{"id":68212,"date":"2026-02-16T09:48:30","date_gmt":"2026-02-16T08:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=68212"},"modified":"2026-02-18T07:10:45","modified_gmt":"2026-02-18T06:10:45","slug":"the-admirable-crichton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2026\/02\/the-admirable-crichton.htm","title":{"rendered":"The Admirable Crichton"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2026\/02\/the-admirable-crichton.htm#comments'>3 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Herr Puntila und sein Knecht Matti<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Wien war ich im Theater, habe Brechts <em>Herr Puntila und sein Knecht Matti<\/em> gesehen. Darin geht es um den reichen Grundbesitzer Puntila, derim betrunkenen Zustand Verbr\u00fcderung mit seiner Dienerschaft sucht und sie im n\u00fcchternen Zustand klassenbewusst schikaniert. Au\u00dferdem will er seine Tochter, wenn er n\u00fcchtern ist, gegen ihren unerkl\u00e4rten Willen einem schn\u00f6seligen einflussreichen Beamten verheiraten; im Laufe des St\u00fccks soll sie aber, wenn er betrunken ist, an seinen Chauffeuer Matti verheiratet werden, was ihr viel lieber w\u00e4re. Sie versagt allerdings bei den Proben, die Matti ihr auferlegt, um zu sehen, ob sie auch die Arbeiten verrichten k\u00f6nnte, die f\u00fcr die Frau eines Dienstboten n\u00f6tig w\u00e4ren. (Bissele Misogynie, bissele Widerspenstigen Z\u00e4hmung.) Am Ende verl\u00e4sst Matti das Gut und den Dienst: Arm und reich passen einfach nicht zu einander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wikipedia entnehme ich, dass das Drama <em>S\u00e4gemehlprinzessin<\/em> der finnischen Dichterin Hella Wuolijoki (mir ihrem Wissen) Vorlage f\u00fcr Brechts Drama war. Au\u00dferdem werden noch &#8222;Der Brotherr&#8220; von Maxim Gorki und <em>Jacques der Fatalist und sein Herr<\/em> von Denis Diderot als bewusst verwendete Quellen genannt. Nicht nachweisbar sei ein Einfluss von Chaplins Film <em>Lichter der Gro\u00dfstadt,<\/em> in dem ein Million\u00e4r in betrunkenem Zustand sich mit dem Tramp anfreundet und in n\u00fcchternem nichts mehr von ihm wissen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In <em>Puntila<\/em> erkenne ich zwei Motive: Erstens der Trunkene, der in n\u00fcchternem Zustand ein ganz anderer, weniger freundlicher Mensch ist. Das gibt es sicher \u00f6fter, bestimmt schon auch irgendwo in der Antike, und dann nat\u00fcrlich bei Elwood P. Dowd und seinem Freund Harvey. Und zweitens die Herrschaft und die Dienerschaft, die sich nicht mischen k\u00f6nnen, wobei die Dienerschaft zumindest teilweise einen kompetenteren Eindruck macht. Den Kompetenzunterschied kennen wir von Bertie Wooster und Jeeves; das Mischen ist bei Wodehouse allerdings kein Thema.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">The Admirable Crichton<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All das bringt mich auf mein eigentliches Thema, n\u00e4mlich einen Film den ich als Kind oder Teenager einmal gesehen und von dem ich danach nie wieder geh\u00f6rt habe; ich wei\u00df auch niemanden, der sich sonst an den Film erinnert, auch wenn die Wikipedia-Seite dazu ausf\u00fchrlich ist. Im Laufe der Jahre, schon im letzten Jahrtausend, habe ich herausgefunden, dass der Fim <em>The Admirable Crichton<\/em> hei\u00dft und auf dem gleichnmaigen Theaterst\u00fcck von J. M. Barrie aus dem Jahr 1902 basiert. Der Plot des St\u00fccks ist folgender:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein englischer Graf zum Wechsel 19.\/20. Jahrhundert h\u00e4ngt demokratischen Theorien an und zwingt seine G\u00e4ste und sein Personal, sich bei Einladungen zum Tee zu mischen, zum Leidwessen aller und unter besonderer Missbilligung des Butlers Crichton, der viel auf das (englische) Klassensystem gibt. Im zweiten und dritten Akt verschl\u00e4gt es die Gesellschaft schiffbr\u00fcchig auf eine Insel, wo sich Crichton als die einzig kompetente Person herausstellt und der junge Ernest durch regelm\u00e4\u00dfiges Eintauchen in einen Eimer Wasser von der Unsitte abgebracht werden muss, Epigramme von sich zu geben. Crichton wird im Lauf von zwei Jahren der Chef, ein umgekehrtes Klassensystem entwickelt sich. Kurz vor seiner Heirat mit der Tochter des Grafen &#8211; ein Geistlicher ist vorhanden &#8211; entdeckt Crichton ein rettendes Schiff und sendet nach kurzem Z\u00f6gern einen Hilferuf. Die Schiffbr\u00fcchigen werden gerettet. Im vierten Akt, zur\u00fcck in der Zivilisation, nimmt Crichton seine alte Rolle wieder ein, Ernest erz\u00e4hlt heldenhafte L\u00fcgengeschichten \u00fcber die Zeit auf der Insel, und die Tochter des Grafen heiratet dann doch, nicht ohne etwas Tr\u00e4nen, ihren urspr\u00fcnglichen Verlobten. Crichton verl\u00e4sst den Dienst bei dem Grafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(In der Filmfassung gibt es noch einen Beutel Perlen von der Insel und Crichton geht am Ende zur\u00fcck auf die Insel, zusammen mit einem Dienstm\u00e4dchen, einer f\u00fcr den Film neu geschaffenen Rolle, mit ein wenig mehr Happyend.) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Barries St\u00fcck gibt es bei Gutenberg, das werde ich wohl mal lesen, und den Film w\u00fcrde ich nach f\u00fcnfundvierzig oder mehr Jahren auch gerne mal wieder sehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weitere Texte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wikipedia verweist auf das deutsche Theaterst\u00fcck <em>Robinson&#8217;s Eiland<\/em> von Ludwig Fulda aus dem Jahr 1896. Berliner Personen der Oberschicht &#8211; darunter ein Kapitalist, ein Professor, ein Journalist &#8211; verschl\u00e4gt es auf eine einsame Insel, auf der sich dann der einfache Sekret\u00e4r als nat\u00fcrlicher Anf\u00fchrer der Gruppe herausstellt. <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/robinsonseilandk00fuld\">Hier bei archive.org,<\/a> k\u00f6nnte man sich auch einmal anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kino l\u00e4uft gerade <em>Send Help<\/em> von Sam Raimi mit Rachel McAdams und Dylan O&#8217;Brien. Wird gelobt, aber ich werde ihn mir sicher nicht ansehen: der gesch\u00e4tzte Raimi geht ein wenig an seine Wurzeln zur\u00fcck. Im Film verungl\u00fccken ein Oberschn\u00f6sel und eine zur\u00fcckhaltende, bei der Bef\u00f6rderung \u00fcbergangene Frau mit Survival-Erfahrung auf einer einsamen Insel und die Machtverh\u00e4ltnisse kehren sich um. Es spritzt viel Blut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Robinsonaden, jedenfalls wenn sie mehr als eine Person betreffen,  sind wohl immer gesellschaftliche Gegenentw\u00fcrfe und ein spannendes Genre. Die kluge Frau Rau hat schon im Studium bei einem Referat auf die Schwundstufen-Form des Einsame-Insel-Cartoons hingewiesen, wie es ihn in Cartons von Mordillo und in MAD Magazine zuhauf gab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(3 Kommentare.) Herr Puntila und sein Knecht Matti In Wien war ich im Theater, habe Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti gesehen. Darin geht es um den reichen Grundbesitzer Puntila, derim betrunkenen Zustand Verbr\u00fcderung mit seiner Dienerschaft sucht und sie im n\u00fcchternen Zustand klassenbewusst schikaniert. 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