{"id":8917,"date":"2017-03-10T18:24:55","date_gmt":"2017-03-10T17:24:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=8917"},"modified":"2023-05-16T09:01:29","modified_gmt":"2023-05-16T07:01:29","slug":"der-richter-und-sein-henker-und-heldenhafte-lehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/03\/der-richter-und-sein-henker-und-heldenhafte-lehrer.htm","title":{"rendered":"Der Richter und sein Henker, und heldenhafte Lehrer (Alpha Alpha)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/03\/der-richter-und-sein-henker-und-heldenhafte-lehrer.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Ich habe zum Halbjahr zwei Informatikklassen mit zusammen 4 Stunden abgegeben und eine Klasse in Deutsch neu erhalten, mit vier Stunden. Das kommt \u00f6fter vor: Zum Halbjahr gehen immer einer paar Referendare und Referendarinnen, andere werden der Schule neu zugewiesen, und deren F\u00e4cherkombinationen sind selten genau die gleichen, so dass sie nicht einfach die Klassen der Vorg\u00e4nger \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Also gibt es Tausche und Ringtausche, und mit meiner Deutsch-Informatik-Englisch-Kombination bin ich da eine geeignete Tauschstelle, ein sehr kurzer Weg zwischen Sprachen und den exakteren Wissenschaften.<\/p>\n<p>Das Arbeiten mit der neuen Klasse macht Vergn\u00fcgen. Eine Sch\u00fclerin liest gerade sogar <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2009\/10\/der-englische-schulroman-neue-abenteuer-im-papierweb.htm\">Stalky &#038; Co.<\/a> Tiralala-itu! Dass es so etwas noch gibt!<\/p>\n<p>Wir lesen <em>Der Richter und sein Henker<\/em>, von der Referendarin ererbt. Ich glaube, ich habe das Buch 1998 in meinem ersten halben Jahr als Lehrer als Schullekt\u00fcre eingesetzt und in guter Erinnerung; allerdings wei\u00df ich auch, dass es mich als Sch\u00fcler \u00fcberhaupt nicht interessiert hatte. (Denn ich arbeite immer noch mit der Ausgabe, die ich 1982 als Lekt\u00fcre erwarb; damals ein deutlichg j\u00fcngeres Buch als heute; Seitenzahl identisch, aber die &#8211; aus der Seitenz\u00e4hlung herausgenommene &#8211; zweiseitige Reklame f\u00fcr Pfandbriefe und Kommunalobligationen gibt es heute nicht mehr.)<\/p>\n<p>Anzahl der Frauen im Buch: 3, davon 2 mit Namen. Keine ist wichtig, zwei sind dezidierte Anh\u00e4ngel von M\u00e4nnern, eine davon wird als Besitz quasi weitervererbt, wenn auch ganz h\u00f6flich: &#8222;Werden Sie mir [&#8230;] das gleiche wie Ihrem verstorbenen Br\u00e4utigam sein?&#8220;<br \/>\nDer ermittelnde Polizist verr\u00e4t seine dem Leser verborgenen Informationen \u00fcber den T\u00e4ter nicht etwa dadurch, dass er diesen als &#8222;Mann&#8220; deklariert. An eine Frau in so aktiver Rolle denkt man im Rahmen dieser M\u00e4nnergeschichte gar nicht.<br \/>\nIn der Parallelklasse lese ich &#8222;Schachnovelle&#8220;, eine Sch\u00fclerwahl. Anzahl der Frauen: 1, ohne Namen, eine beil\u00e4ufig erw\u00e4hnte Krankenschwester, wenn ich mich richtig erinnere. Darauf sollte man Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler immer wieder mal hinweisen, bis es ihnen vielleicht selbst einmal auff\u00e4llt.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Bin ich der einzige, der bei <em>Der Richter und sein Henker<\/em> von Friedrich D\u00fcrrenmatt an <em>The Maltese Falcon<\/em> von Dashiell Hammett denken muss? Ich sehe da Parallelen. Der \u00fcberm\u00e4chtige Gegenspieler des Ermittlers begegnet dem Leser in dem einen Buch zuerst als mysteri\u00f6se Initiale G, von der man nicht wei\u00df, wer sich dahinter verbirgt. Im anderen Buch erscheint der m\u00e4chtigste Gegenspieler des Ermittlers dem Leser zuerst als ein von einem anderen Schurken in die Luft gezeichnetes G &#8211; das Kapitel hei\u00dft sogar &#8222;G in the Air&#8220;. Bei D\u00fcrrenmatt steckt dahinter &#8222;Gastmann&#8220;, bei Hammett &#8222;Gutman&#8220; &#8211; gespielt von Sydney Greenstreet in der bekanntesten Falcon-Verfilmung, und auch wenn wir \u00fcber Gastmanns \u00e4u\u00dfere Erscheinung nicht mehr erfahren als dass er &#8222;b\u00e4uerlich&#8220; wirkt, was alles und nichts hei\u00dfen kann, habe ich mir immer Sydney Greenstreet in dieser Rolle vorgestellt.<\/p>\n<p>In beiden Romanen geht es um eine jahrzehnte dauernde Jagd, nach Gastmann im einen, nach dem Falken im anderen. Beide Romane haben eine philosophische Note: Das Gespr\u00e4ch von Gastmann und B\u00e4rlach in Istanbul; die Anekdote, die Sam Spade von Charles Pierce erz\u00e4hlt. Istanbul ist der Ausgangspunkt der Fehde B\u00e4rlach-Gastmann, und Konstantinopel (also Istanbul) ist der Punkt, von dem die Falkenj\u00e4ger nach San Francisco gehen und zu dem sie am Ende des Romans wieder hinwollen, um die Spur weiter zu verfolgen.<br \/>\nEine Falkenstatue haben wir nicht bei D\u00fcrrenmatt, aber einen Schlangendolch.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Neulich beim Ukuleletreffen im Gastwirtschafts-Nebenraum gesellten sich Mutter und Kind zu uns, die uns von au\u00dfen durch ein Fenster gesehen und zugeh\u00f6rt hatten. Dann wollten sie halt noch mehr h\u00f6ren und kamen herein. Wir haben dann ein paar W\u00fcnsche erf\u00fcllt und hatten \u00fcberhaupt seine sehr sch\u00f6ne Zeit.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Mein Freund B. hat mir eine Fernsehserie der fr\u00fchen 1970er Jahre empfohlen. Die weiteren Episoden &#8211; es gibt insgesamt nur 13 &#8211; sollen \u00fcberraschend gut und ihrer Zeit weit voraus sein. Die erste Episode ist es noch nicht so sehr.<\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VaLjx1r66h0<\/p>\n<p>Die Geschichte: Eine Geheimorganisation sucht f\u00fcr internationale Eins\u00e4tze hochkar\u00e4tige Agenten, sogenannte Alphas. &#8222;Pers\u00f6nlichkeiten, die f\u00e4hig sein m\u00fcssen, <em>f\u00fcr<\/em> die Menschheit zu entscheiden.&#8220; Nicht jeder ist qualifiziert, viele arbeiten nur als Betas &#8211; schon auch wichtig, aber halt nur Helferlinge.<br \/>\nSo futuristisch die Organisation ist: Am Anfang kriegen wir zu sehen, wie Nachrichten aus aller Welt eingehen und verteilt werden &#8211; von Frauen, versteht sich. Die F\u00fchrungsriege der Organisation besteht aus f\u00fcnf &#8211; M\u00e4nnern, versteht sich.<\/p>\n<p>Ankl\u00e4nge von <em>The Prisoner, Mission Impossible,<\/em> durchaus ehrenhaft. Sehenswert die Drehorte: M\u00fcnchen zur Baustellenzeit vor den Olympischen Spielen 1972. Eine Szene spielt auf dem Olympiaturm.<br \/>\nProduktionsqualit\u00e4t: Na ja, schon okay, \u00f6ffentlich-rechtlich. Aber wegen eines Schauspieler-Versprechers hat man da noch lange keine zweite Aufnahme einer Einstellung gemacht.<\/p>\n<p>F\u00fcr unsereiner zus\u00e4tzlich interessant: Der Held und zuk\u00fcnftige Alpha, der in der ersten Episode allerlei Pr\u00fcfungen besteht und schlie\u00dflich in die Organisation aufgenommen wird, ist &#8212; ein Studienrat. Graumeliert, Mathematik und Sport. Bew\u00e4hrt sich gegen fiese Rockerbanden (&#8222;Bill, Jim, erledigt das!&#8220;); setzt bei der Exkursion in die Satellitenzentrale seine anwesenden Mathematiksch\u00fcler, m\u00e4nnlich, zur Berechnung ein, weil ein Computer ausf\u00e4llt; vertauscht erfolgreich &#8211; wenn auch nicht \u00fcberzeugend &#8211; den Medizinball in der Sporthalle gegen Kampfkunstman\u00f6ver, um sich eines Pistolenheinis zu erwehren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) Ich habe zum Halbjahr zwei Informatikklassen mit zusammen 4 Stunden abgegeben und eine Klasse in Deutsch neu erhalten, mit vier Stunden. 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