Rede- und andere Wendungen aus England

Nach zwei Wochen England bin ich wieder zu Hause. Schön war’s, sehr schön, Bilder kommen, wenn ich dazu Zeit finde. Der Höhepunkt waren für mich die fünf Tage Wandern auf dem Cotswold Way, die südliche Hälfte davon, jeden Tag so 20–25 Kilometer, das Gepäck von B&B zu B&B chauffiert. Dass ich das erst so spät machen muss! Damit hätte ich schon vor ein paar Jahren anfangen können.

Redewendungen aufgeschnappt:

  • “hardly touched the sides” – die Landlady im Bed & Breakfast, nachdem sie mein cooked breakfast serviert hatte und mein Teller vielleicht unziemlich wenige Augenblicke später leer war
  • “the sun always shines on the righteous” – wanderlicher Gruß, der einem an sonnigen Tagen (in vielleicht durchwachsenerem Wetter allgemein) mit schöner Regelmäßigkeit auf dem Cotswold Way entboten wird
  • “it all went a bit pear-shaped” – bewusst gehört von Roger Taylor in einer Queen-Dokumentation; es war überraschend, aus dem Mund eines Rockstars so bürgerliches Englisch zu hören, aber klar, was auch sonst. Wikipedia weiß wenig von dieser Redewenung zu berichten, der schriftliche Erstbeleg sei laut OED erst 1983; andere datieren das auf die 1940er Jahre, Air Force, wo Loopings eigentlich rund geflogen werden sollten, aber halt gerne mal eher birnenförmig werden. Hm, ich hätte gedacht, das schon vor den 1980er Jahren gelesen zu haben. Meine Assoziation dabei war stets: Irgendwas ist nach unten gerutscht, was da nicht hinsoll – volle Windel, gepackter Rucksack, so etwas

Aus dem Fernsehen und der Zeitung gelernt:

  • Die Prügelstrafe ist in England und Wales (anders: Schottland) noch nicht abgeschafft, das wird aber gerade diskutiert. Bisher dürfen Erziehungsberechtigte noch so viel schlagen, dass keine Hautreizung sichtbar ist.
  • Auch in England gibt es eine Bildungspflicht, die auch die Form von Schulpflicht annehmen kann. Vor zwei Wochen ist einem Elternteil Recht gegeben worden, das sich weigerte, eine Strafe dafür zu zahlen, sein Kind während der Unterrichtszeit aus der Schule und in den Urlaub genommen zu haben. Vor dem Jahr 2013 war das noch leichter möglich und wohl üblicher, aber dann hat der (damalige) ungeliebte Erziehungsminister Gove die Regeln in den staatlichen Schulen verschärft. Das Elternteil berief sich darauf, dass mit einer Unterrichts-Anwesenheit von über 90% der Schulpflicht genüge getan sei, und bekam recht. – Nun liegt das Urteil sicher an den konkreten Formulierungen im englischen Recht, aber ich frage mich schon, ob man nicht auch hierzulande mit dem Argument durchkäme, 90% erfüllten die Schulpflicht, so dass man quasi ein Recht auf ein paar zusätzliche flexible Ferientage bekäme.
  • Brexit: Die Medien sind voll davon. Die dort gezeigten Bürger, wenn man sie fragt, sagen oft, dass ihnen die Fakten fehlten. Der eine Politiker sage das, der andere jenes, aber keiner würde ihnen die tatsächlichen Fakten nennen. Also, was ich in den Medien mitkriege, ist: 80% aller Organisationen und Institute, die sich sachlich und wirtschaftswissenschaftlich (so weit es so etwas halt gibt) mit dem Thema beschäftigen, sagen laut und deutlich, dass es England erst mal wirtschaftlich deutlich schlechter gehen wird. Mehr Fakten kann man nicht verlangen. Die Brexit-Befürworter behaupten lediglich, das stimme halt gar nicht, was diese Studien sagen. Wie viele Fakten wollen die Leute denn noch hören? Ich glaube ja, dass es keine gute Strategie der Brexit-Befürworter ist, diese Fakten zu leugnen. Man müsste einfach sagen: Es wird uns fünf Jahre schlechter gehen, und danach – soweit kann man eh schlecht vorhersagen – wohl wieder besser, also stiff upper lip alle zusammen, und danach sind wir wenigstens wieder frei. Aber gut, was weiß ich. Und dann ist noch immigration als Hauptstandbein der Brexiter. (Ein Unterhaus-Komitee, dem Parlamentarier beider Seiten angehören, hat einen Bericht veröffentlicht und beiden Kampagnen vorgeworfen, unseriös oder gänzlich falsch mit Zahlen zu arbeiten.) Nachtrag: Auch die UK Statistics Authority wacht darüber, ob Politiker korrekt mit Statistiken umgehen.