{"id":9262,"date":"2017-05-07T17:55:44","date_gmt":"2017-05-07T15:55:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=9262"},"modified":"2023-06-12T06:55:23","modified_gmt":"2023-06-12T04:55:23","slug":"genosse-herr-rau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/05\/genosse-herr-rau.htm","title":{"rendered":"Genosse Herr Rau"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/05\/genosse-herr-rau.htm#comments'>16 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Ich bin Genosse, seit einem halben Jahr. Frau Rau ist schon seit dreieinhalb Jahren Genossenschaftsmitglied, und zwar sind wir beide beim <strong>Kartoffelkombinat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und das kam so. Vor f\u00fcnf Jahren hatten wir eine Biokiste abonniert. Vier Anbieter haben sich M\u00fcnchnen und Umland ziemlich genau nach den Himmelsrichtungen aufgeteilt und liefern w\u00f6chentlich eine Kiste Biogem\u00fcse. Auf Wunsch auch regional. Das war erst mal sch\u00f6n. Aber so furchtbar regional war das auch nicht immer, au\u00dferdem kann man den Inhalt der aktuellen Kiste online einsehen und tauschen und andere Sachen hineinpacken &#8211; wenn es keinen Biosupermarkt in der N\u00e4he gibt, eine feine Sache, um an Obst und Gem\u00fcse zu kommen. Aber hier gibt es genug Biosuperm\u00e4rkte.<br>So wurde Frau Rau vor gut vier Jahren auf das Kartoffelkombinat aufmerksam. Das ist eine Genossenschaft (eine Gesch\u00e4ftsform, die im Wirtschaftsunterricht der Schule immer unter der Tisch f\u00e4llt, neben AG und GmbH und GbR und so weiter). Das Kartoffelkombinat vertritt Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft. Das hei\u00dft, dass faire L\u00f6hne gezahlt werden; dass das Risiko geteilt wird; dass der Erzeuger von vornherein einen fairen Preis zugesagt bekommt. (Ansonsten ist das ja so, dass ein Bauer etwas anpflanzt, und wenn die Ernte schlecht ist, ist es sein Pech, und wenn sein Produkt am Markt dann wenig Geld macht, weil es pl\u00f6tzlich eine Schwemme davon gibt, ist das auch sein Pech.)<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret sah das lange so aus, dass das Kartoffelkombinat mit der einen oder anderen G\u00e4rtnerei zusammenarbeitete und dort Gem\u00fcse anpflanzte, quasi als Untermieter, und au\u00dferdem mit Bauern kooperierte &#8211; faire Preise, faire Vertr\u00e4ge, geteiltes Risiko, und auch die M\u00f6glichkeit, Gem\u00fcse abzunehmen, dass auf dem Markt keine Chancen hat: krumme Karotten, unsch\u00f6ne Kartoffeln, zu kleine dies oder zu gro\u00dfe das. Das nimmt einem ja kein Supermarkt ab, Bio oder nicht. Jeder Genosse &#8211; genauer: jeder Genosse, der zus\u00e4tzlich zur Mitgliedschaft eine Kartoffelkiste bestellt hat &#8211; erh\u00e4lt dann jede Woche eine Kiste mit Obst und vor allem Salat und Gem\u00fcse.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kiste muss man sich an einem Verteilerpunkte abholen, bei mir sind das sechs Minuten zu Fu\u00df. Drin ist, was drin ist &#8211; im Winter Kartoffeln und Pastinaken und Lager\u00e4pfel und Sellerie, sp\u00e4ter dann Salat, Feldsalat, Chinakohl, Radicchio, noch sp\u00e4ter Tomaten in H\u00fclle und F\u00fclle, und Schwarzwurzeln, K\u00fcrbis, Karotten, Lauch, Kohl, Schnittlauch, Rettich, Kohlr\u00fcben, rote R\u00fcben, Rhabarber, Birnen, Topinambur, Petersilie, Petersilienwurzel, Radieschen, Schwarzwurzeln, Kohlrabi, Gr\u00fcnkohl, Blumenkohl, Rosenkohl, Auberginen, Pak Choi, Mangold, Spinat, Fenchel, Blaukraut, Wei\u00dfkraut, Bohnen, und vieles mehr (hier ohne besondere Reihenfolge aufgef\u00fchrt). Wenn die Ernte schlecht ausf\u00e4llt, ist weniger da; wenn die Ernte gut ist, mehr. Was nicht selbst angebaut wird, wird von Partnerbetrieben zugekauft. Ein von kundigen Menschen ausgearbeiteter Anbauplan sorgt daf\u00fcr, dass es \u00fcber das ganze Jahr \u00fcber etwas gibt; die vielen Tomaten im Sommer werden au\u00dferdem zu Sugo verarbeitet, der dann in den Winterkisten drin ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment besteht das Kartoffelkombinat aus etwa tausend Haushalten. Das ist also schon eine gro\u00dfe Sache, mit haupt- und nebenberuflich angestellten Mitarbeitern. Aber eigentlich haben die Genossen Gelegenheit, mitzuhelfen: Etwa beim Einkochen der Tomaten im Sommer, beim Ernten von Obst und Gem\u00fcse, beim w\u00f6chentlichen Packen der Kisten. &#8211; Selber mache ich da sehr wenig mit, bin nur jedes Jahr beim Einkochen dabei, und gehe regelm\u00e4\u00dfig auf Mitgliederversammlungen, ordentliche und au\u00dferordentliche.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon gab es in letzter Zeit einige, denn vor kurzem hat das Kartoffelkombinat einen gro\u00dfen Schritt getan, der von Anfang an geplant war: Wir besitzen jetzt eigenen Grund und Boden, sind also nicht mehr Untermieter bei anderen G\u00e4rtnereien. Ein wundersch\u00f6nes St\u00fcck Land, etwa f\u00fcnf Hektar gro\u00df, mit ebenso viel noch einmal dazu gepachtet. Das Gel\u00e4nde ist eine ehemalige Baumschule, die zur \u00f6kologischen G\u00e4rtnerei umgebaut wird, zwischen Oberschweinbach und Egenhofen &#8211; Ortsnamen, die ich aus dem Einzugsbereich meiner Schule kenne. Ich war schon mehrfach dort, es ist wundersch\u00f6n gelegen, mit Platz f\u00fcr alles m\u00f6gliche (Grillplatz, Spielecke, Bienenk\u00f6rbe).<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein gro\u00dfer Schritt f\u00fcr unsere Genossenschaft. Wir mussten Geld aufbringen f\u00fcr den Ankauf des Grunds, f\u00fcr den Umbau, f\u00fcr neue Geb\u00e4ude und Ger\u00e4te; der Rest kommt von der Bank. Dazu m\u00fcssen wir auch noch etwas wachsen; der Grund ist gro\u00df genug f\u00fcr 1500 Haushalte, und auf so viele muss die Genossenschaft in ein paar Jahren auch wachsen. (Bis zu diesem Zeitpunkt zahlen wir eine Zulage, um das zu finanzieren.)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mit der Genossenschaft und den Kisten \u00e4u\u00dferst zufrieden. Das Vorgehen der Vorst\u00e4nde und des Aufsichtsrat sind sehr transparent, man wird \u00fcber so viel und so detailliert informiert, wie man das w\u00fcnscht; die Vorst\u00e4nde kommen auch eher aus der kritischen BWL-Ecke statt aus einer idealisierenden \u00d6kobewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Rau und ich kriegen nat\u00fcrlich nur eine Kiste; ich bin Mitglied ohne Ernteanteil, einfach so, weil ich das gut finde. Die Kisten sind ihr Geld wert, der Salat schmeckt jedesmal besser als der aus dem Laden. Die Karotten sind manchmal krumm, die Kartoffeln haben auch schon mal silbrig gegl\u00e4nzt (was v\u00f6llig harmlos ist, sie aber unverk\u00e4uflich macht), sie waren jedesmal sehr lecker. Schwarzwurzeln und diesen kleinen kanonenkugelrunden K\u00fcrbis m\u00f6gen Frau Rau und ich nicht so besonders, aber die werde ich schnell an Kollegen los. Ansonsten mag ich es inzwischen, so eine sch\u00f6ne Kiste vorgesetzt zu bekommen, und dann zu planen, was ich damit mache. Am Abholtag gibt es regelm\u00e4\u00dfig Salat zum Abendessen, und inzwischen fallen mir sogar zu Rettich verschiedene Sachen ein. Sellerie ist eh leicht: mindestens schon mal Sellerielasagne, Waldorfsalat, Sellerieschnitzel. Anregungen hole ich mir in den Blogs, denen ich folge; bei <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/tone\/recipes\">den Rezeptseiten des Guardian<\/a> und aus Kochb\u00fcchern.<\/p>\n\n\n\n<p>Links:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.kartoffelkombinat.de\/blog\/\">Blog des Kartoffelkombinats<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"http:\/\/www.kartoffelkombinat.de\/blog\/mitmachen\/faqs\/\">FAQ<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"http:\/\/www.kartoffelkombinat.de\/blog\/wp-content\/uploads\/kk-flyer-doppelseiten.pdf\">Flyer (pdf)<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/vimeo.com\/88339287\">Video (nicht mehr aktuell, aber die Philosophie dahinter bleibt)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(16 Kommentare.) 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