{"id":64352,"date":"2025-02-21T06:12:14","date_gmt":"2025-02-21T05:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=64352"},"modified":"2025-02-23T12:49:37","modified_gmt":"2025-02-23T11:49:37","slug":"die-binaere-sprache-von-wasserdampfevaporatoren-perry-rhodan-118","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2025\/02\/die-binaere-sprache-von-wasserdampfevaporatoren-perry-rhodan-118.htm","title":{"rendered":"Die bin\u00e4re Sprache von Wasserdampfevaporatoren (Perry Rhodan 118)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2025\/02\/die-binaere-sprache-von-wasserdampfevaporatoren-perry-rhodan-118.htm#comments'>10 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Beim Lesen von Perry Rhodan Heft 118, &#8222;Der Roboter-Sergeant&#8220; (Dezember 1963), digital, sto\u00dfe ich auf eine Stelle, die ich interessant finde. Die handelnde Figur zur Zeit ist Meech, der Roboter des Hefttitels. Meech ist mehr oder weniger humanoid und genauso intelligent und autonom wie jede andere Hauptfigur. Es gibt n\u00e4mlich, Fu\u00dfnote, im gleichen Band auch andere Roboter, die alle als stupide und keineswegs auch nur ann\u00e4hernd menschlich geschildert werden, und zwar prinzipiell, weil Roboter nun einmal so sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Meech versucht, unbemerkt in eine technisch gesch\u00fctzte Station des Gegners einzudringen. Dabei tastet er die Wand ab nach einer Druckplatte, die ein Luk \u00f6ffnet, und weil er ein Roboter ist, h\u00f6rt er die elektronische Kommunikation des Computers mit, der die Wand \u00fcberwacht. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Er hatte das k\u00fchle Plastikmetall kaum ber\u00fchrt, als er die rasche Folge der Impulse sp\u00fcrte.<br>Es waren fremde Zeichen. Aber Meech verstand sie. Sein Programm umfa\u00dfte eine Reihe von Sprachen &#8211; Robotersprachen. Er h\u00f6rte:<br><em>1F(T) 990, 991, 200<br>990 CALLSUP<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nach kurzem Stutzen denke ich mir: Cool. Die Sprache, die Befehle, die Anweisungen, die Meech h\u00f6rt oder wahrnimmt, das sieht doch aus wie Programmcode! Das <em>1F<\/em> vorne ist sicher ein Scanfehler bei dem ansonsten ausgezeichnet redigierten Text, an dem sich manche seri\u00f6sere Verlage ein Vorbild nehmen k\u00f6nnten. Gl\u00fccklicherweise hat man, ahem, das Heft auch in Papierform in einem leicht zug\u00e4nglichen Karton und kann das \u00fcberpr\u00fcfen: da steht, in einem tats\u00e4chlich etwas wenig eindeutigen Font, eindeutig <em>IF<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>(Diese sch\u00f6ne Leistung wird nur m\u00e4\u00dfig geschm\u00e4lert dadurch, dass auf der folgenden Seite der Code wiederholt wird, diesmal mit dem korrekten <em>IF.<\/em> Aber da hatte ich nat\u00fcrlich schon das Original gez\u00fcckt gehabt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben hier einen Fall, in dem Computer beziehungsweise Roboter miteinander kommunizieren und diese Kommunikation in einer Programmiersprache ausgedr\u00fcckt wird, eben anhand von:<\/p>\n\n\n\n<p><em>IF(T) 990, 991, 200<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ablauf wird danach im Text erkl\u00e4rt: Abh\u00e4ngig von der Bedingung <em>T<\/em> wird Zeile 990 ausgef\u00fchrt, oder Zeile 991 oder Zeile 200. Mit einem dreiwertigen IF bin ich nicht vertraut und vermute einen Fehler; das wird sich nach etwas Recherche allerdings kl\u00e4ren; es ist tats\u00e4chlich v\u00f6llig korrekt so.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben sogar so etwas wie Interrupts. Denn w\u00e4hrend das gegnerische Computersystem kurz davor steht, die Zeile 990 auszuf\u00fchren, was einen Alarm ausl\u00f6sen w\u00fcrde:<\/p>\n\n\n\n<p><em>990 CALLSUP<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(call support? superior? supervisor?), schickt der Robot-Sergeant Meech ein <em>EXEM<\/em> an das System, einen Auftrag zur Ausnahmebehandlung (vielleicht f\u00fcr &#8222;exemption&#8220;?), und sorgt daf\u00fcr, dass das Programm wieder von vorne beginnt und das Ausf\u00fchren von Zeile 990 verhindert wird, so dass stattdessen Zeile 991 ausgef\u00fchrt wird:<\/p>\n\n\n\n<p><em>991 KEEP ALERT<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>eine Anweisung, weiter auf Eindringlinge zu achten. Durch Versuch und Irrtum und viele <em>EXEMs<\/em> findet Meech letztlich die gesuchte versteckte Platte, wodurch Zeile 200 ausgef\u00fchrt wird<\/p>\n\n\n\n<p><em>200 OPEN<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>und sich tats\u00e4chlich das Luk \u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das &#8222;if&#8220; mit den Klammern dahinter und die Zeilennummern deuten auf eine Hochsprache hin. Ich finde das f\u00fcr Dezember 1963 ziemlich fr\u00fch, sonst ist mir Code nur in <em>Das Foucaultsche Pendel<\/em> (1988, <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/01\/gedanken-beim-wiederlesen-von-umberto-eco-das-foucaultsche-pendel.htm\">Blogeintrag dazu<\/a>) aufgefallen. Die mit Zeilennummern arbeitende Programmiersprache BASIC stammt aus dem Jahr 1964, ist also j\u00fcnger als das Perry-Rhodan-Heft; aus dem gleichen Jahr stammt laut Wikipedia TELCOMP, ebenfalls mit Zeilennummern. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber Kurt Mahr scheint wohl auf FORTRAN (1956) gesto\u00dfen zu sein und das in sein Perry-Rhodan-Heft eingebaut zu haben. Mahr war Diplom-Physiker und arbeitete zur Zeit dieser Perry-Rhodan-Romane, sagt Wikipedia, in den USA. In FORTRAN (heute: Fortran) gibt es optional Zeilennummern beziehungsweise Labels, und es gibt auch ein arithmethisches IF mit drei Optionen:<code> IF(&lt;wert&gt;) a,b,c<\/code> springt zu Zeile a f\u00fcr negative Werte, zu Zeile b f\u00fcr den Wert 0 und zu Zeile c f\u00fcr positive Werte. <\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten gibt es in der Welt von Perry Rhodan zwar viele Computer, die dort, einer SF-Tradition folgend, Positroniken hei\u00dfen, aber was es \u00fcberhaupt nicht gibt, sind miteinander verbundene Computer oder \u00fcberhaupt elektronische Kommunikation. Funk, Funk gibt es nat\u00fcrlich, und Videoschaltungen, aber das geh\u00f6rt nicht in den Aufgabenbereich von Rechenmaschinen. Die Rechner rechnen, aber Ein- und Ausgabe l\u00e4uft noch \u00fcber gestanzte Plastikk\u00e4rtchen, wenn von einem Rechner etwas zum anderen transportiert werden soll, selbst an Bord des gleichen Raumschiffs, geht das nur \u00fcber K\u00e4rtchen oder Papierausdrucke. Das kommt mir heute so v\u00f6llig antiquiert vor, aber so funktionierten die Computer meiner Kindheit und Jugend eigentlich alle. Immerhin, wir hatten Disketten, dann.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(10 Kommentare.) Beim Lesen von Perry Rhodan Heft 118, &#8222;Der Roboter-Sergeant&#8220; (Dezember 1963), digital, sto\u00dfe ich auf eine Stelle, die ich interessant finde. Die handelnde Figur zur Zeit ist Meech, der Roboter des Hefttitels. Meech ist mehr oder weniger humanoid und genauso intelligent und autonom wie jede andere Hauptfigur. 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