{"id":69483,"date":"2026-09-18T06:09:42","date_gmt":"2026-09-18T04:09:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=69483"},"modified":"2026-09-18T06:09:42","modified_gmt":"2026-09-18T04:09:42","slug":"wiedergelesenes-douglas-adams-terry-pratchett-brigadoon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2026\/09\/wiedergelesenes-douglas-adams-terry-pratchett-brigadoon.htm","title":{"rendered":"Wiedergelesenes: Douglas Adams, Terry Pratchett, Brigadoon"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2026\/09\/wiedergelesenes-douglas-adams-terry-pratchett-brigadoon.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Douglas Adams, Dirk Gently&#8217;s Holistic Detective Agency<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch habe ich wohl kurz nach Erscheinen zum ersten Mal gelesen und war wohl etwas entt\u00e4uscht, weil es etwas anderes als der <em>Hitch-Hiker&#8217;s Guide<\/em> war. Dabei war ich immer nur ein kleiner Fan davon; der beste Band war <em>So Long, and Thanks for All the Fish,<\/em> und auch da vor allem der Handlungsstreng auf der Erde, die Liebesgeschichte zwischen Fenchurch und Arthur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2002 habe ich das Buch noch einmal gelesen, auch weil ich eine  sch\u00f6ne Audioversion davon hatte, gesprochen von Douglas Adams selbst. Bei der aktuellen Lekt\u00fcre hat es mir am besten gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch wirkt etwas verwirrend und zusammenhanglos, und das Ende ist tats\u00e4chlich etwas unvermittelt und \u00fcberraschend. Aber wenn man wie beim Wiederlesen das Ende und die Zusammenh\u00e4nge schon kennt, dann sieht man, wie viel doch angedeutet und angelegt ist, und alles ergibt etwas mehr Sinn. Dass die Handlung auf Grundlage von Doctor-Who-Drehb\u00fcchern entstanden ist, erkl\u00e4rt einige Motive. Die Konstellation Richard\/Dirk ist nicht zu weit von der Arthur\/Ford entfernt; bei beiden ist die Hauptperson eher passiv. Als Frau gibt es neben einer liebevoll gezeichneten Sekret\u00e4rin vor allem Susan, die immerhin mehr Pers\u00f6nlichkeit als Trillian erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was das Buch gut macht, ist erstens die Sprache. Zwei Stellen habe ich mir f\u00fcr die Verwendung in der Englisch-Oberstufe herausgesucht; in beiden wird das Innenleben einer Person auf jeweils ganz unterschiedliche und originelle Weise vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens sind die \u00dcberlegungen zu Computern interessant. Der erste gro\u00dfe Erfolg der Firma (Kapitel 8) war eine Art logisches Programmiersystem, nur dass man nicht aus eingegeben und gesammelten Tatsachen logische Schl\u00fcsse formen, sondern man beginnt mit dem Ergebnis und das Programm gibt einem dann die Gr\u00fcnde vor, warum das Ergebnis alternativlos ist. Ver\u00f6ffentlicht wurde es nie, gleich vom Pentagon aufgekauft.  Prolog selber wird kurz erw\u00e4hnt, eine der Figuren sieht keine gro\u00dfe Desktop-Zukufnt daf\u00fcr. (Prolog: Ist seit letztem Schuljahr  im erweiterten Anforderungsbereich Informatik.) &#8211; Der andere gro\u00dfe Erfolg der Firma ist ein Programm, dass Tabellenkalkulationsdaten in Musik umformt oder in animierte Logos: ein M\u00f6wenschwarm etwa, bei dem jede einzelne M\u00f6we f\u00fcr eine Abteilung steht und die Schlagfrequenz von deren Quartalsleistung abh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann ist da der elektrische M\u00f6nch selbst, der alles glaubt, was man ihm vortr\u00e4gt. Der erinnert sehr an ein LLM. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Terry Prachett, Guards! Guards!<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Seit Menschengedenken&#8220; hei\u00dft auf Englisch &#8222;since time immemorial&#8220;, und in einem Vortrag von Douglas Adams habe ich gelernt, dass im englischen &#8211; und wohl auch kanadischen und amerikanischem &#8211; Rechtswesen diese &#8222;time immemorial&#8220; im Jahr 1189 endet und &#8222;legal memory&#8220; beginnt. Bei mir ist das Ende 1999, seit diesem Zeitpunkt f\u00fchrer ich Buch \u00fcber die von mir gelesenen B\u00fccher, und diesen ersten Stadtwachen-Roman habe ich zu vor zum letzten Mal gelesen, kenne das Buch also &#8211; since time immemorial.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stadtwachen-Romane sind mir die liebsten, das geht vielen so. Vergessen hatte ich aber diesen ersten, in dem Stadtwache nur ein Witz ist, Captain Vimes eher ein heruntergekommener Privatdetektiv ohne Ressourcen, auch wenn es zwei (nur zwei!) weitere Stadtwachenmitglieder gibt. Sp\u00e4ter geh\u00f6rt zu Vimes, dass er mit einer Hochadelsdame verheiratet ist; die lernt er in diesem ersten Buch kennen und am Ende werden sie auch ein Paar. Aber noch hat sie diesen englischen Hochadelszug, mit Gummistiefel herumzulaufen und ziemlich derb zu sein; ich glaube, den verliert sie in sp\u00e4teren B\u00fcchern. Energisch ist und bleibt sie allerdings: &#8222;Lady Ramkin\u2019s bosom rose and fell like an empire.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr zeitgem\u00e4\u00df ist das Buch \u00fcbrigens. Die &#8222;Elucidated Brethren&#8220;, verf\u00fchrt von einem Fanatiker, treten eine kleine Revolution los, indem sie manipulativ das Bed\u00fcrfnis nach einem einfachen Narrativ bedienen: Ein Drachent\u00f6ter kommt, den Drachen zu besiegen, und wird daf\u00fcr zum K\u00f6nig gekr\u00f6nt. Der Helden-Kandidat wirf fein ausgesucht, und wenn es auch erst einmal keine Drachen gibt, kann man doch welche erscheinen lassen und Angst davor sch\u00fcren, bis Volkes Stimme lautet: &#8222;A dragon slayer. Where is he, that\u2019s what I want to know? Why aren\u2019t our schools turning out young people with the kind of skills society needs?&#8220; Captain Vimes, seufzend: &#8222;People\u2019ll start tying virgins to rocks any day now,&#8220; bis alles, was schlecht l\u00e4uft, wieder richtig gestellt wird. Und was l\u00e4uft schlecht? Konkret wei\u00df man das nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bald ger\u00e4t die Verschw\u00f6rung au\u00dfer Kontrolle auch ihres Anstifters; eine echte \u00fcbernat\u00fcrliche Gefahr manifestiert sich,mit der die Elucidated Brethren nie gerechnet h\u00e4tten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stadt reagiert darauf unsch\u00f6n. Die Stadtoberen kriegt man herum mit der Versicherung, dass nur ab und zu eine Jungfrau geopfert wird, und sicher keines ihrer Familienmitglieder.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Each man thought: one of the others is bound to say something soon, some protest, and then I\u2019ll murmur agreement, not actually say anything, I\u2019m not as stupid as that, but definitely murmur very firmly, so that the others will be in no doubt that I thoroughly disapprove, because at a time like this it behooves all decent men to nearly stand up and be almost heard\u2026<br>But no one said anything. The cowards, each man thought.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cIt\u2019s all part of the social\u2026social contract,\u201d said his assistant woodenly. \u201cA small price to pay, I\u2019m sure you will agree, for the safety and protection of the city.\u201d<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt viele Mitl\u00e4ufer oder Profitierende:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cAll out of a kind of humdrum, everyday badness. Not the really high, creative loathesomeness of the great sinners, but a sort of mass-produced darkness of the soul. Sin, you might say, without a trace of originality. They accept evil not because they say yes, but because they don\u2019t say no. I\u2019m sorry if this offends you,\u201d he added, patting the captain\u2019s shoulder, \u201cbut you fellows really need us.\u201d<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Zum ersten Mal wirklich aufgefallen, aber nur mir, weil gut erforscht und auch Pratchett auch selbst bewusst,  ist die Parallele zu Lovecraft in vielen Geschichten. Wesenheiten von au\u00dfen, die wir nicht erkennen k\u00f6nnen und die sich in unserer Welt manifestieren, nur dass man bei Pratchett nicht wahnsinnig wird davon.) <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Friedrich Gerst\u00e4cker, Germelshausen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht wiedergelesen, aber wiedergesehen habe ich das Filmmusical <em>Brigadoon<\/em> (1954). Ich mag die sp\u00e4teren Farbmusicals <em>(Oklahoma, Carousel, Seven Brides for Seven Brothers, South Pacific)<\/em> meist weniger als die alten, schwarzwei\u00dfen; Ausnahmen sind die sp\u00e4ten Filme mit Fred Astaire oder <em>Singin&#8216; in the Rain,<\/em> das musikalisch und von der Handlung her auch in die fr\u00fche Phase f\u00e4llt. <em>Brigadoon<\/em> ist so ein solcher sp\u00e4ter Film, der selten im Fernsehen kommt und einen gewissen eigenen Charme hat &#8211; wer Cyd Charisse durchgehend ein schottisches r rollen h\u00f6ren m\u00f6chte, kommt hier auf seine Kosten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die B\u00fchnenvorlage stammt aus dem Jahr 1947. Wikipedia dazu entnahm ich, dass vielleicht (aber tats\u00e4chlich wohl nicht) die Erz\u00e4hlung &#8222;Germelshausen&#8220; von Friedrich Gerst\u00e4cker (1860) eine Vorlage war, also musste ich die lesen. Sowohl dort als auch in <em>Brigadoon<\/em> kommt ein Wanderer (im Musical begleitet von einem Freund) in ein Dorf mit merkw\u00fcrdig altert\u00fcmlichen Br\u00e4uchen. Der Wanderer verliebt sich in ein M\u00e4dchen, es gibt ein gro\u00dfes Fest, es wird froh getanzt, am Ende stellt sich heraus: das Dorf erscheint nur alle hundert Jahre in unserer Welt;  wer eine Nacht dort verbringt, wacht mit dem Rest der Dorfbewohner ganz normal auf, drau\u00dfen bei uns sind aber hundert Jahre vergangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Erz\u00e4hlung verl\u00e4sst der Wanderer noch rechtzeitig das Dorf, lernt das Geheimnis aber erst danach kennen; im Musical verl\u00e4sst der Wanderer bewusst das Dorf, um in seiner modernen Welt zu bleiben. (Allerdings taucht, Spoiler, das Dorf dann sp\u00e4ter doch noch einmal f\u00fcr ihn auf, als er sich umbesinnt, damit er doch noch zu seiner Liebsten kommt.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hauptunterschied: In der Erz\u00e4hlung ist diese 100-Jahre-Regel ein Fluch, eine Bestrafung f\u00fcr das gottvergessene Volk im Dorf, dessen Kirche auch nicht mehr benutzt wird. Im Musical ist das kein Fluch, sondern ein Segen, damit das Dorf und seine Einwohner (und letztlich auch der Wanderer) dieser unserer modernen Welt entfliehen k\u00f6nnen und nicht in ihr leben m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Douglas Adams, Dirk Gently&#8217;s Holistic Detective Agency Das Buch habe ich wohl kurz nach Erscheinen zum ersten Mal gelesen und war wohl etwas entt\u00e4uscht, weil es etwas anderes als der Hitch-Hiker&#8217;s Guide war. 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