{"id":65944,"date":"2025-10-15T18:34:08","date_gmt":"2025-10-15T16:34:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=65944"},"modified":"2025-10-15T18:34:08","modified_gmt":"2025-10-15T16:34:08","slug":"the-avram-davidson-treasury-a-tribute-collection","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2025\/10\/the-avram-davidson-treasury-a-tribute-collection.htm","title":{"rendered":"The Avram Davidson Treasury: A Tribute Collection"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2025\/10\/the-avram-davidson-treasury-a-tribute-collection.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Ausgangspunkt: &#8222;Karawane nach Illiel&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<p>Vor einem Jahr las ich in einer Anthologie eine Geschichte von Avram Davidson: &#8222;Karawane nach Illiel&#8220; (&#8222;Caravan to Illiel&#8220;), die mir gut gefallen hat, auch wenn es wohl eine seiner weniger bekannten Geschichten ist. Technisch typisch Fantasy: Corydon, ein Barbar in einer fremden Stadt, verliert sein letztes Geld und muss, den \u00f6rtlichen Gesetzen folgend, sein geliebtes Schwert abgeben; ein Beamter legt ihm dringlich nahe, eine bestimmte Karawane als Wache zu begleiten, und gibt ihm dazu ein neues, magisches Schwert, das ihm auch immer wieder gegen Feinde hilft. Am Ziel der Karawane legt sich Corydon erfolgreich mit einem Kult an und begegnet danach einem weiteren fremden Schwertk\u00e4mpfer, der Corydons eigenes altes Schwert tr\u00e4gt und lautstark den Dieb seines eigenen, magischen, sucht. Statt sich zu kloppen, tauschen die beiden K\u00e4mpfer aber friedlich ihre Schwerter und gehen h\u00f6chst zufrieden ihrer jeweiligen Wege. Ein Beobachter meint lapidar<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbGut, gut\u00ab, meinte Didius schulterzuckend und mit einem L\u00e4cheln. \u00bbWas man nicht so alles erlebt \u2013 was man nicht so alles erlebt.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das ist bereits ein ein bisschen nicht ganz typische Fantasy, wozu noch der halbwegs merkw\u00fcrdige Kult und vor allem die sehr ausf\u00fchrlich geschilderte Reise der Karawane geh\u00f6ren. Da gibt es Greifen, die ihr Gold eifers\u00fcchtig horten; der Turm der Affen, wo sie Obst deponieren, um sich der Freundschaft der Affen zu vergewissern (sehr \u00e4hnlich zu Kipling!), und ein Volk, das, so wie andere die Sonne anbeten, selber den Mond beschimpft:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Bald war die Sonne ganz versunken, und nicht lange danach ging der Mond auf. Da erschallte vom Gipfel des nahen Berges ein solches Heulen der Wut und des Hasses, da\u00df Corydon, der wie empfohlen gewartet und aufgepa\u00dft hatte, zutiefst erschrak. Die Arhadamanthiner verfluchten den Mond. Sie drohten ihm mit den F\u00e4usten. Sie warfen Steine nach ihm. Ja manche schossen sogar mit Pfeilen, oder schleuderten ihre Wurfspeere nach ihm.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Als Beweis f\u00fcr die Echtheit der Geschichte wird am Ende eine Art Quelle angegeben:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Immer noch existiert ein Frachtschein \u2013 ein eng beschrifteter Papyrus, der vom kanopischen Nil stammt (besserer Papyrus wurde nirgendwo hergestellt) \u2013, der so beginnt: Handelsgut auf dem Landweg von Styr nach Illiel bef\u00f6rdert \u2026 Unterzeichnet und mit seinem Siegel versehen ist er von Ab\u00e9laphon. Es gibt keinen Grund zur Annahme, da\u00df er sich nicht gerade auf diese Karawane bezieht, die Corydon, Sohn Corydons, als R\u00fcckenw\u00e4chter begleitete.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf diesem Schein sind unter anderem folgende Dinge aufgef\u00fchrt:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Parf\u00fcmierte Krokodilh\u00e4ute aus Nubien<\/em><br><em>Mit Wachs behandelte Leinen aus \u00c4gypten<\/em><br><em>Bemaltes Leinen aus den Landen \u00c4thiopiens<\/em><br><em>Geschnitzte Truhen aus Sykomorenholz von Libyen<\/em><br><em>Purpurne Schw\u00e4mme aus Tyrien<\/em><br><em>Blaue Wandteppiche aus Sydonien<\/em><br><em>Mit Duftstoffen angereichertes \u00d6l bester Qualit\u00e4t aus Pontos<\/em><br><em>Mit Duftstoffen angereichertes \u00d6l bester Qualit\u00e4t aus Kappadozien<\/em><br><em>Mandelsalbe aus Grecien Geschnitze<\/em><br><em>Bernsteinbecher aus dem Nordland<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>(\u00dcbersetzungen alle: Lore Stra\u00dfl.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat mir alles gut gefallen. Und alles, die Mondanflucher, der Affenturm, die Greifen, selbst der Kult, selbst die Liste am Ende stammen von Oscar Wilde, bei dem sich Avram Davidson einfach bedient hat, wie es auch im Vorwort der Anthologie steht. Und zwar steht das alles in der Erz\u00e4hlung &#8222;The Fisherman And His Soul.&#8220; Was man nicht so alles erlebt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Erinnerungen: &#8222;The Golem&#8220;, &#8222;Goslin Day&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<p>Zuvor kannte ich Avram Davidson eigentlich nicht. Irgendwo in der einen oder anderen Science-Fiction-Anthologie mag er mir untergekommen sein, denn wie sich sp\u00e4ter herausstellte, hat er sehr viel geschrieben, aber bewusst war mir der Name nur aus <em>Wandering Stars<\/em> &#8211; einer von Isaac Asimov herausgegebenen Anthologie mit SF-Geschichten, die bewusst Judentum als Thema hatten, und in der auch zwei von Davidsons Geschichten enthalten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles &#8211; und was ich \u00fcber Davidson bei Wikipedia und anderswo las &#8211; reichte, um mir einige B\u00e4nde mit Geschichten von ihm zu besorgen. Und da habe ich jetzt den ersten gelesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">The Avram Davidson Treasury: A Tribute Collection (1998)<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Sammlung erschien wenige Jahre nach dem Tod von Avram Davidson. Verschiedene Autoren und Autorinnen stellen jeweils eine Geschichte von Davidson vor und schreiben eine kurze Einleitung dazu, auch mit ihren eigenen Erinnerungen an Davidson. Und diese Liste ist schon mal so, dass man die Ohren aufstellen mag. Ursula K. LeGuin, Robert Silverberg, Damon Knight, Gene Wolfe, Poul und Karen Anderson, William Gibson, Alan Dean Foster, Spider Robinson, James Gunn, Richard A. Lupoff, Kate Wilhelm, John Clute, Peter S. Beagle, Frederik Pohl, Thomas M. Disch, Mike Resnick, Forrest J. Ackerman, Algis Budrys, John M. Ford, Gregory Benford &#8211; und das sind nur die, deren Namen ich auch Anhieb erkenne. Nachworte von Ray Bradbury, Ray Nelson, Harlan Ellison. <\/p>\n\n\n\n<p>Das allein ist schon mal eine Hausnummer, die mich r\u00e4tseln lie\u00df, warum ich nicht l\u00e4ngst schon viel mehr von Davidson geh\u00f6rt und gelesen habe. Das <em>Lexikon der Science Fiction Literatur<\/em> (Alpers, Fuchs, Hahn, Jeschke 1980), lobt seine Kurzgeschichten, seine bis 13 bis zu diesem Zeitpunkt erschienenen Romane &#8222;stellen gute Durchschnittskost dar.&#8220; Aber vor allem lese ich da eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Da\u00df bei uns von Avram Davidson bisher so wenig erschienen ist, liegt an der grunds\u00e4tzlichen Weigerung des Autors, der strengen j\u00fcdischen Glubens ist, seine Romane und Erz\u00e4hlungen nach Deutschland zu verkaufen. Ironischerweise erschienen ein knappes Dutzend seiner Kurzgeschichten bei uns ausgerechnet in einem Verlag, der mit &#8222;Landser&#8220;-Heften Traditionspflege betreibt [gemeint: Moewig].<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und eigentlich wollte ich jetzt etwas zu den Geschichten in dieser Sammlung schreiben. Zwei davon fand ich schwach, zwei andere waren Kalauer, der Rest &#8211; und es sind viele Geschichten &#8211; waren gut bis sehr gut bis ganz hevorragend, und zutiefst originell und sprachverliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>TAKE WOODEN INDIANS: Ein Zeitreisender der Gegenwart verbringt eigentlich viel lieber Zeit im sp\u00e4teren 19. Jahrhundert und schnitzt dort h\u00f6lzerne Indianer, wie sie als Aufstellfiguren vor Tabakhandlungen popul\u00e4r waren. Verfolgt wird er einerseits von der WIS (Wooden Indian Society), die seine Zeitreisetechnik rauben wollen, um damit das Aussterben dieser handgeschnitzter Holzfiguren aufzuhalten (ersetzt durch Blech-Massenware), wodurch sie s\u00e4mtliche Fehlentwicklungen in ihrer Gegenwart zu verhindern hoffen, und von seinem geldgierigen Schwager. Um die Handlung geht es nicht, sondern um die Hintergrundinformationen zu den Holzindianern: entstanden in England, dann erst nach Amerika exportiert; dort verbreitet durch arbeitslos gewordene Schnitzer von Galionsfiguren. Wir unterscheiden die Modelle <em>fly-figure <\/em>(ausgestreckter Arm), <em>scout <\/em>(Hand suchen \u00fcber den Augen), <em>rosebud<\/em> (weiblich); <em>sachem <\/em>ist der Oberbegriff f\u00fcr Indianer-Figuren (im Gegensatz zu anderen). Heute werden die Figuren als Volkskunst gesch\u00e4tzt und gesammelt und zurecht als beleidigend betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>HELP! I AM DR. MORRIS GOLDPEPPER: Bei Mastodon habe ich das so zusammengefasst:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Gerade eine Kurzgeschichte gelesen, in der eine gro\u00dfe Zahl zahnloser Au\u00dferirdischer, die heimlich auf der Erde Sozialversicherung kassieren wollen, einen Zahnarzt mit falschen Versprechungen auf ihren Planeten locken, damit der ihnen zur Tarnung Zahnersatz macht; diesem gelingt es aber, in nicht ganz perfekt montierten Zahnersatz Nachrichten an seine Kollegen zu schmuggeln, die diese dann nat\u00fcrlich bei Zahnarztbesuchen der Au\u00dferirdischen entdecken &#8211; UND ZUR TAT SCHREITEN.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>AUTHOR, AUTHOR: Einen nicht mehr ganz erfolgreichen Autor trivialer Kriminalromane, vom Verleger missachtet, verschl\u00e4gt es in eine Situation, die einem seiner B\u00fccher entsprungen sein k\u00f6nnte: einsame Landstra\u00dfe, Motorschaden, Nebel, ein unheimliches Landhaus. Die Versammelten nehmen ihn unerwartet erwartungsvoll auf, kennen ihn und seine Werke jedenfalls. Die Stimmung kippt: alle Anwesenden sind ehemalige Butler, die ihren Beruf verloren haben, auch wegen seiner Krimis, in denen er das Klischee einf\u00fchrte und verbreitete, dass der Butler der M\u00f6rder war. Die Flucht des Protagonisten gelingt, aber er landet in einer Art Geistergeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>THE HOUSE THE BLAKENEYS BUILT: Eigentlich eine konventionelle Geschichte, bei der die Science Fiction obendrein nur Deko ist: Schiffbr\u00fcchige auf einem Planeten treffen auf die Nachfahren von fr\u00fcheren Schiffbr\u00fcchigen und deren Kultur, die jedenfalls aus der vorausgesetzten Au\u00dfensicht <em>Idiocracy<\/em>-artig heruntergekommen ist. Was die Geschichte zu einem Juwel macht, ist die Sprache der Blakeneys, der Menschen dort. Ursula K. LeGuin hat so recht, wenn sie in ihrem Vorwort betont: &#8222;It&#8217;s hard not to start talking like them, funnyfunny, a hey.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann war da noch der Anfang eines letzten, unvollendeten Romans um Vergil, den Magier, aus der Bl\u00fctezeit eines leicht verzerrten Roms, um den es ein paar Erz\u00e4hlungen gibt. Und die eine Abenteuergeschichten von wieder etlichen aus einem leicht verzerrten Britisch-Honduras. Und noch viele mehr, ich habe aufgeh\u00f6rt, mir Notizen zu machen. Wie kann Avram Davidson nicht bekannter sein, frage ich mich, und wieso hat es so lange gedauert, bis ich ihn wirklich entdeckte? Ich habe noch eine Anthologie und zwei Romane von ihm hier und bin schon sehr gespannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) 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