{"id":874,"date":"2008-04-21T19:06:20","date_gmt":"2008-04-21T17:06:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=874"},"modified":"2023-05-31T14:01:04","modified_gmt":"2023-05-31T12:01:04","slug":"nesfa-press-science-fiction-von-frueher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/04\/nesfa-press-science-fiction-von-frueher.htm","title":{"rendered":"NESFA Press: Science Fiction von fr\u00fcher"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2008\/04\/nesfa-press-science-fiction-von-frueher.htm#comments'>6 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Drei B\u00fccher, die einzeln nicht f\u00fcr einen Blogbeitrag reichen, jeweils erschienen bei NESFA (The North England Science Fiction Association) Press, alles dicke, gebundene W\u00e4lzer mit Geschichten, die ich vor zwanzig bis f\u00fcnfundzwanzig Jahren auf Deutsch gelesen habe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"550\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/nesfa_press1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1319\" title=\"nesfa_press1\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>1. Cordwainer Smith, The Rediscovery of Man<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00e4mtliche phantastische Kurzprosa von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cordwainer_Smith\">Cordwainer Smith<\/a>, also eigentlich alles au\u00dfer dem Roman <em>Norstrilia<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;The golden age of science fiction&#8220;, ich hab&#8217;s irgendwann schon mal zitiert, &#8222;is twelve.&#8220;<br>Tats\u00e4chlich war ich \u00e4lter, als ich Cordwainer Smith gelesen habe. Vielleicht sogar zwanzig. Ein Blogeintrag vor ein oder zwei Jahren hatte mich an ihn erinnert, und danach las ich mich durch seine s\u00e4mtlichen Geschichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat sich ordentlich gehalten. Die Geschichten sind noch lesenswert, aber vielleicht sollte man bei der Erstlekt\u00fcre tats\u00e4chlich zwanzig sein und nicht vierzig. Vielleicht war der Zauber auch nur deshalb nicht mehr ganz so gro\u00df, weil ich mich gut an die meisten Geschichten erinnern konnte. An die wirklich wunderbaren Titel sowieso: The Lady Who Sailed The Soul; Think Blue, Count Two; The Colonel Came Back from the Nothing-at-All; The Game of Rat and Dragon; The Crime and the Glory of Commander Suzdal; Golden the Ship Was-Oh! Oh! Oh!; The Dead Lady of Clown Town; Drunkboat; Mother Hitton&#8217;s Littul Kittons; Alpha Ralpha Boulevard; The Ballad of Lost C&#8217;mell.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ngen geblieben sind mir die vielen schr\u00e4gen Ideen am Rande:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>&#8222;The Game of Rat and Dragon&#8220;: Menschen arbeiten zusammen mit Katzen gegen die Drachen des Hyperraums.<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;Scanners Live in Vain&#8220;: Der Sprung durch den Hyperraum macht lebende Passagiere wahnsinnig; gel\u00f6st wird das schlie\u00dflich &#8211; wie gesagt, ganz am Rande &#8211; durch eine isolierende Schicht von Austernb\u00e4nken in der Wandung des Raumschiffs: die \u00e4u\u00dfersten Schichten sterben ab, die Passagiere bleiben gesch\u00fctzt.<\/li>\n\n\n\n<li>In &#8222;Dreamboat&#8220; nur ein einzelnes Wort: Dort wird von Christopher Columbus erz\u00e4hlt, der in einem &#8222;water boat&#8220; zu einem neuen Kontinent fuhr.<\/li>\n\n\n\n<li>Verben und Substantive der telepathischen Kommunikation: to hier, to spiek; spiech.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>2. William Tenn, Immodest Proposals. The Complete Science Fiction of William Tenn. Volume I<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon vor einiger Zeit gelesen, keine Notizen gemacht, aber vorne angekreuzt, welche Geschichten sich zum Wiederlesen eignen. Und da sind exzellente dabei:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;The Liberation of Earth&#8220;: Die Erde wird von zwei konkurrierenden au\u00dferirdischen Imperien so lang hin und her befreit, bis nicht mehr viel von ihr \u00fcbrig ist. Das ist dann aber so was von befreit. Erz\u00e4hlperspektive: Am Lagerfeuer im radioaktiven <em>wasteland<\/em> erz\u00e4hlt ein altes Stammesmitglied den Jungen, wie sie in diesen befreiten Zustand versetzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Eastward Ho!&#8220; Nach dem Zusammenbruch ihrer Zivilisation ziehen die B\u00fcrger Amerikas immer weiter gen Osten, in der Hoffnung auf Arbeit, Freiheit, Lebensmittel; werden dabei von den wieder erstarkten Indianern gepiesackt, betrogen, bestenfalls mitleidsvoll von oben herab behandelt, bis sie am Schluss wieder in ihre Schiffe steigen und auf ein besseres Leben in Europa hoffen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Time in Advance&#8220;: Wer ein Verbrechen begehen m\u00f6chte, darf sich die daf\u00fcr vorgesehene Anzahl von Jahren auf dem Strafplaneten vorab nehmen; es gibt, glaube ich, auch eine Art Fr\u00fchbucherrabatt. Das ganze soll zur Abschreckung dienen: Die Strafe kann man jederzeit abbrechen und zur Erde zur\u00fcckkehren, kriegt aber nichts erstattet.<br>Der Held ist der erste, der seine Strafe (zwanzig Jahre f\u00fcr Mord oder so) tats\u00e4chlich abgesessen hat und auf die Erde zur\u00fcckkommt, um sich zu r\u00e4chen. Dort findet er heraus, dass nicht nur sein Partner ihn betrogen hat (wegen dem er das ganze unternommen hat), sondern auch seine Frau, seine Familie, seine Freunde, die jetzt nat\u00fcrlich alle m\u00e4chtig Angst vor ihm haben. Resigniert gibt er seine abgesessene Zeit nach und nach f\u00fcr Strafzettel aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch viele mehr. Nicht so gut gehalten hat sich &#8222;\u0093Der zitronengr\u00fcne, spaghettilaute Tag\u0094&#8220; \u00fcber ein Portion LSD im Trinkwasser von New York, \u00fcber das ich in der 7. Klasse ein Referat gehalten habe. T\u00e4te mich sehr interessieren, was ich damals gesagt habe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. L. Sprague de Camp &amp; Fletcher Pratt, The Enchanter Stories<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Pr\u00e4misse: Harold Shea, abenteuerlustiger Psychologe, entdeckt eine Methode, sich und diverse Gef\u00e4hrten in Sagenwelten zu versetzen, und verbringt einen Gro\u00dfteil seiner Zeit damit, alle wieder sicher nach Hause zu bringen.<br>Diese Geschichten haben sich nur m\u00e4\u00dfig gehalten. Die Heldenfiguren sind zu typenhaft. Es sind zwar keine Schwertschwingerhelden, aber allen Genrelesern zu bekannt ist der Schelm, den es in die Fantasywelt verschl\u00e4gt, und der sich mit seinem Wissensvorsprung und gutem Aussehen die Herzen der Einwohnerinnen erobert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Idee ist sch\u00f6n, die Helden in verschiedene Epen und Mythologien und zu versetzen. Sie landen in der Edda, in Coleridges &#8222;Xanadu&#8220;, in Spensers <em>Faerie Queene<\/em>, in <em>Orlando Furioso<\/em> und im finnischen Sagenzyklus <em>Kalevala<\/em>. Es war sch\u00f6n, beim Wiederlesen zu erkennen, was ich damals mit vierzehn oder f\u00fcnfzehn aus diesen Geschichten gelernt habe: Spenser bin ich dort begegnet, so dass ich schon im ersten Semester wusste, wie man ihn schreibt. Ebenso dem irischen Helden Cuchulain, auch wenn das mit der richtigen Aussprache noch l\u00e4nger gedauert hat. Das gleiche filt f\u00fcr das Wort &#8222;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Geas\">geas<\/a>&#8220; und <em>dessen<\/em> Aussprache. Mit meinem bruckst\u00fcckhaften Wissen um das Kalevala konnte ich im ersten Semester an der Uni Smalltalk mit einer finnischen Studentin machen. Aus den Geschichten wei\u00df ich auch, dass Polizisten in New York dem Klischee nach Iren waren (nutzbar beim LK Thema Immigration =&gt; <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tammany_Hall\">Tammany Hall<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann wirklich aus fast allem etwas lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnenswert ist noch die Idee, dass Magie in diesen Geschichten nur funktioniert, wenn sie von Gedichten begleitet ist. Stabreim-Kurzzeilen im Edda-Abenteuer, troch\u00e4ische Vierheber im Kalevala (im finnischen Original <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kalevala#Versma.C3.9F\">noch interessantere Strophenform<\/a>). Zur Not improvisiert der Held gerne mal mit ein paar abgewandelten Zeilen Kipling oder Shelley.<\/p>\n\n\n\n<p><small>Einmal kommt der Held nur davon, indem er <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Eskimo_Nell\">The Ballad of Eskimo Nell<\/a> aufsagt. In der Geschichte werden nur ein paar Zeilen dieses Gedichts genannt. Ich verlinke das hier nur mal in ganz kleiner Schrift als, hm, Erfahrungsgewinn f\u00fcr die Leser, die bisher durchgehalten haben.<\/small><\/p>\n\n\n\n<p>Das definitive Buch zum Helden, den es in eine Welt der Literatur verschl\u00e4gt, ist \u00fcbrigens <em>Silverlock<\/em> von John Myers Myers. Vor ein paar Jahren habe ich es wieder gelesen, immer noch toll. Keine Genreliteratur. Mehr muss bis zu einem eigenen Blogeintrag warten, hier nur ein Ausschnitt aus &#8222;The Ballad of Bowie Gizzardsbane&#8220; &#8211; eine Nacherz\u00e4hlung der <a href=\"http:\/\/www.tsl.state.tx.us\/treasures\/republic\/index.html\">Belagerung der Alamo<\/a> in germanischer Stabreimdichtung:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Fame has its fosterlings, free of the limits<br>Boxing all others, and Bowie was one of them.<br>Who has not heard of the holmgang at Natchez?<br>Fifty were warriors, but he fought the best,<br>Wielding a long knife, a nonesuch of daggers<br>Worthy of Wayland. That weapon had chewed<br>The entrails of dozens. In diverse pitched battles<br>That thane had been leader; by land and by sea<br>Winning such treasure that trolls, it is said,<br>Closed hills out of fear he&#8217;d frisk them of silver.<br>Racing now westward, he rode into Bexar,<br>Gathered the garrison, gave them his orders:<br>&#8222;Houston the Raven is raising a host;<br>Time&#8217;s what he asks while he tempers an army.<br>Never give up this gate to our land.<br>Hold this door fast, though death comes against us.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>(Literarisch befinden wir uns da gerade in Beowulf-N\u00e4he. Am besten laut lesen.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(6 Kommentare.) Drei B\u00fccher, die einzeln nicht f\u00fcr einen Blogbeitrag reichen, jeweils erschienen bei NESFA (The North England Science Fiction Association) Press, alles dicke, gebundene W\u00e4lzer mit Geschichten, die ich vor zwanzig bis f\u00fcnfundzwanzig Jahren auf Deutsch gelesen habe. 1. Cordwainer Smith, The Rediscovery of Man. 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