{"id":9492,"date":"2023-06-06T06:22:00","date_gmt":"2023-06-06T04:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=9492"},"modified":"2023-06-02T18:06:45","modified_gmt":"2023-06-02T16:06:45","slug":"dorothy-hartley-food-in-england","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2023\/06\/dorothy-hartley-food-in-england.htm","title":{"rendered":"Dorothy Hartley, Food in England (und eine Frage zu Hexenkesseln)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2023\/06\/dorothy-hartley-food-in-england.htm#comments'>4 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Dorothy Hartley war eine englische Autorin, Historikerin und Illustratorin. Ihr bekanntestes Werk ist auch das einzige, das ich kenne, aber das hat es in sich: <em>Food in England<\/em> (1954, <a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Food_in_England\">Wikipedia<\/a>) ist eine Art Kulturgeschichte der englischen K\u00fcche, mit &#8211; kurz gehaltenen &#8211; Rezepten, mit Schnipseln von historischen Kochanleitungen und Gedichten und alles reich illustriert, wohl von Hartley selbst. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"194\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hartley_food_in_england-194x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-58466\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hartley_food_in_england-194x300.jpg 194w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hartley_food_in_england-97x150.jpg 97w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/hartley_food_in_england.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Buch scheint mir \u00e4u\u00dferst gr\u00fcndlich. Hartley beginnt mit den Angelsachsen zum Zeitpunkt der Ankunft der Normannen, und mit dem Aufbau des typischen normannischen Wohngeb\u00e4udes. Das ist auch deshalb wichtig, weil es im n\u00e4chsten Kapitel um die verschiedenen Arten von Feuerstellen und Feuerquellen geht: \u201eGeneral notes on the four types of fuel\u201c &#8211; Holz, Torf, Kohle, Holzkohle und deren Brenneigenschaften. Kohle braucht mehr Zug und eher einen gemauerten Kamin, wurde erst dann popul\u00e4r, als der Herd von einer Feuerkuhle mittig am Boden mittig an die Wand des Geb\u00e4udes wanderte und dort gemauert wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Hartley stellt den mittelalterlichen Kessel vor, <em>cauldron,<\/em> wie man ihn als Hexenkessel aus Filmen kennt. Und der wurde laut dem Buch nicht so verwendet, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Das ist ja auch irgendwo logisch: Wer braucht denn so einen gro\u00dfen Hexenkessel voller Suppe? Vielmehr wurde der Kessel in Schichten beladen und verschiedene Lebensmittel in verschiedenen Beh\u00e4ltern darin gekocht:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"698\" height=\"408\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/cauldron.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-58338\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/cauldron.png 698w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/cauldron-300x175.png 300w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/cauldron-150x88.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">(Originalillustration viel besser, ich habe das nachgezeichnet.)<\/p>\n\n\n\n<p>Und das hei\u00dfe Badewasser hatte man gleich dazu. Allerdings habe ich keine zweite Quelle f\u00fcr dieses Verfahren, die h\u00e4tte ich gerne, um sicher zu sein. Beim Recherchieren finde ich nur kleinere <em>cauldrons,<\/em> in denen heute \u00fcber dem Lagerfeuer an einem Dreibein dann tats\u00e4chlich nur Suppe oder Eintopf gekocht wird, von Survivalisten und Mittelalterfreunden. Ganz \u00e4hnlich aufgebaut, nur kleiner, und bei Hartley beschrieben ist der <em>bargee&#8217;s pail,<\/em> &#8222;Kahnf\u00fchrer-Eimer&#8220;. Da wird in einem Topf auch geschichtet, der Topf kommt in einen Eimer mit Wasser, das dann an Bord auf einem Feuer langsam erhitzt wird. <a href=\"https:\/\/brunyfirepower.wordpress.com\/2012\/08\/13\/the-bargees-pail\/\">Hier hat das jemand nachgekocht<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Schnipsel aus der Literatur, hier Silas Marner (1861) von George Eliot:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Supper was his favourite meal, because it came at his time of revelry, when his heart warmed over his gold; whenever he had roast-meat, he always chose to have it for supper. But this evening, he had no sooner ingeniously knotted his string fast round his bit of pork, twisted the string according to rule over his door-key, passed it through the handle, and made it fast on the hanger, than he remembered that a piece of very fine twine was indispensable to his \u201csetting up\u201d a new piece of work in his loom early in the morning.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Also, urspr\u00fcnglich gab es einen horizontalen Drehspie\u00df vor dem Feuer, kennt man ja heute noch, und geeignet vor allem f\u00fcr breite Holzfeuer im Herd. Aber dann kam man auf die Idee eines vertikalen \u00c4quivalents bei schmaleren Kohlefeuern: Das Fleisch h\u00e4ngt an einem Seil von oben herab, vor dem Feuer, darunter eine Pfanne f\u00fcr das <em>dripping,<\/em> davor ein <em>meat screen<\/em>. Das Seil wird verdrillt, so dass es sich langsam entdreht und das Fleisch damit mit, so dass es von allen Seiten gleichm\u00e4\u00dfig gegart wird. Der Schl\u00fcssel ist eine Art improvisierter Haken, einerseits h\u00e4ngt er an der verdrillten Schnur, mit dem Bart h\u00e4lt er das Fleischb\u00fcndel &#8211; ach, mit der Illustration von Dorothy Hartley w\u00e4re das sehr viel klarer.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch hat Kapitel mit klaren Titeln, ist aber trotzdem ein Sammelsurium an Rezepten, Notizen, Gedichten, Anekdoten, Zeichnungen, Wissenswertem. Belege f\u00fcr die vielen Zitate gibt es keine, zefix! Sachen wieder zu finden ist ein bisschen schwierig, aber es gibt einen Index. Wikipedia zitiert Lucy Worsley, Autorin eines BBC-Films <em>&#8218;Food in England&#8216;, The Lost World of Dorothy Hartley<\/em> (2015), die das Buch als &#8222;oral history&#8220; betrachtet; Hartley habe Gespr\u00e4che gef\u00fchrt mit &#8222;the last generation to have had countryside lives sharing something in common with the Tudors.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Lesezeichen habe ich noch im Buch f\u00fcr:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>das Formen von Pies mit der Hand oder einem Model 122<\/li>\n\n\n\n<li>ein <em>Pot Pie<\/em> mit Schichten von Gem\u00fcse, Fleisch, Kartoffeln, <em>dumplings<\/em> unter einem Teigmantel 157<\/li>\n\n\n\n<li>Cockaleekie 188<\/li>\n\n\n\n<li>Carrot Puffs 355 (Karottenmus, Ei, Semmelbr\u00f6sel, Eiwei\u00df, Orangenbl\u00fctenwasser, Muskat, Zucker, Sahne, Sherry &#8211; genauer: <em>sack<\/em>, und das alles dann in ausgelassenem <em>suet<\/em> braten)<\/li>\n\n\n\n<li>Parsnips 366 (&#8222;The potatoe, a sweet roote which farre exceedeth our English parsnep&#8220;)<\/li>\n\n\n\n<li>Potato-Apple Cake 370 (ein gedeckter Apfelkuchen mit einer H\u00fclle aus Kartoffel-Mehl-Teig, vor dem Servieren Deckel aufschneiden, Butter und Zucker rein, Deckel rauf, im Ofen hei\u00df machen)<\/li>\n\n\n\n<li>Plum Pudding, was machen mit den Resten 630 <\/li>\n\n\n\n<li>Caudel, Posset, Ale Berry, Ypocras, Syllabub 559 (alles st\u00e4rkende alkoholhaltige Hei\u00dfgetr\u00e4nke, die zur Genesung oder als Mahlzeit auf beschwerlichen Reisen zu sich genommen wurde)<\/li>\n\n\n\n<li>Tree onions 360 (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tree_onion\">Wikipedia<\/a>, eine Zwiebelart, die auch oben Knollen entwickelt; wenn die gro\u00df genug werden, knickt die Pflanze und die Knollen sind dann am Boden &#8211; hei\u00dfen auch <em>walking onions)<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>Maize Pesto 534 (ein Rezept f\u00fcr Hungerszeiten, eine &#8222;sauce made of cheese and scraps of fat, poured over a cereal foundation [wohl eben: Mais] and raw green herbs&#8220; oder, in Irland, \u00fcber Kartoffeln oder Brot. Das erinnert mich sehr an Aligot (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aligot\">Wikipedia<\/a>) oder Patranque (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Patranque\">Wikipedia<\/a>) &#8211; urspr\u00fcnglich K\u00e4se und Suppe \u00fcber altem Brot f\u00fcr Reisende auf dem Jakobsweg, wobei das Brot dann sp\u00e4ter nach einer Missernte durch Kartoffeln ersetzt wurde.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(4 Kommentare.) Dorothy Hartley war eine englische Autorin, Historikerin und Illustratorin. 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