Sätze, die man im Lehrerzimmer selten hört (1)

Kollege am Telefon: “Warten Sie, ich schaue mal schnell in der Bibliothek im Mittellatein-Lexikon nach.”

Ach, das Gymnasium als Hort des Wissens, wo man nachfragt, wenn man Auskünfte haben möchte. Ich kenne das noch aus der Uni, Ältere Sprachwissenschaft oder Englische Literaturwissenschaft: da verirrte sich auch immer wieder mal ein Anruf an den Lehrstuhl zu irgendwelchen Detailfragen. Am Gymnasium habe ich das noch nicht erlebt.

Wochenrückblick

Vor einer guten Woche war Elternsprechabend. Im Anschluss daran das sogenannte Kartoffelessen: noch vor meiner Zeit an der Schule lud der Elternbeirat die Lehrer jedes Jahr ein zu einem Treffen ein. Der Ort war ein nahe gelegenes Versuchsgut, zu dem Beziehungen bestanden, zu essen gab es ursprünglich Kartoffeln und Quark. Im Lauf der Jahre änderte sich der Ort mehrfach, die Menge der anwesenden Lehrer schwankte. Inzwischen findet das in der Mensa statt, direkt nach dem Elternsprechabend, und das kommt gut an. Die Lehrer sind eh schon in der Schule. Man trifft sich und plaudert, die neuen Lehrer und Elternbeiratsmitglieder stellen sich vor. Die Gruppen mischen sich ein zumindest ein bisschen. War gut.

Am Montag dann wieder Vorlesewettbewerb der 6. Klassen in der Aula:

Die Deutschlehrer der Klassen bildeten die Jury (plus Schulleitung und Vorjahressieger), eine Lehrkraft war allerdings verhindert. Das war insofern praktisch, weil die ihre Klasse fragen konnte, wie die Veranstaltung so war. Rückmeldung sozusagen.

Eine Schülerin aus der 7. Klasse hat in Englisch ein Referat über den Wizard of Oz gehalten, ein Buch aus unserem Klassenfundus. Wenn man da Englischlehrer ist und Internetanschluss im Klassenzimmer hat, dann muss man doch einfach bei Youtube vorbeischauen und gucken, ob man den Schülern kulturelle Meilensteine präsentieren kann – Weihnachten kommt die klassische Musicalversion sicher wieder im Fernsehen, da kann man die Schüler schon ein wenig vorbereiten.
Und einem anderen Schüler gefällt das empfohlene The Prisoner of Zenda. Die Klassiker halt.

Gelesen habe ich in letzter Zeit unter anderem Wolfgang Herrndorf, tschick.

Erschienen September 2010, gibt es bisher nur gebunden für 16,95€, könnte aber trotzdem die Schullektüre für meine aktuelle 9. Klasse werden. Schöne Geschichte, schön erzählt; ein bisschen Huck Finn dabei, wie jeder zweite Rezensent meint. (Ich bin aber selber darauf gekommen.) Die Helden sind zwar in der 8. Klasse, wenn ich mich recht erinnere, aber reif genug, dass ihre Geschichte für Neuntklässler geeignet ist. (Wer’s schon gelesen hat: “Adel auf dem Radel”, Kennenlern-Radtouren für die adlige Jugend, gibt es natürlich wirklich. So etwas kann man nicht erfinden.)

Schöne Informatikwerkzeuge für das Veranschaulichen der TCP/IP-Protokolle habe ich gefunden: Einmal die Seiten von Simba von der Universität Siegen mit einem Applet dazu, und von der gleichen Uni auch Filius:

Mit diesem Java-Programm kann man Netzwerke nachbauen, IP-Adressen vergeben und einen DNS-Server laufen lassen. Auf jedem simulierten Netzwerkrechner lassen sich Client- oder Serverprogramme starten (vor allem Web und Mail). Beispieldateien und ‑aufgaben sind beim Download dabei.

Überhaupt, Informatik. Da geht’s ja gerade überall ab. Statt Lehrplan zu machen, habe ich dem 12er-Kurs in einer Doppelstunde erklärt, was ein Feed ist und wie ich mit meinem Feedreader umgehe. Dass man Seiten abonnieren kann, was ich abonniert habe, welche Vorteile ich davon habe. Den Schülern habe ich empfohlen, mit dem GoogleReader herumzuspielen und ihnen auf Wunsch ein Einsteigsbukett von interessanten Feeds angeboten: Netzpolitik, Lawblog, Dilbert-Cartoon, Rollenspielmaterial, Goethe-Schiller-Briefwechsel, was man halt so braucht. (Hier ist die Auswahl in OPML-Form, einem Import-Export-Format für Listen von Feeds. Damit kann man einen ganzen Schwung Feeds auf einmal abonnieren.)
Feeds halte ich deshalb für sinnvoll, weil ich aus ihnen Informationen hole: über Wikileaks, den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, Vermummungsverbot im Internet, Netzneutralität, Zensurinfrastruktur und was noch alles gerade diskutiert wird. Aktuelle Links dazu habe ich den Schülern in den Moodlekurs gestellt, die Texte andiskutiert. Mehr als diese Doppelstunde zum Einstieg habe ich dafür erst einmal nicht vorgesehen, aber eigentlich könnte und sollte man aus diesen aktuellen Entwicklungen viel mehr machen, auch in anderen Fächern.

Am Freitag war eine Weihnachtsfeier meiner 7. Klasse, nachmittags, außerhalb der Schule. Ein guter Teil der Eltern und Schüler war da, die Schülerinnen haben traditionelle Weihnachtslieder auf Lateinisch gesungen (im Lateinunterricht gelernt) und “The Twelve Days of Christmas” (hier in einer Version von 2004). Kerzen und Plätzchen. War schön, auch wenn ich mich leider nicht mit allen Eltern unterhalten habe.

Am kommenden Donnerstag jetzt noch die Fachbetreuertagung Deutsch (Oberbayern-West), auf der ich über Moodle informieren und dafür werben soll. Danach komme ich vielleicht endlich zu Weihnachtsgeschenken, Familienbesuchen und der aufgeschobenen Deutschklausur.

Beethoven, Klaviersonate Nr. 32 in c‑Moll, op. 111

Etwa ab 6′30″ wird das Stück für zwei Minuten überraschend flott. Ich verstehe ja wenig von Musik, aber das hätte ich mir erst hundert Jahre später vorgestellt.

(Wikipedia dazu. Kommt in Doktor Faustus von Thomas Mann vor.)

Gespielt von Neil O’Doan, lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic, Quelle: Wikipedia. Ich habe nur die ogg-Datei in mp3 umgewandelt und etwas heruntergerechnet; die sauberere Aufnahme ist bei Wikipedia.

Ansonsten gerade mehr Arbeit als sonst. Zehn Tage noch, dann ist wieder Luft.