{"id":6315,"date":"2015-02-05T08:06:42","date_gmt":"2015-02-05T07:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6315"},"modified":"2023-06-13T08:38:06","modified_gmt":"2023-06-13T06:38:06","slug":"lernerinnerungen-an-die-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2015\/02\/lernerinnerungen-an-die-schule.htm","title":{"rendered":"Lernerinnerungen an die Schule"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2015\/02\/lernerinnerungen-an-die-schule.htm#comments'>6 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><a href=\"http:\/\/bobblume.de\/2015\/01\/25\/blogparade-es-war-einmal-die-lernlust\/\">Bob Blume fragt,<\/a> wie &#8222;in der eigenen Schulzeit gutes Lernen, d.h. was an Projekten, Stunden und gemeinsamen Arbeiten in Erinnerung geblieben ist.&#8220;<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Erinnerungen an Schule habe ich sehr viele. Sch\u00f6ne Erinnerungen an Unterricht auch. Meine m\u00fcndliche Beteiligung war wohl ordentlich, obwohl ich das Gef\u00fchl hatte, mich nicht viel zu melden und eher passiv zu folgen. Das hei\u00dft wohl, dass ich lediglich mich f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse zur\u00fcckgehalten haben mag. Aber ich habe aufgepasst (auch wenn ich nebenbei gemalt oder gelesen habe, aber das hat dem keinen Abbruch getan) und ich habe meine Hausaufgaben gemacht &#8211; zwar immer wieder erst in der Stra\u00dfenbahn, oder kurz vorher von einem Mitsch\u00fcler abgeschrieben, aber auf jeden Fall habe ich in den Minuten vor jeder Stunde das Heft aufgeschlagen und geschaut, was wir gemacht haben. Erst in der Oberstufe habe ich sehr viel h\u00e4ufiger blau gemacht, als ich das von Sch\u00fclern heute akzeptieren w\u00fcrde. Aber damals war das auch unkompliziert, es gab keine strenge Anwesenheitskontrolle, kein l\u00e4stiges Nachfragen, man ging halt einfachs ins Caf\u00e9 und holte den Stoff irgendwie nach. Und in der Oberstufe strickte der halbe Kurs im Unterricht &#8211; bei den meisten Kollegen w\u00fcrde das heute zum Aufstand f\u00fchren.<\/p>\n<p>Mit dieser Methode musste ich zu Hause kaum etwas tun. Ich kann mich in der Unterstufe (oder garin der Grundschule?) an Matheaufgaben erinnern, \u00fcber denen ich lange r\u00e4tselte, weil ich nicht wusste, worauf sie hinauswollten, aber das gab es sp\u00e4ter nicht mehr. Auch f\u00fcrs Abitur musste ich kaum lernen &#8211; die schriftlichen Pr\u00fcfungsf\u00e4cher Deutsch, Englisch und Mathematik erforderten keine nennenswerte Vorbereitung, f\u00fcr Religion las ich interessiert die Sekund\u00e4rliteratur.<\/p>\n<p>Erst an der Uni musste ich pl\u00f6tzlich anfangen zu lernen. Und zwar einmal am Schluss, zum Staatsexamen (wo es zum ersten Mal unangenehm war, also Arbeit) und einmal am Anfang, bei den Grundlagen der englischen Sprachwissenschaft. Ich erinnere mich mit Vergn\u00fcgen daran, wie ich am Mittagstisch sitze, einzelne Laute forme und dazu &#8222;Plosiv&#8220;, &#8222;Affrikate&#8220;, &#8222;Frikativ&#8220; sage, und labio-dental und alveolar und stimmhaft und so weiter. Das war reines Auswendiglernen, und sehr befriedigend:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/uni_lernen2-550x193.jpg\" alt=\"uni_lernen2\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6318\" width=\"550\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/uni_lernen2.jpg 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/uni_lernen2-150x53.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/p>\n<p>Danach kriegten wir eine Liste von Begriffen, die wir zur Zwischenpr\u00fcfung kennen sollten, und die kannte ich dann auch bis zur Zwischenpr\u00fcfung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/uni_lernen1-550x272.jpg\" alt=\"uni_lernen1\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6317\" width=\"550\" height=\"272\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/uni_lernen1.jpg 550w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/uni_lernen1-150x74.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/p>\n<p>Das war ebenfalls reines Auswendiglernen und ebenfalls sehr befriedigend: Der Knackpunkt ist halt der, dass man beim Lernen von Begriffen wissen muss, ob man etwas verstanden hat oder nicht. Den Sch\u00fclern, die das selbst herausfinden k\u00f6nnen, kann man auch einfach ein Buch oder ein Internet vorsetzen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Schule. Ich fand das schon als Sch\u00fcler toll, dass ich da einfach hingehen konnte, Gelegenheit bekam, meine privaten Kontakte zu pflegen, und au\u00dferdem lief da ein Programm mit spannenden Informationen, das ich jederzeit anzapfen konnte, um mein Wissen zu erweitern. In den Gesellschaftswissenschaften nutzte ich das wenig, in den Sprachen und Naturwissenschaften und in Mathematik um so mehr. Man trifft Freunde, kann ein Buch unter der Bank lesen, <em>und<\/em> man erf\u00e4hrt alles \u00fcber Redoxreaktionen. Nat\u00fcrlich fand ich das klasse.<\/p>\n<p>Als anstrengend habe ich Schule nicht empfunden &#8211; wie anstrengend ist es schon, sich Hausaufgaben abzuschreiben, ein Heft sauber zu f\u00fchren und kurz hinein zu schauen? Aber ich hatte vor allem das Gl\u00fcck, dass ich gerne Englisch las (viele Comics, sp\u00e4ter Rollenspielzeug), dass ich eine Chemiekasten zu Hause hatte, dass ich schon fr\u00fch aus der Bibliothek B\u00fccher mit Denksportaufgaben und physikalischen Experimenten auslieh. Das hei\u00dft: Auch wenn meine Eltern nicht viel lasen und kein Abitur hatten, Bildung war wichtig und ich bekam viele Lerngelegenheiten auch zu Hause. Das macht viel aus.<\/p>\n<p>Stunden mit besonderer Lernlust&#8230; Kurvendiskussionen waren toll, aber nicht das Lernen, sondern einfach das Durchf\u00fchren. Stochastik ebenso. Ich kann mich an Gedicht\u00fcbersetzungen erinnern (Robert Frost, vom Englischen ins Deutsche), die machten Spa\u00df. In Physik habe ich irgendwann aufgegeben und mich mit 3ern und 4ern durchgemogelt, in Geschichte und Erdkunde ebenso. <a href=\"Hier habe ich mal weitere Erinnerungen aufgeschrieben.\">Hier habe ich mal weitere Erinnerungen aufgeschrieben.<\/a> Referate gab es sehr wenig.<\/p>\n<p>Ich kann mich nicht erinnern, die Unterrichtsinhalt je hinterfragt zu haben. &#8222;Warum m\u00fcssen wir das lernen?&#8220;, war keine Frage, die sich mir stellte &#8211; ich lernte es, weil es mich interessierte oder zu meinem Vorwissen passte, oder ich lernte es halt nicht. Ein Grundvertrauen war da, oder eine allgemeine Neugier, oder Desinteresse. Eine <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2012\/10\/resolute-schueler-und-schullektueren.htm\">Resolution gegen Werther als Schullekt\u00fcre (1968\/69)<\/a> h\u00e4tte es nicht gegeben. Aber auf die Frage &#8222;Brauchen wir das f\u00fcr die Klausur?&#8220; w\u00e4re ich auch nie gekommen.<\/p>\n<p>Was keinen Spa\u00df gemacht hat: Nachmittags zum Sport in eine abseits gelegene Schwimmhalle oder zu einem Sportplatz zu radeln. Bundesjugendspiele, als ich noch jung genug war, richtig mitzumachen. Einen Verweis wegegn Schw\u00e4tzens zu kriegen (als total ungerecht empfunden). Pausenbrote.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(6 Kommentare.) Bob Blume fragt, wie &#8222;in der eigenen Schulzeit gutes Lernen, d.h. was an Projekten, Stunden und gemeinsamen Arbeiten in Erinnerung geblieben ist.&#8220; Sch\u00f6ne Erinnerungen an Schule habe ich sehr viele. Sch\u00f6ne Erinnerungen an Unterricht auch. 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