{"id":6451,"date":"2015-05-04T18:44:22","date_gmt":"2015-05-04T16:44:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=6451"},"modified":"2023-06-13T08:24:27","modified_gmt":"2023-06-13T06:24:27","slug":"mehr-praxis-an-der-universitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2015\/05\/mehr-praxis-an-der-universitaet.htm","title":{"rendered":"Mehr Praxis an der Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2015\/05\/mehr-praxis-an-der-universitaet.htm#comments'>12 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Aus einem Anlass heraus habe ich letzte Woche meien Studierenden &#8211; keine repr\u00e4sentative Auswahl, und auch nur 15 Leute oder so &#8211; gefragt, was man den an ihrem Studiengang, Lehramt Informatik, verbessern k\u00f6nnte. Neben einigen anderen Punkten w\u00fcnschten sich viele vor allem mehr Praxisorientierung: Besser organisierte Praktika, mehr Praxisbezug in den Veranstaltungen, bei der Leistungsbewertung mehr Gewichtung von Kompetenzen, die sp\u00e4ter in der Praxis n\u00fctzlich sind. Es hat diesmal keiner direkt gesagt &#8222;Warum m\u00fcssen wir etwas lernen, das wir in der Schule dann nicht brauchen,&#8220; aber das hing schon ein bisschen in der Luft.<\/p>\n<p>Legitime W\u00fcnsche. Mir ging es als Student allerdings ganz anders. Ich wollte die Fachwissenschaft studieren, keine Ausbildung als Lehrer erhalten, sondern Anglistik und Germanistik, und das so vollwertig wie m\u00f6glich. Danach sollte die zweite Phase der Ausbildung kommen, das Referendariat, und da w\u00fcrde genug Zeit f\u00fcr die Praxis sein.<\/p>\n<p>Dementsprechend habe ich, ehrlich gesagt, das erziehungswissenschaftliche Studium (Psychologie, P\u00e4dagogik) nicht sehr ernst genommen, und die Didaktik-Veranstaltungen auch nur so mittel. Will hei\u00dfen: Ich habe etliche fachwissenschaftliche \u00dcbungen und Seminare freiwillig besucht, ohne einen Schein zu brauchen oder zu kriegen, aber in Didaktik und EWS nur die Pflicht gemacht. Und das hat mir auch v\u00f6llig gereicht.<\/p>\n<p>Meine Unterlagen zu diesen F\u00e4chern sind fort. Schade, aber ich habe halt nicht genug Platz f\u00fcr alles, ist schon in Ordnung. An was ich mich noch erinnere:<\/p>\n<p><strong>P\u00e4dagogik:<\/strong> Nichts. Vielleicht habe ich das erworbene Wissen verinnerlicht, vielleicht hat es auch nichts Bleibendes hinterlassen: Ich wei\u00df es nicht. Oder doch: War das das mit der Erfolgs- und Misserfolgsattribuierung? Das war n\u00fctzlich.<\/p>\n<p><strong>Psychologie:<\/strong> Die erste Vorlesung fing damit an zu erkl\u00e4ren, was Psychologie ist, und dass die nichts mit Freud zu tun hat. Lernpsychologie war interessant, und da ist auch viel da. Entwicklungspsychologie war auch interessant; das kam im Referendariat aber noch einmal dran. Verschiedene Theorien zu Entiwcklungsstufen waren interessant, und dass das mit der Schule oder dem Berufseintritt noch lange nicht abgeschlossen ist. Und Piaget wurde uns um die Ohren geschlagen, oder war das P\u00e4dagogik? Mit Piaget bin ich nie warm geworden, dessen Behauptungen, so wie sie bei mir ankamen, halte und hielt ich f\u00fcr nicht ausreichend begr\u00fcndet. Seine ber\u00fchmten Invarianzen haben m\u00f6glicherweise als Phasen der <em>sprachlichen<\/em> Entwicklung ihre Berechtigung, aber nicht als konzeptionelle Stufen. <\/p>\n<p><strong>Didaktik Deutsch:<\/strong> Ein Seminar zu Aufsatzkorrektur. Wie man das macht, warum ein &#8211; allerdings viel zu detaillierter &#8211; Kriterienkatalog sinnvoll ist, und dass letztlich alles auf den vorhergehenden Unterricht ankommt. Ohne dne zu kennen kann man auch keinen Aufsatz bewerten.<br \/>\nUnd dann gab es eine Vorlesung zu kreativem Schreiben. Die habe ich als nett in Erinnerungen, aber nachdem es Jahre dauern w\u00fcrde, bis ich die einsetzen konnte, habe ich mir nicht viel gemerkt.<br \/>\nUnd restringierter und elaborierter Code, war das auch Fachdidaktik Deutsch?<\/p>\n<p><strong>Didaktik Englisch:<\/strong> Da kann ich mich vor allem an die Geschichte der Schule in Deutschland erinnern, fr\u00fche Neuzeit, Bismarck, Aufstieg und Fall verschiedener Schularten &#8211; Realgymnasium und Oberrealschule &#8211; und die Reformp\u00e4dagogik. Dazu dann noch die Geschichte des Fremdsprachenunterrichts. Das war alles auch nicht unmittelbar praxisnah, aber f\u00fcr mich lohnenswert, weil es mir einen \u00dcberblick gegeben hat \u00fcber das, was alles schon versucht worden ist und wie es ausgegangen ist. Wenn Geschichte und Literaturgeschichte wichtig sind, dann auch die Geschichte der Fachdidaktik und des Schulwesens, und sei es nur, um das Kompetenzged\u00f6ns richtig einordnen zu k\u00f6nnen. Das steht auch heute noch in der Lehramtspr\u00fcfungsordnung bei den Inhalten des fachdidaktischen Studiums, wird aber in Informatik wenig gemacht &#8211; gut, da ist die Geschichte nicht so alt, aber wichtige Phasen gibt es schon. Die Schulinformatik, die die heutigen Entscheidungstr\u00e4ger fr\u00fcher vielleicht erlebt haben, ist eine ganz andere als die Schulinformatik heute. <\/p>\n<p>Und in Fachdidaktik Englisch wurde mir auch der Unterschied zwischen Didaktik und Methodik beigebracht, auf eine Weise, die ich in einem modernen Didaktikbuch als zu vereinfachend bezeichnet gesehen habe. Und doch: Methodik ist die Frage, <em>wie<\/em> man etwas beibringt, Didaktik dar\u00fcber hinaus die Frage, <em>was<\/em> man beibringt und warum. <small>(Ich wei\u00df schon, ich wei\u00df schon. Man kann nichts beibringen, nichts lehren, sondern nur unterst\u00fctzen beim Lernen. Und Wei\u00df ist keine Farbe, Wale sind keine Fische, Spinnen keine Insekten.)<\/small> An dieser Seite der Didaktik sind nicht alle Kollegen interessiert.<\/p>\n<p>Im Referendariat hatte ich dann einen sehr guten und einen brauchbaren Seminarlehrer, und auch der Crashkurs P\u00e4dagogik-Psychologie-Schulrecht-Staatskunde war in Ordnung, vielleicht eher wegen des Materials der Lehrerakademie Dillingen dazu als wegen der Dozenten. Wegen mir brauchte es keine weitere Verschr\u00e4nkung zwischen erster Phase der Lehrerbildung (fachwissenschaftlich, an der Uni) und der zweiten (Referendariat). In England ist es traditionell auch so, dass man erst regul\u00e4r eine Fachwissenschaft studiert, und danach noch eine Lehrerausbildung draufsetzt. In anderen Bundesl\u00e4ndern gibt es P\u00e4dagogische Hochschulen, an denen die Lehramtsstudenten unter sich bleiben und keinen Kontakt zu Diplon-Bachelor-Magister-Studierenden haben. Das w\u00e4re f\u00fcr mich gar nichts gewesen. Immerhin hat man so wenigstens noch eine letzte Chance, Leute kennenzulernen, die keine Lehrer sind, Frau Rau etwa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(12 Kommentare.) Aus einem Anlass heraus habe ich letzte Woche meien Studierenden &#8211; keine repr\u00e4sentative Auswahl, und auch nur 15 Leute oder so &#8211; gefragt, was man den an ihrem Studiengang, Lehramt Informatik, verbessern k\u00f6nnte. 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