{"id":68,"date":"2004-07-26T18:59:04","date_gmt":"2004-07-26T16:59:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/lee-server-danger-is-my-business.htm"},"modified":"2023-05-24T09:45:22","modified_gmt":"2023-05-24T07:45:22","slug":"lee-server-danger-is-my-business","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/lee-server-danger-is-my-business.htm","title":{"rendered":"Lee Server, Danger Is My Business"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-not-stacked-on-mobile is-layout-flex wp-container-corecolumns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:110px\">\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/docsavage\/leeserver.jpg\" alt=\"leeserver.jpg\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-small-font-size\">Lee Server<br><em>Danger Is My Business. An illustrated history of the fabulous pulp magazines, 1896-1953.<br><\/em>San Francisco: Chronicle Books 1993<br>144 pp.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Wer hei\u00dft Clark mit Vornamen, hat eine Festung der Einsamkeit in der Arktis und wird in den stets nach Synonymen ringenden Zeitungen gern als Mann aus (einem bestimmten) Metall bezeichnet? Wem auf diese Frage nur eine Antwort einf\u00e4llt, der sollte sich schleunigst wieder hinsetzen und seine Hausaufgaben machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfreich ist dabei dieses Buch. Es erz\u00e4hlt die Geschichte der amerikanischen pulp magazines, der mit billigsten Druckverfahren und auf billigem, rauhem Papier hergestellten Groschenhefte, deren Bl\u00fctezeit in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts lag. Auch f\u00fcr die Autoren wurde nicht viel Geld ausgegeben &#8211; bei einem halben cent pro Wort fing man an, und arbeitete sich zu einem renommierteren Pulp hoch, wo es das Doppelte gab. Viel mehr Geld gab es dagegen bei den slicks zu verdienen, Zeitschriften auf glattem, gl\u00e4nzenden Qualit\u00e4tspapier, wie der Saturday Evening Post. Daf\u00fcr mu\u00dfte man aber auch Qualit\u00e4t liefern &#8211; und vor allem keine Genreliteratur. Also tummelte sich im Bereich der Pulps alles, was sich f\u00fcr Science Fiction &#8211; wie das Zeug dann sp\u00e4ter genannt wurde &#8211; interessierte, f\u00fcr Kriminalgeschichten, Western, Fantasy, Liebesgeschichten oder Abenteuer in der S\u00fcdsee.<\/p>\n\n\n\n<p>Dementsprechend besteht Servers Buch, nach einem einf\u00fchrenden Kapitel, das die Vor- und Fr\u00fchgeschichte der Pulps behandelt, aus sieben Kapiteln, deren jedes einem Teilbereich der Pulps gewidmet ist: &#8222;Horror and Fantasy&#8220;, &#8222;Adventure&#8220;, &#8222;Private Eyes&#8220;, &#8222;Romance and Sex&#8220;, &#8222;Hero Pulps&#8220;, &#8222;Tales of Weird Menace&#8220; und schlie\u00dflich &#8222;Science Fiction Pulps&#8220;. Dieser letzte Abschnitt ist sicher f\u00fcr viele besonders interessant &#8211; es er\u00fcbrigt sich fast, daran zu erinnern, da\u00df hier alles angefangen hat: Bunte Titelbilder mit halbnackten Frauen, deren Anatomie jeglicher Schwerkraft spottet, tentakelbewehrte Monster, Raumpiraten &#8211; aber auch Bloch, Bradbury, Simak, Sturgeon, Asimov kommen aus den Pulps, ebenso wie der verlagstechnisch so geschickte Gedanke der Leserkontaktseiten, wie das amerikanische Fandom \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p><i>Danger Is My Business<\/i> ist keine Anthologie von Geschichten aus der Pulpzeit und enth\u00e4lt nur sehr wenige Ausschnitte aus der Literatur. Daf\u00fcr ist es eine Schatzkammer anTitelbildern, Illustrationen, faksimilierten Seiten, Autorenfotos (darunter das eine Bild von Lovecraft, das eh schon jeder kennt, daf\u00fcr aber nicht nur die Kopfansicht, sondern ganz). Bunt, bunt, bunt. Der Begleittext ist so ausf\u00fchrlich, da\u00df man dennoch nicht mehr von einem reinen Bildband sprechen kann; er zeigt (auch wirtschaftliche) Zusammenh\u00e4nge in der Entwicklung der Magazine auf und enth\u00e4lt dar\u00fcber hinaus k\u00f6stliche Anekdoten und Details aus dem Leben der Autoren: Walter Gibson schrieb durchschnittlich 10.000 W\u00f6rter am Tag f\u00fcr The Shadow, die Figur des Shadow selbst wurde von einem geistig labilen Radioschreiber erdacht, der ein paar Jahre sp\u00e4ter in einer Absteige in der Bowery umgebracht wurde, Walt Coburn war einer der wenigen echten Cowboys unter den Schreibern von Westernpulps.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber der Phantastik sollte man jedoch nicht die anderen Kapitel vernachl\u00e4ssigen. Die Faszination der Pulps kommt f\u00fcr mich erst bei den Western-, Abenteuer- oder Liebesgeschichten voll zum tragen. Die s\u00fcndigen Geschichten mit \u00fcberraschend freiz\u00fcgigen Illustrationen erschienen in French Night Life oder in der Spicy-Serie: <i>Spicy Detective Stories, Spicy Western, Spicy Adventure, Spicy Mystery<\/i>. Einzelne Abs\u00e4tze werden zitiert, die sich wirklich k\u00f6stlich lesen. Und echtere Helden als Doc Savage findet man nirgendwo:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Nun,&#8220; sagte Doc Savage, &#8222;Ich sch\u00e4tze, man k\u00f6nnte es unseren Beruf nennen, Unrecht wiedergutzumachen und \u00dcbelt\u00e4ter zu bestrafen, und dabei bis an die entferntesten Enden der Welt zu gehen, wenn es n\u00f6tig ist.&#8220;<br>&#8222;Das klingt ziemlich dumm,&#8220; sagte Fiesta.<br>Der Mann aus Bronze gab keine Antwort darauf.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr die Entwicklung der Kriminalliteratur spielen die Pulps eine gro\u00dfe Rolle. Hammett und Chandler schrieben beide f\u00fcr Black Mask. Ausschnitte aus \u00e4lteren Geschichten, vor der Zeit als Carroll John Daly und Dashiell Hammett das Genre revolutionierten, f\u00fchren einem erst deren Leistung vor Augen.<br>Mich faszinieren die Pulps einmal wegen dieser Auswirkungen auf die sp\u00e4tere Genreliteratur, vor allem aber wegen der einzigartigen Kombination aus Naivit\u00e4t und Berechnung, aus Kreativit\u00e4t und wirtschaftlichen Faktoren, die sie ausmachen. Die Geschichten sind oft formelhaft &#8211; Lester Dent schrieb meist mehrere Doc-Savage-Romane gleichzeitig, an nebeneinanderstehenden Schreibmaschinen -, meist f\u00fcr ein jugendliches oder jedenfalls einfaches Publikum konzipiert; die Autoren schrieben unter Zeitdruck. Es waren archaische, unschuldige Geschichten, man mu\u00dfte sich keines Klischees sch\u00e4men. (Desto mehr emp\u00f6rt es mich, wenn mir heute in Film oder Buch Unfug vorgesetzt wird, der dieselben alten Klischees bringt, dem aber die Frische und der durchaus nicht immer unfreiwillige Humor der Pulps abgeht.) Ein Autor konnte sich auf hundert Seiten austoben, um sich erst im letzten Absatz wieder auf die Handlung zu besinnen und rasch eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr das gesamte Geschehen im Roman zu liefern:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Chandra Lal saw Elise on the street once, desired her, checked up on her, found you, bribed the Calder girl to help him. They took their time. The Calder girl practised until she could imitate the voice of your wife. She was well paid, but not enough to justify the murder of Bergstrom, for which she must pay the penalty as an accomplice. Edna Calder suggested Chandra Lal to Elise. He wasn&#8217;t a Hindu. He just made up for the part. He has a record at headquarters a mile long. For crimes, and attempted crimes, of passion&#8230;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und so sind viele der Geschichten heute noch mit Genu\u00df und Belehrung zu lesen; die anderen sind immer noch von historischem Interesse.<br>Ein abschlie\u00dfendes Kapitel in Servers Buch beleuchtet die letzten Jahre der Pulps und er\u00f6rtert Gr\u00fcnde f\u00fcr ihren letztendlichen Untergang (etwa den Aufstieg der comic books). Ein Anhang informiert \u00fcber das Sammeln von Pulps und nennt Adressen, die dabei behilflich sein k\u00f6nnen; die letzten Seiten enthalten eine Bibliographie und den Index.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist leider im Moment nicht mehr im Druck; man kann es aber unschwer gebraucht finden (etwa bei <a href=\"http:\/\/www.abebooks.com\">www.abe.com<\/a> oder bei Amazon).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lee ServerDanger Is My Business. 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