{"id":9085,"date":"2017-04-17T20:34:13","date_gmt":"2017-04-17T18:34:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=9085"},"modified":"2023-05-24T19:41:12","modified_gmt":"2023-05-24T17:41:12","slug":"karl-may-wiederlesen-orientzyklus-band-1-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/04\/karl-may-wiederlesen-orientzyklus-band-1-3.htm","title":{"rendered":"Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 1-3"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/04\/karl-may-wiederlesen-orientzyklus-band-1-3.htm#comments'>12 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Karl May: Den habe ich in der Grundschule gelesen, ziemlich fr\u00fch, und vielleicht bis in die f\u00fcnfte Klasse hinein. Wenn ich in Fahrt war, schaffte ich ein Buch am Tag. Dabei haben mich die Amerika-Geschichten nie so interessiert; ich habe keinen einzigen Winnetou-Band gelesen, die Orient-Erz\u00e4hlungen daf\u00fcr um so mehr. Vor zweieinhalb Jahren habe ich <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/10\/kochbuecher-lesen.htm\">zuf\u00e4llig<\/a> angefangen, wieder hineinzulesen, und mich jetzt an den Orientzyklus gemacht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Durch die W\u00fcste<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"407\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_durch_die_wueste.jpg\" alt=\"Titelbild &quot;Durch W\u00fcste und Harem&quot;\" class=\"wp-image-9148\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_durch_die_wueste.jpg 250w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_durch_die_wueste-92x150.jpg 92w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_durch_die_wueste-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es beginnt damit, dass Kara Ben Nemsi und Halef eine Leiche in der W\u00fcste finden, ein ermordeter franz\u00f6sischer Kaufmann, wie sich herausstellt. Der M\u00f6rder wird verfolgt, aber letztlich bleibt die Tat vorerst unges\u00fchnt und unaufgekl\u00e4rt. Daraufhin gibt es weitere vorerst unverbundene Episoden: Die Rettung einer Entf\u00fchrten, der Kampf gegen Piraten. Schlie\u00dflich helfen die beiden einem Beduinenstamm gegen ihre Feinde; Kara ben Nemsi erh\u00e4lt dabei das Pferd Rih als Geschenk. Am Ende zieht er mit Halef und dem Scheich eines befreundeten Stamms in Richtung T\u00fcrkei, sie wollen den Sohn des Scheichs aus t\u00fcrkischer Gefangenschaft befreien. Dort helfen sie einer gro\u00dfen Gruppe von Jessiden gegen ihre t\u00fcrkischen Feinde. Begleitet werden sie von Sir David Lindsay, einem reichen Engl\u00e4nder, der auf der Suche nach arch\u00e4ologischen Mitbringseln ist, allen voran &#8222;fowling-bulls&#8220;, gefl\u00fcgelten Stieren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Das Episodenhafte hatte ich nicht so in Erinnerung; der Fall des toten Kaufmanns wird erst viel sp\u00e4ter wieder aufgegriffen werden. Ich konnte mich noch gut erinnern an den gef\u00e4hrlichen Ritt \u00fcber den Salzsee Schott el Dscherid, an Rih, sonst hatte ich das meiste vergessen. Sehr gut wei\u00df ich noch, wie ich in diesem Buch auf das Wort &#8222;Vaterm\u00f6rder&#8220; stie\u00df und mir erkl\u00e4ren lassen musste. Auch sonst habe ich sicher viel aus dem Buch gelernt: Sunniten, Schiiten, der Koran, Suren, Jessiden, Mekka, die Hadsch, Couscous, Shisha, Piaster, Mariatheresientaler, Pilaw.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitlich scheint das nach den Geschichen aus <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2014\/10\/karl-may-am-stillen-ocean.htm\">Am Stillen Ozean<\/a> zu spielen, da Lindsay direkt davon spricht und sich mit Bezug auf einen spleenigen Engl\u00e4nder daraus vorstellt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Bin Freund von Sir John Raffley, Mitglied vom Traveller-Klub, London, Near-Street 47.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das wird vielleicht auch mein erster Kontakt zu spleenigen Engl\u00e4ndern und ihren Clubs gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Kara Ben Nemsi ist nicht so nervig wie in <em>Im Lande des Mahdi.<\/em> Er t\u00f6tet nicht gern, und ist schon recht superheldisch, kann Spurenlesen und Faustk\u00e4mpfen wie Sherlock Holmes und \u00fcberhaupt alles. Es gibt nur ein- oder zweimal Gefangennahme und Ausbruch, das ist okay. (Der <em>Mahdi<\/em> bestand quasi nur daraus.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Durchs wilde Kurdistan<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"414\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_durchs_wilde_kurdistan.jpg\" alt=\"Titelbild &quot;Durchs wilde Kurdistan&quot;\" class=\"wp-image-9150\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_durchs_wilde_kurdistan.jpg 250w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_durchs_wilde_kurdistan-91x150.jpg 91w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_durchs_wilde_kurdistan-181x300.jpg 181w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Schw\u00e4cher als der Vorg\u00e4ngerband. Die Jessiden haben die T\u00fcrken umzingelt, Kara ben Nemsi hilft bei politischen Verhandlungen und verhindert ein Blutvergie\u00dfen. Die kleine Gruppe befreit den Sohn des Scheichs und macht sich auf den R\u00fcckweg; abseits der t\u00fcrkischen Herrschaft werden sie in die Auseinandersetzungen zwischen Kurden und nestorianischen Christen hineingezogen. Auch hier vermittelt unser Held und verhindert sinnloses Blutvergie\u00dfen. Kara ben Nemsi hat am Anfang nicht viel zu tun, aber der Scheich, der ihn begleitet, und Sir David, der sp\u00e4ter zu ihm st\u00f6\u00dft, noch viel weniger, die sind reine Staffage.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Insgesamt schon etwas mehr Gefangennahme und Ausbruch, aber weiterhin ertr\u00e4glich. Das st\u00e4ndig thematisierte Christentum des Helden war mir als Kind nicht aufgefallen; beim wiederlesen erschien es mir plump, aber nicht wirklich st\u00f6rend. Bei einem modernen Autor w\u00fcrde mich das Belehrende viel mehr st\u00f6ren, warum ist das im Orientzyklus nicht so?<br>Voll an mir vorbeigegangen ist der zum Teil abgedruckte Prester-John-Brief; ich habe keinerlei Erinnerung daran. Bewusst bin ich diesem Stoff wenige Jahre nach der Karl-May-Lekt\u00fcre begegnet, in einem Heft der <em>Fantastic Four<\/em>, richtig informiert habe ich mich erst <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2016\/09\/marco-polo-die-reisen-des-marco-polo.htm\">bei der Marco-Polo-Lekt\u00fcre neulich<\/a>: Im 12. Jahrhundert tauchte ein Brief eines sagenhaften Priesterk\u00f6nigs Johannes auf, der angeblich in Asien \u00fcber ein gro\u00dfes christliches Reich herrschte und seinen Br\u00fcdern im Westen diesen Brief schrieb. Auch der bei Marco Polo wiederholte Trick mit dem Asbesthemd wird zitiert.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Karl May schreibt gar nicht schlecht. Nur seine Plots sind sehr schwach. Gefangennehmen, Entkommen, Befreien; Verhandeln zwischen verfeindeten Parteien, das wiederholt sich st\u00e4ndig. Der Held kommt in eine neue Stadt, er schafft sich einen neuen Freund unter der Bev\u00f6lkerung, weil da jemand krank oder vergiftet ist und er mit seinem \u00fcberlegenen deutschen Wissen helfen kann, worauf er jemand hat, der ihn sp\u00e4ter aus der n\u00e4chsten Gefahr retten wird.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Ein Bewohner von Amadijah, dessen Tochter krank ist.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>f\u00fchrt regelm\u00e4\u00dfig zu zu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;&#8218;Du hast nicht ihr allein, sondern auch mir das Leben erhalten, und du wei\u00dft nicht, wie gut dies ist f\u00fcr viele, die du weder kennst noch jemals gesehen hast.'&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das ist ein- oder zweimal okay, aber mit der Zeit wird es auff\u00e4llig.<br>Karl May ist bewusst, dass er in einer literarischen Tradition schreibt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wie oft hatte ich gelesen, da\u00df ein Gefangener durch die Berauschung seiner W\u00e4chter befreit worden sei, und mich \u00fcber diesen verbrauchten Schriftstellercoup ge\u00e4rgert! Und jetzt befand ich mich in voller Wirklichkeit infolge eines Rausches in dem Besitze aller Gefangenen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und doch: Die B\u00fccher sind <em>page turner,<\/em> lesen sich fast von selbst. Ja, andere V\u00f6lker werden von oben herab betrachtet, als unreife Kinder, aber immer wieder auch mit Toleranz, Verst\u00e4ndnis und Aufruf zum Frieden. Wo liest man denn in der deutschen Hochliteratur etwas \u00fcber den Orient? Da f\u00e4llt mir eigentlich nur der Chinese in <em>Effi Briest<\/em> ein, den wir Deutschlehrer den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern gerne verkaufen als Element des Exotischen, Mystischen, Kolportagehaften. Seine Rolle im Buch ist minimal. Bei Karl May habe ich jedenfalls mehr gelernt als bei Fontane.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Diagramm zur Handlung:<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_1-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"992\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_1-2-700x992.png\" alt=\"Diagramm mit Handlung von Durch die W\u00fcste\" class=\"wp-image-9218\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_1-2-700x992.png 700w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_1-2-106x150.png 106w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_1-2-212x300.png 212w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_1-2-660x935.png 660w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_1-2.png 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gelb ist das erste Abenteuer: Der Fund der Leiche, die Verfolgung des M\u00f6rders, die \u00dcberquerung des Salzsees. Aufgel\u00f6st wird es erst sp\u00e4ter.<\/li>\n\n\n\n<li>Orange ist das n\u00e4chste Abenteuer: Die Befreiung einer Entf\u00fchrten. Auch diese Geschichte findet sp\u00e4ter eine Fortsetzung, und eine Verbindung zur ersten.<\/li>\n\n\n\n<li>Wei\u00df ist der Rest: Die Abenteuer bei den Beduinen.<\/li>\n\n\n\n<li>Blau ist alles, was f\u00fcr mich aus <em>Durchs wilde Kurdistan<\/em> geblieben ist.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von Bagdad nach Stambul<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"417\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_bagdad_nach_stambul.jpg\" alt=\"Titelbild &quot;Von Bagdad nach Stambul&quot;\" class=\"wp-image-9152\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_bagdad_nach_stambul.jpg 250w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_bagdad_nach_stambul-90x150.jpg 90w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/may_bagdad_nach_stambul-180x300.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Kara Ben Nemsi, Halef und Lindsay reiten mit Mohammed Emin und dessen im letzten Band befreiten Sohn Amad el Ghandur \u00fcber Umwege nach Hause. Es gibt Streit mit einem Kurdenstamm und untereinander, Scheich Mohammed stirbt bei einem \u00dcberfall der Kurden auf persische Reisende, Amad sucht Blutrache und verl\u00e4sst die Gruppe. Die Reisende sind Hassan Ardschir-Mirza, seine Braut und seine Schwester, von Feinden verfolgt und inkognito unterwegs. Kara Ben Nemsi verkauft in des Mirza Auftrag dessen G\u00fcter in Bagdad, kann aber nicht verhinden, dass der Mirza und seine Schwester von den Verfolgern umgebracht werden. Sie begegnen einer Todeskarawane, stecken sich mit die Pest<br>Wieder gesundet wollen sie nach Istanbul, treffen aber vorher den reisenden Kaufmann Jacub Afarah aus Damaskus, der ihnen einen Brief an seinen Bruder dort mitgeben will und sich als Onkel von Isla Ben Maflei aus dem ersten Band herausstellt. In Damaskus lebt unter der Identit\u00e4t eines ermordeten Verwandten niemand anders als Abrahim-Mamur, ein Schurke aus dem ersten Band, mit dem Ziel, Afarah zu bestehlen. Er fl\u00fcchtet mit geraubtem Gut, wird zwar in den Ruinen von Baalbek gestellt, kann aber entkommen &#8211; nach Istanbul. Die Helden ihm nach, zu Isla Ben Maflei und dessen Vater, die Gesch\u00e4ftsbeziehungen zu Henri Galingr\u00e9 unterhalten, dem Vater des Ermordeten Paul aus dem ersten Band, und der ebenfalls betrogen werden soll. Die Bande ist auch bei Galingr\u00e9 involviert. In Istanbul treffen sie auch Omar, der seit dem ersten Band auf der Suche nach dem M\u00f6rder seines Vaters ist. Omar t\u00f6tet Abrahim-Mamur, der sich als Anf\u00fchrer eine R\u00e4uberbande herausstellt, zu der auch der gesuchte M\u00f6rder, dessen Bruder und Neffe geh\u00f6ren. Dieser Bruder, Barud el Amasat, befindet sich unter falschem Namen in Adrianopel, und wird von Kara Ben Nemsi, Halef, Omar, Isla Ben Maflei, und dem zur Gruppe gesto\u00dfenen Vater Senitzas, Osco, entlarvt. (Sir David Lindsay hat die Reisegruppe kurz vorher entlassen.) Allerdings wird ihm zur Flucht verholfen; sein Sohn Ali Manach wird von Spie\u00dfgesellen erschossen, damit er nichts ausplaudern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Als Kind mochte ich diesen Band am wenigsten von den sechs Teilen des Orientzyklus, zumindest konnte ich am wenigsten damit anfangen. Jetzt fand ich ihn am interessantesten &#8211; vom ersten Viertel abgesehen, das eine Fortsetzung des letzten Bandes und recht fade ist. Gut ist jetzt, dass die Handlung Fahrt aufnimmt: Es gibt Verschw\u00f6rungen und eine R\u00e4uberbande, die losen F\u00e4den werden verkn\u00fcpft. Gut sind die Schaupl\u00e4tze &#8211; gro\u00dfe St\u00e4dte, die stimmig beschriebene Ruinenstadt Baalbek. Gut ist das Schicksal des verfolgten Mirza; die Pest, an der Kara Ben Nemsi und Halef erkranken, und vor allem die Todeskarawane.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Todeskarawane. Also: Kara Ben Nemsi wird erz\u00e4hlt, dass diejenigen Schiiten, die in der Stadt Kerbela begraben werden, gleich ins Paradies kommen, ohne Umweg \u00fcber ein Fegefeuer. Deshalb lassen sich viele Schiiten dort begraben. Deshalb gibt es ganze Karawanen mit Leichnamen, die dorthin transportiert werden, \u00fcber weite Strecken, in gro\u00dfer Hitze &#8211; Todeskarawanen, voller Verwesungsgeruch. Sehr eindrucksvoll geschildert. Neil Gaiman h\u00e4tte seine Freude daran. (Hier eine <a href=\"http:\/\/www.karl-may-forum.de\/viewtopic.php?f=2&amp;t=3595\">Diskussion in einem Karl-May-Forum,<\/a> inwiefern es solche Karawanen tats\u00e4chlich gegeben hat: Eher ja.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Kara Ben Nemsi ist so heldenhaft wie stets. Hier zeigt er Z\u00fcge von Sherlock Holmes, zwar mit mehr Bescheidenheit, aber mit dessen Betonung der lernbaren Beobachterei:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Aber Emir,&#8220; fragte Hassan, &#8222;wie kannst du an den Messern sehen, wer der T\u00e4ter war?&#8220;<br>&#8222;Sehr leicht! Eine flache Klinge wird einen ganz anderen Schnitt machen, als eine dreikantige, die sich mehr zum Sto\u00dfe eignet. Die Schnittfl\u00e4chen wurden weit auseinander gedr\u00e4ngt, darum war der Schnitt nicht mit einem d\u00fcnnen Instrumente geschehen. Und nun blicke her: diese Schnittfl\u00e4chen sind da, wo sie beginnen, nicht glatt, sondern zerrissen und gest\u00fclpt; die Klinge, mit der die Tat geschah, hatte also eine sehr bemerkbare Scharte gehabt. Und nun sieh dir diesen Dolch an: er ist der einzige von allen, der eine solche Scharte hat.&#8220;<br>&#8222;Herr, deine Weisheit ist zu bewundern!&#8220;<br>&#8222;Dieses Lob verdiene ich nicht. Die Erfahrung hat mich gelehrt, in allen Lagen auch das Kleinste zu beobachten; es ist also nicht Weisheit, sondern einfache Gewohnheit von mir.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In Damaskus stimmt er nicht nur das Klavier des Kaufmanns:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich hatte fr\u00fcher als armer Sch\u00fcler oft Pianos gestimmt, um ein kleines Taschengeld zu erwerben; es fiel mir also nicht sehr schwer, das Klavier in einen spielbaren Zustand zu versetzen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8211; sondern \u00fcberw\u00e4ltigt auch noch die eingeladenen G\u00e4ste und Leute auf der Stra\u00dfe mit seinem Klavierspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Informationsvermittlung ist manchmal so plump, wie man es sonst nur als \u00fcbertriebenes Beispiel kennt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Aber du hast doch erfahren, wohin er geht. Jedenfalls [d.h. bestimmt] reitet er nach Iskenderi\u00ebh, wo Hamd el Amasat, sein Bruder, der dein Oheim ist, auf ihn wartet.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dass dieser Bruder der Oheim des Angesprochenen ist, wird der ja wohl wissen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Diagramm zur Handlung:<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"1576\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_3-700x1576.png\" alt=\"Diagramm mit Handlung von Von Bagdad nach Stambul\" class=\"wp-image-9223\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_3-700x1576.png 700w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_3-67x150.png 67w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_3-133x300.png 133w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_3-660x1486.png 660w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/karl-may_orientzyklus_3.png 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Blau ist das Abenteuer mit dem Kurden, bis zum Tod Scheich Mohhameds. Fade.<\/li>\n\n\n\n<li>Gr\u00fcn ist das Abenteuer mit dem anonym reisenden Perser. Das ist gut, allein schon mal wegen der Todeskarawane und der Pest.<\/li>\n\n\n\n<li>Gelb und Orange der Rest: Jacub Afarah bringt sie auf die Spur von Abrahim-Mamur und Barud el Amasat und der R\u00e4uberbande, nach Damaskus, Istanbul, Edirne.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(12 Kommentare.) Karl May: Den habe ich in der Grundschule gelesen, ziemlich fr\u00fch, und vielleicht bis in die f\u00fcnfte Klasse hinein. Wenn ich in Fahrt war, schaffte ich ein Buch am Tag. Dabei haben mich die Amerika-Geschichten nie so interessiert; ich habe keinen einzigen Winnetou-Band gelesen, die Orient-Erz\u00e4hlungen daf\u00fcr um so mehr. 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