{"id":6388,"date":"2015-03-16T07:26:56","date_gmt":"2015-03-16T06:26:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6388"},"modified":"2015-03-20T16:35:15","modified_gmt":"2015-03-20T15:35:15","slug":"kingsman-the-secret-service","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2015\/03\/kingsman-the-secret-service.htm","title":{"rendered":"Kingsman: The Secret Service"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2015\/03\/kingsman-the-secret-service.htm#comments'>9 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p><em>Kingsman: The Secret Service (2014),<\/em> Regie Matthew Vaughn, Drehbuch Jane Goldman und Matthew Vaughn nach dem Comic von Mark Millar und Dave Gibbons.<\/p>\n<p>Es gibt da diese Faustregel: Wenn die geheimlichen Organisationen im Film K\u00fcrzel haben, die aus drei Buchstaben bestehen (FBI, CIA, KGB), dann handelt es sich um einen Agententhriller. Wenn es mehr Buchstaben sind, dann ist es einen Agentenkom\u00f6die. <em>Men in Black<\/em> ist nur scheinbar eine Ausnahme, da zwar auf dem Kinoposter gro\u00df &#8222;MiB&#8220; steht, das im Film aber gar nicht gro\u00df auftaucht.<br \/>\nWir haben zum Beispiel U.N.C.L.E., und bei James Bond gibt es gleich zwei, SPECTRE und SMERSH. Marvel hat SHIELD, die Fernseherserie UFO hatte S.H.A.D.O. Und Maxwell Smart k\u00e4mpfte f\u00fcr CONTROL und gegen KAOS.<br \/>\nIch glaube, die vielen Buchstaben sind tats\u00e4chlich als Parodie auf die wenigen Buchstaben entstanden. (Dabei gab es das russische SMERSH wirklich.)<\/p>\n<p>Den Boom l\u00f6sten wohl die James-Bond-Filme aus. Bald nach ihnen gab es die Fernsehserien <em>The Man from U.N.C.L.E<\/em> und <em>Danger Man<\/em>, das wiederum <em>The Prisoner<\/em> zeugte. Dean Martin drehte 1966 <em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0060980\/\">Leise fl\u00fcstern die Pistolen<\/a><\/em>, das ich in fr\u00fcher Kindheit mal gesehen habe. Ich kann mich nur noch an sein automatisiertes Liebesnest erinnern. Nie gesehen habe ich <em>Get Smart<\/em> (deutsch: Mini-Max, das mit dem Telefon im Schuh), nur mal in die <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0081249\/?ref_=fn_al_tt_2\">Spielfilmversion von 1980<\/a> reingeschaut &#8211; nicht sehr gut: in <em>The Nude Bomb<\/em> entwickelt ein verr\u00fcckter Wissenschaftler eine Bombe, die Kleidung zerst\u00f6rt. Da lobe ich mir doch das Meisterst\u00fcck <em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0061452\/?ref_=fn_al_tt_2\">Casino Royale<\/a><\/em>, eine nominell auf einem James-Bond-Roman basierende Bond-Parodie von 1967. Dort entwickelt der Schurke des Films eine Biowaffe, die alle Frauen sch\u00f6n macht und alle M\u00e4nner \u00fcber 1.38m t\u00f6tet. Es spielen mit: Peter Sellers, Ursula Andess, David Niven, Orson Welles, Daliah Lavy, Woody Allen, Deborah Kerr, William Holden, Charles Boyer, John Huston, Jean-Paul Belmondo, Jacqueline Bisset. Und viele weitere. <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0061452\/trivia?tab=qt&amp;ref_=tt_trv_qu\">Die Reihe an Zitaten<\/a> vermittelt einen Eindruck von dem Film. Ob er mir heute noch gefallen w\u00fcrde? Immerhin: Herb Alpert &amp; the Tijuana Brass <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SSEmKXzpQMQ\">spielen das Titellied.<\/a><\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund habe ich <em>Kingsman: The Secret Service<\/em> gesehen.<\/p>\n<p><strong>Exkurs: Gewaltt\u00e4ige Kom\u00f6dien<\/strong><\/p>\n<p>1986 fuhr die Kollegstufe meines Gymnasiums auf Kursfahrt, entweder nach Rom oder Korsika. Aus Gr\u00fcnden, die ich heute nicht mehr ganz wei\u00df, hatte ich keine Lust, mitzufahren. Snobismus, wahrscheinlich. Also wurde ich in die 11. Jahrgangsstufe gesteckt, denn dem Unterricht fernbleiben durften wir nicht. Zusammen mit mir musste auch Markus in diese Klasse; auch Markus war nicht mit auf der Kursfahrt. Also sa\u00dfen wir einen Vormittag nebeneinander und unterhielten uns. (Der Unterricht um uns herum kam ohne uns aus, und wir waren wohl leise genug, dass wir nicht st\u00f6rten.) Und wir unterhielten uns ausf\u00fchrlich. Markus war der einzige Mensch damals, der wahrscheinlich noch mehr alte Filme kannte als ich, also so 1930er bis 1960er Jahre. Ihn interessierten vor allem die finanziellen Aspekte des Filmschaffens, das war eine neue Perspektive f\u00fcr mich. Es war erleichternd, jemanden zu treffen (au\u00dfer meinem Zwillingsbruder), der etwas anfangen konnte mit <em>screwball comedy<\/em> und <em>film noir<\/em>, der <em>Hellzapoppin&#8216;<\/em> kannte die verschiedenen Verfilmungen von <em>His Girl Friday<\/em>, und mit dem man diskutieren konnte, welche Jerry-Lewis-Filme ertr\u00e4glicher waren als die anderen. So kamen wir auch <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0061401\/?ref_=fn_al_tt_1\">Ein Froschmann an der Angel<\/a>, ein nicht weiter erw\u00e4hnenswerter Jerry-Lewis-Film, anhand dessen mir Markus seine Theorie erkl\u00e4rte: eine gute Kom\u00f6die (vielleicht: jenseits der schwarzen Kom\u00f6die) kommt eigentlich ohne Tote aus. Mit Markus habe ich sp\u00e4ter noch viel erlebt.<\/p>\n<p><strong>Noch jemand da? Jetzt komme ich endlich zum Film, wenn auch eher vage und spoilerfrei<\/strong><\/p>\n<p><em>Kingsman<\/em> kommt dezidiert nicht ohne Tote aus. Auf seine Art spielt er im selben Grenzbereich zwischen Gewalt und Kom\u00f6die wie <em>Pulp Fiction<\/em>. Au\u00dferdem ist er eine Agentenkom\u00f6die, oder Actionkom\u00f6die. Wir haben Geheimorganisationen, verr\u00fcckte Pl\u00e4ne zur, hm, sagen wir: Weltherrschaft. Der Oberschurke hat eine Assistentin mit schr\u00e4gen Waffen (wie Jaws\/Bei\u00dfer oder Oddjob bei James Bond). Keine lustigen Fahrzeuge. Der skurille Oberschurke hat nat\u00fcrlich seine geheime Basis, in den Fels gehauen, und dieses Bild vom roten Linoleumboden und den k\u00fcnstlich aussehenden Felsw\u00e4nden an den Seiten &#8211; das kenne ich aus Raumschiff Enterprise, und James-Bond-Filmen, und selbst ein Korridor in <em>Krieg der Sterne<\/em> hat genau diesen dunkel-zinnoberroten Farbton.<\/p>\n<p><em>Kingsman<\/em> hat mir sehr gut gefallen. Diese <a href=\"http:\/\/schoener-denken.de\/blog\/kingsman\/\">weniger begeisterte Filmkritik<\/a> hat mich schon vorbereitet auf einen nicht ganz runden Film, ebenso <a href=\"http:\/\/www.blog.insidekino.de\/?p=2405\">diese insgesamt positive Kritik.<\/a> <em>Kingsman<\/em> ist der Film, der <em>Mit Schirm, Charme und Melone (1998)<\/em> eigentlich h\u00e4tte sein wollen und der daran gescheitert ist. (Die Organisation hie\u00df da BROLLY.) Colin <span style=\"text-decoration: line-through;\">Forth<\/span> Firth ist perfekt, Samuel Jackson k\u00f6stlich; Taron Egerton als jugendlicher Held ein wenig blass, und im Anzug verliert er f\u00fcr mich jegliche Individualit\u00e4t. H\u00e4tte auch ein nichtssagender de Caprio sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und das mit den Frauen, das kriegt der Film nicht hin. Letztlich sind sie doch hilflos, gerade mal Unterst\u00fctzung im Hintergrund brauchbar, und das auch nur, nachdem der Mann ihnen Mut zugesprochen hat. Muss doch gar nicht sein.<\/p>\n<p>Schl\u00fcsselszene f\u00fcr mich: Colin Forth versucht dem jungen Z\u00f6gling anhand bekannter Filme (<em>Nikita<\/em>) klar zu machen, in welcher Situation er sich befindet. Junger Z\u00f6gling kennt keinen einzigen davon. Passiert mir in der Schule st\u00e4ndig. (Ausgerechnet <em>My Fair Lady,<\/em> das kannte er. Meine Oberstufensch\u00fcler nicht, kam erst vor zwei Wochen darauf zu sprechen.)<\/p>\n<p>Lautes lang anhaltendes Gel\u00e4chter von Frau Rau und mir und, m\u00f6glicherweise, sonst niemandem im Kino: <em>Pomp and Circustance.<\/em> So unerwartet, schl\u00fcssig, anarchisch-befriedigend und metaphorisch ergiebig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(9 Kommentare.) Kingsman: The Secret Service (2014), Regie Matthew Vaughn, Drehbuch Jane Goldman und Matthew Vaughn nach dem Comic von Mark Millar und Dave Gibbons. 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