{"id":922,"date":"2007-04-07T12:17:30","date_gmt":"2007-04-07T11:17:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/04\/alternative-zur-pubertaet.htm"},"modified":"2008-03-21T15:08:05","modified_gmt":"2008-03-21T14:08:05","slug":"alternative-zur-pubertaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/04\/alternative-zur-pubertaet.htm","title":{"rendered":"Alternative zur Pubert\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2007\/04\/alternative-zur-pubertaet.htm#comments'>8 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Die 80er Jahre waren eine sch\u00f6ne Zeit f\u00fcr mich, trotz allgemeiner Endzeitstimmung. <small>(Vor ein paar Tagen im Fernsehen kurz in <em>Terminator<\/em> hineingeschaut. Hat sich gut gehalten, aber mir fiel auf, wie kaputt und d\u00fcster doch die Welt im Film war &#8211; nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. Das gilt f\u00fcr viele Filme der 80er, denke ich.)<\/small><br \/>\nZu Beginn des Jahrzehnts h\u00f6rte ich auf, die Micky-Maus-Bastelb\u00f6gen zu basteln, und Reagan wurde Pr\u00e4sident, zum Ende studierte ich an der Universit\u00e4t und die Mauer war gefallen.<\/p>\n<p>Dazwischen hatten andere Pubert\u00e4t und ich trieb Fandom.<\/p>\n<p>Fandom hie\u00df: <\/p>\n<ul>\n<li>Clubs gr\u00fcnden (1981 die Erweiterung des &#8222;SFC Terraner Union\/S.I.&#8220; zum &#8222;PR\/SFC Galactic Union&#8220; &#8211; immerhin waren wir schon f\u00fcnf Leute)<\/li>\n<li>Fanzines herausgeben (<em>Parsec<\/em> brachte es auf f\u00fcnfzehn Ausgaben oder so, liebevoll getextet, gezeichnet, handkopiert und -geheftet)<\/li>\n<li>mit anderen Clubs und Fans Kontakt halten (und das hie\u00df: Briefe schreiben, vier, f\u00fcnf, sechs, acht pro Woche, manchmal mit Hand, meistens mit Schreibmaschine, gerne auf selbst entworfenem Briefpapier)<\/li>\n<li>die Fanzines von anderen Clubs und Einzelpersonen lesen, Leserbriefe schreiben, neue Clubs gr\u00fcnden<\/li>\n<li>immer wieder Texte schreiben, Briefe schreiben, zeichnen<\/li>\n<li>Leute besuchen: in Augsburg, Frankfurt, Darmstadt, Warstein-Suttrop, Saarbr\u00fccken, Freudenstadt, K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf<\/li>\n<li>auf Cons gehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass das ganze Science Fiction oder sp\u00e4ter auch Rollenspiele zum Inhalt hatte, ist gar nicht so wichtig. Zum Verst\u00e4ndnis wichtiger ist mein:<\/p>\n<h2>Kleines Lexikon des Fandoms<br \/>\n<font size=\"2\">(mit Vergleichen zur Bloggerszene in Deutschland, so wie sie mir auffallen)<\/font><\/h2>\n<p><strong>Fanzines (Blogs):<\/strong> Es gab sie kopiert, im Offsetdruck oder Umdruckverfahren. Sie erschienen regelm\u00e4\u00dfig oder unregelm\u00e4\u00dfig oder waren oneshots, sie waren mit Clubs verbunden oder Einzelpersonen, sie waren liebevoll entworfen und\/oder amateurhaft im Design, sie waren auf ein bestimmtes Thema bezogen oder enthielten alle m\u00f6glichen interessanten Einzelheiten. (&#8222;Egozine&#8220; hie\u00df das dann.) Abonnieren konnte man sie auch, aber sie kamen nicht per Feedreader, sondern mit der Post. <\/p>\n<p><strong>Die Post (Internet):<\/strong> Fanzines bekam man mit der Post zugestellt. \u00dcber Fanzines und Briefe erfuhr man von weiteren Fanzines.<\/p>\n<p><strong>Die Gro\u00dfen Namen (A-Blogger):<\/strong> Sie hie\u00dfen zwar nicht so, aber es gab eine Reihe von Namen, die jeder kannte und deren Produkte jeder las. Benchmarks. Gelegentlich sehe ich ihre Namen noch im WWW.<\/p>\n<p><strong>Cons (Bloggertreffen):<\/strong> Es hie\u00df <em>der<\/em> Con, zumindest in meinem Sprachraum, nicht <em>die<\/em> Con, wie es ganz f\u00e4lschlich und immer \u00f6fter anderswo hie\u00df. Das war so \u00e4hnlich die der Unterschied zwischen &#8222;der Blog&#8220; und &#8222;das Blog&#8220;. Man mietete sich ein Jugendheim, Pfadfinderheim, irgendein Haus mit K\u00fcche und Stockbetten (im Karlshof sogar dreist\u00f6ckig). Dort schlief man wenig und vor allem nicht nachts, a\u00df gut, schaute die neuesten Videofilme, unterhielt sich und spielte.<\/p>\n<p><strong>Pubert\u00e4t:<\/strong> Ein bisschen Pubert\u00e4t war auch dabei, zugegeben. Aber die machte man unter sich aus, innerhalb des Fandoms. Erstes ernsthaftes Rumgeknutsche auf dem Con in G\u00f6ggingen, die eine Silvesternacht im Karlshof, mit Alex und Katja und Karl-Heinz und Anja und so weiter.<\/p>\n<p><strong>Verst\u00e4ndnisvolle Eltern:<\/strong> Wir waren 15 oder auch schon 17 und fuhren \u00fcber verl\u00e4ngerte Wochenenden  in gemietete Jugendheime ohne irgendwelche nennenswert Erwachsenen. Wir \u00fcbernachteten bei fremden Leuten und deren Eltern, die oft recht flexibel sein mussten. (Udo: &#8222;Ich dachte, ihr wolltet Ostern kommen.&#8220;) Und unsere Eltern nahmen kurzfristig H\u00e4ufchen von fremden &#8211; sehr fremden &#8211;  Jugendlichen auf. \u00dcberhaupt konnte man zum Beispiel jemanden in Darmstadt anrufen, mit dem man vielleicht drei, vier Briefe gewechselt hatte und den man sonst aus den Fanzines kannte, und um Unterkunft f\u00fcr sich und zwei Freunde bitten, weil man auf dem Weg ins Sauerland eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit brauchte. Und das ging, und man hatte  wieder jemanden pers\u00f6nlich kennengelernt.<\/p>\n<p><strong>Tonbrief:<\/strong> (nachgetragen) Eine Fr\u00fchform des Podcasts. Robert V. zum Beispiel schrieb keine Briefe, sondern sprach alles auf Kassette und schickte die Kassette dann per Post ab. Eine Kassette von Claudia und Tim habe ich noch, muss mal reinh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>gafia<\/strong> sein oder gehen: &#8222;get away from it all&#8220; => Blogm\u00fcdigkeit<\/p>\n<p>&#8212; Ich treibe mich ja kaum in der deutschen Bloggerszene herum; ich lese fast nur berufsbezogene Blogs oder die von Leuten, die ich pers\u00f6nlich kennengelernt habe. Aber wenn ich von Bloggertreffen erz\u00e4hlt bekomme oder davon, wie man Leute kennen kann, die man nie gesehen hat, dann f\u00fchle ich mich immer sehr an meine Fandomzeiten erinnert.<\/p>\n<p><small>Mehr von fr\u00fcher:<\/small><\/p>\n<p><small>* <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/02\/bilder-von-frueher.htm\">alte Zeichnungen<\/a><br \/>\n* <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/11\/es-geht-auch-ohne-baumhaus-jugendjahre.htm\">Clubr\u00e4ume<\/a><br \/>\n* <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/05\/rollenspiel-videosuenden.htm\">Rollenspiel-Videos\u00fcnden<\/a><br \/>\n* <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2004\/07\/filk.htm\">Filk<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(8 Kommentare.) Die 80er Jahre waren eine sch\u00f6ne Zeit f\u00fcr mich, trotz allgemeiner Endzeitstimmung. (Vor ein paar Tagen im Fernsehen kurz in Terminator hineingeschaut. Hat sich gut gehalten, aber mir fiel auf, wie kaputt und d\u00fcster doch die Welt im Film war &#8211; nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. 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