{"id":64981,"date":"2025-06-06T11:29:40","date_gmt":"2025-06-06T09:29:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=64981"},"modified":"2025-06-07T10:05:10","modified_gmt":"2025-06-07T08:05:10","slug":"bullshit-detektor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2025\/06\/bullshit-detektor.htm","title":{"rendered":"Bullshit-Detektor"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2025\/06\/bullshit-detektor.htm#comments'>8 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Ich will kein neues Fach einf\u00fchren, aber ich glaube, meine Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen m\u00fcssen lernen, einen Detektor f\u00fcr Unsinn zu entwickeln. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Unsinn-Detektor macht einen, auch ohne gr\u00f6\u00dfere Sachkenntnis, auf die erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit von Unsinn aufmerksam. Das muss dann nicht immer Bullshit sein, es gibt ja auch beim Rauchmelder etwa Fehlalarme. Dennoch ist das ein n\u00fctzliches Werkzeug. Erfunden hat es, oder zumindest das Wort, Ernest Hemingway, wenn auch in etwas anderer Bedeutung:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>The most essential gift for a good writer is a built-in, shock-proof, shit detector. This is the writer&#8217;s radar and all great writers have had it.<\/p>\n<cite>Ernest Hemingway, interviewed by George Plimpton, <em>Paris Review<\/em> Issue 18 (Spring 1958); sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht in <em>Writers at Work, Second Series (1963)<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>(Also gut, es war <em>shit <\/em>und nicht <em>bullshit<\/em>, h\u00e4ufig auch zitiert als <em>crap<\/em>. Und er meinte es auch anders, denke ich. &#8222;Denke ich&#8220;, seufz. Also gut, ich besorge mir <em>Writers at Work, <\/em>zweite Serie, es ist S. 239 in meiner Ausgabe, am Ende des Interviews. Das Zitat steht in keinem sehr gro\u00dfen Zusammenhang, es ist eine absch\u00e4tzige Bemerkung zu dem Graham-Greene-Zitat, mit dem der Interviewer Hemingway konfrontierte. Jedenfalls geht es darum, was einen guten Schriftsteller ausmacht.)<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht zeigen wir unseren Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen zu wenig <em>bullshit,<\/em> und k\u00f6nnen ihnen dann auch nicht vormachen, wie man deutlich sagt: das ist Unfug. Jedenfalls ist mir diese Woche in zwei verschiedenen Klassen etwas empfohlen worden, bei dem man mein Bullshit-Detektor Alarmsignale gab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fall 1<\/h2>\n\n\n\n<p>In einer Klasse kam es zu einem Gespr\u00e4ch dar\u00fcber, warum man fiktionale Texte lesen sollte, oder was man \u00fcberhaupt lesen sollte, oder was man in der Schule lesen sollte. So \u00e4hnlich war das schon mal vor vierzehn Jahren, <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2011\/02\/von-kopf-und-herz-oder-warum-lesen-wir-nathan-in-der-schule.htm\">Blogeintrag<\/a>: &#8222;K\u00f6nnen wir nicht mal etwas Sinnvolles in der Schule lesen?&#8220; Damals lieh mir ein Sch\u00fcler <em>Vom Kopf ins Herz<\/em> aus, diesmal war es ein anderes Buch: <em>Leadership and the One Minute Manager: Increasing Effectiveness through Situational Leadership II<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist ein kurzer Ratgeber f\u00fcr Manager. Darin wird ein Modell f\u00fcr erfolgreiches F\u00fchren vorgestellt, <em>Situational Leadership II,<\/em> deutsch <em>Situatives F\u00fchren<\/em> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Situatives_F%C3%BChren\">Wikipedia<\/a>), in der Ursprungsform aus dem Jahr 1977. Die Vorstellung dieses Modells ist in eine fiktionale Handlung eingebettet, als da w\u00e4re: Die <em>Unternehmerin<\/em> ist unzufrieden und nimmt Kontakt mit dem <em>One Minute Manager<\/em> auf. (Der One Minute Manager ist der Held eines anderen kurzen Ratgebers f\u00fcr Manager, von den gleichen Autoren. Es handelt sich also um eine Art Fortsetzung oder eine Serienfigur.) Der One Minute Manager erkl\u00e4rt der Rat suchenden Unternehmerin in einer Reihe von Gespr\u00e4chen sein System, auch indem er ihr Gespr\u00e4che mit seinen Mitarbeitern vermittelt. Der Kern des vorgestellten Systems: Es gibt vier verschiedene Stadien der Mitarbeiter-Entwicklung und vier verschiedene F\u00fchrungsstile; jeder F\u00fchrungsstil passt zu einem Stadium; und ein Mitarbeiter kann sich gleichzeitig in verschiedenen Aufgabenbereichen in verschiedenen Stadien befinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum mein Bullshit-Detektor anschl\u00e4gt: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>kleines B\u00fcchlein (also vielleicht f\u00fcr Leute, die keine gro\u00dfen B\u00fcchlein lesen)<\/li>\n\n\n\n<li>new and updated edition von Version II eines Systems (ich misstraue solchen Systemen)<\/li>\n\n\n\n<li>leerer Slogan<\/li>\n\n\n\n<li>leicht zu merkendes Schlagwort (the one minute manager)<\/li>\n\n\n\n<li>ein Modell wird pr\u00e4sentiert, aber behauptet, es sei gar kein Modell, sondern die Wirklichkeit<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;clear and simple terms&#8220; &#8211; bin ich voll daf\u00fcr, aber wenn man das eigens hinschreibt, ist es f\u00fcr mich ein Signal, dass es platt und banal wird<\/li>\n\n\n\n<li>das Buch verspricht einfache L\u00f6sungen<\/li>\n\n\n\n<li>das Buch hat einen goldfarbenen Buchr\u00fccken<\/li>\n\n\n\n<li>der Autor hat eine Firma, die nach ihm benannt ist<\/li>\n\n\n\n<li>und, zugegeben, das Buch behauptet, etwas mit Managementlehre zu tun zu haben<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ich habe das Buch dann durchaus mit Genuss und Interesse gelesen. W\u00e4hrend der Lekt\u00fcre hat sich dann herausgestellt, dass es tats\u00e4chlich ganz furchtbar ist. Zwei Dinge bem\u00e4ngele ich daran.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstens der Inhalt:<\/strong> Das System scheint mir, aber ich bin ja kein Wirtschaftler, platt und banal: Fr\u00fcher soll es zwei F\u00fchrungsstile gegen haben. (&#8222;For a long time people thought there were only two leadership styles.&#8220;) Als neu vorgestellt wird die Erkenntnis, dass weder der eine noch der andere pauschal richtig ist, sondern dass das vom Einzelfall abh\u00e4ngt, und dass es au\u00dferdem gar nicht zwei, sondern vier F\u00fchrungsstile gibt. Verbr\u00e4mt wird das als exakte Wissenschaft, indem viele Begriffe eingef\u00fchrt werden. Die kann man auswendig lernen und glaubt dann, etwas gelernt zu haben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>development gibt es bei competence und commitment<\/li>\n\n\n\n<li>die beiden bilden zusammen die vier development levels<\/li>\n\n\n\n<li>commitment besteht aus confidence und motivation<\/li>\n\n\n\n<li>die drei skills eines guten F\u00fchrers sind goal setting, diagnosis, und matching<\/li>\n\n\n\n<li>goal setting hat die 5 Merkmale SMART und beginnt mit einer alignment conversation (&#8222;In addition to doing your own job, you have to manage the performance of your people.&#8220; Uh.)<\/li>\n\n\n\n<li>six types of conversation<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und so weiter. Liest sich wie ein Katechismus. Da ist jedes didaktische Modell komplexer, von Piaget vielleicht abgesehen, ahem, aber gut, vielleicht lernt man P\u00e4dagogik genauso, ich wei\u00df es nicht mehr. Die zwei erkl\u00e4renden Analogien, die verwendet werden, stammen \u00fcbrigens beide aus dem Schul- oder Universit\u00e4tsunterricht und sind haneb\u00fcchen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Abs\u00e4tzen gibt es ein Happyend, und zwar wirklich genau in m\u00e4rchenhaftem Tonfall: Die Unternehmerin geht zur\u00fcck in ihre Firma, und wendet die neuen Methoden an; aus ihrer Firma sind acht geworden; und &#8222;die gleiche Art Erfolg sp\u00fcrt&#8220; sie auch in der Familie bei ihren drei Kindern, wo sie inzwischen mehr Freundin als Mutter ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Und dann scheint das Modell einfach \u00fcberhaupt nicht hilfreich zu sein, das System also gar nichts nichts zu bringen. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Situatives_F%C3%BChren\">Wikipediaseite dazu<\/a> verwendet die Begriffe &#8222;Binsenweisheiten&#8220; und &#8222;Horoskope&#8220;, um zu erkl\u00e4ren, was &#8222;mangelnde Validit\u00e4t&#8220; bedeutet. Das bezieht sich wohl auf eine \u00e4ltere Fassung des Modells und auf der Diskussionsseite dazu stritten sich vor 14 Jahre auch zwei Leute dar\u00fcber, ob das nicht zu harsch sei. Es deckt sich jedenfalls mit meinem Eindruck, das freute einen immer.<\/p>\n\n\n\n<p>(Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen Modelle auch interessant sein, wenn sie nicht die Aufgabe erf\u00fcllen, f\u00fcr die sie urspr\u00fcnglich gedacht sind. Die olympischen G\u00f6tter, oder Freuds Aufteilung in Es, Ich und \u00dcber-Ich sind sch\u00f6ne Modelle, unabh\u00e4ngig davon, wie geeignet sie f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Zweck sind.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweitens das Welt- und Menschenbild:<\/strong> Kapitalismuskritik liegt mir nahe, deshalb begegne ich solchen B\u00fcchern nat\u00fcrlich voreingenommen. Meine M\u00e4kelei beginnt mit der vorangestellten Erkl\u00e4rung des One-Minute-Symbols, noch vor dem Inhaltsverzeichnis: <em>wir als Anf\u00fchrer <\/em>sollen uns t\u00e4glich einmal bewusst machen, dass <em>die<\/em> um uns herum unsere wertvollste Ressource sind. Kursives <em>they<\/em> im Original. Das ganze Buch \u00fcber gibt es diese Unterscheidung; dass einer von denen mal zu uns geh\u00f6ren wird, ist nicht vorgesehen. (Aber das <em>we<\/em> an Anfang schmeichelt dem Leser nat\u00fcrlich.) Paternalistisch Hilfsausdruck. Manchmal muss man aber streng sein, was &#8222;the humanists of the world\u201d entt\u00e4uschen wird. Weit ist es gekommen mit dem Humanismus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht gest\u00f6rt hat mich der Stil. <\/strong>Ja, die Figuren sind noch nicht mal zweidimensional, der One Minute Manager <em>chuckled<\/em> viel, und lacht viel, (&#8222;had a good laugh&#8220;, &#8222;with a laugh&#8220;, &#8222;laughed&#8220;). Die Abs\u00e4tze und Kapitel sind kurz, die Sprache ist einfach. Das Buch ist voller &#8222;one of my favorite sayings is&#8220;, gefolgt von eingerahmten Stickerei-Spr\u00fcchen, sozusagen. Sogar Lao-tse wird bem\u00fcht. Aber damit kann ich leben; vielleicht sollte ich Informatik-Erkl\u00e4rungen oder Hinweise zu Gedicht-Analyse auch so verfassen. Ich glaube, in der zeitgem\u00e4\u00dfen Didaktik lese ich auch ab und zu so etwas.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Buch ist schlecht,<\/strong> aber ich habe den Sch\u00fcler daf\u00fcr gelobt, dass er es liest. Vielleicht bin ich altersm\u00fcde geworden und schon froh, wenn jemand \u00fcberhaupt liest. So wie man als Dudelsackspieler mit dem billigsten und schw\u00e4chsten Instrument anf\u00e4ngt, bevor man \u00fcberhaupt ein gutes Instrument erkennen kann, oder wie man mit der billigsten Groschenromanserie anf\u00e4ngt zu lesen, so kann man &#8211; so meine Hoffnung &#8211; auch mit Dale Carnegie beginnen zu denken? Vielleicht? Ich habe in dem Alter ja auch <em>Perry Rhodan<\/em> und sogar eine Weile <em>John Sinclair<\/em> gelesen und bin inzwischen ja auch bei anderen B\u00fcchern gelandet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vorgehen, wirtschaftliche Modelle in eine mehr oder weniger ausgearbeitete fiktionale Handlung einzubetten, ist vielleicht verbreitet. <em>The Fountainhead<\/em> habe ich nie gelesen; aber mal <em>The Goal<\/em> von Goldratt und Cox, ein Romanklassiker der Managementlehre. In der Philosophie gibt es nat\u00fcrlich schon viel l\u00e4nger, ich meine gar nicht mal <em>Sofies Welt<\/em> von vor ein paar Jahrzehnten, sondern Platon. Viel mehr Rahmenhandlung als im <em>Phaidros<\/em> gibt es in dem Management-B\u00fcchlein auch nicht, nur eben erz\u00e4hlende Passagen. F\u00fcr die P\u00e4dagogik geh\u00f6rt noch Rousseaus \u00c9mile dazu, und sicher noch mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer wei\u00df, vielleicht f\u00fchrt die Besch\u00e4ftigung mit <em>Leadership and the One Minute Manager: Increasing Effectiveness through Situational Leadership II<\/em> irgendwann ja doch mal zu Sokrates? Oder wenigstens zu einem kritischen Blick auf Modelle, und dass Modelle keine Naturgesetze sind? <\/p>\n\n\n\n<p>Mein nicht v\u00f6llig ernst gemeinter Vorschlag, stattdessen <em>Dracula<\/em> zu lesen, daraus k\u00f6nne man sehr viel \u00fcber <em>leadership<\/em> lernen, verpuffte. Dracula: kaum unbekannt; das Konzept Vampir war nicht bekannt. Tats\u00e4chlich haben wir vier M\u00e4nner und zwei Frauen, die als Team arbeiten und dabei erst mal versagen. Denn keiner h\u00f6rt auf die Frau und der Anf\u00fchrer, ein besserwisserischer Van Helsing, hat keine Ahnung. Welcher Gef\u00fchrtentyp ist Dr. Seward, welcher Quincey Morris; welchen F\u00fchrungsstil wendet Helsing jeweils an?<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant w\u00e4re es, das Modell auf die Schule zu \u00fcbertragen. Welcher Sch\u00fcler ist D1, welcher D2, welche Sch\u00fclerin D3 oder D4, und wie passe ich meinen F\u00fchrungsstil an? Dass manche dabei mehr Freiheiten haben als andere, nehmen die Angestellten des One Minute Managers problemlos hin, in der Klasse erwarte ich dann aber ein: &#8222;Wieso darf die das und ich nicht?&#8220; Was in der Schule auch nicht so leicht geht: Rausschmei\u00dfen, wenn&#8216; nicht passt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201dAfter a while,\u201d said the One Minute Manger, \u201cyou talk to the person about career planning and outplacement.\u201d<br>\u201cI see,\u201d said the entrepreneur with a smile.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fall 2<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein anderer, durchaus aufgeweckter Sch\u00fcler empfahl mir, ich wei\u00df nicht, wie wir darauf gekommen sind, einen kritischen Dokumentarfilm zu Wikipedia, den er &#8211; allerdings schon vor ein paar Jahren &#8211; gesehen habe. Da sei manches unsachlich oder von Willk\u00fcr abh\u00e4ngig. Ich recherchierte kurz zu dem Thema und mein Bullshit-Detektor schlug heftig an.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret geht es letztlich um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daniele_Ganser\">die Wikipediaseite zu Daniele Ganser<\/a>. Deren Bearbeitung ist in der Tat eingeschr\u00e4nkt,  die Diskussionsseite ellenlang und &#8211; wie bei ellenlangen Diskussionsseiten &#8211; zum Teil archiviert, so dass man zur\u00fcckbl\u00e4ttern muss, um alles zu lesen. Ich habe nur mal reingeschnuppert in diese Diskussion, deren H\u00f6hepunkt vorbei zu sein scheint. Die Hauptseite ist besonders gut belegt, wohl als Folge von Problemen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn die einen nennen Ganser &#8222;Friedensforscher&#8220;, die anderen sagen, dass er Verschw\u00f6rungstheorien verbreitet. Er ist beliebt bei AfD und in der rechten Szene und bei Esoterik-Spinnern; er sagt, daf\u00fcr k\u00f6nne er ja nichts. Seine Themen sind die Geheimnisse um 9\/11, Ukrainekrieg, NATO-Geheimarmeen, Corona, die ganze Bandbreite. Ich kenne ihn <a href=\"https:\/\/www.volksverpetzer.de\/analyse\/daniele-ganser-nicht-serioes\/\">aus einem Volksverpetzer-Beitrag<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Darf man in Wikipedia schreiben, dass jemand Verschw\u00f6rungstheorien verbreitet? Aber ja, selbstverst\u00e4ndlich, wenn seri\u00f6se Quellen das behaupten. (Dass das Wort &#8222;Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlung&#8220; oder &#8222;Verschw\u00f6rungsmythen&#8220; besser w\u00e4re, okay, aber es hat sich nun mal das andere Wort etabliert. Dass es echte Verschw\u00f6rungen gab und demnach wohl immer noch gibt, der Tabak- und Erd\u00f6lindustrie etwa, \u00e4ndert nichts daran, dass heute unter Verschw\u00f6rungstheorie Humbug verstanden wird.)<\/p>\n\n\n\n<p>Den Dokumentarfilm \u00fcber Ganser und Wikipedia findet man leicht auf Youtube. Laut IMDB-Kommentar ist das:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>A Youtube video created by amateurs and posted all over the German-language internet. A few anti-establishment media have picked it up (see &#8222;External Reviews&#8220;), generously labeling the video as &#8222;documentary&#8220;.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aber auch das kann ja <em>irgendwer <\/em>dorthin geschrieben haben. Ich habe den Film nicht ganz angeschaut; schon die erste Einstellung ist nicht sehr professionell, mit Goethe statt Laot-tse und typographisch falschen Anf\u00fchrungszeichen, und so geht es weiter. Der Text bei Youtube ist tendenzi\u00f6s. Das hei\u00dft noch nicht <em>unbedingt,<\/em> dass der Film in irgendetwas unrecht hat, aber es bringt meinen Bullshit-Detektor weiter zum Klingeln. (Bevor man es auf anderem Weg herausfindet: Ich schreibe selber gelegentlich f\u00fcr Wikipedia.)<\/p>\n\n\n\n<p>Gemacht wurde der Film von einem Musik- und Biologie-Kollegen aus Oldenburg, der sich 2017 als Rufmord-Opfer der Webseite Psiram bezeichnete und ein Investigativ-Blog zu Wikipedia mit monatlichen Beitr\u00e4gen betreibt, mit G\u00e4sten, die von Wikipedia auch der Verbreitung von Verschw\u00f6rungstheorien bezichtigt werden. Der Tonfall ist erwartbar. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"311\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/gary_larson_do_not_touch.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-65202\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/gary_larson_do_not_touch.png 311w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/gary_larson_do_not_touch-233x300.png 233w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/gary_larson_do_not_touch-117x150.png 117w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size\">(Cartoon von Gary Larson)<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist es nicht so, dass nur Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen so ein Bullshit-Detektor fehlt; er scheint auch sonst vielen zu fehlen. Ganser ist popul\u00e4r, Youtube-Kan\u00e4le haben viele Abonnenten. Precht hat das mit den Haaren, das verstehe ich ja noch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Mit Erlaubnis der beiden Sch\u00fcler ver\u00f6ffentlicht. Ich habe auch ein Dokument mit Sachbuchempfehlungen angelegt, das ich bald mal verbreiten werde.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(8 Kommentare.) Ich will kein neues Fach einf\u00fchren, aber ich glaube, meine Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen m\u00fcssen lernen, einen Detektor f\u00fcr Unsinn zu entwickeln. Ein Unsinn-Detektor macht einen, auch ohne gr\u00f6\u00dfere Sachkenntnis, auf die erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit von Unsinn aufmerksam. Das muss dann nicht immer Bullshit sein, es gibt ja auch beim Rauchmelder etwa Fehlalarme. 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