{"id":9697,"date":"2017-08-02T11:05:12","date_gmt":"2017-08-02T09:05:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=9697"},"modified":"2023-05-22T06:49:34","modified_gmt":"2023-05-22T04:49:34","slug":"zeit-bibliothek-der-100-buecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/08\/zeit-bibliothek-der-100-buecher.htm","title":{"rendered":"ZEIT-Bibliothek der 100 B\u00fccher"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/08\/zeit-bibliothek-der-100-buecher.htm#comments'>2 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/05\/brauchen-wir-einen-literarischen-kanon-und-schullektueren-lesebuecher.htm\">Neulich ging es um Literaturkanons<\/a>, und da wurde ich auf diese Sammlung hingewiesen: 1978 bis 1980 erschienen die Kolumnen in der Zeit, es wurde jeweils ein Werk der Weltliteratur in einem kurzen beschreibenden Essay vorgestellt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"247\" src=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zeit-bibliothek-100.jpg\" alt=\"Titelbild Suhrkamp-Taschenbuch\" class=\"wp-image-9713\" srcset=\"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zeit-bibliothek-100.jpg 150w, https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/archiv\/zeit-bibliothek-100-91x150.jpg 91w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sammlung ist selbst ein Zeitdokument. Man merkt, dass sie noch aus einer pr\u00e4-postmodernen Zeit stammt: &#8222;Krimi wird nun nicht geboten, es sein denn, man hielte Dostojewskis &#8218;D\u00e4monen&#8216; f\u00fcr einen&#8220;, schreibt Herausgeber Fritz J. Raddatz g\u00f6nnerhaft in seinem Vorwort. Die Grenze zwischen U- und E-Literatur wird noch ganz hart gezogen. Der Beitrag zu Dantes <em>G\u00f6ttlicher Kom\u00f6die<\/em> beginnt: &#8222;Die Deutschen haben ein gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zu Dante.&#8220; Man m\u00f6chte den Autor sch\u00fctteln, oder in den Arm nehmen, denn nein, den Deutschen ist Dante so etwas von egal, die haben gar kein Verh\u00e4ltnis zu ihm. Dass unter den 100 Werken gerade mal ein einziges ist, das von einer Frau geschrieben wurde, ist den Herausgebern selber aufgefallen; im Vorwort wird diese Beobachtung &#8211; wiederum g\u00f6nnerhaft &#8211; gelobt als &#8222;Argument, das die sympatische kritische Wachheit unserer weiblichen leser dokumentiert.&#8220; Aber das ist kein Problem, denn ausgew\u00e4hlt wurde &#8222;ausschlie\u00dflich nach literarischen Kriterien.&#8220; Diese Kriterien zu hinterfragen, so weit war man damals noch nicht. In der Jury sa\u00dfen nur M\u00e4nner, und &#8211; adding insult to injury &#8211; der Beitrag zum Buch der einzigen Autorin, Anna Seghers&#8216; <em>Das siebte Kreuz<\/em>, ist der einzige Beitrag, der nicht von namhaften Intellektuellen verfasst wurde, sondern von einer 17-j\u00e4hrigen Sch\u00fclerin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von den hundert Werken habe ich etwa ein Viertel gelesen. Weltliteratur ist drin, mit Schwerpunkt Deutschland, und daneben Europa, das ist legitim. Ganz wenig Amerika, gar kein Asien oder Afrika. Swift, Fielding und Sterne, aber weder Jane Austen noch eine Bront\u00eb-Schwester noch Mary Shelley. Das Nibelungenlied ist drin, in Ordnung &#8211; ist das eigentlich Weltliteratur, oder h\u00e4tte man das in Deutschland nur gerne? Trotzkis Autobiographie ist drin, ein wenig sonderbar. Goethes <em>Werther<\/em> wird als avantgardistisch gelobt, weil man so unmittelbar dran ist an dem armen Mann. Daf\u00fcr<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">opfert man dann gern den schon damals allwissend und schwatzhaft sich selber feiernden, sogenannten &#8222;ironischen&#8220; Erz\u00e4hler, der uns mit seinen entsetzlich langen Romanen, in denen er auf Zehenspitzen hin- und herhuschend alles h\u00fcbsch und artig dekoriert, bis zum heutigen Tage zu Tode langweilt. (Reinhard Lettau)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also, ich mag den lieber als den Werther. &#8212; Die Auswahl hat mich bisher dazu gebracht, Faulkner zu lesen (nicht mein Fall), mich wieder mal an die Langwerke Kafkas zu machen (interessieren mich viel weniger als die Kurzprosa), Kleist wiederzulesen (immer ein Vergn\u00fcgen) und Hebel (dito). <em>Spuren<\/em> von Ernst Bloch klang interessant und ist in der Post.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2 Kommentare.) Neulich ging es um Literaturkanons, und da wurde ich auf diese Sammlung hingewiesen: 1978 bis 1980 erschienen die Kolumnen in der Zeit, es wurde jeweils ein Werk der Weltliteratur in einem kurzen beschreibenden Essay vorgestellt. Die Sammlung ist selbst ein Zeitdokument. 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