{"id":9918,"date":"2017-10-07T20:52:10","date_gmt":"2017-10-07T18:52:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/?p=9918"},"modified":"2017-10-07T20:52:10","modified_gmt":"2017-10-07T18:52:10","slug":"blade-runner-2049","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/10\/blade-runner-2049.htm","title":{"rendered":"Blade Runner 2049"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:right;'><small>(<a href='https:\/\/www.herr-rau.de\/wordpress\/2017\/10\/blade-runner-2049.htm#comments'>5 Kommentare.<\/a>)<\/small> <\/div><p>Ich wei\u00df noch, wie ich <em>Blade Runner<\/em> zum ersten Mal gesehen habe. Das war Ende Oktober 1982 auf meinem ersten Con, drei oder vier Tage in einem Jugendzentrum. Der Hauptsaal war mit Alufolie abgedunkelt, man schlief in Schlafs\u00e4cken, irgendwo; im Keller gab es Rollenspiele und grausliche Horrorfilme auf Schmalfilm, und in einem Nebenraum liefen rund um die Uhr Filme auf einem kleinen Fernseher. Da waren dann immer so zehn, zwnazig Leute versammelt und schauten Filme. VHS-Videokassetten, Raubkopien, <em>Blues Brothers<\/em> war dabei, <em>Galaxina<\/em>, die zwei Star-Wars-Filme rauf und runter, aber die kannte ich ja schon zu gen\u00fcge. Und eben auch <em>Blade Runner<\/em>. Der war erst zwei Wochen zuvor in Deutschland angelaufen, eine Gruppe von Conbesuchern sah ihn auch im Kino, teilweise voll kost\u00fcmiert &#8211; Jahre bevor das &#8222;Cosplay&#8220; hie\u00df. <\/p>\n<p>Nicht von allen Filmen habe ich gleich viel mitbekommen, auch weil ich, uh, am Rummachen mit einem M\u00e4dchen war. Von <em>Blade Runner<\/em> hatte ich viel geh\u00f6rt und viel gelesen, in Fanzines, im Cinema-Magazin, aber der Film war mir zu langsam und ich war sicher unaufmerksam. Deshalb war es wahrscheinlich nicht dieser Con, auf dem mich der Film begeisterte. Aber im Jahr darauf gab es den n\u00e4chsten Con, und im Jahr darauf den n\u00e4chsten, und in den Jahren darauf mehrere Conbesuche pro Jahr &#8211; genug: noch bevor ich zwanzig war hatte ich den Film oft gesehen, und viele Stellen daraus waren gefl\u00fcgelte Worte in unserer Spielerrunde geworden.<\/p>\n<p>Deshalb habe ich auch ein Herz f\u00fcr die urspr\u00fcngliche Fassung und ziehe sie dem Director&#8217;s Cut vor. Die Einhorn-Traumsequenz in dieser bringt mir nichts, und ja, das gr\u00fcne Ende ist ebenso aufgesetzt wie das am Ende von Kafkas &#8222;Verwandlung&#8220; &#8211; aber das Voice-Over mochte und mag ich. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits ein Kenner oder zumindest Freund des Film noir, und da passt so ein Sprecher nat\u00fcrlich wunderbar hin. Au\u00dferdem habe ich dabei das Wort &#8222;Sushi&#8220; kennengelernt.<\/p>\n<p>Dass der erste <em>Blade Runner<\/em> ein stilpr\u00e4gender und wichtiger Film ist, will ich hier nicht erkl\u00e4ren; Musik und Design sind ohne Zweifel hervorragend; die gezeigte Welt ist es ebenso. Handlung und Dialoge sind sehr gut, auch keine Frage. Das Tempo des Films ist manchen zu langsam, ich mag die langen Einstellungen aber, und sie werden ja immer wieder unterbrochen durch schneller geschnittene Szenen. Die Schauspieler&#8230; Harrison Ford finde ich schlecht, aber das ist mir erst sp\u00e4ter beim englischen Original aufgefallen und nie in der deutschen Version meiner Jugend. Rutger Hauer, Daryl Hannah, Sean Young, Edward James Olmos, auch die Nebenrollen: alle sehr gut besetzt.<\/p>\n<p>Der definitive Artikel zu <em>Blade Runner<\/em> ist f\u00fcr mich \u00fcbrigens dieser hier zu der im verwendeten Typographie: <a href=\"http:\/\/typesetinthefuture.com\/2016\/06\/19\/bladerunner\/\">http:\/\/typesetinthefuture.com\/2016\/06\/19\/bladerunner\/<\/a><\/p>\n<p>&#8212; Auf die Quasi-Fortsetzung <em>Blade Runner 2049<\/em> war ich m\u00e4\u00dfig gespannt, habe sie aber doch baldm\u00f6glichst mit Frau Rau angeschaut. Fazit: Ja, schon gut. Gerade im Vergleich zu dem, was man sonst als Gro\u00dfproduktionen sieht, die gesch\u00e4tzten Marvel-Filme eingeschlossen, ist der Film eine Wohltat. Einen Film wie diesen habe ich lamnge nicht gesehen, er erinnert mich an die ambitionierten Science-Fiction-Filme der 1970er Jahre.<\/p>\n<p>Aber im Vergleich zu <em>Blade Runner<\/em> fallen mir dann doch eher die Vorteile des \u00e4lteren Films auf. Gibt es zitierf\u00e4hige Stellen im neuen Film? Oder ist das Konzept ohnehin veraltet, haben Filme heute eine zu geringe Halbwertszeit, als dass Zeilen darauf Klassiker werden k\u00f6nnen? Rutger Hauers Monolog im \u00e4lteren Film ist ber\u00fchmt; aber ich kann viele andere Stellen nachsprechen, und bin nicht der einzige &#8211; in \u00dcberschriften zu Artikeln zum neuen Film tauchen immer wieder Zitate aus dem alten Film auf: &#8222;Polizei-M\u00e4nner&#8220;, &#8222;Wenn du mit deinen Augen gesehen h\u00e4ttest, was ich mit deinen Augen gesehen habe&#8220;, &#8222;Zeig mir, woraus du gemacht bist&#8220;, &#8222;das Licht, das doppelt so hell brennt, brennt eben nur halb so lang&#8220;, &#8222;Ein Jammer, dass sie nicht leben wird&#8230; aber egal &#8211; wer tut das schon?&#8220;<\/p>\n<p>Sehr gut am neuen Film sind Musik und Design und die Welt, die der Film aufbaut. Die Schauspieler sind wahrscheinlich auch gut, aber ich habe keine Auge daf\u00fcr; mir fallen nur richtig schlechte auf. Auch das langsame Tempo des Films ist gut. Das entschuldigt aber nicht 2 3\/4 Stunden Dauer, eine Dreiviertelstunde h\u00e4tte man gut streichen k\u00f6nnen, alles in der zweiten H\u00e4lfte des Films. (Konkrete Stellen auf Anfrage.) Ein echter Gewinn ist die elektronische Gef\u00e4hrtin des Helden &#8211; ein digitaler Ersatz-Replikant f\u00fcr Leute, die sich keinen echten Replikanten leisten k\u00f6nnen. Und schon wird die Frage danach, was ein echter Mensch ist, auf digitale Konstrukte erweitert.<br \/>\nGanz \u00fcbel ist der Schurke des Films. Ein unverst\u00e4ndlich-uninteressanter Plan, eine alberne Frisur, keinerlei Pers\u00f6nlichkeit &#8211; wie gut, dass dieser Schurke f\u00fcr den Film dann auch keine Rolle spielt. Seine rechte Hand, eine Killer-Replikantin, schon eher. Aber die Tiefe eines Darth Vader erreicht sie nicht &#8211; und so tief, ehrlich gesagt, ist der ja auch nicht, jedenfalls nicht in <em>Star Wars.<\/em><\/p>\n<p>Gest\u00f6rt haben mich die Versatzst\u00fccke. Zwei verschiedene Organisationen sind hinter dem gleichen Geheimnis her, ich f\u00fchlte mich an The Da Vinci Code erinnert. Was ich auch zu oft gesehen habe: Der Held f\u00fchrt die Schurken unwissentlich zu ihrem Ziel, weil sie ihn heimlich beobachten (beide Organisationen). Wie erfrischend ist da der alte Film! Da ist nicht klar, wer eigentlich der Schurke ist, und niemand legt irgendwem heimlich einen Sender ins Gep\u00e4ck. <\/p>\n<p>Von der \u00dcbertragung des Replikanten-Falles auf das Digitale abgesehen (und selbst da: gibt es in der Zukunft keine verschl\u00fcsselten Backups?) stellt mir der Film auch keine philosophischen Fragen, die der \u00e4ltere Film nicht besser gestellt h\u00e4tte. An eine tragische oder auch nur traurige Szene kann ich mich nicht erinnern &#8211; kein Erschie\u00dfen der fl\u00fcchtenden Zhora, kein Rutger Hauer. Aber gut: Optisch und akustisch orientiert sich <em>Blade Runner 2049<\/em> sehr am alten Film, ansonsten ist er halt ein eigenst\u00e4ndiges Produkt. Gut ist, dass wie im alten Film nicht zu viel erkl\u00e4rt wird \u00fcber die Welt udn manche Fragen offen bleiben.<\/p>\n<p>Ich freue mich darauf, in weiteren 35 Jahren <em>Blade Runner 2084<\/em> zu sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(5 Kommentare.) Ich wei\u00df noch, wie ich Blade Runner zum ersten Mal gesehen habe. Das war Ende Oktober 1982 auf meinem ersten Con, drei oder vier Tage in einem Jugendzentrum. 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