hesten und am k\u00fchlsten funktionierenden Blutmaschinen aller Lebewesen der Welt. Sie arbeiten kr\u00e4ftig, gleichm\u00e4\u00dfig und beruhigen Sinne und Nerven. Ihr Wachstum im menschlichen K\u00f6rper ist gering; da sie, losgel\u00f6st von jedem K\u00f6rper, noch volle zwanzig Minuten t\u00e4tig sind, lassen sie sich leicht \u00fcbertragen. Wir hielten sie zu Abertausenden bei leichter, sinngem\u00e4\u00dfer Durchblutung in unseren chirurgischen Herzstationen bedarfsbereit. Waren diese Operationen schon allgemein geworden, so wurden doch die Gehirn\u00fcbertragungen nur den h\u00f6heren Beamten, den bew\u00e4hrten, sogenannten Edelhirnmenschen mehrfach gew\u00e4hrt. Mein Hirn ist nun neunhundert Jahre alt und mit seinen genialen Ausbuchtungen bei einer Masse von sieben Pfund das beste je dagewesene. Es war der Stolz Ameropas, hat schon die ersten K\u00e4mpfe mit den Asinesen erlebt, und dauernd an seiner Vervollkommnung arbeitend, vermag ich heute mit drei Gehirnzentren gleichzeitig zu arbeiten. Den Wert dieser gespaltenen Denkf\u00e4higkeit ist man jedoch erst heute imstande ganz auszun\u00fctzen, indem uns der \u201eGeintr\u00e2pat\u201c eine gleichzeitige dreifache automatische Niederschrift erm\u00f6glicht. Leider mu\u00df bemerkt werden, da\u00df die meisten Gro\u00dfgehirne, richtiger ausgedr\u00fcckt Edelhirne, erst mit zwei Gehirnzentralen gleichzeitig arbeiten konnten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Das normalhirnige Individuum erhielt von unseren \u00c4rzten eine Lebensdauer von hundert Jahren zugeteilt. Die Regelung des Bev\u00f6lkerungszuwachses, der auf ein Mindestma\u00df eingeschr\u00e4nkt wurde, organisierten wir nach dem von den Marsrepubliken angewandten System. Der Umgang mit den Staaten dieses Planeten hat uns \u00fcberhaupt viel Gutes gebracht. Unsere Verbindung mit dem Mars w\u00fcrde demn\u00e4chst zweitausend Jahre gew\u00e4hrt haben. Das erscheint fast unglaublich, wenn man bedenkt, da\u00df es uns anderseits nie gelang, mit den auf dem gleichen Erdball mit uns lebenden Asinesen in n\u00e4here Verbindung zu kommen. Was wir von diesem Volk bisher wu\u00dften, bestand lediglich in den Angaben der Besatzung zweier unserer Gro\u00dfkampfraketenschiffe und dem wenigen, was uns beim letzten asinesischen \u00dcberfall abgeschossene Gefangene glaubhaft zu machen versuchten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Bei diesen Kriegen, die vielleicht nicht unwichtig zu erw\u00e4hnen sind, zerschellte die H\u00e4lfte unserer Panzerraketenflotte an dem \u2013 man wagte es damals kaum zu sagen \u2013 \u201eLautwall\u201c der asinesischen K\u00fcste. Wir mu\u00dften den Angriff aufgeben, indem es nur drei von unseren aller\u00e4ltesten Schiffsmodellen, die mit unerh\u00f6rt lauten Aussto\u00dfknallgasen arbeiteten, gelang, den Lautwall, wenn auch mit starken Besch\u00e4digungen, zweimal zu durchdringen und dabei vierzig Lufttorpedos zu verfeuern, die von ungeheurer Wirkung gewesen sein mu\u00dften. Nach den Aussagen unserer Leute sollen zwei Drittel des im Innern unbefestigten Landes in Flammen aufgegangen sein. Die Mannschaften dieser drei Schiffe starben sieben Tage sp\u00e4ter an einer unerkl\u00e4rlichen \u00fcbelriechenden Krankheit; die verwesten Glieder \u2013 H\u00e4nde, Arme, F\u00fc\u00dfe, Beine \u2013 Nasen und Ohren fielen ihnen st\u00fcckweise vom Rumpf ab.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der Angriff hatte uns gelehrt, k\u00fcnftig m\u00f6glichst gro\u00dfe, viele Sprengk\u00f6rper fassende und laut l\u00e4rmende Raketenkampfschiffe zu bauen. In dieser und der folgenden Zeit lag eine uns leider nicht bewu\u00dfte Schw\u00e4che, allein in der Unkenntnis gewisser erdtiefer, sich an der Luft entz\u00fcndender Abgase.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Vierhundertachtundvierzig Jahre sp\u00e4ter erfolgte endlich der lange erwartete Gegenangriff der Asinesen. Auf kleinen, maschinenlosen, aus seltsamen uns unbekannten Stoffen gebauten Flugkapseln \u00fcberflogen sie zu Abertausenden Ameropa, indem sie aus silbernen Megaphonen ihre zersprengenden, hell klingenden Lautformeln gegen uns stie\u00dfen. Der Erfolg war niederdr\u00fcckend, ja ungeheuer. Ganz Ameropa und s\u00e4mtliche St\u00e4dtezentralen standen in Flammen. Berge loderten in Wei\u00dfglut auf und zerfielen in Asche. Alle Fl\u00fcsse vertrockneten und versiegten. Unsere zehn Weltst\u00e4dte \u2013 die Ameropaner bewohnten schon seit nahezu f\u00fcnfzehnhundert Jahren nur noch solche Zentren \u2013 blieben Jahrzehnte hindurch voneinander getrennt. Drei St\u00e4dte: East V, East III&nbsp;und North VIII mit vierzig, f\u00fcnfzig und siebzig Millionen Einwohnern verhungerten, verdursteten, wurden ver\u00e4tzt und verbrannten. In dieser Zeit war es uns nur auf aeroplasmakinetischem Wege m\u00f6glich, mit den \u00fcbrigen St\u00e4dten zu verkehren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die besten Denkkr\u00e4fte waren damals in Centrocitta I vereinigt. Deshalb wohl \u00fcberwanden wir verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig am raschesten die schweren Sch\u00e4den, deren notwendige Entfernung neue, gl\u00e4nzende Erfindungen zeitigte. Erstens die schon erw\u00e4hnte elektrische Umschn\u00fcrung und Verdr\u00e4ngung der Erd\u00e4tzgasflammenherde. Zweitens gingen wir endlich zur schon lange vorbereiteten k\u00fcnstlichen Ern\u00e4hrung \u00fcber und lebten von wohlschmeckenden mit Wasser zu nehmenden Pillen. Diese N\u00e4hrstoffe hatten die Eigenschaft, sich auf dem Verdauungswege gallertig zu erweitern, und wirkten auch gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig wie normal genossene Speisen. Drittens gelang uns das Wichtigste, die Herstellung von Wasser aus magnetisch herbeigezogener feuchter Luft. Wir waren bis gestern noch imstande, jederzeit k\u00fcnstlich herbeigerufenen Regen oder Gewitter \u00fcber der Stadt zur Entladung zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Bei dem gleichen \u00dcberfall kamen wir zum erstenmal mit gefangenen Asinesen in pers\u00f6nliche Verbindung, da es an verschiedenen Orten gegl\u00fcckt war, einige ihrer Flugkapseln durch Elektrofernprojektile abzuschleudern. Es zeigte sich dabei, da\u00df die kleinen, kaum zwei Zoll starken Kabinen unversehrt und lediglich durch den enormen Luftdruck verschiedener aufeinanderfolgender Detonationen zu Boden geschlagen worden waren. In diesen eigenartigen, elastischen, wie aus milchgr\u00fcnem Glas gegossenen K\u00f6rpern fanden wir nichts als die f\u00fcr uns wertlosen silbernen Megaphone; weder Maschinen oder sonstige Fortbewegungsorgane enthielten sie. Die Bewegung dieser Kapseln erfolgte in einer Weise, die nach den uns bekannten Fluggesetzen unerkl\u00e4rbar blieb.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Sprache der Gefangenen verstanden wir nicht. Sie erfa\u00dften m\u00fchelos durch \u201egeistige Einstellung\u201c, wie sie sagten, unsere Fragen, die sie auch beantworten konnten. Es waren harmlos aussehende, kindliche Leute mit langen, schwarzen Haaren, schr\u00e4ggestellten Augen, die mit kuttenartigen \u00dcberw\u00fcrfen bekleidet waren. Ihr charakteristischer Zug war ,,L\u00e4cheln\u201c. Dieses L\u00e4cheln trugen sie immer, sogar auf dem elektrischen Zwangsstuhl und im Tod, zur Schau. Wir hatten sie in mit Sauerstoff gef\u00fcllten Beh\u00e4ltern untergebracht; was sie an frischer Luft verbrauchten, war, mit unseren Bed\u00fcrfnissen verglichen, enorm. Die Erz\u00e4hlung eines jungen, offenbar intelligenten Asinesen hat auf mich damals einen zwar prahlerisch wirkenden, aber doch starken Eindruck gemacht. Den Aussagen dieses jungen Mannes verdanke ich haupts\u00e4chlich folgende Aufschl\u00fcsse \u00fcber ihre Kultur.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Asinesen hatten sich seit unvordenklichen Zeiten von aller Technik und allem \u201e\u00e4u\u00dferen\u201c Wissen, wie sie unsere Leistungen benannten, geschieden; ihr Ziel war \u201eBeherrschung der Form im Geiste\u201c. Damals wie heute noch und zu allen Zeiten sollte auf dem Berge \u201eLysnah\u201c eine heilige Schar von vierzigtausend M\u00f6nchen wohnen; ihr geistiges Oberhaupt, ihr F\u00fchrer war Y\u00ear Icho R\u00e2n.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Diesem \u201edurch Verwandlung Wissenden\u201c sei es gelungen, alle Zust\u00e4nde und Formen restlos aus sich selbst zu beherrschen. \u00dcber ihm sei nur noch das Allbewegende, \u2013 \u201eEinszwei\u201c genannt \u2013, von dem er seine Weisungen f\u00fcr die Welt empfinge. \u201eEinszwei\u201c sei reines Licht, allersch\u00e4rfstes Blenden, in das zu schauen nur ein jahrelang geschultes \u201einneres\u201c Auge vertr\u00fcge. Y\u00ear Icho R\u00e2ns erste gro\u00dfe Tat sei es gewesen, mit Hilfe seiner vierzigtausend M\u00f6nche in zw\u00f6lfj\u00e4hriger Konzentration den Lautwall um Asinesien zu schaffen. Dieser Wall sei unzerst\u00f6rbar, nach Sonne-, Mond-, Ebbe- und Flutgesetzen auf der Basis s\u00e4mtlicher geheimen, luftersch\u00fctternden Formeln gebaut und nur \u201egeistig\u201c, das hei\u00dfe unter Losl\u00f6sung vom irdisch sichtbaren K\u00f6rper, zu begehen. Der normale Leib werde von der in unerkl\u00e4rlichen Schwingungen brandenden und mit geheimen Energien geladenen Luft in Atome zerschlagen. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang werde von allen M\u00f6nchen Asinesiens die Formel des Walles neu gebetet. Y\u00ear Icho R\u00e2n \u2013 wenn sie seinen Namen oder den des \u201eEinszwei\u201c nannten, verbeugten sie sich mit an die Stirn gelegten Fingerspitzen tief zur Erde \u2013 beherrsche alle Geheimnisse und Kr\u00e4fte der Urstoffe. Er k\u00f6nne daraus jedes Mineral erzeugen; das Salz und die Erde, Edelsteine, Platin, Gold, Tellur, Silber, his herab zum einfachsten Erz. Die Tempel in Asinesien seien aus Platin und reinem Gold erbaut. Mit Gold heilten sie alle Krankheiten. Wir erschraken bei der Vorstellung solchen Reichtums. Wir erschraken deshalb, weil gerade die Herstellung des so dringend ben\u00f6tigten Platins und Goldes uns mehr als sein eigentlicher Wert kostete. Es wurde uns fast unm\u00f6glich, die dazu n\u00f6tigen Substanzen herbeizuschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Von den Gefangenen hatten wir noch geh\u00f6rt, wenn Y\u00ear Icho R\u00e2n wollte, w\u00e4ren wir l\u00e4ngst vernichtet, und wir m\u00f6chten uns doch an dieser \u201eStrafe\u201c gen\u00fcgen lassen oder wie fr\u00fcher Stadt gegen Stadt, anstatt gegen fromme M\u00f6nche Krieg zu f\u00fchren. Auf die solch bombastischen Reden gegen\u00fcber einzig m\u00f6gliche Frage, warum ihr heiliger Kriegsherr uns dann nicht schon lange vernichtet h\u00e4tte \u2013 antworteten sie ernst, weil es noch nicht an der Zeit sei! Solche Ansichten trugen sie mit kindlicher, fast l\u00e4cherlich wirkender W\u00fcrde vor; ja, es schien oft, als ob sie uns bemitleideten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich fragte nach ihren Maschinen und erfuhr, da\u00df sie keine h\u00e4tten. Sie bauten ihre H\u00e4user, trieben ihre Schiffe lediglich mit durch Lautformeln erzeugten Kr\u00e4ften. Jede m\u00f6nchische Klasse beherrsche eine bestimmte Anzahl von Kr\u00e4ften, die dem Ma\u00dfe ihrer inneren Entwicklung entspr\u00e4che. Die Gefangenen w\u00e4ren nur M\u00f6nche sechsten Ranges, das hei\u00dfe also, niedere \u201eEingeweihte\u201c. Ihre Besch\u00e4ftigung k\u00e4me im allgemeinen der meisten der \u00fcbrigen B\u00fcrger ihres Landes gleich. Sie trieben Landwirtschaft, pflegten Blumen, hielten milcherzeugende Tiere und besch\u00e4ftigten sich mit g\u00f6ttlichen Dingen, worunter sie Malen, Singen, Dichten oder Musizieren verstanden. Ihre Nahrung best\u00fcnde aus Erdfr\u00fcchten, Obst, Gem\u00fcse, aus s\u00fc\u00dfen S\u00e4ften, Milch und Honig. Sie t\u00f6teten niemals; auch keine Tiere. Wenn aber, wie in diesem Falle, \u201eEinszwei\u201c den F\u00fchrern Befehl zum T\u00f6ten gegeben habe, sei es heilige und ehrende Pflicht, weil man, um \u201eEinszwei\u201c zu gehorchen, das Schwerste auf sich n\u00e4hme. Sie empfahlen uns die Lehre Y\u00ear Icho R\u00e2ns, welche Ruhe, Friede mit allen und mit sich selbst bedeute. Ihr h\u00f6chstes Ziel sei, \u201eLicht\u201c zu werden, was man nur durch die Kraft des Glaubens err\u00e4nge. Der erste Satz ihrer Glaubenslehre lautete deswegen: \u201eIch glaube!\u201c Glauben aber hei\u00dfe: Kraft entfalten, um h\u00f6here Kraft zu entwickeln. Der wahre Glaube allein mache selig, versetzte Berge, Fl\u00fcsse und Seen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">So l\u00e4cherlich dies f\u00fcr uns klang, sie behaupteten fest, jeder der im wahren Glauben lebe, k\u00f6nne, wenn er wolle und dazu Befehl von den F\u00fchrern erhielte, Berge versetzen, \u00fcber Fl\u00fcsse und Seen Gewalt erlangen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich fragte: \u201eWenn ihr solch gewaltige Kr\u00e4fte in euch habt, warum befreit ihr euch dann nicht aus der Gefangenschaft?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eWir k\u00f6nnten es wohl tun.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eWarum tut ihr es dann nicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eWeil wir keinen Befehl haben, Wir sind ja \u00fcbrigens gar nicht gefangen. Bei uns gilt nur der Geist, und den habt ihr ja nicht gefangen. K\u00f6nntet ihr uns im Geiste sehen, ihr w\u00fcrdet euch sch\u00e4men.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eWas nennt ihr sch\u00e4men?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eMan k\u00f6nnte es euch nicht erkl\u00e4ren, da ihr es l\u00e4ngst verlernt habt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Diese k\u00fchne Antwort gab mir der junge Asinese.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich fragte ihn weiter: \u201eWomit habt ihr uns bek\u00e4mpft? \u2013 Mit welchen Geschossen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eMit gar keinen, nur mit einfachen Lautformeln. Euere Unkenntnis der Erdgasaufl\u00f6sungen sicherte uns den Erfolg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eWie lauten diese Formeln?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eSie sind Geheimnis.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eDu wirst sie sagen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eNiemals!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich lie\u00df den Gefangenen auf den elektrischen Zwangsstuhl schnallen. Er sollte die Formel bekennen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der Gefangene warf sich in wilden Zuckungen hin und her; seine Augen quollen weit aus den H\u00f6hlen, aber er l\u00e4chelte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eMehr Strom! \u2013 Die Formel!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eNiemals!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eVollstrom!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">In unserer Stadt folterte man drei Gefangene, in anderen St\u00e4dten Dutzende zu Tode. Keiner gestand die Formel. Man schnallte ihnen Gedankenleseapparate an die Schl\u00e4fen. Niemand von uns war imstande, die seltsam verwirrten Laute, die der Gedankenlautsprecher gab, zu entr\u00e4tseln. H\u00e4tten wir die Erfindung, mit der ich dies jetzt niederschreibe, schon damals gehabt, vielleicht w\u00e4re dieser Krieg doch nicht der letzte gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Drei Tage nach diesem Verh\u00f6r schienen die \u00fcbrigen Gefangenen ungew\u00f6hnlich heiter und froh. Sie l\u00e4chelten mehr als sonst, baten uns f\u00fcr den \u00c4rger um Verzeihung und sagten, sie d\u00fcrften jetzt heim.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eWieso heim?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Sie l\u00e4chelten nur. Uns schienen sie irrsinnig geworden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wenige Minuten sp\u00e4ter geschah es \u2013 dies steht mir, als w\u00e4re es gestern erst geschehen, vor den Augen \u2013, da\u00df sich die Gefangenen an den H\u00e4nden nahmen, in pl\u00f6tzlicher st\u00fcrmischer Freude k\u00fc\u00dften und hierauf unter dem Ausspruch eines \u2013 ich kann mich nicht anders ausdr\u00fccken \u2013 \u201egluthei\u00dfen\u201c Lautes entseelt zu Boden sanken. Wir st\u00fcrzten hinzu, und unserxe H\u00e4nde griffen in warme Erde! Dies ereignete sich mit allen asinesischen Gefangenen gleichzeitig \u2013 zur selben Stunde, ja zur gleichen Minute und Sekunde \u2013, wie sofort angestellte Nachforschungen ergaben. Das merkw\u00fcrdigste aber war, da\u00df auch die zu Tod gefolterten und bis zu ihrer chemischen Zersetzung in den Leichengefrierhallen aufbewahrten Gefangenen ebenso verschwunden waren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich gab den Staub einem Chemiker zur Untersuchung und erhielt das nichtssagende Ergebnis: Gew\u00f6hnliche wei\u00dfe, pulverisierte Erde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">13. Oktober 5200.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Diese Aufzeichnungen mu\u00dften gestern unterbrochen werden, da ich meinen beiden Ersten Ingenieuren bei der wieder notwendig gewordenen Energiendrosselung, die eine \u00dcberaus umsichtige und komplizierte Handhabung fordert, behilflich sein mu\u00dfte, Ich beginne nun wieder dort, wo ich das Thema verlassen habe,<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Seit den aus diesem asinesischen \u00dcberfall herr\u00fchrenden Erfahrungen bereiteten sich alle St\u00e4dte auf einen neuen Krieg gegen Asinesien vor. Inzwischen hatten wir einige weitere empfindliche Schw\u00e4chen des Gegners erkannt; wir wu\u00dften nun um seine Ohnmacht gegen\u00fcber starken, am besten sich \u00fcberschlagenden Ger\u00e4uschen; wir hatten erkannt, da\u00df Luftwirbel imstande waren, die feindlichen Flugkapseln zu Boden zu schlagen und zu vernichten. Auf Grund dieser zweifellos richtigen Einsicht erfanden wir folgende Gegenwaffen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Zuerst umgaben wir die Stadt mit normal in f\u00fcnf- bis siebenhundert Meter H\u00f6he stehenden elektrischen Energiefeldern. Es sind das sogenannte Kampfschlagringe; ihre Widerstandskraft war so stark, da\u00df an ihnen unsere besten, gef\u00e4hrlichsten Waffen: Sprengstrahlenwerfer, Atommotoren und Riesenprojektile, wirkungslos vergingen. Weiter hatten wir unsere Gewittersaugmagneten so weit vervollkommnet, da\u00df wir imstande waren, die Luft \u00fcber der Stadt in ungeheure tornadische Wirbelbewegung zu bringen. Die unter und um die Wirbel lagernden, leergesaugten, fast luftleeren R\u00e4ume wirkten als Fallen und mu\u00dften den Absturz auf die zermalmenden Kampfringe herbeif\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Unsere letzte Erfindung bestand endlich aus \u00fcber drei Millionen ungew\u00f6hnlich kr\u00e4ftiger, etwa zehn Meter hoher und am Schalloch drei Meter messender Lauttrichter. Diese \u00fcberall auf den flachen D\u00e4chern angebrachten \u201eLautformelabwehrsirenen\u201c, welcher Name ihren Zweck bekundet, wurden nach einem besonderen, arrhythmischen und atonalen System gehandhabt, mit dem es gelang, die wirbelnde, br\u00fcllende Luft bis tausend Meter hoch in schlagartige, schleudernde, zersprengende Bewegung zu versetzen. Die eigentliche Wirkung der Sirenen begann also erst \u00fcber den Kampfringen der Stadt. Die erstaunliche Kraft dieser Anlagen ging am besten aus einem an und f\u00fcr sich belanglosen Ereignis hervor. Ein bei den Proben verge\u00dflicherweise ohne Schalld\u00e4mpfanzug, unbesch\u00fctzt, aus dem Hause tretender Offizier wurde sofort erschlagen und mu\u00dfte mit geplatzten inneren Organen weggetragen werden. Dies geschah in hundertf\u00fcnfzig Meter H\u00f6he vom Privatflugbalkon eines Offizierkasinos aus.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">So wirkten unsere Abwehrmittel, zu denen noch meine eigene Erfindung, der in sechzig Jahren gebaute Glaskommandoturm geh\u00f6rte. Hierzu sei kurz erkl\u00e4rt: Ich hatte die seinerzeit beim asinesischen \u00dcberfall abgeschossenen Flugk\u00f6rper dem Kriegsmuseum \u00fcberwiesen, dabei aber gleichzeitig zwei hervorragende Chemiker mit dem Auftrag der Analysierung des unbekannten, z\u00e4hen Stoffes betraut. Nach einem Jahr \u00fcbermittelten sie mir das Ergebnis ihrer Forschungen: eine amiantartige, elastische, aus vielen, schwer gewinnbaren Verbindungen bestehende, haupts\u00e4chlich aber glasartige Masse, die unter enormen Kosten wohl herzustellen sei.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Da beschlo\u00df ich, den Turm zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Stadt weigerte sich anfangs heftig gegen das Problem, da die Kosten daf\u00fcr nur durch eine achtzigj\u00e4hrige Luxusfahrzeugsteuer aufzutreiben gewesen w\u00e4ren. Schlie\u00dflich siegte ich doch, wenn auch nur unvollkommen, indem die Stadt die eine H\u00e4lfte bewilligte und ich die andere aus meinen Privatmitteln aufbrachte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Eigene Fabriken entstanden. Der Turm wurde gebaut. Aus durchschnittlich vier Meter gro\u00dfen, quadratischen, weichen, aber diamanthart werdenden Bl\u00f6cken errichtet, ist er heute das einzige Geb\u00e4ude Ameropas, das die letzten grauenvollen Tage \u00fcberdauerte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Vor zweihundert Jahren lie\u00df ich in dieses Bauwerk das \u201eGehirn der Stadt\u201c verlegen. Jahrtausende noch wird dieses Denkmal, in dem ich die Ehre habe zu sterben, von der gewaltigen Gr\u00f6\u00dfe unserer Zeit zeugen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Unsere Angriffswaffen waren gleichfalls nach genialen Pl\u00e4nen verbessert worden. Es war uns ja auch klar, wof\u00fcr dieser Krieg gef\u00fchrt wurde. Um Gold! Um Sein oder Nichtsein Ameropas! Wir mu\u00dften Asinesien besiegen! Dazu standen uns zur Verf\u00fcgung: g\u00e4nzlich ver\u00e4nderte, gewaltige, herrlich anzuschauende, mit L\u00e4rmknallgasen betriebene Gigantraketenpanzerschiffe. Diese waren mit bis zu dreihundert Kilometer Sprengradius reichenden Thjeltorpedos versehen. Die F\u00fcllung dieser Torpedos begl\u00fcckte uns; sie verschleuderten brennende Luft, \u00e4tzende Gase in der haupts\u00e4chlichsten Verbindung mit der neuen S\u00e4ure \u201eThjel\u201c, die imstande war, alle Gegenst\u00e4nde: Steine, Metalle, Menschen \u2013 alles \u2013 ausgenommen Gold und Platin, \u00fcber welchem sich sofort schleimige, sp\u00e4ter stahlharte Schutzdichten bildeten \u2013 in wenigen Minuten zu zersetzen, zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Gegen Ende der Kriegsvorbereitungen, am achten August dieses Jahres, erreichte uns ein Schreiben Y\u00ear Icho R\u00e2ns, das, auf eine wei\u00dfe Seidenfahne geschrieben, unbemerkt nachts \u00fcber Citta East II abgeworfen worden war. Die unachtsamen Nachtwachen lie\u00df der Rat am andern Tage als abschreckendes Beispiel \u00f6ffentlich ver\u00e4tzen und zerst\u00e4uben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Das Schreiben lautete also:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Berg \u201eLysnah\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">An die vereinigten St\u00e4dte Ameropas!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich wei\u00df um Eure Absicht, Asinesien durch einen am 25. Oktober, morgens 6 Uhr 26 Minuten 12 Sekunden angesetzten \u00dcberfall zu zerst\u00f6ren. Der Urgrund aller Dinge hat beschlossen, falls Ihr von diesem Vorhaben nicht abstehen wollt, Ameropa durch uns vernicht zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Y\u00ear Icho R\u00e2n.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Was uns an diesem Schreiben verbl\u00fcffte, war die nur mir und den anderen Statthaltern bekannte, streng geheimgehaltene Abschu\u00dfzeit. Verrat war unm\u00f6glich, Es schien uns ein gut gelungener magischer Bluff, der gerade das Gegenteil bewirkte. Die Vorbereitungen wurden beschleunigt. Als die g\u00fcnstigste Abschu\u00dfzeit errechneten wir den 11. Oktober, morgens 5 Uhr 25 Minuten 5 Sekunden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Noch einmal traf eine neue Fahne Y\u00ear Icho R\u00e2ns ein. Diesmal wurde das Flugzeug, ein wei\u00dflich schimmerndes, konisches Gebilde, wenn auch zu sp\u00e4t, in gro\u00dfer H\u00f6he gesichtet. Strahlenschleudern und nachgesandte Fernprojektile konnten es nicht mehr erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Das Schreiben lautete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Berg \u201eLysnah\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich ermahne Euch zum letztenmal zum Frieden. Andernfalls wird am 11., f\u00fcnf Uhr nachmittags kein Ameropaner mehr leben. Wir werden die Welt wieder in bl\u00fchende G\u00e4rten verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Y\u00ear Icho R\u00e2n.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u00dcber diesen Brief lachten wir. Alle waren zur \u00dcberzeugung gekommen, da\u00df der hohe Inkarnierte Angst habe und im Bewu\u00dftsein seiner milit\u00e4rischen Unterlegenheit uns auf so bombastische Weise zu bluffen versuche. Uns schien es ein gutes Zeichen zu sein, da\u00df ee diesmal die genaue Abschu\u00dfzeit nicht erw\u00e4hnt, richtiger gesagt nicht erraten hatte. Der \u00dcberfall schien uns unbedingt sicher. Ohne irgend einen Zwischenfall traf uns der Morgen des 11. Oktober in nie dagewesener Gefechtsform.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">14. Oktober 5200.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Gestern mu\u00dfte ich die Aufzeichnungen unterbrechen, weil Sir Bras Bly sich in einem Irrsinnanfall die Isolierhandschuhe von den H\u00e4nden ri\u00df und, ehe wir ihn hindern konnten, in die blanken Streben des Gewaltstromdro\u00dflers griff. Er war sofort tot und, wir hatten M\u00fche, seine verkohlten H\u00e4nde von<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">den Dr\u00e4hten zu l\u00f6sen. Sir Bras Blys Vorfahren stammten aus den ehemalig germanischen L\u00e4ndervereinigungen, und er litt wie fast die meisten dieser Leute an zeitweiligen Gem\u00fctsst\u00f6rungen. Das mochte wohl daher r\u00fchren, weil sich diese Leute erst sp\u00e4t von den Haiherzoperationen \u00fcberzeugen lie\u00dfen. Sonst war er ein klarer, scharfdenkender und brauchbarer Ingenieur gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Eben haben wir wieder die Turmdrosselung gemessen. Sie betrug noch drei\u00dfig Billionen Aektomenergien; morgen werden es zwanzig sein, \u00fcbermorgen zehn. Das Aller\u00e4u\u00dferste! Wir k\u00f6nnten also tats\u00e4chlich noch bis zum sechzehnten leben. Der Lage nach sind wir zufrieden. Sir Adot Mercure zeichnet interessante, ihn sichtlich anregende Pl\u00e4ne, und ich habe schon fr\u00fcher bekannt, wie gelassen und wohl mir zumute sei. Ich setze meine Erkl\u00e4rungen fort:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Am 11. Oktober, fr\u00fch f\u00fcnf Uhr, war endlich alles so weit. Die mit Ametylotasbestpanzern bekleideten F\u00fchrer wurden eben in die sto\u00dfsicheren, kardanisch eingebauten Lenkkabinen der Gro\u00dfkampfraketen eingeschraubt. In jeder der zehn St\u00e4dte Ameropas stand jetzt ein Geschwader von drei\u00dfig solcher tausend Mann und hundert Offiziere fassender, vierhundert Meter langer und sechzig Meter breiter \u201eUltogiganten\u201c sto\u00dfbereit. In einer knappen halben Stunde sollte der gr\u00f6\u00dfte, f\u00fcrchterlichste Kampf, den die Welt wohl jemals gesehen, beginnen\u00ab E 2<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Luft war voll Spannung. Man f\u00fchlte f\u00f6rmlich, wie sich das Denken Ameropas jetzt auf diesen einen Punkt \u2013 den Abschu\u00df der Schiffe \u2013 konzentrierte. Ganz Centrocitta lag in grellstem Licht. Die metallenen Teile der H\u00e4user, der Dachflugterrassen, Lautabwehrsirenen, die Luftverkehrspiegel und die spitzen, vergoldeten Kuppen der Aerokontrollt\u00fcrme blendeten die Augen im Widerschein des strahlend grellen Lichtes. Seit einer Stunde war jeder Luftverkehr untersagt. Die \u00f6stlichen Bezirke, in denen der Kriegslufthafen lag, waren abgeblendet und die B\u00fcrger bereits in die Untererdstationen gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Blaues ged\u00e4mpftes Licht umgab die Abschu\u00dfstelle. Ich sah gespannt hin\u00fcber. Langsam erst gew\u00f6hnte sich das Auge an die Dunkelheit, und allm\u00e4hlich sah man eine Reihe mattroter Lampen, die gleich gl\u00fchenden R\u00e4dern in den gewaltigen Fischk\u00f6pfen der \u201eUltogiganten\u201c sa\u00dfen. Mehr und mehr erkannte man die Umrisse der schr\u00e4g aufrecht in den dreihundert Meter hohen Absto\u00dfrohren lagernden Flotte. Furchtbare Waffen! \u2013 In den n\u00e4chsten Stunden war es sicher entsetzlich, Asinese zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der Admiralstab meldete: \u201eKlar!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich \u00fcbernahm das Abschu\u00dfkommando. Meine Ingenieure standen befehlsbereit an den \u00dcbermittlungsapparaten. Die Zeitgleichuhr wies 5 Uhr 9 Minuten, 5 Uhr 10 Minuten: \u201eCentrocitta Achtung! Klar zum Abschu\u00df!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Maschinen klingelten. Tausende von Dr\u00e4hten, R\u00e4dern, begannen ineinander und hin und her zu gleiten, summend und surrend. Vielfarbige Lichter blinkten in bestimmten Intervallen auf, fanden ein leuchtendes Echo auf den Bezirksleitungst\u00fcrmen \u00fcber der Stadt, zuckten, morsten und erloschen wieder.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Rasch liefen nun Meldungen ein: \u201eZweihundertsechster, sechshundertster, hundertf\u00fcnfundvierzigster, dreiundzwanzigster Bezirk klar! Ost klar, Nordwest klar!\u201c bis zur Gesamtmeldung durch den Generalingenieur: \u201eCentrocitta abschu\u00dfbereit!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">5 Uhr 15 Minuten. Befehl: \u201eAlle Luftwiderstandsschotten schlie\u00dfen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eSind dicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">5 Uhr 17 Minuten: \u201eAbschu\u00dffelder r\u00e4umen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eSind ger\u00e4umt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">5 Uhr 18 Minuten: \u201eAlle \u00fcbrigen B\u00fcrger Schalldampfhelme auf und tief verfahren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eSind verfahren und Helme auf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">5 Uhr 22 Minuten: \u201eMeldung von Ultogigantleitung, ob klar?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eFlotte ist klar zum Sto\u00df! Heil f\u00fcr Ameropa!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Drei lange, schier endlose Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">5 Uhr 25 Minuten \u2013 meine Stimme klang hell: \u201eAbschu\u00dfleitung! Achtung!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Ingenieure griffen nach den Fernz\u00fcndungstasten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ich z\u00e4hlte die Sekunden: \u201eZwei, drei, vier&nbsp;\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ehe ich \u201eLos!\u201c rufen konnte, zerri\u00df ein grausiger Blitz die Luft, die Stadt fiel in Dunkelheit, wir schlugen zu Boden und rasten wieder empor.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Beunruhigendes Knistern drang aus allen Ger\u00e4ten, gr\u00fcne Fl\u00e4mmchen und bl\u00e4uliche Blitze huschten zwischen den Leitungen hin und her.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">In solchen Augenblicken ermi\u00dft man erst den Wert seines Haiherzens und klaren unbeirrbaren Denkens. Schlag auf Schlag befahl ich: \u201eReserveschaltung \u00fcber Zentrale B.!\u201c \u2013 \u201e\u00dcberspannungsleitungen pr\u00fcfen!\u201c \u2013 \u201eMeldung ob fremde Einwirkungen!\u201c \u201eAbschu\u00dfleitung sofort melden, wenn wieder klar!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">In wenigen Minuten setzte die Lichtversorgung ein. Die Maschinen wirkten, wie sie sollten. Den Fehler hatte man noch nicht gefunden. \u2013 Da brachte die noch ausstehende Meldung der Abschu\u00dfleitung die konsternierende Nachricht: \u201eStarke St\u00f6rung durch zersetzende elektrische Fernwirkung! \u2013 Abschu\u00df vorl\u00e4ufig unm\u00f6glich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Merkw\u00fcrdig! \u2013 Was ich wenige Minuten vorher noch f\u00fcr l\u00e4cherlich gehalten h\u00e4tte, in diesem Moment wu\u00dfte ich es sicher! Die Asinesen! \u2013 Hoffentlich gelang es, die Stadt zu retten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eKampfringe sofort spannen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eSind ge\u2013\u201c Der Rest des Wortes verlor sich in ohrenbet\u00e4ubendem Dr\u00f6hnen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Keine Sekunde zu sp\u00e4t, denn eben verprasselte eine zweite Hochflut blitzender, krachender, br\u00fcllender Energien \u00fcber unseren H\u00e4uptern an den Kampfringen der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">\u201eAbschu\u00df zur\u00fcck! Alarm zur Stadtabwehr! Alle B\u00fcrger auf Gefechtsstationen! Meldung!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">In zwanzig Minuten verf\u00fcgte ich \u00fcber die Abwehrleitung vollkommen. Die entstandenen, meist geringen Sch\u00e4den waren repariert. Die tornadischen Wirbel heulten. Mit unbeschreiblich hackendem Gebr\u00fcll, das den Turm erzittern lie\u00df, setzten die Lautabwehrsirenen ein.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wie ernst unsere Lage war, erkannten wir erst einige Minuten sp\u00e4ter, als ich mit dem w\u00fctend von den Abschu\u00dfpl\u00e4tzen zur\u00fckgekehrten Gefechtsstab die zu treffenden Ma\u00dfnahmen besprach. In diese erregte Versammlung brachte ein L\u00e4ufer der Springlichtsignalabteilung ein Telegramm, das uns aller Annahmen enthob und das ich sofort laut vorlas: \u201eCitta East III \u2013 asinesischer Luft\u00fcberfall! Sendet Hilfe oder wir sind verloren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Totenstille. Ohne weitere Entgegnung bestiegen die Herren vom Stab die Turmliftschleudern, die sie auf ihre Stationen brachten. \u2013 Wir warteten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Jetzt war es nahezu sieben Uhr morgens. Vorher hatten wir durch die L\u00fccke eines Kampfringes ein Dutzend Marsraketen abgeschossen, die auf die Bedeutung des bevorstehenden Kampfes und die m\u00f6glicherweise eintretende Vernichtung aller Kulturverbindungen auf lange Jahre hinwiesen. In zwei Stunden hatten wir \u2013 zu unserem Gl\u00fcck \u2013 gelernt, die Asinesen ernst zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der Turm schwankte. Der Himmel war grau und sichtlos. Im Westen stand der gewohnte Anblick von Gasen 18 \u2013 Riesengarben blauwei\u00dfer Flammen, rotgl\u00fchender Erdlandschaften, die von unseren unsichtbaren Konzentrationsringen festgehalten wurden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ein Fernlichtbild, das wir kurz nach sieben Uhr von den Ostst\u00e4dten zu erhalten versuchten, ergab helle Flecken und wellige Striche \u2013 Flammen!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Westst\u00e4dte meldeten Versagen des Abschusses und schwerste unbekannte St\u00f6rungen verschiedener Kraftstationen. Sie befanden sich erst seit zwanzig Minuten in vollkommenem Alarm, da sie unserer ersten Warnung nicht geglaubt hatten. Ich wu\u00dfte, da\u00df sie verloren waren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Genau 7 Uhr 25 Minuten gewahrte ich durch die Periskopspiegel der Fernsicht\u00fcbertragungsstation \u2013 also noch tief unter der Erdkimme \u2013 eine endlos scheinende, irisierende, helle Linie, die rasch wachsend n\u00e4her kam.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter konnte man deutlich den riesigen, den ganzen Horizont umspannenden Lichtwurm der asinesischen Flotte erkennen. Es gelang, die Entfernung zu messen, und wir er\u00f6ffneten mit schweren Gro\u00dfdistanzprojektilen das Gefecht.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Kreisende, \u00e4tzende Luftmeere, bis zweitausend Meter hohe Feuerregen w\u00f6lbten sich ununterbrochen bis an die Nahgefechtszone der Stadt. Der ganze \u00f6stliche Himmel war eine wildfarbige, Blitze, Gase und zersetzende S\u00e4uren speiende Emp\u00f6rung. Kaum glaublich, aber die Asinesen flogen mit nur geringenVerlusten hindurch.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Mit einem gew\u00f6hnlichen, dreihundertfach vergr\u00f6\u00dfernden Fernrohre konnte man den Gegner schon genau erkennen, seine seltsamen, vielleicht vierzig Meter langen, schmalen, achteckigen Schiffchen, die aus zartem, schimmerndem Glas zu bestehen schienen. Gedankenschnell stie\u00dfen sie vorw\u00e4rts, brachen in langen, unabsehbaren, dreifach gestaffelten Reihen, ab und zu taumelnd sich \u00fcberschlagend, st\u00fcrzend und im Widerschein der t\u00f6dlichen Feuer wie blanke Diamanten spr\u00fchend aus der Sperrlinie hervor.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Sch\u00e4tzungsweise dreitausend Schiffe formierten sich nun besonders und begannen die Berennung der Stadt. Die anderen, Legionen, st\u00fcrmten an unseren Flanken vorbei, westw\u00e4rts weiter. Ihr erster Versuch, die Stadt zu \u00fcberfliegen, kostete sie gut \u00fcber dreihundert Schiffe, die von den gewaltig wirkenden Wirbeln erfa\u00dft, wie blitzende Fische tiefer gesaugt wurden, bis sie endlich, gegen die Kampfringe geschleudert, unsichtbar fast ob der Schnelle, vergingen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Asinesen schienen verwirrt. Sie hatten jedenfalls ein ebenso leichtes Spiel wie bei den Ostst\u00e4dten erwartet. Immer noch trieben planlos fahrende Schiffe in die Wirbel hinein und versanken rettungslos in den luftleren Fallen. Das Gros aber schien die Gefahr erkannt zu haben; in steilem, schnellem Anstieg gewann es die sichere H\u00f6he.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Inzwischen hatte man den Gegner gut beobachten k\u00f6nnen. Aus den B\u00e4uchen der durchsichtigen, ohne jede Mechanik man\u00f6vrierten Schiffe ragten zw\u00f6lf \u2013 je sechs an beiden Seiten \u2013 lange, silberne Aussto\u00dfrohre hervor. Von der Mitte des Schiffsrumpfes aber hingen zwei lose, zu einem einzigen Mundst\u00fcck vereinte goldene Megaphone herab, womit sie offenbar die gef\u00e4hrlichen Lautformeln zu schleudern gedachten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Vorl\u00e4ufig hatten sie sich in westnordwestlicher Richtung aus der Nahgefechtszone gezogen und schienen dort Kriegsrat zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Durch das Fernrohr konnte man die Schiffe genau beobachten. Die F\u00fchrer waren fast durchweg w\u00fcrdige Greise, wie die \u00fcbrige Besatzung gekleidet, nur trugen sie statt roter oder schwarzer wei\u00dfe Kutten. Zehn etwas gr\u00f6\u00dfere Boote, die durch bl\u00e4ulich schimmernde Leuchtstreifen und intensivere Strahlen auffielen, hielten sich in einem Halbkreis beratend nebeneinander, w\u00e4hrend der Chef der Flotte, ein hoher, schlanker, wei\u00dfb\u00e4rtiger Mann, ihnen m\u00fchelos, durch die Glasw\u00e4nde hindurch, seine Instruktionen gab. Wie wir bald darauf sehen konnten, waren sie verbl\u00fcffend einfach. Zu ihren Flottillen zur\u00fcckgekehrt, begannen die F\u00fchrer aller Boote unter verworrenen Gesten und lediglich, indem sie in die geballte Hand hauchten, rote, runde, etwa meterhohe, elliptische Geschosse zu bilden. Diese wurden von der aus je zw\u00f6lf Mann bestehenden Besatzung in die Rohre gelegt, worauf sich die Rohre mit sanftem, zunehmendem, r\u00f6tlichem Glanz von innen zu erhellen begannen. Die Leuchtkraft der Schiffe nahm gleichfalls zu; sie spielten in den wunderbarsten Farben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der Feind bildete neue Formationen. Keilf\u00f6rmig gestaffelte Geschwader zu je zweihundert Schiffen mit dem Chefboot an der Spitze.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der zweite Gefechtsabschnitt begann.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">In unerh\u00f6rtem Tempo schnellte die Flotte in die H\u00f6he, weit \u00fcber die Kampfring- und Wirbelzo[n]e hinaus und begann den neuen Sturmangriff auf die Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Diese Gefechtsweise war f\u00fcr uns die unbequemste, denn wir mu\u00dften, um steil nach oben zu gelangen, die Kampfringe \u00fcber den Batterien schw\u00e4chen. Dazu geh\u00f6rte ein pr\u00e4zises Zusammenwirken der Batterien und der Kampfringleitung.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wohl nie wird es zu kl\u00e4ren sein, wie dieser Erfolg m\u00f6glich war, ob es durch Versagen eines Kampfringes geschah oder dadurch, da\u00df eine Batterie das Schu\u00dfsignal zu sp\u00e4t gab. Genug, eines der mit singendem Ton herabschnellenden, rotgl\u00fchenden Geschosse fuhr in die Stadt. Die Wirkung des Sprengk\u00f6rpers war grauenvoll. Nach drei Minuten lagen zwei Stadtbezirke in Schutt und Asche.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Noch w\u00e4hrend des Einschlages, unsere augenblickliche Verbl\u00fcffung gut n\u00fctzend, richtete der Feind aus den hellen, zuckkenden Rohren einen wahren Regen von Geschossen auf die Stadt. Angesichts dieser verheerenden Treffer und um die entstandenen Bl\u00f6\u00dfen zu sch\u00fctzen, entschlo\u00df ich mich, obwohl es einen gewagten \u00dcbergriff auf die zur Verf\u00fcgung stehenden Energien bedeutete, die Kampfringe auf das H\u00f6chste, auf f\u00fcnfzehnhundert Meter H\u00f6he, zu schleudern.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der Erfolg kam damit wieder auf unsere Seite. \u00dcber f\u00fcnfhundert Schiffe zerschellten in Atome. Die Asinesen stoben nach allen Richtungen auseinander und bem\u00fchten sich sp\u00e4ter in aussichtslosem Kleinkampf um die Peripheriebatterien. Das Gros, das wir mit allen Mitteln ausgiebigst beschossen, konzentrierte sich s\u00fcdwestlich der Stadt zu neuen Angriffen. Man konnte eine gewisse M\u00fcdigkeit bei dem Feinde, der in kurzer Zeit weit \u00fcber tausend Schiffe eingeb\u00fc\u00dft hatte, gut erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Aber auch bei uns sah es stellenweise schlimm genug aus. Ich hatte die Kampfringe wieder zur\u00fcckziehen lassen und hoffte auf eine l\u00e4ngere Gefechtspause, die uns zur Reparatur der entstandenen Sch\u00e4den n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, als mich ein j\u00e4her Aufschrei Adot Mercures erschreckt aufw\u00e4rts starren lie\u00df. Zu sp\u00e4t gewahrten wir sieben bisher unsichtbar gewesene F\u00fchrerboote, die, sich gleichzeitig erhellend, in wuchtigem Drang nach unten stie\u00dfen und genau \u00fcber der vorher entstandenen Bl\u00f6\u00dfe hielten. Dicht \u00fcber der Stadt liegend, warfen sie Salve auf Salve in die offene Wunde. Schlag auf Schlag folgten nun gr\u00e4\u00dfliche Explosionen, die jedesmal mindestens einen Bezirk, ein Kraftwerk und vierzig- bis sechzigtausend Menschen das Leben kosteten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Eine f\u00fcnfzig Meter tiefe Zentralstation wurde mit einem einzigen Gescho\u00df zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Lautabwehr versagte. Machtlos standen wir den rasch folgenden Geschehnissen gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Grauenvolle Meldungen kamen aus allen Bezirken.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Immer st\u00e4rker quellender Rauch verriet deutlich die wenigen noch funktionierenden Luftwirbel und Leeren, unter die der jetzt von allen Seiten andringende Feind unaufhaltsam Salve auf Salve verlegte. Man sah nichts mehr als Flammen und Rauch, himmelhohe Explosionen und dazwischen die hin und her sausenden funkelnden Glasschiffe, die feuernd und immer wieder feuernd Bezirk um Bezirk vernichteten. Die Kampfringe zerfielen und schlugen teilweise sogar in unsere eigenen Leute ein, die dabei umkamen, Aber auch mehrere gerieten in Brand. Der Feind, die Gefahr erkennend, stieg wieder h\u00f6her.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wilde Panik w\u00fchlte in der Stadt, B\u00fcrger und Frauen Offiziere und Mannschaften flohen nach den Ultogiganten. Es schien ihnen besser, sich hoffnungslos irgendwo ins All hinauszuschleudern, als so elend umzukommen. Die Turmbemannung, mein ganzer Stab, fl\u00fcchtete, bis auf meine Genieingenieure. Niemand von ihnen konnte hoffen, nach der Oststadt zu kommen. Zu Tausenden zuckten sie unter der in den Stra\u00dfen kreisenden losen Energie zu Boden. Zu Tausenden, im irrsten, phantastischsten Totentanz, den man in der Welt je gesehen, tanzten, wirbelten, zappelten, lachten, br\u00fcllten und heulten sie unter dem Anhieb der scheu\u00dflichen Erd\u00e4tzgase und platzten, best\u00e4ubt von schnellfressenden scharfen Giften.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Ganz Centrocitta war ein einziger, berstender Aufschrei! An den Zug\u00e4ngen zu den Verkehrsschleudern watete man fu\u00dfhoch in Blut. Gemordet, gestohlen und geraubt wurde f\u00fcr nichts! Denn die sich gerettet w\u00e4hnten, schleuderten sich sicher in die n\u00e4chste Explosion eines andern Bezirks hinein. Es gab keine T\u00e4uschung mehr. Wir waren verloren!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Der Feind hatte die Beschie\u00dfung aufgegeben. Lautlos lag er schimmernd und glei\u00dfend \u00fcber dem Rauchmeer der sterbenden Stadt. Er wu\u00dfte so gut wie wir, da\u00df Centrocitta vernichtet war. W\u00e4hrend die Asinesen sich abwartend verhielten, beriet ich mich mit meinen Ingenieuren. Eine Messung der umgebenden Atmosph\u00e4re ergab noch ungeheure Mengen loser Energien; es gelang uns davon \u00fcber vierzig Billionen Aektome um den Turm zu spannen. Nachdem dies geschehen war, schlossen wir die schweren Versenkschotten hinter uns ab und erwarteten gespannt das Schauspiel unseres Todes.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die stark gelichteten feindlichen Geschwader fuhren bis auf sieben F\u00fchrerschiffe wieder ostw\u00e4rts ab. In sch\u00f6nen Spiralen glitten diese nun auf die Stadt herab und sammelten sich wieder nahe bei unserem Turm.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wir betrachteten in Mu\u00dfe die hellen, durchsichtigen Glask\u00f6rper, die Besatzungen und die uns unverst\u00e4ndlich einfache Einrichtung der Boote. Die n\u00e4chstliegende Bemannung hatte inzwischen auch uns bemerkt und sah mit neugierigem Staunen her\u00fcber. Sie schienen sich zu wundern, da\u00df wir noch lebten. Da richtete einer der j\u00fcngeren M\u00f6nche das Aussto\u00dfrohr auf uns ein, schob gleichsam wie im Scherz freundlich l\u00e4chelnd eine Bombe hinein und lie\u00df die Abzugsvorrichtung laufen. Wir bemerkten den hellen, scharfen, rotgl\u00fchenden Absto\u00df, sahen, wie das Projektil etwa zwanzig Meter vor dem Turm an den hochgespannten Energien abglitt, sich \u00fcberschlug und auf die Stra\u00dfe st\u00fcrzte, wo eben, wie wir deutlichst durch die Bodenspiegel sehen konnten, eine vieltausendk\u00f6pfige Menge dabei war, den Turm zu st\u00fcrmen, wahrscheinlich um uns zu lynchen. Erstaunlich war es, wie pl\u00f6tzlich alles \u2013 Menschen und H\u00e4user \u2013 verschwanden, wie die Erde aufbrach und unter Flammenausbr\u00fcchen alles in sich hinunterschluckte, wieder ausspie und endlich verschlang, indes der Turm lange noch unter be\u00e4ngstigenden Schwingungen zitterte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Feinde waren erstaunt, da\u00df wir noch lebten und begeistert zu ihnen hin\u00fcberstarrten. In diesem Augenblick l\u00f6ste sich aus einer bisher im Hintergrund des Bootes ernst beratenden M\u00e4nnergruppe derselbe hohe, schlanke und scharfblickende Greis, den ich schon fr\u00fcher gesehen hatte, w\u00fcrdigte uns keines Blickes und schritt ernst der Bootsmitte zu. Mit einer leichten Armbewegung dirigierte er das Fahrzeug um eine Schiffsl\u00e4nge vor die andern. Die M\u00f6nche s\u00e4mtlicher Boote, die sich inzwischen in eigenartiger Weise um ihre F\u00fchrer gruppiert hatten, begannen schimmernde, rauchartige Worte zu beten, die gleich einem feinen, aber stark strahlenden Nebel das Boot erf\u00fcllten, das gleichzeitig leise zu zittern begann. Das Licht war blendend, \u00fcberirdisch strahlend. Nun f\u00fchrten sie die H\u00e4nde, die sie bisher lose \u00fcber der Brust gefaltet hatten, an die Schl\u00e4fen und sanken mit geneigtem Haupt in die Knie.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Nie in meinem Leben hatte ich Furcht empfunden, aber in der nun folgenden Zeitspanne, w\u00e4hrend der sich der hohe Greis dem Mundst\u00fcck des Megaphons n\u00e4herte, f\u00fchlte ich trotz meines Haiherzens Grauen. Ich ahnte Entsetzliches, sah mit Schrecken auf den Mund des M\u00f6nches, der seinen eigenen, fluchgeb\u00e4renden Namen zerst\u00f6rend in den Grund stie\u00df: \u201eY\u00ear Icho R\u00e2n!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wir schlugen besinnungslos zu Boden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Als wir nach vielen Stunden wieder erwachten, war von der Stadt nichts mehr zu sehen. Der Turm schien gewachsen. Steil und unbesch\u00e4digt erhob er sich aus meilenweiten Tr\u00fcmmern. Flammen, wei\u00dfkochende Laven brachen aus der Tiefe, in der da und dort noch die Tr\u00fcmmer einer Maschine oder eines Ultogiganten in Wei\u00dfglut vertropften. Man sah nichts mehr als brennende Erde, Ameropa, wie es in Glut, Gift und Gasen verging.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">15. Oktober nachmittags 3 Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Seit dem fr\u00fchen Morgen k\u00e4mpfen wir vergebens, um die Energien zu halten. Sie nehmen rasend ab. Flammen! \u00dcberall Flammen! Die ganze Welt ein Feuermeer.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Wir sitzen wie in einem Glasofen der H\u00f6lle und verbrauchen unseren ganzen Sauerstoff. Adot Mercure ruft mich wieder&nbsp;\u2026<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">4 Uhr 50 Minuten,<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Nun ist es aus!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Die Apparate reagieren nicht mehr, die Leitungsdr\u00e4hte sind zerfressen \u2026 Wir k\u00f6nnen nichts mehr tun. Nur noch warten&nbsp;\u2026<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Mein Turm aber h\u00e4lt stand. Mein herrlicher Turm!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Adot Mercure weint. Es sieht merkw\u00fcrdig aus \u2026 Hei\u00df ist es! Entsetzlich hei\u00df!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--40);padding-left:var(--wp--preset--spacing--40)\">Es wird \u2026 oh \u2026 die Gase&nbsp;\u2026<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2 Kommentare.) Vor elf Jahren fragte jemand bei lovelybooks.de: &#8222;Wer weiss etwas \u00fcber den Autor Otto Ehrhart und seinen Science fiction-Roman &#8218;Der gl\u00e4serne Turm&#8216; von 1927?&#8220; &#8211; und zwar auf der Seite des deutschen Science-Fiction-Autors Thomas R. P. Mielke, den ich von Perry Rhodan her kenne. Mielke selber ist vor vier Jahren gestorben. 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