{"id":7604,"date":"2016-06-05T07:57:53","date_gmt":"2016-06-05T05:57:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=7604"},"modified":"2016-06-05T07:57:53","modified_gmt":"2016-06-05T05:57:53","slug":"gedankenaustausch-bei-twitter-deutungsthesen-und-schulhomepages","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2016\/06\/gedankenaustausch-bei-twitter-deutungsthesen-und-schulhomepages.htm","title":{"rendered":"Gedankenaustausch bei Twitter: Deutungsthesen und Schulhomepages"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2016\/06\/gedankenaustausch-bei-twitter-deutungsthesen-und-schulhomepages.htm#comments'>9 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Zwei Gedankenaustausche bei Twitter letzte Woche, der erste zum Thema Aufsatzdidaktik: Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler schreiben in allen Bundesl\u00e4ndern Interpretationsaufs\u00e4tze zu Dramen, Erz\u00e4hlungen, Gedichten. Dazu geh\u00f6rt dann jeweils eine Beschreibung der wichtigsten Ph\u00e4nomene &#8211; Erz\u00e4hlverhalten, Figurenkonstellation, Art der \u00c4u\u00dferungen, Form, und die bekannten sprachlichen und stilistischen Auff\u00e4lligkeiten. Das alles soll aber m\u00fcnden in eine eigenst\u00e4ndige Deutung des Textes: Was bedeutet das alles denn nun? (Das ist eine ganz andere Frage als die, was der Autor damit wollte, wird aber oft damit verwechselt.)<\/p>\n<p>Im Lehrplan hei\u00dft das: &#8222;Vor dem Hintergrund der Mehrdeutigkeit literarischer Texte entfalten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ein eigenst\u00e4ndiges Textverst\u00e4ndnis und begr\u00fcnden dieses textnah und plausibel.&#8220; <\/p>\n<p>Vorgesehen ist das Arbeiten so, dass man zuerst eine Stoffsammlung anlegt, also &#8211; am besten schon strukturiert &#8211; Notizen macht. Dann legt man eine Gliederung des ganzen Aufsatzes an. (Die muss in Bayern mit bewertet werden.) Und dann schreibt man den Aufsatz.<\/p>\n<p>Das an meiner Schule eingef\u00fchrte Schulbuch sieht dazu vor, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler am Anfang des Hauptteils des Aufsatzes, also nach einer kurzen Einleitung, Ihre Deutungshypothese schreiben, und sie im Lauf der Analyse zu besch\u00e4ftigen, um dann am Abschluss noch einmal (uh, glaube ich) zu best\u00e4tigen. Die Deutschlehrer an meiner Schule empfehlen dagegen, erst die Analyse vorzunehmen und diese am Ende in eine Deutung m\u00fcnden zu lassen.<\/p>\n<p>Bei Twitter habe ich gefragt, wie andere Lehrer das halten:<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Deutschdidaktik-Frage: Wohin soll man SuS empfehlen, die Deutungsthese bei Interpretationsaufsatz zu setzen?<\/p>\n<p>&mdash; Thomas Rau (@Herr_Rau) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Herr_Rau\/status\/737649632210194432\">31. Mai 2016<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Wenn ich die Deutungsthese nur am Schluss bringe, vermeide ich eine Wiederholung, und vor allem riskiere ich weniger, mich zu fr\u00fch auf eine Deutung festzulegen, die nicht haltbar ist und auf die dennoch alles folgende hin mechanisch ausgerichtet wird. (&#8222;Gedicht stammt aus dem Jahr 1918, ist also garantiert expressionistisch&#8220; oder &#8222;das Wort &#8218;Vernichtung&#8216; taucht auf, es geht also um eine Warnung vor dem Dritten Reich&#8220;). Denn die eigentliche Interpretation eines Gedicht entsteht &#8211; vielleicht &#8211; ja erst beim Analysieren und beim Verschriftlichen der Gedanken, siehe auch Kleists Aufsatz <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/-589\/1\">&#8222;\u00dcber die allm\u00e4hliche Verfertigung der Gedanken beim Reden&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Andererseits: Wenn ich die Deutungsthese bereits am Anfang nenne, ist die Gefahr geringer, dass ich danach ziellos und mechanisch Beobachtungen aneinanderreihe, die letztlich mit der sp\u00e4teren Deutung nichts zu tun haben. &#8222;Im Gedicht \u00fcberwiegen m\u00e4nnliche Kadenzen.&#8220;<\/p>\n<p>Hauptberufliche Didaktiker haben sich bei der Umfrage leider nicht zu Wort gemeldet, die sagen vermutlich nur so wenig Hilfreiches wie &#8222;Man muss die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dazu bringen, dass sie selbst entscheiden k\u00f6nnen, wie sie ihren Aufsatz aufbauen und wo sie ihre Deutung platzieren.&#8220; <\/p>\n<p>Ganz fr\u00fcher war ich ein Vertreter der Deutung-nach-vorn-Schule. Dann die letzten Jahre \u00fcber: Deutung nach hinten. Inzwischen kehre ich wohl wieder zur\u00fcck. Es ist wohl doch nicht so, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre Gedanken beim Schreiben entwickeln; die Analyse hat dann doch zu wenig mit der darauffolgenden These zu tun. Zwingt man sie, am Anfang ihre Hosen an den Mast zu nageln (uh, gibt diese Redewendung nur auf Englisch? bin schon, uh, sehr im Feierabend), dann \u00fcberlegen sie vielleicht tats\u00e4chlich schon lange vor dem Schreiben, worauf sie hinauswollen.<\/p>\n<p>&#8211; Zweitens eine kurze Diskussion zu Schulwebseiten. (Gibt es dazu eigentlich schon Forschung? Sollte leicht zu machen sein und klingt interessanter als die Befragungen, die im Lehrerforum immer wieder auftauchen.) Adressaten von Schulhomepages sind: die eigenen Sch\u00fcler, die eigenen Eltern, die vorgesetzte Beh\u00f6rde, fremde Eltern und Sch\u00fclern, die eigenen Lehrer. F\u00fcr wen sind die Beitr\u00e4ge auf der Homepage jeweils gedacht, und wen erreichen sie wirklich? Ich bin ja sehr skeptisch, was die Reichweite von Homepages betrifft. Vertretungsplan und Mensa-Speisezettel sind f\u00fcr Sch\u00fcler interessant, sonst eher nichts. (Allerdings: Umfrage mit Kommentarm\u00f6glichkeit wird tats\u00e4chlich gut genutzt.) Was interessiert die Eltern der eigenen Schule; wie gro\u00df ist der Werbe-Effekt im Vergleich zu anderen Schulen wirklich? Ist es gut oder schlecht, wenn Schulen \u00fcber ihren Webauftritt in Wettbewerb miteinander treten, oder passiert das gar nicht? Ich denke manchmal, am ehesten interessieren sich noch die vorgesetzten Beh\u00f6rden f\u00fcr Homepages. Jedenfalls werden die bei Ministerialbeauftragten und externer Evaluation regelm\u00e4\u00dfig angef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(9 Kommentare.) 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