{"id":701,"date":"2006-09-23T11:20:59","date_gmt":"2006-09-23T10:20:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/09\/gehoert-und-gelesen-podcasts-superhelden-2.htm"},"modified":"2008-03-22T16:11:17","modified_gmt":"2008-03-22T15:11:17","slug":"gehoert-und-gelesen-podcasts-superhelden-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/09\/gehoert-und-gelesen-podcasts-superhelden-2.htm","title":{"rendered":"Geh\u00f6rt und gelesen: Podcasts &#038; Superhelden 2"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/09\/gehoert-und-gelesen-podcasts-superhelden-2.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Der zweite Podcast aus den letzten Tagen ist <a href=\"http:\/\/www.escapepod.org\/\">Escape Pod<\/a> &#8211; ein kommerzieller Science-Fiction-Podcast mit einer Kurzgeschichte pro Woche und ein paar Minuten redaktionellem Beitrag, ein SF-Audio-Zine sozusagen. Vorgelesen werden die Geschichten von erfahrenen Sprechern.<br \/>\nDie Texte stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz (<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/2.5\/\">attribution\/no derivatives\/non-commerical<\/a>): Man muss die Quelle nennen, darf kein Geld damit verdienen und das Material nicht bearbeiten, also etwa ausschneiden oder abschreiben. Aber man darf es weitergeben, kopieren, verteilen, auf seine Webseite stellen, verschenken. <\/p>\n<p>Das alles ist kostenlos, aber wem es gef\u00e4llt, der darf gerne bei PayPal spenden. F\u00fcnf Dollar pro Monat werden vorgeschlagen. Autoren kriegen pro angenommener Geschichte immerhin 100 Dollar. (Auf der Seite steht noch etwas von 50 Dollar, aber im letzten Podcast wurde die Erh\u00f6hung der Summe bekannt gegeben.)<br \/>\nIch habe mal 20 Dollar gezahlt. Ob das ein realistisches Gesch\u00e4ftsmodell ist, wei\u00df ich nicht; es ist auch nicht mein Problem. Jedenfalls sind diese zwanzig Dollar schon mal Geld, das sie von mir gekriegt haben, das sie sonst nie gesehen h\u00e4tten. (H\u00e4tte ich auch gespendet, wenn ich das hier nicht posten w\u00fcrde? Hm.)<\/p>\n<p>Und ich habe daf\u00fcr Science-Fiction-Kurzgeschichten geh\u00f6rt. Kurzgeschichten lese ich sonst fast keine mehr. Ihre gro\u00dfe Zeit ist seit den 1950er Jahren wohl vorbei, ob Science Fiction oder nicht. Aber vielleicht kommt durch Podcasts und MP3-Player eine Renaissance: Denn f\u00fcr dieses Format sind Kurzgeschichten bestens geeignet. Romane m\u00f6chte ich eigentlich nicht als Podcast h\u00f6ren, ich mag kurze Podcasts viel lieber als lange.<\/p>\n<p>Eine Reihe von Geschichten hat mir besonders gefallen: Die <em>Union-Dues<\/em>-Geschichten, und damit komme ich endlich zu den Superhelden. Wenn man auf Escape Pod nach dem Autor, Jeffrey R. DeRego sucht, <a href=\"http:\/\/www.escapepod.org\/index.php?s=Jeffrey+R.+DeRego\">findet man die Union-Dues-Geschichten<\/a> &#8222;The Baby and the Bathwater&#8220;, &#8222;Off-White Lies&#8220;, &#8222;Iron Bars and the Glass Jaw&#8220;. Die Geschichten spielen in einer Welt, in der Superhelden zum Alltag geh\u00f6ren. Sie sind wenig beliebt bei den normalen Menschen und geh\u00f6ren alle zur Superhelden-Gewerkschaft &#8211; wer da nicht mitspielen will, muss ins Hochsicherheitsexil. In den Geschichten geht es um Superheldenalltag und rechtliche und moralische Probleme: Eine Repr\u00e4sentantin der Gewerkschaft will bei einer Familie den zweij\u00e4hrigen Sohn mitnehmen, dessen Superf\u00e4higkeiten sich manifestieren. Elektrische Schl\u00e4ge. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird er die Eltern versehentlich umbringen. Trotzdem weigern sie sich, den verlockenden Worten der Superheldin zu folgen (deren Eltern selbst damals nicht so sehr an ihrem Kind hingen). <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image711\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/damage_control.jpg\" alt=\"damage_control.jpg\" \/><\/p>\n<p>In den letzten f\u00fcnfzehn Jahren hat es einige dieser Geschichten gegeben, die den Alltag der Superhelden untersuchen oder genauer hinschauen, wie eine Welt mit Superhelden wohl funktionieren w\u00fcrde. Eine der ersten war <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Damage_Control_(comics)\">Damage Control<\/a> von Marvel Comics, zuerst eine einzelne Geschichte, dann eine Reihe von Miniserien \u00fcber die Firma &#8222;Damage Control&#8220;: Das sind die Leute, die nach den gro\u00dfen K\u00e4mpfen zwischen Helden und Schurken in New York aufr\u00e4umen. Mit Bulldozern und Kr\u00e4nen, Architekten, Gutachtern und jeder Menge Anw\u00e4lte werden herumliegende Riesenroboter entsorgt. Ein gef\u00e4hrlicher Job, immer wieder kommt es zu Unf\u00e4llen, wenn ein Arbeiter \u00fcber ein au\u00dferirdisches Artefakt stolpert und selber zum Superhelden mutiert. &#8222;We lose more employees this way&#8230;&#8220; (seufzend, Zigarre kauend, bei Zentrale anrufend) &#8222;One of my men just had an origin.&#8220;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image712\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/top_10.jpg\" alt=\"top_10.jpg\" \/><\/p>\n<p>Dann gibt es noch Top 10 von Alan Moore. Die Pr\u00e4misse: Jeder, aber auch wirklich jeder in der Stadt hat Superkr\u00e4fte (und ein Kost\u00fcm). Der Rest ist pure Polizeiserie: Eine Crew von Polizisten versucht, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Korrupte Vorgesetzte, neue Kollegen, Probleme mit den Ehepartnern, Kriminalf\u00e4lle.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image714\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/astro_city.jpg\" alt=\"astro_city.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die beste Serie ist allerdings <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Astro-City-Life-Big\/dp\/156389551X\/sr=8-4\/qid=1158869274\/ref=sr_1_4\/028-3144542-9926968?ie=UTF8&#038;s=books-intl-de\">Astro City<\/a> von Kurt Busiek. In dieser Welt sind Superhelden nicht allt\u00e4glich, aber auch nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich; in Astro City selber &#8211; einer Gro\u00dfstadt wie New York &#8211; drehen sich oft nur die Touristen nach ihnen um.<br \/>\nDie Erz\u00e4hlungen aus Astro City sind in der Regel Vignetten, keine fortlaufenden Geschichten. Aber aus den Facetten, den wiederkehrenden Charakteren formt sich langsam ein Bild der Stadt, der Welt, der Menschen. Die erste Geschichte ist typisch: Ein Mann tr\u00e4umt, schlafend, vom Fliegen. Er fliegt nackt zwischen den Wolken, frei, gl\u00fccklich, fliegt gen\u00fcsslich aund ausgiebig Kurven und Kreise, bis ihn der Wecker aus dem Traum in den Alltag rei\u00dft. Er steht auf, f\u00fchlt sich etwas alt und m\u00fcde, wie das morgens gerne mal so ist, und zieht sich dann seine Superheldenuniform an, Typ Superman. (Sehr sch\u00f6n an den Geschichten ist, Busiek schreibt das auch im Vorwort, dass man so viel beim Leser voraussetzen kann. Eine &#8222;Furst Family&#8220; wird nur kurz angerissen, aber aus den Fantastic Four wei\u00df man ungef\u00e4hr, was das alles mit sich bringt. Der <em>Samaritan<\/em> geh\u00f6rt zur Superman-Klasse, muss man gar nicht gro\u00df erkl\u00e4ren, was das alles bedeutet.)<br \/>\nDen Rest der Geschichte saust er mit \u00dcberschallgeschwindigkeit durch die Welt und rettet Menschen, h\u00e4lt Termine ein, verhindert Katastrophen. Zwischendrin l\u00e4uft immer wieder eine Stoppuhr mit, und man merkt erst nach und nach, was da gez\u00e4hlt wird. Am Schluss des Tages f\u00e4llt der Held wieder todm\u00fcde in sein Bett. 56 Sekunden waren es an diesem Tag, 56 Sekunden in der Luft, fliegend, &#8222;best day since March&#8220;. Und er schl\u00e4ft und tr\u00e4umt wieder vom Fliegen<\/p>\n<p>Einen Hauch von Realismus findet man zur Zeit auch bei Marvel Comics. <em>Civil War<\/em> ist das gro\u00dfe Ereignis des Jahres 2006, das sich durch fast alle Serien zieht: Die Regierung hat beschlossen, dass sich alle Superhelden registrieren m\u00fcssen, mit Namen und Adresse. Menschen mit Superf\u00e4higkeiten seien einfach zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr die Allgemeinheit, als dass man sie unbeobachtet lassen k\u00f6nnte. (Diskussionen unter Fans: Wer w\u00e4re denn f\u00fcr eine Zwangsregistrierung, wenn es tats\u00e4chlich Superf\u00e4higkeiten g\u00e4be, wer dagegen? Immerhin interessanter als die Frage, wer st\u00e4rker ist, Thor oder Hulk.)<br \/>\nDie eine H\u00e4lfte der Superhelden ist f\u00fcr die Registrierung, die andere H\u00e4lfte dagegen. Die Fronten verh\u00e4rten sich, Peter Parker als Spider-Man steht noch auf der Pro-Registrierungs-Seite (zusammen mit Tony Stark) und hat sogar freiwillig seine Identit\u00e4t ver\u00f6ffentlicht, wird aber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wohl zur Kontra-Seite (mit Captain America) wechseln. Viele gute Ideen, aber schade, dass manche Charaktere sich so v\u00f6llig anders verhalten, als ihre 20- oder 40j\u00e4hrige Vorgeschichte erwarten l\u00e4sst. Da haben es sich manche Autoren zu einfach gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Der zweite Podcast aus den letzten Tagen ist Escape Pod &#8211; ein kommerzieller Science-Fiction-Podcast mit einer Kurzgeschichte pro Woche und ein paar Minuten redaktionellem Beitrag, ein SF-Audio-Zine sozusagen. 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