Essen in Brighton, 2019

Das Frühstück unten stammt übrigens aus der Gaststätte Brightons mit der schlechtesten Hygienebewertung der ganzen Stadt, Stand Herbst 2018. Ich fand es sehr lecker und würde jederzeit wieder hingehen.

Als Erstes aßen wir dieses Mal, noch vor dem Auspacken, Dim Sum – gemischte chinesische Kleinigkeiten. Glibber in Erdnusssauce, Reis im Lotusblatt, Turnip Cake (trotz des Namens mit chinesischem Rettich, schmeckt aber nicht nach Rettich).

Am Tag darauf Sunday Roast im Pub. Alles sehr gut, besonders das Gemüse, aber der schöne große Yorkshire Pudding war leider enttäuschend.

Danach Food for Friends, die erste Anlaufstelle für leckeres (vegeatrisches) Essen. Diesmal weniger überwältigend als sonst, trotzdem: Fried Tofu geht immer.

Höhepunkt für mich: Das Market (vormals Graze). Das tut so, als gäbe es da Tapas, und auf der Speisekarte steht „Tapas“, und wir haben am Tapas-Tag das Tapas-Menü bestellt – eine Auswahl aus Vorspeisen-, Hauptspeisen- und Nachtisch-Tapas. Aber das waren keine Tapas: Churros, sonst in Kakao getippt, hier mit Ziegenkäse im Teig und Trüffelhonig-Dip. Eine Kohlrabischeibe auf leckerer roter Soße unter Käse, Muscheln, und vor allem eine Aubergine, kreuzweise eingeschnitten, mit Sirup-Soja-Teriyakisoße getränkt.

Kein Foto vom letzten und vorletzten Restaurantbesuch, obwohl vor allem der sagenhaft, Keim Foto auch von den Käse&Keks-Abenden vor dem Fernseher.

Zweierlei Rinderfett, mit Rezept: Steak and Kidney Pie

In England gibt es zwei Arten Rinderfett, denen man in Deutschland selten begegnet. „Beef dripping“ kann man im Supermarkt und beim Metzger kaufen, so wie bei uns Schweineschmalz – nur dass es eben quasi Rinderschmalz ist. Bratkartoffeln kann man darin machen, und Zwiebeln anbraten, für Yorkshire Pudding ist es ganz wichtig. Früher wurden Fish & Chips in beef dripping zubereitet.

Der Name kommt noch aus den Zeiten, als das Stück Rindfleisch über dem offenen Feuer oder den Kohlen gebraten wurde, an einem Spieß oder von oben herabhängend. Darunter befand sich die dripping pan, in die das Fett tropfte und wo es gesammelt wurde. (Und man konnte auch etwas reintunken, ja.)

Wenn man das dripping aus der Pfanne oder Schale abschöpft, ist noch etwas Bratensatz dran, das macht es besonders lecker. Hier mein dripping für das folgende Rezept:

Kochrezept

Das andere Fett heißt „suet“, und auch das gibt es beim Supermarkt und beim Metzger, und es taucht in vielen Rezepten auf. In deutschen Kochbüchern mit englischen Rezepten erscheint es gelegentlich als „Riedernierentalg“, Wikipedia informiert mich, dass es auf Österreichisch „Kernfett“ heißt. Um die Niere, also die Rinderniere, ist eine Fettschicht, und zwar eine ziemlich dicke. (Manchmal, wenn man eine Niere kauft, sieht man noch ein paar Spuren davon.) Dieses Fett wird kleingehackt und für Mürbteig verwendet, bei Süßspeisen wie bei salzigen. Man kann es auch fertig kaufen, dann hält es sich sogar – außerhalb des Kühlschranks – sehr lange:

Kochrezept

Jetzt zum Rezept: Steak and Kidney Pie. Ich bin da überhaupt keine Autorität, aber ich habe diesen Pie jetzt schon sechs oder sieben Mal gemacht, und er ist immer sehr lecker geworden. An der Dekoration kann man sicher noch arbeiten, wenn man mehr Geduld hat als ich. Zubereitungszeit mit viel Warten: Dreieinhalb Stunden. Das Rezept ist von Delia Smith.

  • 700g Rindfleisch, gewürfelt, irgendwas Gulaschartiges
  • 2-3 Zwiebeln, grob gehackt
  • 200 Gramm Rinderniere, ersatzweise auch Kalbsniere
  • 1 EL dripping, ersatzweise anderes Fett
  • 1 1/2 EL Mehl
  • 1/2 TL getrocknete Kräuter (Oregano, Thymian, Majoran, was so da ist)
  • 1/2 TL Worcestershire-Sauce (ganz wichtig für den typischen Geschmack!)
  • 425 ml Rinderbrühe (oder auch mehr)
  • 250 g Pilze, in Scheiben
  • 110 Gramm Suet
  • 225 Gramm Mehl
  • Salz, Pfeffer
  • Eine ofenfeste Form für 1,2 Liter Inhalt

Das Fleisch würfeln, so 2-3 cm groß:

Kochrezept

Pilze vorbereiten, in Scheiben schneiden:

Kochrezept

Das ist eine halbe Kalbsniere. Eine Rinderniere gab es bei meiner Innereienmetzgerin nicht, sie klagte im Gegenteil: Die müssten sie immer wegwerfen, die kaufe keiner.

Kochrezept

Die Niere in Stückchen schneiden:

Kochrezept

Die Zwiebeln im dripping ein bisschen anbraten:

Kochrezept

Fleisch und Nieren dazu, und wer die Geduld hat, das auf zweimal zu machen, kann sie vielleicht wirklich scharf anbraten und braun werden lassen. Sonst halt so gut es geht:

Kochrezept

Wenn das Fleisch braun ist, 1 1/2 Esslöffel Mehl dazu, umrühren:

Kochrezept

Aufgießen mit der Rinderbrühe:

Kochrezept

DIe Pilze dazu:

Kochrezept

Jetzt nicht vergessen: Pfeffern, salzen, die Worcestershire-Sauce, die getrockneten Kräuter. Deckel drauf und zwei Stunden ganz sanft köcheln lassen. Danach noch einmal abschmecken, eventuell etwas nachsalzen. Wenn man zu viel Flüssigkeit hat, ist das nicht schlimm, dann hat man ein bisschen Extrasoße, wenn man am Tag darauf die Reste mit Kartoffelbrei serviert.

So eine knappe halbe Stunde vor Ende der Kochzeit macht man sich an den Teig. (Gleichzeitig kann man schon mal den Backofen vorheizen, 220 Grad.) Dazu mischt man Mehl und suet und gibt Pfeffer und Salz dazu (einen halben Teelöffel? mehr?). Man sieht schön die Körnchen im Mehl:
Kochrezept

Nach und nach ein bisschen Wasser darübersprengen, zuerst mit einem Messer und dann mit den Händen verkneten (immer wieder ein bisschen Wasser dazu), bis ein glatter Teig entsteht. Eigentlich ist das Ziel, möglichst wenig zu kneten, und wenn man den Teig mit kalten Butterstückchen macht, ist das wohl auch wichtig – aber das suet ist so robust, da kann man ruhig ordentlich kneten. Die Fettstückchen im Teig sorgen später dafür, dass der Teig schön blättrig wird.

Ausrollen, vielleicht einen knappen Zentimeter, dick, und jedenfalls 2-3 Zentimeter mehr Rand lassen als der Rand der verwendeten Form. Dann schneidet man nämlich diesen Rand weg und klebt den auf den Rand der Form, den man dazu zuvor mit etwas Wasser angefeuchtet hat. Der restliche Teig ist der Deckel; man macht ein kleines Loch hinein, damit später der Dampf austreten kann, und aus Teigresten macht man Dekoration – ein paar Blätter vielleicht:
Kochrezept

Da kommt dann die Füllng hinein:

Kochrezept

Den Rand anfeuchten, den Deckel aufsetzen und andrücken. Verzieren, wer kann und mag:

Kochrezept

Das kommt dann bei 220 Grad für 30 bis 35 Minuten in den Ofen und sieht danach so aus:

Kochrezept

Das gibt dann ein Abendessen für drei Personen, vielleicht vier als Teil eines Menüs oder wenn man nicht so gierig ist wie Frau Rau und ich. Aber es schmeckt halt so gut:

Kochrezept

Man sieht vielleicht, wie schön flaky, blättrig, die Kruste ist:

Kochrezept

Fernwandern in England: Der Cotswold Way, südliche Hälfte

Coaley Peak

Der Cotswold Way ist ein relativ junger englischer Fernwanderweg, der – anders etwa als der South Downs Way, dessen Teilstrecken seit Jahrtausenden genutzt werden – nicht auf alte Reisestrecken zurückgeht, auch wenn er natürlich alte Wege nutzt. Er verläuft an der Grenze von England zu Wales von Chipping Campden im Norden nach Bath im Südwesten. Insgesamt ist der 164 km lang, wir liefen diesen Mai in 5 Tagen die südliche Hälfte davon.

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Vorbereitung

Gute Wanderstiefel hatten wir bereits. Neu waren leichte Wanderhosen; die Regenjacken wurden imprägniert. Das Wanderführer-Büchlein empfahl leichtes Verbandszeug und eine Trillerpfeife zum Mitnehmen, auf beides verzichteten wir, Frau Rau leichten Herzens. Taschenmesser hatten wir dabei, kam aber nicht zum Einsatz.
Wir hatten vor, jeden Tag 20-25 Kilometer zu laufen, solche Entfernungen sind wir von Wanderungen um München herum gewöhnt, wenn auch in flacherem Gelände als in den Cotswolds. Als auch eine probeweise 35-Kilometer-Wanderung problemlos ging, fühlten wir uns auf fünf Tage einigermaßen vorbereitet. – Tatsächlich waren wir an jedem Morgen frisch und munter, keinerlei Muskelkater, keinerlei Blasen oder Druckstellen; aber zumindest mein Fußbett freute sich danach über etwas Wanderpause. Vielleicht sollte ich mal doch Einlagen ausprobieren?
Bed & Breakfast hatten wir vorher gebucht, beziehungsweise eine Agentur für uns, die auch den Transport unserer Koffer – wir waren ja nicht nur zum Wandern in England – von Unterkunft zu Unterkunft organisierte.

Mitgenommen außerdem: Eben jenes Wanderführer-Büchlein mit sehr detaillierten gezeichneten Karten, die viel übersichtlicher waren als die echte Karte, die wir natürlich auch dabei hatten. Und eine App mit GPS und Offline-Kartenmaterial, klar.

Fazit: Wunderschön. Die fünf Tage vergingen wie im Flug und waren viel zu kurz. In Zukunft dann lieber acht Tage wandern, mit zwei Tagen Pause in der Mitte dazu.

Landschaft

Coaley Peak
Aussicht von Coaley Peak

Coaley Peak, mit Toposcope
Coaley Peak, mit Toposcope

Cold Ashton, Aussicht vom B&B
Cold Ashton, Aussicht vom B&B

Kelston Round Hill
Aussicht auf Kelston Round Hill, wo wir später schnurstracks mittendrüber liefen

Typische Lynchets ("Ackerterrassen"), eine Erscheinung beim Pflügen von Hängen über lange Zeiträume
Typische Lynchets („Ackerterrassen“), ein Nebeneffekt beim Pflügen von Hängen über lange Zeiträume. So wie man faltige Haut kriegt beim Baden?

Hilltop Monument, Nähe Wotton
Hilltop Monument, Nähe Wotton (Bild: Frau Rau)

Das letzte ist schon nicht mehr nur Landschaft, sondern Denkmal. Leuchtfeuer gibt es dort seit mindestens 1588, die Pinien wurden zum Sieg bei Waterloo 1815 gepflanzt, und – wenn ich das richtig verstanden haben – immer wieder mal zu einem feierlichen Anlass abgebrannt und dann neu gepflanzt.

Wege

Collage von Wegabschnitten auf dem Cotswold Way
Collage von Wegabschnitten auf dem Cotswold Way (Bilder von Herrn und Frau Rau)

Der Cotswold Way wurde bewusst so angelegt, dass er die schönsten Stellen der Cotswolds – eine AONB (Area of Oustanding Natural Beauty) – mitnimmt, er zieht deshalb schon eher viele Schleifen. Aber die Teilstücke sind sehr oft alte Wege, und diese Wege sind gerne mal sehr gerade. Das stört beim Wandern überhaupt nicht, die geraden Strecken sind kurz und fallen nur deshalb auf, weil sie wirklich gerade sind, auch mitten durch Felder und Äcker, mitten über Hügel, mitten durch Weiden. Das liegt vielleicht auch am englischen Wegerecht.

In Deutschland gibt es ein Betretungsrecht. Kurz gesagt: Ich darf grundsätzlich jeden Waldweg benutzen, auch wenn er mir nicht gehört. In England (nicht: Schottland) ist das anders: Da darf man nur Wege, die als öffentlich zugänglich markiert sind, benutzen. Eine wichtige Kategorie dieser Wege ist der public footpath. Das sind Strecken, auf denen ein teilweise Jahrhunderte altes Wegerecht liegt, auch wenn sie im Privatbesitz sein mögen. Der Besitzer ist verpflichtet, den Weg einigermaßen begehbar zu halten, und macht ansonsten mit dem Grund um den Weg herum, was er will. Und so kommt es eben, dass Wege direkt über Felder und Weiden führen können, voller Schafe oder Kühe. Der Besitzer der Tiere ist verantwortlich, wenn jemand zu Schaden kommt; die meisten Stiere (außer: Jungtiere) dürfen gar nicht erst auf Weiden gehalten werden, durch die ein solcher Weg führt. (Auf einem public bridleway darf man auch radfahren, der Weg muss aber keinesfalls fahrradtauglich gehalten werden. Ein permissive path ist ein Weg in Privatbesitzer, bei dem der Eigentümer die Benutzung freiwillig erlaubt, ohne durch Wegerecht dazu gezwungen zu sein.)

England versucht seit 1949 Ordnung in das Wegerechtssystem zu kriegen und erstellt eine Definitive Map, die diese Wege verzeichnet. Im Jahr 2000 fehlten lauten Schätzungen mehr als 10% aller public foothpaths in diesem Verzeichnis, bis zum 1.1.2026 läuft eine Frist – alle Wege, die bis dahin nicht verzeichnet sind, verlieren ihren Status als öffentlicher Weg. Die Ramblers‘ Association kämpft darum, dass diese Wege eingetragen werden und dass die Rechte der bestehenden Wege nicht beschnitten werde, was von Landbesitzern immer wieder mal versucht wird.

„Zaunübertritte“

Wenn diese Wege über Weiden führen, gibt es um diese herum natürlich Zäune. Damit in die Weiden kommt, gibt es Gatter. Eine Alternative zu Gattern sind stiles, Zaunübertritte. Die muss man nicht eigens wieder schließen, es gibt sie in vielen Varianten. Abgebildert: ein hölzernes kissing gate und eines aus Metall, zwei squeeze stiles (die mochte ich nicht, mit Rucksack und dem Ballast eines erfüllten Genießerlebens muss man sich ganz schön dünn machen). Viele Versionen mit Treppenstufen, auch mit kleinem Hundedurchgang daneben.

Collage verschiedener Zaunübertritte

Mauern

Am Rand der Wege gibt es ab und zu Mauern, lokal gerühmt sind vor allem die alten dry stone walls.

Dry stone wall, alt
Dry stone wall, alt

Dry stone wall
Dry stone wall

Ausbesserungsarbeiten an dry stone wall
Ausbesserungsarbeiten an dry stone wall

Die Cotswold Voluntary Wardens kümmern sich darum, dass die Wege ausgeschildert bleiben und inspizieren und bessern regelmäßig die Mauern aus. Auf einen Trupp davon stießen wir, einer lief uns gleich mit der kleinen Zeitung Cotswold Lion nach und wir plauderten und bedankten uns bei den Leuten für den schönen Weg.

Tiere

Hervorzuheben ein „Cotswold Lion“, eine Schafrasse aus den Cotswolds, und eine von zwei piggeries, an denen wir vorbeikamen, jeweils im Wald, jeweils leer.
Rehe sahen wir einige im Wald, Fasane sehr viele. (Gehört noch viel mehr.) Die Rehherde war auf dem Grund eines großen Anwesens.

Collage mit Tieren auf dem Cotswold Way

Pflanzen

Blumen gab es viele, die habe ich aber nicht fotografiert. Was es vor allem gab: Wälder voller bluebells, die auf Deutsch – stellt sich heraus – „Atlantisches Hasenglöckchen“ heißen, Massen von Bärlauch allüberall, und Hirschzungenfarn, die einzige europäische Farnart mit ganzrandigem Blattwedel (Quelle: Internet).

Bluebells, Hirschzungenfarn, Bärlauch

Essen

Das wären eh nur Bilder von Eiern, Speck, Würsten, Tomaten, Pilzen. Jedenfalls war das immer mein Frühstück. Fürs Mittagessen bekamen wir im Bed & Breakfast ein Lunchpaket, einmal sogar mit Caprisonne. Wenn wir mittags einen Pub fanden, und das war an den meisten Tagen der Fall, aßen wir dort, und das Lunchpaket wurde dann das Abendessen. Einmal aßen wir Abends mit der Familie Fasan, am letzten Abend – Hill Farm bei Cold Ashton – gab es für uns vorbereiteten Salat, Fish Pie und – außerordentlich lecker – Sticky Toffee Pudding, über den mehr zu schreiben dereinst noch Gelegenheit zu suchen wird.

Gebäude am Wegesrand

Woodchester Mansion
Woodchester Mansion

Woodchester Mansion wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, aber nie bewohnt. Der Familie ist das Geld ausgegangen, oder eine Spukgeschichte, ich habe Widersprüchliches in Erinnerung. Jedenfalls ist innen nichts, außer einigen wenigen Räumen und fünf verschiedenen Fledermausarten. Die konnten wir nicht sehen, weil an diesem Tag geschlossen ware – dennoch lohnte sich der Abstecher hierher, anderthalb Stunden abseits vom Way, wie wir – da Frau Rau eine kluge Frau ist – überhaupt jeden (Frau Rau) oder fast jeden (Herr Rau) zusätzlichen Exkurs unternahmen, den unser Büchlein vorschlug.

St. Mary's, Wotton-under-Edge
St. Mary’s, Wotton-under-Edge

Eine der vielen Steinkirchen, und zwar die mit den meisten Kissen (siehe unten).

Haus bei Lower Kilcott
Haus bei Lower Kilcott

Fischteich bei Lower Kilcott
Fischteich bei Lower Kilcott

Kein Wunder, dass das hier das Vorbild für Tolkiens Auenland war. Man sieht die Hobbits geradezu schmauchend angeln. Das ist dann auch genau das verklärte England hier, zu dem viele zurückwollen. (In einem Artikel mal gelesen, dass die rechtsextreme englische Partei Britain First auf ihrem Parteitag das Auenland-Thema aus der Herr-der-Ringe-Verfilmung laufen ließ, komplett unironisch.)

Dyrham Park
Dyrham Park

In Dyrham Park wurden die Außenaufnahmen für The Remains of the Day gedreht. Auch hier war innen zu, aber wir sahen uns Park, Kirche, Friedhof an und nahmen erfrischenden Tee zu uns – keinen feinen Tee, sondern ordentlichen. Im Park gab es auch die Rehherde, die man oben mal sehen kann.

Hill Farm, bei Cold Ashton
Hill Farm, bei Cold Ashton

Das war der Hof, auf dem wir unsere letzte Nacht vor Bath verbrachten.

Bonus

Es gab sehr viele alte Steinkirchen auf dem Weg. In einer davon, St Mary’s in Wotton-under-Edge („Wotton“ mit kurzem „u“ vorne aussprechen), sahen wir viele bestickte Kissen für die Kirchenbänke, sogenannte kneelers. Die hat man da gerne mal.

Bestickte Kirchen-Sitzkissen
Bilder: Frau Rau

Eton Mess

Eton Mess, serviert

Eton Mess, serviert
(Bild: Frau Rau)

Eton Mess ist ein englisches Dessert, und ein eigenes Wort dafür ist fast schon zu hoch gegriffen: Es handelt sich dabei um Erdbeeren mit Sahne und, vielleicht nicht historisch, aber inzwischen, Baiserbröckelchen dazwischen. Und wenn man das dann schön anrichtet, in verschiedenen Schichten vielleicht, und die Sahne etwas süßt, vielleicht sogar mit etwas Vanilleschote darin, dann darf das schon heißen.

Erdbeeren mit Sahne sind natürlich immer lecker.

Eton Mess

Aber eigentlich habe ich Eton Mess deshalb gemacht, damit ich endlich meine davor gemachten Baiser ausprobieren konnte. Die sind mir allerdings im Ofen zusammengefallen (zu hohe Temperatur? ich habe sie nicht nach Rezept gemacht), so dass sie nicht ansehnlich genug für ein eigenes Gericht waren und zerkrümelt werden mussten. So gingen sie in den Ofen:

Baiser aus Kichererbsenwasser

Der Knackpunkt: Diese gezuckerten Eischneehauben sind nicht mit Ei gemacht, sondern mit der übrig gebliebenen Flüssigkeit aus einer Dose Kichererbsen. Einfach mit dem Rührgerät steif schlagen und den Zucker untermischen – es dauerte etwas länger, die Flüssigkeit lässt sich aber verwenden wie Eiweiß. Über den Guardian bin ich darauf gekommen: „Aquafaba“ heißt das Konzept und ist seit März 2015 bekannt. Ich bin schon sehr gespannt auf meine erste spanische Tortilla oder andere Gerichte ohne Ei, dafür mit Kichererbsenwasserschaum.

The Good Old Days

Ich bin ja gerade in England und habe fünf volle Tage schönsten Wanderns in den Cotswolds hinter mir. Zuerst wollte ich regelmäßig davon bloggen, aber das machte Frau Rau viel besser als ich; und ich hatte mehr Vergnügen daran, abends dazusitzen, aus den Fenstern zu schauen, zu lesen – keinesfalls erschöpft, aber ein bisschen überwältigt. Einen bebilderten Blogeintrag dazu hole ich nach, wenn ich wieder in Deutschland bin.

(Danach beginnt gleich die Kolloquiumswoche; einen Großteil der Abiturkorrekturen habe ich mit ziemlichem Aufwand vorher korrigieren können, aber ein bisschen was steht noch aus.)

Beim abendlichen Fernsehen hier entdeckte ich eine Sendung, die mich um Fassung ringen ließ; ich dachte alle wichtigen Sendungen und Serien zumindest dem Namen nach zu kennen, aber das war und ist wohl nicht so.

„The Good Old Days“ ist eine britische Serie, die von 1953 bis 1983 im Fernsehen lief, ich sah – ohne jegliche Vorwarnung – eine Folge von 1973:

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Was war denn das? Ein aus der Zeit gefallenes Kabarett mit alten Nummern, leicht angestaubt wie bei der Muppet-Show. Ein marktschreierischer Master of Ceremonies mit schlechten Witzen, ganz Kermit. Kostüme wie beim Königlich Bayerischen Amtsgericht – und ja, das Publikum ist echtes Publikum; man kam edwardianisch kostümiert zu den Aufführungen. Und das Publikum amüsiert sich wie bei Heinz Schenk im Blauen Bock. Dazu zeitgenössische Künstler, etwa Sandie Shaw („Puppet on a String“), die alte Balladen singen, und Artisten. WTF?

Stellt sich heraus, dass „The Good Old Days“ eine Sendung war, die das englische Kabarett des frühen 20. Jahrhunderts nachahmte. Moderne Künstler natürlich, aber Akrobatik im Stil von damals, sentimentale Balladen und frivole Music-Hall-Lieder, wie ich sie sonst nur aus Geschichten von P.G. Wodehouse kenne.

Geht das in Deutschland, heute? Die Sänger müsste hinter den Liedern zurücktreten, sich verkleiden, nicht aus der Rolle fallen; das fällt sicher schwer. Außerdem gibt es in Deutschland keinen gleichartigen Fundus an wirklich alten Liedern, die das Publikum wie in England, früher zumindest, mitsingen könnte. Die Lieder der 30er und 40er Jahre sind durch den Nationalsozialismus verbrannt. Vielleicht eine einmalige 1970er-Jahre-Show stattdessen? Disco noch einmal nachspielen?

England Prevails

Zur Erinnerung für mich selber: Hier gibt es Videomaterial vom Guardian zu einer der bizzarsten Aktionen eines Rechtsstaats der letzten Jahre. Die britische Regierung zwang die Guardian-Redaktion, die Computer zu zerstören, auf denen sich die Snowden-Daten befunden hatten. Mit Bohr- und Schleifmaschine mussten die Redakteure unter den Augen der Geheimdienstmitarbeiter ihre Hardware zerstören. Und das, obwohl allen Beteiligten klar wahr, und das auch laut gesagt wurde, dass es selbstverständlich Kopien der Daten gibt. „Petty“ und „spiteful“ sind die Wörter, die mir dazu einfallen.

West Pier, Brighton

Die Stürme der letzten Tage haben da West Pier in Brighton auseinandergerissen: BBC News, mit Foto.

So hatte es die Jahre zuvor ausgesehen:

2001, einige Jahre vor dem Brand, konnte man noch Führungen dorthin besuchen:
west_pier_2001_(1)

west_pier_2001_(2)

Und so habe ich es kennen gelernt:
west_pier_1999

Bildungspolitisches aus England

In England habe ich fleißig Zeitung gelesen, und da geht es gerade viel um den Bildungsminister, Michael Gove. Dessen Änderungswünsche im Schulsystem stoßen auf Widerstand. Einmal geht es um die Einführung neuer Abschlussprüfungen, bei denen Gove vorläufig gescheitert ist. Dann geht es um den neuen Lehrplan, etwa im Fach Geschichte: Dort soll es wieder mehr um Fakten gehen und weniger um Kompetenzen. Weniger Quellenanalyse, weniger Europa, dafür mehr England, und mehr heroische Figuren aus der englischen Geschichte. Außerdem gibt es Klagen von den Fachleuten aus dem Ministerium über ihn und seinen Umgangston und seine inhaltliche Politik („Dump F***ing Everyone“). Ein Ministerium, das eine Meinung unabhängig vom Minister hat? Kann ich mir hierzulande nicht vorstellen.

Ein Hauptanliegen von Gove ist es auch, mehr Schulen in Akademien umzuwandeln, und dabei mit mehr Zuckerbrot und Peitsche zu arbeiten, als vielen angemessen scheint. Der Hintergrund dazu: Traditionell werden staatliche Schulen von der jeweiligen Gemeinde oder Stadt finanziert und kontrolliert. Daneben gibt es Privatschulen (independent schools und free schools), die sich nicht an den staatlichen Lehrplan halten müssen.
Neu sind außerdem die free schools, staatlich finanziert und unter staatlicher Aufsicht, aber unabhängig von den örtlichen Gemeinschaft. Diese Schulen sind eine Sonderform der verbreiteteren academies: Staatlich finanziert, unter staatlicher Aufsicht, außerhalb der Kontrolle der Gemeinde, selbstverwaltend, häufig mit einem Sponsor aus der Wirtschaft. Davon hätte Gove gerne mehr, und viele staatlichen (also: lokal verwurzelten) Schulen fühlen sich unter Druck, zu Akademien zu werden. Man spricht von Kopfprämien und Quoten, die es zu erfüllen gilt.

Interessant ist das etwa deshalb, weil das Kultusministerium zentral das Anstellen von nicht ausgebildeten Lehrern in Akademien fördern kann („Academy plan to use untrained teachers is an outrage“). Außerdem liebäugelt Gove wohl damit, die Akademien in gewinnorientierte Unternehmen umzuwandeln (Secret memo shows Michael Gove’s plan for privatisation of academies).

Mittagessen in Brighton

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Das kleine Bällchen auf dem Teller ist übrigens ein englisches Breadcrumb-Zwiebel-Salbei-Falafel, oder könnte zumindest als solches vermarktet werden. („Stuffing.“)