{"id":789,"date":"2006-12-01T17:57:35","date_gmt":"2006-12-01T16:57:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/12\/die-fledermaus.htm"},"modified":"2008-03-21T18:58:50","modified_gmt":"2008-03-21T17:58:50","slug":"die-fledermaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/12\/die-fledermaus.htm","title":{"rendered":"Die Fledermaus"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/12\/die-fledermaus.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Ausnahmsweise die andere, die von Johann Strau\u00df (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Fledermaus\">Wikipedia<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.semperoper.de\/index.php?f_ArticleId=2231&#038;query=Die\">Semperoper<\/a>): Zum Geburtstag gew\u00fcnscht, mit Versp\u00e4tung gekriegt, jetzt endlich angeh\u00f6rt: Die Fledermaus. Und grad sch\u00f6n is&#8216;!<\/p>\n<p>Mit meinem Aufwachsen bin ich im Gro\u00dfen und Ganzen sehr zufrieden. Man hat mich viel in Ruhe gelassen, wenn man davon absieht, dass ich mich lange nicht gegen Geh-doch-mal-raus-Radtouren wehren konnte. Aber ich war fr\u00fch in den USA, lernte alte Filme kennen, Shakespeare in Form von Fernsehinszenierungen lieben, und war immer wieder Oper und Operette ausgesetzt. Dazu ein wenig Theater, gar keine Prosa, aber viel Musik. Sehr hatte mich Musik nie interessiert, aber man nimmt doch etwas mit.<\/p>\n<p>Unter anderem gab es eine Videokassette mit der Fledermaus (Betamax), die ich drei-, viermal gesehen habe. Jedenfalls konnte ich mich an viel erinnern, und die CDs jetzt haben diese Erinnerungen noch einmal aufgefrischt. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df noch, wie ich als &#8211; F\u00fcnfzehnj\u00e4hriger? &#8211; mit meinen Eltern zu Freunden fahren musste und so gar keine Lust dazu hatte. Die ganze Autofahrt sa\u00df ich hinten und sang leise vor mich hin: &#8222;Gal\u00fccklich iiist, wer vergiiist, was nun einmal nicht zu \u00e4\u00e4\u00e4\u00e4ndern iiiist.&#8220; Das muss furchtbar gewesen sein. Dass das aus der Fledermaus ist, habe ich erst jetzt gemerkt.<\/p>\n<p>Mir gef\u00e4llt an der Fledermaus die Musik und die Handlung: Herr von Eisenstein muss ein paar Tage ins Gef\u00e4ngnis wegen Beamtenbeleidigung. Sein Freund Dr. Falke \u00fcberredet ihn, den Abend zuvor heimlich auf dem Fest des Grafen Orlofsky zu verbringen; Eisenstein verabschiedet sich unter Krokoldistr\u00e4nen von seiner Frau Rosalinde, sie singen gemeinsam zwischen Dur und falschem Moll hin- und herspringend: &#8222;Oh je, oh je, wie r\u00fchrt mich dies.&#8220; Die Frau hat n\u00e4mlich auch etwas vor, und zwar ein sp\u00e4tes Abendessen mit ihrem ehemaligen Liebhaber Affred. Die Zofe Adele wird aus dem Haus geschickt, sie stibitzt sich ein Kleid der gn\u00e4digen Frau und geht ebenfalls auf den Ball bei Orlofsky.<br \/>\nAlfred will Rosalinde betrunken machen: &#8222;Trinke Liebchen, trinke schnell, Trinken macht die Augen hell&#8220;. Er hat es sich schon recht gem\u00fctlich gemacht, als der Gef\u00e4ngnisdirektor Frank kommt, um Eisenstein pers\u00f6nlich abzuholen. Nat\u00fcrlich h\u00e4lt er Alfred f\u00fcr Eisenstein, der will Rosalinde nicht kompromittieren (ich wei\u00df noch genau, dass ich das Wort damals gelernt habe) und geht ins Gef\u00e4ngnis, nicht ohne sich zuvor als vorgeblicher Ehemann zwei K\u00fcsse geraubt zu haben.<\/p>\n<p>Der Gef\u00e4ngnisdirektor hat es eilig. Er will noch auf ein Fest. Orlofsky nat\u00fcrlich. Der ist ein russischer Graf, fuuurchtbar gelangweilt und eigentlich ein Mezzosopran. (Ich habe eine Aufnahme mit Iwan Rebroff, der das ganze St\u00fcck durch im Falsett singt. Gruslig. Wem das was sagt, der ist noch meine Generation.) &#8222;Ich lade gern mir G\u00e4ste ein&#8220;, singt er, und die d\u00fcrfen sich nicht langweilen oder mit dem Trinken aufh\u00f6ren, sonst werden sie rausgeworfen. &#8222;Die Majest\u00e4t ist anerkannt&#8220; singt der Chor, und damit ist der K\u00f6nig der Weine gemeint: Champagner!<\/p>\n<p>Auf dem Ball glaubt Eisenstein, das maskierte Kammerm\u00e4dchen Adele zu erkennen. Die Gesellschaft lacht ihn aber aus, allen voran Adele: &#8222;Sie verzeihen, ha-ha-ha, wenn ich lache, ha-ha-ha&#8220;. Eisenstein selber gibt sich auf dem Ball als franz\u00f6sischer Marquis aus, trifft auf den Gef\u00e4ngnisdirektor Frank, der sich ebenfalls als franz\u00f6sischer Adliger ausgibt. Sie werden einander vorgestellt, richtig Franz\u00f6sisch kann nat\u00fcrlich keiner von beiden, und sie f\u00fchren einen Dialog, der nur aus ein paar halbgaren Brocken besteht.<br \/>\nRosalinde ist inzwischen auch auf dem Ball. (Wie sie dorthin kommt, wei\u00df ich nicht, ich geb&#8217;s zu.) Sie ist als ungarische Gr\u00e4fin maskiert; ihr Mann flirtet heftig mit ihr, ohne sie zu erkennen. Im Uhrenduett nimmt sie ihm seine Uhr ab, die Teil eines Tricks ist, mit dem er gerne Frauen anspricht.<\/p>\n<p>Der Morgen naht. Alle trinken Br\u00fcderschaft (&#8222;Br\u00fcderlein und Schwesterlein&#8220;). Eisenstein und Frank wanken beide Richtung Gef\u00e4ngnis; Eisenstein ist \u00fcberrascht, dass dort schon ein anderer Eisenstein einsitzt (Alfred). Er gibt sich als Anwalt aus und ber\u00e4t Alfred und Rosalinde. Gibt sich am Ende zu erkennen, wutenbrannt (&#8222;Ja ich bin&#8217;s, den ihr betrogen\/Ja ich bin&#8217;s, den ihr belogen&#8220;). Gl\u00fccklicherweise hat Rosalinde die Uhr und kann ihm sein eigenes Fehlverhalten beweisen.<br \/>\nTrotzdem ist er ernstlich b\u00f6se, und nur Dr. Falke kann mit einem Gemisch aus L\u00fcge und Wahrheit die Wogen gl\u00e4tten.<\/p>\n<p>Tolle Musik. Sehr witzig. Und sehr wenig moralisch im traditionellen Sinn. Erinnert mich an Kom\u00f6dien der Restorationszeit, abgesehen vom Ende, als nicht das Erwischtwerden, sondern tats\u00e4chlich das Fremdgehen das Problem zu sein scheint. Nat\u00fcrlich ist das St\u00fcck nicht sehr demokratisch, die feine Gesellschaft reklamiert Sonderrechte f\u00fcr sich. <\/p>\n<p>\u00c4hnlich amoralisch sch\u00f6n ist das kaum bekannte <em>The Wrong Box<\/em> von Robert Louis Stevenson und Lloyd Osborne. Groteske Gestalten, die sich gegenseitig aufs Kreuz legen wollen; eine obskure Erbschaftsgeschichte und eine Leiche, die verborgen werden muss und von einem zum anderen weitergereicht wird. Auf die Idee, die Obrigkeit zu informieren, kommt keine einzige der Figuren.<\/p>\n<p>Ja. Hm. Das wollte ich nur mal sagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) Ausnahmsweise die andere, die von Johann Strau\u00df (Wikipedia und Semperoper): Zum Geburtstag gew\u00fcnscht, mit Versp\u00e4tung gekriegt, jetzt endlich angeh\u00f6rt: Die Fledermaus. Und grad sch\u00f6n is&#8216;! Mit meinem Aufwachsen bin ich im Gro\u00dfen und Ganzen sehr zufrieden. 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