Der IT-Imperativ

Hessen stellt für das Abitur in Informatik in Java Namenskonventionen auf: Java-Styleguides der Abiturkommission, orientiert an anderen Konventionsgebern. Vieles davon ist sinnvoll. Aber an folgende, auch in Bayern verbreitete Regelung halte ich mich schon einmal nicht: Attributnamen beginnen im Englischen immer mit einem Kleinbuchstaben und im Deutschen mit einem Großbuchstaben, da sonst gegen die Lesegewohnheiten verstoßen wird. Ich ergänze: da sonst auch gegen die Rechtschreibung verstoßen wird. Im Deutschen beginnen Substantive wie Alter, Gehalt und Verbrauch mit einem Großbuchstaben. Im Informatikunterricht diese mit Kleinbuchstaben beginnen zu lassen, ist im Sinne des sprachsensiblen Fachunterrichts vollkommen kontraproduktiv. via Twitter: https://twitter.com/a_siebel/status/1401618841533358084 Meine Attributsbezeichner …

Malen mit Zahlen in der Unterstufe

Nach dem Malen neulich brachte mich Michael Brenner auf die Idee, mal so richtig Malen nach Zahlen zu machen. In der Faschingswoche hatte ich meiner 6. Klasse keine Aufgaben aufgegeben, auch die Videokonferenz war freiwillig, dennoch waren die meisten da und wollten malen. Ich hatte kurz vorher ein gemeinsames Tabellendokument vorbereitet, in dem mit “bedingter Formatierung” Zellen abhängig von ihrem Inhalt eine bestimmte Formatierung bekamen – sprich: einen farbigen Hintergrund. Es gab nur 16 Farben zur Auswahl. Die Bereiche außerhalb des Malfelds wurden geschützt, so dass sie nicht verändert werden konnten, und damit auch nicht die Breite oder Höhe der …

Arbeitsauftrag Aufbau Internet, Klasse 7, jetzt ohne Magnete

In Informatik zeige ich immer noch den Mausfilm, der bei den Schülern und Schülerinnen inzwischen historisches Interesse weckt. (“Gibt es so etwas heute noch?” “Warum sind die Monitore so groß?”) Zur Folgestunde habe ich mir vor ein oder zwei Jahren diese Grafik gemacht, anhand derer ich Inhalte wiederhole oder sichere. Die wird an die Tafel projiziert, und dazu gibt es große beschriftete Kärtchen, und eine Schülerin oder mehrere kommen vor und heften die Kärtchen mit einem Magneten an die Tafel. Semi-enaktiv kann man das nennen. Seit Anfang dieses Schuljahrs halte ich es aber so, dass die Schüler und Schülerinnen im …

KI: Fast alles, was ich darüber weiß (Teil 4: Das Eleusis-Experiment)

Bevor ich zum letzten Teil komme, der an Teil 3 anschließt, hier ein kleiner Exkurs. Kann man getrost überspringen, ich habe mich aber darin verloren. Das Kartenspiel Eleusis Wenn ich schon eine KI zur Verfügung hatte, dann wollte ich sie auch mit etwas testen, das zumindest so aussieht, als würde es Intelligenz erfordern: Mir fiel das Spiel Eleusis ein (alter Blogeintrag). Gespielt wird mit mindestens zwei Sätzen herkömmlicher Spielkarten: Herz, Karo, Kreuz, Pik; Ass bis König. Die Kurzfassung: Eine Spielerin überlegt sich eine geheime Ablageregel, die anderen Spielerinnen müssen durch Versuch und Irrtum auf die Regel kommen – genauer gesagt, …

KI: Fast alles, was ich darüber weiß (Teil 3: Neuronale Netze)

Letztes Mal ging es um Neuronen und einfache Perzeptrone. Die Weiterentwicklung davon heißt künstliches neuronales Netz. Das heißt so, weil es aus nachgebauten Neuronen bestehen und an echte biologische neuronale Netze angelehnt ist, sie aber keinesfalls tatsächlich nachbaut. Wie ein neuronales Netz aufgebaut ist (der langweilige Teil) Hier ist ein einfaches neuronales Netz, das aus fünf Neuronen besteht: Es gibt links drei Eingangswerte. Das heißt, es gehen drei Zahlen in unser System hinein. Es könnten auch mehr oder weniger sein. Manchmal liest man auch “Eingangsneuronen”, obwohl diese Neuronen dann eigentlich nichts tun, außer einen Wert weiterzuleiten. Wenn man so zählte, …

KI: Fast alles, was ich darüber weiß (Teil 2: Neuronen)

Im ersten Teil ging es um allgemeine Gedanken, diesmal will ich etwas konkreter werde. Der Ausgangspunkt war der: Ein Computersystem soll lernen, Muster zu erkennen, also für uns eine Reihe von Datensätzen zu kategorisieren. Das können eine Menge als Farbwerte interpretierbare Zahlen sein, die das System als Ziffer erkennen soll: Das kann ein Punkt in einem zweidimensionalen Koordinatensystem sein, bei dem das System entscheiden soll, ob der Punkt “links oben” sein soll. Hier ist eine Darstellung von ein paar hundert solcher Punkte: Genau genommen geht es nicht um Punkte, sondern um zwei Werte, x und y, von denen der erste …

KI: Fast alles, was ich darüber weiß (Teil 1)

1. Starke und schwache KI Künstliche Intelligenz gibt es in zwei (zumindest zur Zeit) verschiedenen Ausprägungen: Starke KI und schwache KI. Starke KI ist das, was man aus der Science Fiction kennt: Intelligente Computer, die die Herrschaft über die Welt oder das Raumschiff an sich reißen möchten, mit charmantem oder fiesem Charakter, oder die sich großmütig für den Menschen opfern und früher oder später die gleichen Rechte wie Menschen zugestanden kriegen. Das soll ein Computer richtig verstehen, was um ihn und in ihm vorgeht. Darum dreht sich die öffentliche Diskussion zur Zeit gar nicht. Schwache KI ist all das, von …

Coraline: Das Spiel

Kurzfassung zur Erinnerung: Statt über die Englischlektüre Coraline von Neil Gaiman mit meiner 9. Klasse zu sprechen, programmiere ich mit der Klasse ein Textadventure dazu. Der Code ist von mir, die Beschreibungen der Räume und Objekte stammen weitgehend von den Schülern und Schülerinnen, die sich dazu aus aus dem Buch bedient haben. (Mehr Einzelheiten hier.) Das Spiel ist jetzt zwar noch nicht ganz fertig, aber ziemlich weit gediehen (mehr als 22000 Wörter) und bis zu einem oder mehreren Enden spielbar. Das hat Lust auf mehr gemacht, ich sehe auch eine das Schulbuch begleitende Möglichkeit für meine 7. Klasse, und irgendwann …

Synology-NAS in der Schule

Ich habe ja selber ein kleines NAS zu Hause (Blogeintrag). Aber so etwas gibt es auch in groß, etwa für eine ganze Schule. Das ist dann ein relativ leistungsfähiger Rechner mit großer Festplatte und geeigneter Software darauf, auf den gleichzeitig viele Benutzer über verschiedene Internetprotokolle – insbesondere https, also mit einem Browser – zugreifen können. Man könnte auch Cloud dazu sagen, es ist zumindest ein Wölkchen. Zuerst könnte das weite Teile sonstiger schulischer Infrastruktur ergänzen, später vielleicht sogar ersetzen. DiskStation Manager DSM: Das zentrale Browser-Desktop Im Browser sieht das für den angemeldeten Benutzer aus wie ein Desktop, den man aus …

Neil Gaiman, Coraline, als begehbarer Text

Coraline als Buch Ich habe vor, uh, sechzehn Jahren schon mal einen Blogeintrag dazu verfasst, und aktuell ist das die Englischlektüre in meiner 9. Klasse. (Damals eher 8.) Inzwischen gibt es auch eine Verfilmung, und ich glaube, ich lese das Buch tatsächlich zum ersten Mal mit einer Klasse. Es kommt gut an, auch mir gefällt es weiterhin gut. Die Handlung: Coraline lebt mit ihren Eltern in einer Hälfte eines älteren Hauses; es gibt eine verschlossene Tür im Wohnzimmer, hinter der aber nur Mauer ist – das Haus ist vor Zeiten mal in zwei Teile getrennt worden. Coraline verschlägt es durch …