{"id":64147,"date":"2025-01-23T17:43:28","date_gmt":"2025-01-23T16:43:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=64147"},"modified":"2025-01-23T18:00:26","modified_gmt":"2025-01-23T17:00:26","slug":"kw-04-vom-vergnuegen-der-literaturrecherche-und-commonplace-books","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2025\/01\/kw-04-vom-vergnuegen-der-literaturrecherche-und-commonplace-books.htm","title":{"rendered":"KW 04: Vom Vergn\u00fcgen der Literaturrecherche, und Commonplace Books"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Exkursion<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Woche war ich in der Gedenkst\u00e4te KZ Dachau als Begleiter der Geschichtsexkursion. An sich bin ich ja in einem Alter und in einer Position, wo man nicht mehr so viel auf Exkursionen f\u00e4hrt (und ich tu&#8217;s eh nicht gern, lange Geschichte), aber ich war noch nie mit einer Klasse in Dachau, nur privat. Alles stabil. &#8211; Dem organisierenden Historiker und Altphilologen habe ich gleich eine Rechercheaufgabe gegeben, der sie aber gleich elegant an den residierenden Graecisten weitergereicht hat. Vielleicht kriege ich ja eine Antwort auf eine alte Frage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wissenschaftswoche, Schatten voraus<\/h2>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem begannen diese Woche die sp\u00fcrbaren Vorbereitungen der Wissenschaftswoche. Die wird an meiner Schule relativ ausf\u00fchrlich durchgef\u00fchrt. Dabei m\u00fcssen, Idee des Kultusministeriums, die 11. Klassen eine Woche an einem wissenschaftlichen Projekt arbeiten, in Kleingruppen, also ohne sonstigen Unterricht. die Ergebnisse werden in irgendeiner Form pr\u00e4sentiert. Das ist so eine Art Vorstufe zum W-Seminar in den Folgejahren, was sich die rezente Auspr\u00e4gung der Facharbeit ist. Hei\u00dft f\u00fcr mich konkret: ich betreue Sch\u00fcle rund Sch\u00fclerinnen in der Vorbereitungen, wobei der erste Schritt ist, dass sie sich einen Zugang zur Stabi, der Bayerischen Staatsbibliothek, geben lassen. Das bereitet mir Vergn\u00fcgen, ich nutzte meinen eigenen Ausweis ja viel und liebe es, Sachen hinterherzurecherchieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Noch mehr von der Kuh Elsa<\/h2>\n\n\n\n<p>Eigene Recherchen just dieser Woche: <a href=\"http:\/\/www.thelatinlibrary.com\/alfonsi.disciplina.html\">Eine mittellateinische Vorl\u00e4uferform<\/a> (XXVII, dort insbesondere die zweite H\u00e4lfte) von &#8222;Die Kuh Elsa ist tot&#8220; <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/07\/geschichten-parallelen.htm\">(Blogeintrag dazu<\/a>) aufgetrieben und dem 12er-Kurs pr\u00e4sentiert, Stichpunkt Motivgeschichte. Nat\u00fcrlich ohne deutsche \u00dcbersetzung, auch wenn ich zu der \u00fcber Mastodon gekommen war (und dort \u00fcber eine KI; Google Translate und DeepL bieten kein Latein an, weder klassisch noch mittel-). So viel Latein wird eine Oberstufe doch noch zusammenbringen. Eine arabische Vorlage dazu habe ich auch gefunden, die dann aber doch in deutscher \u00dcbersetzung. Echte Recherche ist das nat\u00fcrlich nicht, weil die Quellen ja etwa in der <em>Enzyklop\u00e4die M\u00e4rchens,<\/em> Band 6 angegeben sind, aber die Texte dann auch wirklich lesen zu k\u00f6nnen, das ist sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Commonplace Books 1: Bester<\/h2>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem las ich auf Mastodon dieser Tage viel \u00fcber Cargo-Kulte, und warum sie als Metapher gar nicht so geeignet sind. Das machte mich erinnern und ich fragte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Bl\u00f6des Ged\u00e4chtnis! Ich habe mal eine Sammlung von Science-Fiction- oder vielleicht auch phantastischen Geschichten gelesen (Sprague de Camp, Asimov, Pohl? eher nicht Bradbury; Sheckley selber \u00fcberpr\u00fcft, war&#8217;s nicht), auf deren letzter Seite der Autor zur Frage &#8222;Wo kriegen Sie Ihre Ideen her?&#8220; freundlich Stellung nimmt und dem Publikum sogar eine unbenutzte Idee schenkt. Die Idee, aber jetzt wird die Erinnerung noch vager, war eine Mischung von Cargo Cult und Picknick am Wegesrand. Wei\u00df wer was?<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich f\u00fchrte mich eine falsche Spur auf eine richtige Quelle, und meine Erinnerung hatte nicht ganz gestimmt. In einem Nachwort zur Anthologie Robert P. Mills, <em>The Worlds of Science Fiction<\/em> (1963) schreibt tats\u00e4chlich Alfred Bester zum Thema, wo Ideen herkommen, und dass Ideen gar nicht so wichtig sind wie das Umsetzen. Die dem Lesepublikum geschenkte Idee taucht da aber nicht auf, das steht sicher anderswo. (King? Ich krieg&#8217;s noch heraus, irgendwann mal.) Bester nennt etliche seiner Ideen, darunter auch diese, an die ich mich vage erinnerte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>[W]hen the first telegraph lines were run across Australia, it became a problem how to keep the natives, who where still living in the Stone Age, from stealing the insulators to chip into knives. This was solved by dumping a load of broken glass and crockery at the foot of each pole so that the native could get his raw material without having to climb for it. Translate into science fiction.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das ganze \u00fcbersetzt in Science-Fiction-Form, ist das nicht fast <em>Picknick am Wegesrand<\/em> von Arkadi und Boris Strugazki, dann verfilmt als <em>Stalker?<\/em> Da geht es um au\u00dferirdische Artefakte, die vielleicht nur der zur\u00fcckgelassene M\u00fcll sind, der die Menschen befremdet und gef\u00e4hrdet und fasziniert, so wie Essensreste f\u00fcr Ameisen nach einem Picknick am Wegesrand. &#8211; Aber klar, unverstandene au\u00dferidische Artefakte gibt es viele, bei Arthur C. Clarke vor allem. Aber ich <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2022\/08\/picknick-am-wegesrandstalker-und-leigh-brackett-frage.htm\">obsessiere halt nun mal \u00fcber die Herkunft des Plots des Strugazki-Romans<\/a>, der \u00fcbrigens aus dem Jahr 1971 ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die anderen Ideen von Bester sind interessant.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Commonplace Books 2: HPL<\/h2>\n\n\n\n<p>Bekannt ist auch das <em>Commonplace Book<\/em> von H. P. Lovecraft, in dem er seine Ideen festhielt. Manche wurden in Geschichten umgesetzt, andere nicht, einige nahm sich August Derleth vor und schrieb daraus seine ber\u00fcchtigten <em>posthumous collaborations.<\/em> <a href=\"https:\/\/lovecraft.fandom.com\/wiki\/Commonplace_Book\">Hier online<\/a>, und <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/H-P-Lovecraft-Commonplace-Book-Transcribed-by-R-H-Barlow\/03%20The%20Notes%20%26%20Commonplace%20Book%20employed%20by%20%20H.%20P.%20Lovecraft.jpg\">bei archive.org als Faksimile<\/a> (es ist kompliziert).<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem hier wurde \u00fcbrigens Call of Cthulhu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Man visits museum of antiquities\u2014asks that it accept a bas-relief he has just made\u2014old and learned curator laughs and says he cannot accept anything so modern. Man says that<br>&#8218;dreams are older than brooding Egypt or the contemplative Sphinx or garden-girdled Babylonia&#8216;<br>and that he had fashioned the sculpture in his dreams. Curator bids him shew his product, and when he does so curator shews horror. Asks who the man may be. He tells modern name. &#8222;No\u2014before that&#8220; says curator. Man does not remember except in dreams. Then curator offers high price, but man fears he means to destroy sculpture. Asks fabulous price\u2014curator will consult directors.<br>Add good development and describe nature of bas-relief.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Commonplace Books 3: Chandler<\/h2>\n\n\n\n<p>Zugegeben, von Raymond Chandler kenne ich kein Ideensammelbuch, aber er hat eine kleine Sammlung von Titeln hinterlassen, sicher nicht alle f\u00fcr den tats\u00e4chlichen Gebrauch gedacht, sondern aus Freude an Titeln. Einer davon hat mich als sp\u00e4ten Teenager nicht losgelassen, auf Deutsch bin ich ihm als &#8222;Bleib bei mir, w\u00e4hrend ich tr\u00e4ume&#8220; begegnet, und in meinem ersten Verst\u00e4ndnis ging es darum, dass der Mann (nat\u00fcrlich ein Mann) tr\u00e4umt und sich (von wem?) w\u00fcnscht, dass die Frau (nat\u00fcrlich) in seinen Tr\u00e4umen bei ihm ist. Das englische Original, &#8222;Sit with me while I dream&#8220;, sp\u00e4ter gefunden, ist dagegen langweilig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Commonplace Books 4: Meines<\/h2>\n\n\n\n<p>Das liegt hier herum, seit drei\u00dfig Jahren nicht benutzt, aber irgendwann mache ich noch mal etwas mit den Ideen, die ich darin vermute.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"471\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/commonplace_book.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-64153\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/commonplace_book.jpg 400w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/commonplace_book-255x300.jpg 255w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/commonplace_book-127x150.jpg 127w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Is travelling the way Wordsworth did still possible?<\/li>\n\n\n\n<li>Kann man Mitglied sein [in einem Club], ohne da\u00df es <em>irgend<\/em> jemand wei\u00df?<\/li>\n\n\n\n<li>japanischer Brauch: kurz vor Auto \u00fcber Stra\u00dfe laufen -&gt; b\u00f6se Geister hinter einem werden get\u00f6tet<\/li>\n\n\n\n<li>Stadt als Weihnachtsbaum: Osterhasen s\u00e4gen bereits daran<\/li>\n\n\n\n<li>Buchh\u00e4ndler steht nie auf, schreibt ein Rezept aus, das Vorraum eingel\u00f6st wird<\/li>\n\n\n\n<li>Langhaariger, niedriger kleiner Hund: sah nach nichts so aus wie nach einer riesigen Raupe.<\/li>\n\n\n\n<li>Schaufelbagger (vor allem wenn&#8217;s mehrere sind) wie Saurier auf Futtersuche (nicht gelb-rostig, sondern rot und wei\u00df, mit langen, schlanken H\u00e4lsen) am Wasserloch\/Kiesgrube [<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZCsvDZwApfk\">Jahre sp\u00e4ter machte MAN einen lustigen kleinen Film dazu,<\/a> aber ich hatte die Idee selber, wenn sicher auch nicht als einziger, beim Betrachten einer Baustelle]<\/li>\n\n\n\n<li>jousting with lances of light: two motor-cars meeting at night<\/li>\n\n\n\n<li>Die Stille nach dem Klick des Kassettenrekorders.<\/li>\n\n\n\n<li>Pizza als achtspeichiges mystisches Rad (Buddhismus)<\/li>\n\n\n\n<li>bin nicht so sehr an Schriftgestelltem interessiert<\/li>\n\n\n\n<li>Burning the midnight oil &#8211; drinking the midnight coffee, listening to the midnight music, talking the midnight talk<\/li>\n\n\n\n<li>Kegelnder Philosoph. Er\u00f6rtern Sie.<\/li>\n\n\n\n<li>Regenkassette (mit Tesa gesichert IN CASE OF EMERGENCY)<\/li>\n\n\n\n<li>nostalgia for the present<\/li>\n\n\n\n<li>B\u00fccher &#8211; in Bibliothek &#8211; bewegen sich thermodynamisch-thematisch<\/li>\n\n\n\n<li>Aufschreiben hilft. Was aufgeschrieben ist kann schon nicht mehr wahr sein.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich glaube, das k\u00f6nnte das Ende einer wundervollen Freundschaft werden<\/li>\n\n\n\n<li>die Versetzten vor dem Theater (Teams im Schulsport, Reise nach Jerusalem) beobachten sich gegenseitig [daraus wurde mal eine <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/05\/erzaehlen-mit-perspektive-die-schulaufgabe.htm\">Schulaufgabe mit Perspektivenwechsel<\/a>, schau an, das wusste ich damals noch, jetzt aber nicht mehr]<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und vieles weitere mehr, deutlich von juveniler Natur, sagen wir mal so. Ich habe vieles nur \u00fcberflogen, Peinliches w\u00e4hnend.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exkursion Diese Woche war ich in der Gedenkst\u00e4te KZ Dachau als Begleiter der Geschichtsexkursion. An sich bin ich ja in einem Alter und in einer Position, wo man nicht mehr so viel auf Exkursionen f\u00e4hrt (und ich tu&#8217;s eh nicht gern, lange Geschichte), aber ich war noch nie mit einer Klasse in Dachau, nur privat. 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