{"id":69,"date":"2004-07-27T06:28:16","date_gmt":"2004-07-27T04:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/doc-savage-der-mann-aus-bronze.htm"},"modified":"2023-05-24T10:01:16","modified_gmt":"2023-05-24T08:01:16","slug":"doc-savage-der-mann-aus-bronze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/doc-savage-der-mann-aus-bronze.htm","title":{"rendered":"Doc Savage, der Mann aus Bronze"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/doc-savage-der-mann-aus-bronze.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p><b>&#8222;Die Ausschreitungen unserer Phantasie und die Entartungen unserer Herzen, also Kunst&#8220;<\/b><br>(Hanns Dieter H\u00fcsch)<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin-right: 10px;\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/docsavage\/docsavage1.jpg\">H\u00fcsch hat bei dieser Zeile wohl kaum an <i>Doc Savage, The Man of Bronze<\/i> gedacht, aber wenn jemand unter diese Kategorie geh\u00f6rt, dann er. Doc Savage ist wohl der bekannteste <i>pulp hero<\/i>. Die <i>pulps<\/i> waren die billigen Magazine der 20er bis 40er Jahre, benannt nach dem schlechten Papier, das f\u00fcr sie verwendet wurde. Gegenst\u00fcck: die <i>slicks<\/i> mit glattem, feinen Papier, etwa die <i>Saturday Evening Post<\/i>. Die slicks zahlten mehr, ver\u00f6ffentlichten aber keine: Western-, Science Fiction-, Horror-, Kriminal-, Abenteuer-, Flieger- und Liebesgeschichten. Daf\u00fcr waren nur die pulps da. Und Superhelden? Superhelden gab es damals noch keine. Die kamen erst in den sp\u00e4ten 30er Jahren auf und eroberten das Medium Comic. Sie wurden zur neuen Lekt\u00fcre der jungen Leute und trugen bei zum Aussterben der pulps.<\/p>\n\n\n\n<p>Tennesse Williams, P.G. Wodehouse fingen bei den pulps an, ebenso wie Dashiell Hammett und Raymond Chandler. Kunstst\u00fcck &#8211; f\u00fcr Kriminalgeschichten gab es keinen anderen Markt. Von Ver\u00f6ffentlichungen in Buchform konnte man damals nur tr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lester Dent schrieb unter dem Haus-Pseudonym Kenneth Robeson fast alle der 181 Romane um Doc Savage. 89 davon sind auf deutsch erschienen. Laut Klappentext ist Doc Savage &#8222;der geheimnisvolle Mann mit der Bronzehaut und den goldenen Augen. F\u00fcr seine f\u00fcnf Freunde ist er der geniale Denker und Planer, der unerschrocken durch tausend Gefahren geht. Einen Mann wie Doc Savage gab es noch nie. Er ist ein Universalgenie: ein begabter Arzt und Wissenschaftler, ein tollk\u00fchner Pilot, ein unschlagbarer Karate-K\u00e4mpfer. F\u00fcr die Bedr\u00e4ngten ist er stets ein Helfer in der Not. F\u00fcr seine Fans ist er einer der gr\u00f6\u00dften Helden aller Zeiten, un\u00fcbertroffen in seinen aufregenden Abenteuern und phantastischen Taten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem steht er auf technisches Spielzeug (Batman hat sich viel von ihm abgeschaut): Schon Anfang der 30er Jahre hat er einen automatischen Anrufbeantworter und sich selbst \u00f6ffnende T\u00fcren (angeregt durch ein wenig radioaktives Material im Schuhabsatz).<\/p>\n\n\n\n<p>Seine f\u00fcnf Freunde bleiben leider ziemlich blass:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><b>Monk<\/b>, klein aber sehr breit, affenartig h\u00e4sslich, kommt aber bei Frauen und Kindern gut an. Genialer Chemiker.<\/li>\n\n\n\n<li><b>Ham<\/b>, extrem elegant gekleideter Spitzenanwalt mit Degenstock.<\/li>\n\n\n\n<li><b>Renny<\/b>, genialer Ingenieur. Baut st\u00e4ndig irgendwo ber\u00fchmte Br\u00fccken. Gro\u00dfgewachsen mit riesigen F\u00e4usten.<\/li>\n\n\n\n<li><b>Long Tom<\/b>, klein und bleich, ein Elektronik-Genie.<\/li>\n\n\n\n<li><b>Johnny<\/b>, Geologe oder Arch\u00e4ologe. Wirft st\u00e4ndig mit komplizierten W\u00f6rtern um sich.<\/li>\n\n\n\n<li>Au\u00dferdem darf manchmal noch mitspielen: <b>Patricia Savage<\/b>, Docs Cousine. Besitzt einen exklusiven Sch\u00f6nheitssalon.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Obwohl ich mehr von den Abenteuern gelesen habe, als ich zugeben m\u00f6chte (h\u00fcstel &#8211; <small>alle <span style=\"text-decoration: line-through;\">bis auf die letzten f\u00fcnf<\/span><\/small> &#8211; h\u00fcstel), muss ich immer \u00fcberlegen, wer wer ist. Lediglich die ersten beiden haben zusammen so etwas wie eine Identit\u00e4t, und auch das nur, weil sie sich st\u00e4ndig in den Haaren liegen und sich gegenseitig Streiche spielen. Ansonsten sind die f\u00fcnf meisterlichen Freunde meist dazu da, sich gefangennehmen zu lassen, damit Doc sie befreien kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Philip Jos\u00e9 Farmer gibt es eine Doc-Savage-Biographie. Sherlock Holmes, Tarzan, Figuren von Cabell und fast jeder weitere Held der Weltliteratur tauchen in seinem Stammbaum auf. \u00dcberhaupt ist das ein nettes Gebiet, die fiktive Biographie. Es gibt derer viele, etwa die Baring-Gould-Biographie von Sherlock Holmes oder die von Nero Wolfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr \u00fcber die <a href=\"http:\/\/members.aol.com\/heropulp\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">hero pulps<\/a> gibt es im Web, zu Doc Savage speziell gibt es <a href=\"http:\/\/members.aol.com\/the86floor\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">The 86th Floor<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Englisch-Einstieg kann ich die Geschichten aber nicht empfehlen: Sie sind nicht sehr einfach zu lesen, da der Wortschatz ziemlich absonderlich ist. Das ist f\u00fcr pulp fiction wohl typisch: Je trivialer der Roman, desto absonderlicher der Wortschatz. Wenn es irgendwie geht, steht da eben nie <b>&#8222;red&#8220;<\/b>, sondern immer gleich <b>&#8222;crimson&#8220;<\/b>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Ich mag vor allem die mutigen Eigennamen in den Geschichten. <b>Bondurant Fain<\/b> (Bantam #101), <b>Midnat D&#8217;Avis<\/b> (Bantam #69), <b>Lin Pretti<\/b> (Bantam #50), <b>Kittrella Merrimore<\/b> (Bantam #65).<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Lieblingseinstieg ist in <b>Mystery Island<\/b>. Monk und Ham streiten sich in einer Hotel-Lobby. Renny ist genervt und will die beiden etwas \u00e4rgern; deshalb l\u00e4sst er zwei Gl\u00fchbirnen von der Treppe in die Lobby fallen. Sie zerplatzen mit lautem Knall und klingen wie Sch\u00fcsse. Als das geschieht, sind nicht nur Monk und Ham \u00fcberrascht, sondern vor allem auch eine Handvoll M\u00e4nner in der Lobby, die aufspringen und um sich schie\u00dfen, bevor sie schlie\u00dflich fliehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vergiftetes Haar in <b>The Mystery on the Snow<\/b>: Der Schurke rei\u00dft sich ein paar Haare aus und steckt sie sich in den Mund. Sein Haar ist mit einer Substanz getr\u00e4nkt, die Giftgas entwickelt, wenn sie mit Speichel in Ber\u00fchrung ger\u00e4t. (Der Schurke glaubt zu unrecht, mit einem Gegengift behandelt worden zu sein.)<\/p>\n\n\n\n<p>Noch t\u00f6dlicher: In <b>Quest of the Spider<\/b> gibt es vergiftete Fliegen. Und zwar keine von Natur aus giftigen, auch keine mutierten, sondern mit Gift eingeschmierte.<br>Gl\u00fccklicherweise hat Doc daran gedacht, sein Alligatorenkost\u00fcm mitzubringen. Unvergesslich die Szene, in der ein drohendes Krokodil sich pl\u00f6tzlich aufrichtet und eine bronzene Hand herauskommt und den Rei\u00dfverschluss vorne l\u00f6st &#8211; Doc Savage.<\/p>\n\n\n\n<p>Umst\u00e4ndlich geht es in <b>The Green Death<\/b> zu. Doc ist im Dschungel und der Schurke beschie\u00dft ihn mit einer Wasserpistole, die mit einer Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllt ist, die Raubkatzen anlockt.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Lieblingswaffe: Ein Banjo, das schie\u00dft, wenn man auf den Saiten spielt. Knapp danach die gefl\u00fcgelten Maschinengewehre in <b>The Munitions Master<\/b>.<\/p>\n\n\n\n<p>Grober Unfug? Oder doch die Ausschreitungen unserer Phantasie und die Entartungen unserer Herzen? Mir hat&#8217;s jedenfalls viel Spa\u00df gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) &#8222;Die Ausschreitungen unserer Phantasie und die Entartungen unserer Herzen, also Kunst&#8220;(Hanns Dieter H\u00fcsch) H\u00fcsch hat bei dieser Zeile wohl kaum an Doc Savage, The Man of Bronze gedacht, aber wenn jemand unter diese Kategorie geh\u00f6rt, dann er. Doc Savage ist wohl der bekannteste pulp hero. 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