{"id":7155,"date":"2016-01-18T18:52:22","date_gmt":"2016-01-18T17:52:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=7155"},"modified":"2023-06-12T10:16:41","modified_gmt":"2023-06-12T08:16:41","slug":"call-of-cthulhu-rollenspiel-in-der-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2016\/01\/call-of-cthulhu-rollenspiel-in-der-schule.htm","title":{"rendered":"Call of Cthulhu: Rollenspiel in der Schule"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2016\/01\/call-of-cthulhu-rollenspiel-in-der-schule.htm#comments'>15 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Im aktuellen <em>S\u00fcddeutschen Magazin<\/em> steht ein langer Beitrag \u00fcber eine Rollenspiel-Schule in D\u00e4nemark, ich bin noch nicht zum Lesen gekommen, hole das aber nach. Von der Schule selber wei\u00df ich schon was, in einem Buch habe ich einen Aufsatz dazu gelesen, nachdem mich ein Artikel im Magazin LARPZeit darauf gebracht hatte (<a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2010\/05\/rollenspielmagazin.htm\">Blogeintrag 2010<\/a>).<\/p>\n<p>Aber hier soll es heute um das klassische Pen&amp;Paper-Rollenspiel gehen, oder, wie es fr\u00fcher hie\u00df, &#8222;Rollenspiel&#8220;. Das musste man damals zwar bei jeder Erw\u00e4hnung abgrenzen von jenen Rollenspielen, die man aus dem Jugendarbeitsworkshop oder anderen Treffen in Pfarrheimen kannte, aber anderes gab es nicht. Heute denken viele an LARP, das zumindest unter Sch\u00fclern bekannter sein d\u00fcrfte als klassisches Pen &amp; Paper. In meinem W-Seminar zu Horror und Grusel ging es &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; auch um H. P. Lovecraft, und damit dann auch zumindest in einem Nebensatz um das Rollenspiel, das nach seiner bekanntesten Kurzgeschichte benannt ist (auch wenn es stilistisch eher zu &#8222;The Dunwich Horror&#8220; passt) und das ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Allgegenwart von HPL in der heutigen Popul\u00e4rkultur verantworlich sein d\u00fcrfte: <em>Call of Cthulhu.<\/em><\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.filfre.net\/2015\/09\/lovecraft-on-the-tabletop\/\">Hier ein ausgezeichneter und ausf\u00fchrlicher Artikel zur Entstehungsgeschichte von CoC<\/a> und dessen ma\u00dfgeblichen Autor, Sandy Petersen, der zehn Jahre sp\u00e4ter eine gro\u00dfe Zahl der Levels von Doom entwarf, und wir wissen ja alle, welche Rolle Doom in der Geschichte der Computerspiele spielt.)<\/p>\n<p>Neu an CoC war vor allem der Gedanke, das Spielfiguren nicht nur sterben, sondern auch wahnsinnig werden k\u00f6nnen. K\u00f6rperliche Verletzungen war man aus anderen Spielen gewohnt, die heilten sp\u00e4testens bis zum n\u00e4chsten Treffen wieder. Bei CoC verloren die Spieler bei jedem grausigen oder \u00fcbernat\u00fcrlichen Erlebnis ein wenig von ihrem Zustand geistiger Stabilit\u00e4t, und wieder auffrischen konnte man das nur teilweise. Generell war jede Figur nach einem Spiel ein wenig angegriffener als zuvor. Dazu kam, dass die H\u00f6chstmenge an geistiger Stabilit\u00e4t abh\u00e4ngig war vom Wissen \u00fcber das Lovecraft-Universum: wer viel alte B\u00fccher liest, lernt viel, und ist fragiler. Und so traut man sich als Spieler gar nicht erst in dunkle Zimmer hinein, zieht den Vorhang lieber nicht zur\u00fcck, fl\u00fcchtet lieber gleich als zu genau hinzusehen &#8211; sehr stimmungsvoll.<\/p>\n<p>Jedenfalls wollten einige Sch\u00fcler wissen, wie das so geht mit dem Rollenspiel, und fragten, ob wir nicht mal eine Runde spielen k\u00f6nnten. Also gut.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7156\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/coc_schule_rollenspiel.jpg\" alt=\"coc_schule_rollenspiel\" width=\"2445\" height=\"1630\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/coc_schule_rollenspiel.jpg 2445w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/coc_schule_rollenspiel-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/coc_schule_rollenspiel-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/coc_schule_rollenspiel-700x467.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 2445px) 100vw, 2445px\" \/><\/p>\n<p>Vier Spieler, ich als Spielleiter, 120 Minuten. Call of Cthulhu, Spielzeit: 1928. Das reicht gerade mal f\u00fcr einen Einstieg, \u00fcblicherweise dauert eine Partie vier Stunden, oder sechs, und zwar auch eher zwei oder drei solcher Sitzungen, oder acht. Es geht bei CoC ja auch ganz langsam los: Die Figuren kriegen erste Anzeichen geheimnisvoller Vorg\u00e4nger, recherchieren, kriegen eine erste Warnung, haben es mit den ersten menschlichen Gegnern zu tun (wahnsinnigen Kultisten etwa), dann vielleicht ein klitzekleines scheinbar \u00fcbernat\u00fcrliches Ph\u00e4nomen (vulgo: Monster), und ganz am Ende, nach einem halben Jahr Spielzeit, trifft man vielleicht auf eines der ganz gro\u00dfen Monster. Das ist bei HPL dann aber auch von der Art, das man nur einmal hinzuschauen braucht und mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit eh unrettbar wahnsinnig wird. Das kann nur beim Finale sein, nicht vorher.<\/p>\n<p>Also spielten wir sehr z\u00fcgig. (Oder kam mir das nur so vor, bin ich inzwischen langsameres Spiel gewohnt? Es kann sein, dass wir fr\u00fcher auch sehr viel schneller waren und Situationen sehr viel weniger ausspielten.) Ich teilte vorbereitete Charakterb\u00f6gen aus, kurze Vorstellungsrunde, dann rasch ins Spiel, beim Recherchieren etwas nachgeholfen, ein kleiner Einbruch &#8211; mit etwas Gl\u00fcck kam ich gerade noch zu einem ganz kleinen Sanity-Verlust am Ende. Geschossen oder anderweitig gek\u00e4mpft wurde nie.<\/p>\n<p>Mir hat es Spa\u00df gemacht. Ich habe das Spiel in den Weihnachtsferien vorbereitet, gr\u00fcndlich, da ich das in diesem Schuljahr dann gleich mit ein paar Kollegen spielen werden, die sich auch schon lange daf\u00fcr interessieren. Vorbereiten, das geht dabei anders als fr\u00fcher, vor drei\u00dfig Jahren, als ich zuletzt CoC-Spielleiter war. (Man kommt sehr schnell wieder rein.) Heute hatte ich f\u00fcr viele Personen, die auftauchen w\u00fcrden oder auftauchen k\u00f6nnten oder auch nur vielleicht eine Rolle spielen w\u00fcrden, Fotos besorgt. Von historischen Orten &#8211; Bibliothek, Krankenhaus, Rathaus &#8211; hatte ich zeitgen\u00f6ssische Fotos gefunden, Grundrisse, Stadtkarten von Boston aus den 1920er Jahren. Auch zu den wichtigsten fiktiven Schaupl\u00e4tzen gab es Bilder. Das macht Spa\u00df und schafft Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>F\u00fcr Insider: Ich hatte das erste Kapitel der klassischen Kampagne <em>Shadows of Yog-Sothoth<\/em> vorbereitet und gleichzeitig eines der kleinen Einzelszenarios am Ende des Bandes. So war ich flexibel. Klar war das \u00fcbervorbereitet, aber es hilft ja auch im Unterricht, einen gro\u00dfen Vorrat an Wissen und M\u00f6glichkeiten im Hintergrund zu haben, um flexibel die Stunde dann doch umplanen zu k\u00f6nnen, wenn sich der Unterricht in eine andere, lohnenswerte Richtung entwickelt. &#8222;Railroading&#8220; m\u00f6gen Spieler genauso wenig wie Sch\u00fcler; die Illusion von Freiheit und einem <em>open world game<\/em> ist wichtig. Und so h\u00e4tte sich das Spiel in die eine Richtung entwickeln k\u00f6nnen oder in die andere, ich habe ein paar Haken gesetzt, an denen ich neue Geschichten einbauen kann, Personen, die erst sp\u00e4ter eine Rolle spielen w\u00fcrden, oder auch nicht. Ein sp\u00e4teres Spiel w\u00fcrde es zwar nicht geben, aber man ist ja auch K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fcler selber, noch unerfahren (hatten nicht mal eine Taschenlampe dabei, oder ein Seil!), aber besser darin, <em>in character<\/em> zu spielen als wir damals. Das macht das ganze Improtheater, das diese jungen Leute so treiben; ist zumindest an meiner Schule sehr popul\u00e4r.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich gespannt, ob die Lehrerrunde zusammengeht. Dann vielleicht an einem gem\u00fctlicheren Ort und mit mehr Zeit. So wie damals, im Haus in der Goldammerstra\u00dfe in Haunstetten, wird es nat\u00fcrlich nie wieder werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(15 Kommentare.) 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