{"id":9647,"date":"2017-08-29T10:16:40","date_gmt":"2017-08-29T08:16:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=9647"},"modified":"2023-06-12T06:52:21","modified_gmt":"2023-06-12T04:52:21","slug":"projekttage-allgemein-und-schule-als-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/08\/projekttage-allgemein-und-schule-als-staat.htm","title":{"rendered":"Projekttage allgemein, und Schule als Staat"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/08\/projekttage-allgemein-und-schule-als-staat.htm#comments'>1 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p>Wer Projekttage sagt, der spricht ein gro\u00dfes Wort gelassen aus &#8211; John Dewey, Georg Kerschensteiner, Reformp\u00e4dagogik, alternative Unterrichtsformen. Der Umgang mit dem urspr\u00fcnglichen gro\u00dfen Projektgedanken ist gelassen geworden, gemeint ist in der Praxis, und das schon seit meiner eigenen Schulzeit: Wie kriegen wir die letzten Schultage herum?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Ausgangssituation kann ich mir keine Schuljahresendbesch\u00e4ftigung vorstellen, die dem Projektgedanken gen\u00fcge tut. Wenn die Ausgangssituation die w\u00e4re, dass man als Schule ein Projekt machen m\u00f6chte &#8211; dann sollte man das zu einem Zeitpunkt im Schuljahr tun, zu dem genug Zeit zur Vor- und Nachbereitung ist, zur Einbindung in den Unterricht, und wo alle noch bei Kr\u00e4ften sind. Wenn das dann mal geklappt hat, im M\u00e4rz etwa, <em>dann<\/em> kann man ja schauen, ob das auch unter den ung\u00fcnstigeren Juli-Bedingungen geht. (Wie man die letzten Tage am besten herumkriegt, darauf habe ich jetzt auch keine Antwort. Darum geht es mir hier auch nicht.)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein solches Projekt hei\u00dft &#8222;Schule als Staat&#8220; und hat eine eigene (kleine) <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schule_als_Staat\">Seite bei Wikipedia<\/a>. Das projekt l\u00e4uft \u00fcber mehrere Tage; die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen bauen dabei eine Art Infrastruktur und Verwaltung auf. Viel habe ich online nicht gefunden, die <a href=\"http:\/\/svtipps.de\/grossprojekte\/schule-als-staat\">informativste Seite<\/a> dazu nennt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>eine demokratische Verfassung<\/li>\n\n\n\n<li>frei gegr\u00fcndete politische Parteien<\/li>\n\n\n\n<li>ein direkt gew\u00e4hltes Parlament mit Staatspr\u00e4sident und Minister<\/li>\n\n\n\n<li>Beamte und staatliche Institutionen (Zoll, Zentralbank, Wirtschaftskontrolldienst, M\u00fcllabfuhr)<\/li>\n\n\n\n<li>eine Zentralbank mit einer eigenen W\u00e4hrung<\/li>\n\n\n\n<li>viele Betriebe, die eigenst\u00e4ndig wirtschaften (Bars, Restaurants, Werbefirmen, usw.)<\/li>\n\n\n\n<li>Kulturbetriebe (Kunst, Theater, Sport, &#8230; )<\/li>\n\n\n\n<li>Gesangswettbewerbe<\/li>\n\n\n\n<li>Polizei, Richter und ein Standesamt<\/li>\n\n\n\n<li>Presse (Zeitung, TV und Radio)<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bei uns kommt es aus Zeitgr\u00fcnden immer nur zu einer sehr kleinen Form dieses Projekts. Das ist sicher keine schlechtere Idee f\u00fcr die letzten Tage als ohne Staat Kuchen zu verkaufen, aber vom urspr\u00fcnglichen Gedanken bleibt aus Zeitgr\u00fcnden nur wenig: Der Staat ist vorgegeben; die Verfassung und Gesetze \u00e4ndern kann man nicht. (Eine Judikative und Exekutive gibt es. Nur eben keine Volksvertreter.) Die Aufgabe des Staats wird reduziert darauf, ein ungest\u00f6rtes Wirtschaftsleben zu erm\u00f6glichen; dementsprechend hei\u00dfen die Teilprojekte auch &#8222;Unternehmen&#8220;. Eine Art <em>poll tax<\/em> gibt es, aber keine Grund-, Mehrwehrts-, Einkommens-, Verm\u00f6genssteuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Sch\u00fcler und jede Sch\u00fclerin erh\u00e4lt das gleiche Startkapital, was suggeriert, dass das in unserem realen Staat ebenso ist. Ressourcen von au\u00dfen (von den Eltern gekaufte Elektroger\u00e4te, zu Hause gebackene Kuchen) werden in den Wirtschaftskreislauf in der Schule gebracht, so unersch\u00f6pflich wie Bodensch\u00e4tze und fossile Brennstoffe lange gesehen wurden. Arbeitslosigkeit ist kein Problem, weil man die paar Tage ja ohne Lohn auskommen kann, der ohnehin nicht nennenswert hoch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr geht in zwei Tagen auch nicht, und nicht in der letzten Schulwoche. Sch\u00f6ner w\u00e4re halt, wenn man ein richtiges Planspiel daraus machen k\u00f6nnte, oder nur ein Spiel. Dazu geh\u00f6rten unterschiedliche Ausgangspositionen, vielleicht zwei konkurrierende Gesellschaftsentw\u00fcrfe. Ein bisschen wie bei <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2006\/11\/playing-games-ii-with-larry-trask-and-friends.htm\">Junta,<\/a> was der Kollege mal in einer Vielspielerversion einzurichten versucht hat &#8211; da zieht <em>el presidente<\/em> die Entwicklungshilfe ein und verteilt die nach Gutd\u00fcnken. Also mehr LARP als Schule-als-Staat, oder ein Ressourcen-Management-Spiel. (Siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/04\/nicht-rundenbasierte-spiele.htm\">Nicht-rundenbasierte Spiele<\/a>.) Dann w\u00fcrden die Teilnehmerinnen sich mehr Gedanken dar\u00fcber machen, wie Systeme funktionieren, welche Rolle unterschiedliche Ausgangspositionen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>So ein Planspiel k\u00f6nnte man parallel zum Unterricht laufen lassen, und erst einmal mit einer kleineren Gruppe, und nat\u00fcrlich mitten im Schuljahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war als junger Mann mal eine Weile Mitglied in einem Briefspiel-Verein. Spiele per Post, das war mal eine gro\u00dfe Sache, vor dem Internet. Diplomacy etwa ist ein Briettspiel, das in Europa in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg spielt, f\u00fcr das man sieben Spieler braucht und viel Zeit \u2013 die Spieler verbringen eine Viertelstunde mit Verhandlungen, auch privat gef\u00fchrten, am besten in der ganzen Wohnung verteilt, und schreiben danach ihre Z\u00fcge auf einen Zettel (die vielleicht dem entsprechen m\u00f6gen, was sie versprochen haben). Die Z\u00fcge werden ausgef\u00fchrt, und dann kommt die n\u00e4chste Verhandlungsrunde. &#8211; So bietet sich Diplomacy besonders als Briefspiel an; alle zwei Wochen eine Zugabgabe, dazwischen stilvolle diplomatische Verhandlungen per Post.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Briefspiel-Verein liefen parallel viele Spiele, und die laufenden Ergebnisse wurden im regelm\u00e4\u00dfig erscheinenen Magazin ver\u00f6ffentlicht. Unter anderem gab es auch ein Meta-Spiel, eine Art Aktienhandel: Man handelte mit Aktien der Spieler in den anderen Spielen, also etwa der Diplomacy-Runde \u2013 schien da ein Spieler gut zu spielen, gingen dessen Aktienkurse hoch. P\u00e4dagogisch unm\u00f6glich, aber spieltechnisch reizvoll, w\u00e4ren Aktien auf Schulklassen. Am Anfang des Jahres gibt es f\u00fcr die Klassen 9a, 9b, 9c, 9d Aktien, und die Gewinnaussch\u00fcttung h\u00e4ngt von den Halbjahresnoten oder der Menge an erteilten Ordnungsma\u00dfnahmen ab. Geht nat\u00fcrlich nicht, ist aber gar nicht so weit entfernt von dem Punktesystem bei Hogwarts.<\/p>\n\n\n\n<p>(So, ich mach jetzt erst mal weiter Urlaub.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1 Kommentare.) Wer Projekttage sagt, der spricht ein gro\u00dfes Wort gelassen aus &#8211; John Dewey, Georg Kerschensteiner, Reformp\u00e4dagogik, alternative Unterrichtsformen. 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