Mein neuer Mantel

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In Wien wies mich Frau Rau beim Flanieren auf einen Mantel in einem Herrenmodengeschäft hin, einen Raglan-Mantel. Der würde mir stehen, meinte Frau Rau; ich pflichtete bei, betrat den Laden, worauf der Inhaber und ich bald handelseinig wurden.

Raglan-Ärmel kannte Frau bereits, wusste aber nicht, dass die auf den Raglan-Mantel zurückgehen. Der ist benannt nach Lord Raglan (1788–1855), dem ersten englischen Oberbefehlshaber im Krimkrieg, verantwortlich für the Charge of the Light Brigade als Teil der Schlacht von Balaclava. Nach ihm ist auch die Raglan Road in Dublin benannt, das wiederum dem Gedicht „On Raglan Road“ (1946, noch mit anderem Namen) von Patrick Kavanagh den Titel gab, das man seit 1971 wiederum vor allem als Lied zu einer bereits bestehenden Melodie kennt, als die Dubliners eine vertonte Fassung herausbrachten. Seitdem gibt es Versionen vieler Künstler davon (hier eine), und auch ich habe das schon auf der tin whistle gespielt.

Neben der Strickjacke, englisch cardigan (nach Lord Cardigan, Anführer des Sturmangriffs der Light Brigade) und der Sturmhaube, englisch balaclava, brachte uns der Krimkrieg den Raglanmantel mit dem Raglanärmel. Ich wusste zwar halbwegs das mit der Krim, hatte aber anders als Frau Rau keine Ahnung, was den Raglan überhaupt zum Raglan macht. Nämlich: Üblicherweise näht man die Ärmel eines Kleidungsstücks an das bestehende Rumpf-und-Schulter-Teil an; das Schulterloch ist in diesem Rumpfteil ein vertikaler Schnitt. Beim Raglanärmel gehört das Schulterstück noch zum Ärmelteil dazu und wird mit diesem an den diagonalen, bis zum Hals gehenden Einschnitt im Hauptteil angenäht. Diesen Raglanärmel gibt es nicht nur an Mänteln, sondern auch an anderen Kleidungsstücken.

Angeblich ging auf der Krim den britischen Truppen die Winterkleidung aus, so dass Lord Raglan anwies, Kartoffelsäcke zu benutzen. Wie da der schräge Einschnitt ursprünglich aussah, weiß ich nicht. Nach einer anderen Quelle bevorzugte Lord Raglandiesen Schnitt, nachdem er bei der Schlacht von Waterloo einen Arm verlor.

An mir sieht das jedenfalls so aus:

Es ist noch Platz für ein Jackett, oder Sakkó darunter. Die drei Kopfbedeckungen hätte ich im Haus, keine scheint mir perfekt zu sein


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Kommentare

5 Antworten zu „Mein neuer Mantel“

  1. Die Geschichte mit dem Kartoffelsack finde ich interessant.

    Aber: Als Hobbyschneiderin weiß ich, dass ein Raglanärmel viel einfacher zu verarbeitern ist, als der herkömmliche gerundete Ärmeleinsatz. Denn da müssen viele Kurven miteinander verbunden werden, während es beim Raglan nur gerade Nähte sind.
    Des weiteren kann man Raglanärmel auch so verarbeiten, dass es oben auf der Schulter keine Naht gibt. Und Nähte sind immer eine Ursache für eindringendes Wasser. Was bei einer Militäruniform ja kein unerheblicher Aspekt ist.

  2. Vielen Dank für den Einblick, Christine! Das leuchtet mir sofort ein.

  3. Ein Vorteil beim Raglan-Mantel ist: Wenn man ein Sakko darunter trägt – oder eben nicht – passt sich der Fall der Schulterlinie an. Dir Ärmel sind mal kürzer und mal länger, aber an den Schultern sitzt der Mantel immer (so er grundsätzlich passt).

    Viel und lange Freude an dem neuen Mantel wünscht
    Ines

  4. Toller Mantel – sieht klasse aus :) Liebe Grüße, Sabine

  5. Sigrid

    Sehr schick!
    Für mich passt der erste Hut am ehesten.

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