{"id":76,"date":"2004-08-04T07:39:37","date_gmt":"2004-08-04T05:39:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/geoffrey-chaucer-the-canterbury-tales.htm"},"modified":"2023-05-24T11:18:57","modified_gmt":"2023-05-24T09:18:57","slug":"geoffrey-chaucer-the-canterbury-tales","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/geoffrey-chaucer-the-canterbury-tales.htm","title":{"rendered":"Geoffrey Chaucer, The Canterbury Tales"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/08\/geoffrey-chaucer-the-canterbury-tales.htm#comments'>23 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich in der 11. Klasse war, hielt unser damaliger Englisch-Referendar <a href=\"http:\/\/www.peter-ringeisen.de\/\" target=\"new\" rel=\"noopener\">Peter Ringeisen<\/a> eine Stunde zu Geoffrey Chaucer. Eigentlich war es nur eine halbe Stunde: Ich habe gerade das Arbeitsblatt von damals herausgekramt; die linke H\u00e4lfte ist altenglisch, die rechte der Anfang eines mittelenglischen Chaucer-Textes, den ich heute noch auswendig kann. Das muss mich damals sehr beeindruckt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hab dann auch sp\u00e4ter sowohl im Englisch- als auch im Deutsch-LK jeweils eine Stunde zu Chaucer gehalten, unter anderem mit den weiter unten stehenden Texten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geoffrey Chaucer lebte von etwa 1340-1400 in England. Er arbeitete am Hof, war Page und beim Milit\u00e4r, machte Karriere als Beamter. Au\u00dferdem war er Dichter, und sein Hauptwerk sind die <i>Canterbury Tales<\/i>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Rahmenhandlung der <i>Canterbury Tales<\/i> erz\u00e4hlt, wie eine Pilgergruppe von London aus nach Canterbury aufbricht. Die Reisenden treffen sich in einer (historisch belegten) Wirtschaft und sind so begeistert, dass der Wirt und der Erz\u00e4hler Chaucer gleich mitkommen. Neben ihnen gibt es Nonnen, Ritter, Handwerker aller Art, Priester. Auf dem Weg erz\u00e4hlen sie sich in einer Art Wettbewerb gegenseitig Geschichten, und diese Geschichten bilden eben die <i>Canterbury Tales<\/i>. Chaucer befindet sich damit in bester Novellen-Tradition.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor jeder Geschichte gibt es den von Chaucer erz\u00e4hlten Prolog des jeweiligen Geschichtenerz\u00e4hlers. Interessant sind n\u00e4mlich nicht nur die Geschichten (lustige, traurige, dramatische Erz\u00e4hlungen), sondern auch die Erz\u00e4hler, und der Grund, warum sie jeweils diese Geschichte erz\u00e4hlen (als Reaktion auf andere Geschichten, um bestimmte Mitreisende zu \u00e4rgern).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chaucer ist der \u00e4lteste englische Dichter, den man als Muttersprachler heute noch einigerma\u00dfen und mit viel gutem Willen lesen kann. &#8222;Mittelenglisch&#8220; nennt man das, was damals gesprochen wurde; in der Schreibung ist das dem heutigen Englisch ziemlich \u00e4hnlich, es wurde nur anders ausgesprochen: Vereinfacht gesagt, jeder Buchstabe, der geschrieben wurde (und heute noch geschrieben wird), wurde auch als Laut ausgesprochen<br>Vor dem Mittelenglischen gab es das Altenglische, noch ohne franz\u00f6sischen Einfluss, also rein Angels\u00e4chsisch. Als 1066 die Normannen England eroberten, brachten sie viele nordfranz\u00f6sische W\u00f6rter mit, die sich nach und nach mit dem Altenglischen vermischten und zum Mittelenglischen f\u00fchrten. &#8222;Neuenglisch&#8220; ist das, was heute (und seit etlichen hundert Jahren) gesprochen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;The Miller&#8217;s Tale&#8220; ist eine der besten Geschichten aus den <i>Canterbury Tales<\/i>. Schon in der 12. Klasse hatte ich mir eine neuenglische \u00dcbersetzung von Chaucer gekauft und diese Erz\u00e4hlung gelesen: Vermutlich haupts\u00e4chlich deshalb, um <b>&#8222;A Whiter Shade of Pale&#8220;<\/b> von Procol Harum besser zu verstehen. Ein geniales Lied mit r\u00e4tselhaftem Text. Unter anderem hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">And so it was that later<br>As the miller told his tale<br>That her face, at first just ghostly<br>Turned a whiter shade of pale.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider hat mir Chaucer dabei auch nicht weitergeholfen. (Ebensowenig wie die Tatsache, dass mein Songbook damals die Zeile als &#8222;as the mirror told his tale&#8220; wiedergab. \u00dcberhaupt wird sich bei diesem Lied gerne verh\u00f6rt, wie man bei <a href=\"http:\/\/www.amiright.com\/misheard\/artist\/procolharum.shtml\" target=\"new\" rel=\"noopener\">misheard lyrics<\/a> nachschlagen kann.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In &#8222;The Miller&#8217;s Tale&#8220; geht es um einen alten Tischlermeister (carpenter) mit einer deutlich j\u00fcngeren Frau, Alisoun. Die f\u00e4ngt mit dem Untermieter Nicholas, einem Studenten, ein Verh\u00e4ltnis an. Um vom Tischler nicht gest\u00f6rt zu werden, reden sie ihm ein, dass eine zweite Flut (wie die von Noah) droht, und dass er sich in seine Tr\u00f6ge innen unter das Dach h\u00e4ngen soll. Wenn die Flut komme und das Wasser das obere Stockwerk erreicht habe, brauche er dann nur die Seile durchzuschneiden und er und seine Frau k\u00f6nnten in den zu Booten umfunktionierten Tr\u00f6gen davonfahren. Nat\u00fcrlich schl\u00e4ft der brave Mann ein und Alisoun stiehlt sich zu Nicholas.<br>Absolon ist ein Mann aus dem Dorf, der ebenfalls mit Alisoun etwas anfangen m\u00f6chte. Er will bei Alisoun fensterln, die ist aber schon mit Nicholas besch\u00e4ftigt. Sie versprichst Absolon einen Kuss, streckt ihm aber nur ihren Hintern aus dem Fenster, den Absolon in der Dunkelheit k\u00fcsst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/miller1.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Ersten Teil anh\u00f6ren (von mir gelesen &#8211; einige Fehler sind noch drin, aber das merkt hoffentlich keiner)<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The wyndow she undoth, and that in haste.<br>&#8222;Have do,&#8220; quod she, &#8222;com of, and speed the faste,<br>Lest that oure neighebores thee espie.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">This Absolon gan wype his mouth ful drie.<br>Derk was the nyght as pich, or as the cole,<br>And at the wyndow out she putte hir hole,<br>And Absolon, hym fil no bet ne wers,<br>But with his mouth he kiste hir naked ers<br>Ful savourly, er he were war of this.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abak he stirte, and thoughte it was amys,<br>For wel he wiste a womman hath no berd.<br>He felte a thyng al rough and long yherd,<br>And seyde, &#8222;Fy! allas! what have I do?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Tehee!&#8220; quod she, and clapte the wyndow to,<br>And Absolon gooth forth a sory pas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;A berd! a berd!&#8220; quod hende Nicholas,<br>&#8222;By Goddes corpus, this goth faire and weel.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich liebe vor allem Alisouns &#8222;Tehee&#8220;. Weiter: Absolon holt sich wutentbrannt vom Dorfschmied eine noch hei\u00dfe Pflugschar (&#8222;kultour&#8220;) und bittet dann wieder bei Alisoun am Fenster um einen weiteren Kuss, will sich aber eigentlich nur r\u00e4chen. Er bietet ihr einen Ring als Geschenk an. Der Student Nicholas will Absolon noch mehr &#8211; hier passt: verarschen &#8211; und steckt seinen eigenes Hinterteil heraus. Und l\u00e4sst einen fahren. In diesem Moment rammt Absolon die hei\u00dfe Pflugschar nach oben. Nicholas schreit nach Wasser. Der Tischler wacht durch das Geschrei auf, h\u00f6rt die Rufe nach &#8222;Wasser! Wasser!&#8220; und denkt, die Flut ist da. Also schneidet er die Seile durch und kracht mit seinem Trog ein Stockwerk nach unten auf den Boden. Die Nachbarn kommen zusammengelaufen, Chaos und Verwirrung \u00fcberall.<br>Perfektes Timing.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/miller2.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Zweiten Teil anh\u00f6ren (von mir gelesen &#8211; einige Fehler sind noch drin, aber das merkt hoffentlich keiner)<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Why, nay,&#8220; quod he, &#8222;God woot, my sweete leef,<br>I am thyn Absolon, my deerelyng.<br>Of gold,&#8220; quod he, &#8222;I have thee broght a ryng.<br>My mooder yaf it me, so God me save;<br>Ful fyn it is, and therto wel ygrave.<br>This wol I yeve thee, if thou me kisse.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">This Nicholas was risen for to pisse,<br>And thoughte he wolde amenden al the jape;<br>He sholde kisse his ers er that he scape.<br>And up the wyndowe dide he hastily,<br>And out his ers he putteth pryvely<br>Over the buttok, to the haunche-bon;<br>And therwith spak this clerk, this Absolon,<br>&#8222;Spek, sweete bryd, I noot nat where thou art.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">This Nicholas anon leet fle a fart,<br>As greet as it had been a thonder-dent,<br>That with the strook he was almoost yblent;<br>And he was redy with his iren hoot,<br>And Nicholas amydde the ers he smoot.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Of gooth the skyn an hande-brede aboute,<br>The hoote kultour brende so his toute,<br>And for the smert he wende for to dye.<br>As he were wood, for wo he gan to crye,<br>&#8222;Help! water! water! help, for Goddes herte!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">This carpenter out of his slomber sterte,<br>And herde oon crien &#8222;water&#8220; as he were wood,<br>And thoughte, &#8222;Allas, now comth Nowelis flood!&#8220;<br>He sit hym up withouten wordes mo,<br>And with his ax he smoot the corde atwo.<br>And doun gooth al; he foond neither to selle<br>Ne breed ne ale, til he cam to the celle<br>Upon the floor, and ther aswowne he lay.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil ich&#8217;s auch noch mit aufgenommen habe: Hier der ber\u00fchmte Anfang der Rahmenhandlung der <i>Canterbury Tales<\/i>. Wie auch f\u00fcr die Aufnahmen oben gilt: Mein Mittelenglisch ist etwas rostig. Immer wieder setzt sich doch die gewohnte neuenglische Aussprache durch. Und auch die verschiedenen langen e- und o-Laute (offen bzw. geschlossen) halte ich nicht immer sauber getrennt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/prologue.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Whan that aprill with his shoures soote<br>The droghte of march hath perced to the roote,<br>And bathed every veyne in swich licour<br>Of which vertu engendred is the flour;<br>Whan zephirus eek with his sweete breeth<br>Inspired hath in every holt and heeth<br>Tendre croppes, and the yonge sonne<br>Hath in the ram his halve cours yronne,<br>And smale foweles maken melodye,<br>That slepen al the nyght with open ye<br>(so priketh hem nature in hir corages);<br>Thanne longen folk to goon on pilgrimages,<br>And palmeres for to seken straunge strondes,<br>To ferne halwes, kowthe in sondry londes;<br>And specially from every shires ende<br>Of engelond to caunterbury they wende,<br>The hooly blisful martir for to seke,<br>That hem hath holpen whan that they were seeke.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(23 Kommentare.) Als ich in der 11. Klasse war, hielt unser damaliger Englisch-Referendar Peter Ringeisen eine Stunde zu Geoffrey Chaucer. Eigentlich war es nur eine halbe Stunde: Ich habe gerade das Arbeitsblatt von damals herausgekramt; die linke H\u00e4lfte ist altenglisch, die rechte der Anfang eines mittelenglischen Chaucer-Textes, den ich heute noch auswendig kann. 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