{"id":72,"date":"2004-07-29T21:05:30","date_gmt":"2004-07-29T19:05:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/frederik-hetmann-als-gast-an-der-schule.htm"},"modified":"2023-05-16T17:53:50","modified_gmt":"2023-05-16T15:53:50","slug":"frederik-hetmann-als-gast-an-der-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/frederik-hetmann-als-gast-an-der-schule.htm","title":{"rendered":"Frederik Hetmann als Gast an der Schule"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/frederik-hetmann-als-gast-an-der-schule.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Heute war Projekttag an unserer Schule. F\u00fcr die 7. Klassen sah das so aus: nach einer Schulstunde Einf\u00fchrung in den Tag gingen die Sch\u00fcler zu Fu\u00df zur <a href=\"http:\/\/www.stadtbibliothek-fuerstenfeldbruck.de\/\">Stadtbibliothek in der Aum\u00fchle<\/a>. Die ist die sch\u00f6nste solcher Bibliotheken, die ich kenne. Ein Turm oben drauf, und innnen hell, verwinkelt und mit viel Platz. Unten gibt es ein Caf\u00e9, und ganz oben einen Vortragssaal, dazwschen Computer-Arbeitspl\u00e4tze und das OPAC-Bibliothekssystem.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wirklich sehr r\u00fchriger Deutschlehrer hatte <a href=\"http:\/\/www.hans-christian-kirsch.de\/\">Frederik Hetmann (eigentlich: Hans-Christian Kirsch)<\/a> eingeladen. F\u00fcr junge Sch\u00fcler ist eine reine Dichterlesung oft nicht sehr interessant. Die wollen selber etwas tun. Au\u00dferdem sollte dieser letzte Tag vor dem Zeugnis m\u00f6glichst produktiv genutzt werden: Auch um zu zeigen, dass solche Projekttage nicht blo\u00df Kuchenverkauf- und Sportwettbewerbtage sein m\u00fcssen, nicht blo\u00df L\u00fcckenf\u00fcller sein m\u00fcssen. (Das lag dem Deutschlehrer vielleicht besonders am Herzen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb wurden die Sch\u00fcler in Gruppen aufgeteilt; jede Gruppe bekam gut f\u00fcnf Seiten Arbeitsauftr\u00e4ge f\u00fcr die Bibliothek. F\u00fcr jede Aufgabe gab es Punkte; f\u00fcr entsprechendes Verhalten (immerhin waren wir in einer \u00f6ffentlichen Bibliothek) gab es ebenfalls Plus- oder Minuspunkte. Ganz wie bei Harry Potter, die Lehrkraft entscheidet.<br>Die Aufgaben enthielten: Bibliotheksausweis beantragen, sofern die Sch\u00fcler keinen hatten. Signaturen anhand von OPAC (also mit dem Computer) und Katalog herauskriegen. Verschiedene in der Bibliothek benutzte und benutzbare Medien und Datentr\u00e4ger herausschreiben. Informationen zu Frederik Hetmann\/Hans-Christian Kirsch herausfinden: Pseudonym, Berufe. Der Hauptteil der Aufgaben besch\u00e4ftigte sich aber mit der eigens vom Deutschlehrer eingerichteten Werkschau.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die war wirklich sehenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>An die hundert Werke von Hetmann\/Kirsch waren auf dem Boden ausgebreitet. Jedes Buch lag einzeln auf einem wei\u00dfen A4-Blatt; und zwischen dem B\u00fcchern befanden sich rote, gr\u00fcne und blaue Pfeile. Die Pfeile zeigten, und auch das sollten die Sch\u00fcler herausfinden, Zusammenh\u00e4nge im Werk an: chronologische, aber vor allem thematische. \u00dcbersetzungen von Kirsch waren ebenso dabei wie Werke, die Kirsch\/Hetmann beeinflusst haben. Allen Ginsberg verwies auf Hetmanns erstes Buch, irgendwo lag eine Mao-Bibel. Der Anblick von hundert auf dem Boden ausgef\u00e4cherten Kinder- und Jugend- und Indianer- und M\u00e4rchenb\u00fcchern, von Biographien und Anthologien war beeindruckend.<br>Einfacher h\u00e4tte man das als WWW-Seiten haben k\u00f6nnen: Einfacher, und um wieviel langweiliger, \u00f6der, weniger begreifbar. Die Sch\u00fcler liefen um die vielleicht sieben Quadratmetet Fl\u00e4che voller B\u00fccher und Pfeile herum, betrachteten die B\u00fccher von allen Seiten, in all den verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen und Farben und Schrifttypen und Verlagen und voller verschiedener Gebrauchsspuren.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach begann die eigentliche Dichterlesung. Hans-Christian Kirsch las zwei Texte aus der von ihm mit verfassten &#8222;Literaturgeschichte in Geschichten&#8220;, <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/340775504X\/qid=1091127459\/ref=sr_8_xs_ap_i1_xgl\/302-9151707-7693658\"><i>Dichter leben<\/i><\/a>. Danach stellten die Sch\u00fcler Fragen &#8211; und sie hatten sich auch gute Fragen vorher \u00fcberlegt. Daf\u00fcr gab es n\u00e4mlich auch Punkte: Daf\u00fcr, dass die Gruppe gute Fragen auf ihr Blatt aufgeschrieben hatte, aber auch daf\u00fcr, diese Fragen dann auch wirklich gestellt zu haben. Das ist extrinsische Motivation, schadet aber nicht: Denn fast alle Sch\u00fcler waren an den Antworten mehr interessiert als daran, nur ihre Frage loszuwerden.<br>Gefragt wurde unter anderem:<br>&#8211; zu seinem Tagesablauf als Schriftsteller<br>&#8211; zu seiner Arbeitsweise<br>&#8211; wie lange er f\u00fcr ein Buch braucht<br>&#8211; zu Schwierigkeiten und Erfahrungen mit Verlagen und Lektoren<br>&#8211; zu seinem Pseudonym<br>&#8211; zu seinen Deutsch-Leistungen in der Schule<br>Hans-Christian Kirsch beantwortete alle Fragen ausf\u00fchrlich und freundlich und verst\u00e4ndlich, er sprach zu den Sch\u00fclern und nicht zu den Lehrern, erz\u00e4hlte kurze Anekdoten, und er lie\u00df vor allem auch die Sch\u00fcler mit ihren Fragen zu Wort kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach konnten Sch\u00fcler und Lehrer noch <i>Dichter leben<\/i> kaufen und signieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war ein sinnvoller Projekttag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) 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