{"id":783,"date":"2006-11-16T13:48:40","date_gmt":"2006-11-16T12:48:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/11\/playing-games-ii-with-larry-trask-and-friends.htm"},"modified":"2014-04-30T06:51:55","modified_gmt":"2014-04-30T04:51:55","slug":"playing-games-ii-with-larry-trask-and-friends","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/11\/playing-games-ii-with-larry-trask-and-friends.htm","title":{"rendered":"Playing Games II (with Larry Trask and friends)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/11\/playing-games-ii-with-larry-trask-and-friends.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Spiele und Spielerunden k\u00f6nnen so sch\u00f6n sein. Fr\u00fcher viel gespielt haben wir zum Beispiel <em>Junta<\/em>, <em>Kingmaker<\/em> und <em>Circus Maximus<\/em>:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image785\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/junta.jpg\" alt=\"junta.jpg\" \/><\/p>\n<p><em>Junta<\/em> dauert recht lange und man braucht sieben Spieler, auch wenn man theoretisch mit weniger spielen kann. Ein Spieler ist dabei Pr\u00e4sident einer Bananenrepublik. Er hat wenig direkte milit\u00e4rischer Macht, aber er bestimmt den Innenminister (mit Geheimdienst), die drei Gener\u00e4le, den Chef der Marine und der Luftwaffe. Jeder Spieler kriegt also genau einen Job. Die Gener\u00e4le sind alle gleich m\u00e4chtig, aber einer ist klein und dick und die Zuweisung dieser Rolle gilt als Ausdruck pers\u00f6nlicher Geringsch\u00e4tzung. So war es zumindest bei uns damals. Im Spiel.<br \/>\nAm Anfang jeder Runde zieht der Pr\u00e4sident eine Summe Entwicklungsgelder, klagt heftig dar\u00fcber, dass es diesmal nicht viel ist, und verteilt das Geld nach Gutd\u00fcnken an sich und die anderen Spieler. Meistens gehen einige Spieler dabei leer aus, aber zumindest der Innenminister sollte einen Happen abkriegen.<br \/>\nDann kommt eine Zwischenrunde, in der man sich bei der Geliebten, im Club oder der Bank herumtreiben kann. Will man sein Geld aufs Schweizer Konto bringen, muss man in die Bank, und nur das Geld auf dem Konto z\u00e4hlt f\u00fcrs Gewinnen. In dieser Runde finden allerdings auch die Attentate statt. Wenn man am richtigen Ort erwischt wird, verliert man sein Geld und seine Position. Nach der Runde kann geputscht werden &#8211; dann wird ein bisschen gezogen und gew\u00fcrfelt, und am Schluss halten verschiedene Spieler verschiedene Schl\u00fcsselpositionen und \u00fcberlegen sich noch einmal ganz genau, ob sie regierungstreu sein oder zu den Putschisten geh\u00f6ren wollen.<\/p>\n<p>Noch h\u00e4ufiger haben wir <em>Kingmaker<\/em> gespielt, aber dar\u00fcber habe ich <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2005\/08\/kingmaker.htm\">schon mal geschrieben<\/a>.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/kingmaker1.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Das spannendste Finish hatte <em>Circus Maximus<\/em>. Es gibt viele Wagenrenn-Spiele, dieses finde ich am spannendsten, auch wenn es ebenfalls l\u00e4nger dauert, als man meint.<br \/>\nJeder Spieler erh\u00e4lt eine r\u00f6mische Quadriga, ein Gespann von vier Pferden und einen Streitwagen. Man kann am Anfang Punkte verteilen: Schnelle, normale oder langsame Pferde; guter, mittlerer oder schwacher Wagenlenker; leichter, mittlerer oder gepanzerter Streitwagen (mit Sicheln). Dann geht das Rennen los, drei Runden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image784\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/circus_maximus.jpg\" alt=\"circus_maximus.jpg\" \/><\/p>\n<p>Man kann bei Circus Maximus den Wagen des Gegners zu rammen versuchen, man kann versuchen, die Pferde mit dem Wagen zu verletzen, man kann den Lenker mit der Peitsche schlagen oder die Pferde peitschen &#8211; die eigenen wie die gegnerischen. Durchs Peitschen der Pferde werden diese schneller, unter Umst\u00e4nden schneller als geplant. Man kann n\u00e4mlich nicht beliebig abrupt bremsen oder beschleunigen; f\u00e4hrt man innen in der Kurve, braucht man wenige Felder, darf daf\u00fcr nicht so schnell fahren wie au\u00dfen in der Kurve, wo man daf\u00fcr mehr Felder ziehen muss. Wer zu schnell in die Kurve kommt, l\u00e4uft Gefahr, eben aus der Kurve getragen zu werden.<br \/>\nDie letzte Runde ist dann die spannendste. Bei den Wagen eiern die R\u00e4der, die Pferde keuchen, ein Lenker versucht sich zu Fu\u00df zu retten, ein paar Wracks liegen auf der Strecke.<\/p>\n<p>Einmal habe ich eine besonders sch\u00f6ne Version von Circus Maximus spielen d\u00fcrfen. Das Spielfeld war in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab teppichgro\u00df aufgebaut worden, und statt kleiner Pappscheiben schoben wir liebevoll angemalte Plastikpferde und -Streitw\u00e4gen herum. Das war vor f\u00fcnfzehn Jahren in England. Im Linguistik-Seminar an der Uni war es um exotische Pluralformen gegangen, etwa die Entstehungsgeschichte des archaischen <em>kine<\/em>. Und da erz\u00e4hlte der Professor, Larry Trask, ein geb\u00fcrtiger Amerikaner, von den Missverst\u00e4ndnissen in seiner englischen Spielerrunde: der Singular von W\u00fcrfel ist n\u00e4mlich auf AE &#8222;die&#8220; und auf BE &#8222;dice&#8220;, also genauso wie der Plural.<br \/>\nIch h\u00f6rte sofort: Spielerrunde! Tats\u00e4chlich trafen sich bei Larry w\u00e4hrend des Trimesters jeden Freitag einige Studenten und Ex-Studenten zum Spielen. Es gab immer ein paar Snacks und ein Abendessen, ein gro\u00dfes Spiel, und ein kleines Spiel zum Nachtisch. Abgestimmt wurde nach einem komplizierten Verfahren.<\/p>\n<p>Es war wunderbar. Wir spielten bis sp\u00e4t in die Nacht, ein paarmal bis zum Morgengrauen. Ich glaube, ich habe Larry nie richtig f\u00fcr die wunderbare Zeit gedankt, oder den anderen Spielern, die mich abwechselnd zur\u00fcck zur Uni ins Wohnheim gefahren haben. Ich war jung. (Eine Schuld, die ich versucht habe abzuarbeiten, indem ich Jahre danach Tim immer nach Hause fuhr. Ich bin dem Universum aber immer noch etwas schuldig.)<\/p>\n<p>Ich kann mich noch an viele Abende erinnern, vor allem an einen, mit wunderbaren Spielen, gutem Essen, und viel Wein. (Habe ich immer Wein mitgebracht? Ich hoffe es jedenfalls.) Am Schluss musste auch noch der Portwein dran glauben, weil wirklich nichts mehr da war. Keiner war betrunken, dazu hatten wir zu kontinuierlich und \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg getrunken. Dass das eine tolle Nacht gewesen war, wurde mir erst eine Woche sp\u00e4ter bewusst. Man kriegt es doch immer erst danach mit.<\/p>\n<div align=\"center\">*<\/div>\n<p>Ich erw\u00e4hne das alles so ausf\u00fchrlich, weil ich gestern nach Larry Trask gegoogelt habe und in seinem <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Larry_Trask\">Wikipedia-Eintrag<\/a> lesen musste, dass Larry vor zweieinhalb Jahren gestorben ist. (Nachruf z.B. bei <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/main.jhtml?xml=\/news\/2004\/04\/16\/db1603.xml&#038;sSheet=\/portal\/2004\/04\/16\/ixportal.html\">Telegraph.co.uk<\/a>.)<\/p>\n<p>Larry war obendrein ein guter Lehrer, jedenfalls f\u00fcr mich. &#8222;Pretty damn good&#8220; stand oft unter meinen Arbeiten, nachdem er sie korrigiert hatte. (Die interessanteste davon, hatte was mit Baskisch, Larrys zweitem Standbein, zu tun, habe ich leider mal Uwe geliehen und nie wieder gekriegt.) Transformationsgrammatik habe ich bei ihm gelernt. Und wieso &#8222;he sang his didn&#8217;t he danced his did&#8220; grammatisch nicht wohlgeformt ist (aber von e. e. cummings) und &#8222;Oysters oysters oysters slit slit slit&#8220; schon. Seine Beispiels\u00e4tze handelten fast alle von Janet. Und was Janet nicht alles \u00fcber sich ergehen lassen musste! Es war fast wie eine Fortsetzungsgeschichte.<\/p>\n<p>(Im Referendariat, als ich noch Zeit zum Erstellen von L\u00fcckentexten hatte, habe ich in einer Klasse auch immer die gleichen Charaktere verwendet. Spannender als die im Buch waren sie allemal.)<\/p>\n<p>Irgendwann muss ich mal \u00fcber die Spielerrunde in Deutschland schreiben. Oder die Leute wenigstens mal wieder anrufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) Spiele und Spielerunden k\u00f6nnen so sch\u00f6n sein. Fr\u00fcher viel gespielt haben wir zum Beispiel Junta, Kingmaker und Circus Maximus: Junta dauert recht lange und man braucht sieben Spieler, auch wenn man theoretisch mit weniger spielen kann. Ein Spieler ist dabei Pr\u00e4sident einer Bananenrepublik. 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