Eine Erschütterung in der Macht

Oder: “Something has changed in the Neath”, wie es bei dem Spiel Sunless Sea heißt. Frau Rau meinte vor zwei Tagen früh am Morgen lapidar, sie würde jetzt erst einmal nicht mehr bloggen. Aus heiterem Himmel. Keine Sorge, ihr geht es gut, soweit ich weiß, und uns beiden geht es auch gut miteinander, soweit ich weiß, gar kein Grund zur Sorge; aber ein bisschen verunsichert bin ich schon.

Dazu muss man wissen, dass Frau Rau seit siebzehn Jahren bloggt, und seit vielen Jahren sogar so gut wie jeden Tag. Mit Fotos und Meinungen und Erinnerungen und Empfehlungen. Damit macht sie jetzt erst einmal, uh, Pause. Laden dichtgemacht, ohne Möglichkeit von closure. Ich bin vielleicht tatsächlich ein bisschen traumatisiert.

Dadurch merke ich erst, wie sehr ihr Blog Teil meiner Identität ist und ich mich in dessen Glanz sonnte. Immerhin tauchte ich da auch ab und zu auf. Aber gut. Persönlich halte ich das Innehalten für eine gute Idee. Vielleicht in Ermangelung dramatischerer Veränderungen – keine Rentenjahre in England dank Brexit, kein Umzug in Aussicht – ist das eine Möglichkeit, radikal etwas Neues zu machen, zu schauen, wie es mit einem weitergeht. Und, ehrlich gesagt, so ein Blog kostet auch sehr viel Zeit; ich kriegte das mit. Also persönlich: go for it.

Aber mehr so insgesamt betrachtet halte ich das für einen herben Verlust. (Hoffentlich nur einen zeitweiligen, aber wer weiß.) Das war ein Stück vom guten alten Internet, der letzte Saloon am Rande der Wüste, Siduris Schenke am Ende der Welt. Übertreibe ich etwas? Vielleicht, aber ich bin ja auch nicht völlig unvoreingenommen. Und wenn schon nicht national treasure, ein bisschen Kulturdenkmal ist so ein Blog allemal.

20 Antworten auf „Eine Erschütterung in der Macht“

  1. Lieber Herr Rau, ich finde das gar nicht übertrieben. Für mich gehört das Lesen bei ihr seit vielen Jahren zum täglichen Leben dazu. Selten habe ich erlebt, das mich ein Blog auf so vielfältige Art und Weise zum Nachdenken, zum Schmunzeln , zum heftigen Kopfnicken bringt wie ihrer.
    Ich hoffe sehr, dass es sich “nur” um eine Pause handelt und ihre Leser bald wieder in das Vergnügen der täglichen Lektüre bei ihr kommen werden. Ganz herzlichen Dank Ihnen Beiden und alles Liebe.

  2. Eine Erschütterung ist es und ein Verlust.

    Dankbar bin ich für die Erläuterungen hier, neige ich doch dazu mir Sorgen zu machen.

    Vielen Dank und die besten Wünsche.

  3. Toller Titel., Mir fehlt sie auch. Unabhängig davon schau’ ich aber auch so hier vorbei. Es ist eine persönliche Entscheidung, die ich als Leserin zu respektieren habe, auch wenn’s mir nicht gefällt. Müssen wir anderen vielleicht wieder mehr… ich mein ja nur.

  4. Danke für diese Nachricht.
    Ja, ich finde es sehr schade. Ja, mir fehlt das Blog.
    Ja, mir fehlen die Ideen, die Abendessen und die Neuigkeiten vom Eichhörnchen.
    Nun, verstehen kann ich es. Es gibt so Zeiten, da mag man manches nicht mehr. Und plötzlich hat man Zeit und Neues kommt.
    Worüber man dann wieder bloggen kann ;).

  5. Danke für die Info. Bestellen Sie bitte herzliche Grüße und Ihnen beiden alles Gute.

  6. Natürlich fehlt Frau Kaltmamsell, aber es ist nur zu verständlich, eine Pause einzulegen. Sie bloggt ja derart ausführlich, das könnte H. nie. Er ist immer kurz angebunden; 10 Minuten reichen.
    Auf jeden Fall liebe Grüße – nicht vergessen.
    Sehen wir uns an einem schönen warmen Frühlingstag, Transfer vom und zum ÖPNV eingeschlossen, wegen Hatschens?

  7. Sie fehlt mir. Richten Sie ihr bitte meine allerliebsten Grüße aus. Kommen Sie wieder, liebste Frau Kaltmamsell. Ein Leben ohne ihr Blog ist möglich, aber nicht halb so schön.

  8. “Persönlich halte ich das Innehalten für eine gute Idee”. Gut gesagt, Herr Rau!
    Ja, ich stimme zu. Und dann schau’n mer mal.

    Herzliche Grüße bitte weitergeben. Ich werde schon merken, wenn’s wieder los geht. Was ich hoffe.

  9. Ich dachte, sie macht nur einen Tag Pause…
    Nun, sie weiß ja, was gut für sie ist.
    Liebe Grüße an Sie beide.

  10. Vielen Dank fürs Bescheid sagen, ein hoffentlich temporärer Zustand.

    Bitte richten Sie Grüße und Wertschätzung aus.

    Eine treue Leserin von Frau Kaltmamsell

  11. Sagen sie Frau Rau, dass ich das sehr gut verstehe.
    Ich bin jetzt etwas mehr als zwei Jahre dabei dass ich auch täglich blogge und weiß wie zeitintensiv es ist.
    Eine Pause zwischendurch ist vielleicht ganz gut.
    Ich denke auch ab und zu daran etwas kürzer zu treten.
    Ganze liebe Grüße an euch beide von (z.Z) der anderen Seite der Welt.

  12. Vielen Dank für die Grüße, ich richte sie (behutsam) Frau Kaltmamsell aus.

    >Sehen wir uns an einem schönen warmen Frühlingstag, Transfer vom und zum ÖPNV eingeschlossen, wegen Hatschens?
    Steht noch auf meiner Liste, H., ja.

  13. Auch ich werde Frau Kaltmamsell bei meinem Frühstücksritual sehr vermissen. So viele interessante und kluge Dinge hat sie mir nahe gebracht. Aber Pause ist gut, durchatmen, sich neu sammeln und vor allem sehen, dass Sie beide (hoffentlich) auch ohne Blog gut leben können. Viele schöne analoge Erlebnisse wünsche ich Ihnen in dieser ruhigeren Zeit.

  14. Sagen Sie der Frau Kaltmamsell bitte liebe Grüße.

    Auch wenn sie in meiner Lektüre sehr fehlt – so ein Blog und das Schreiben sind ja nichts, worauf wir einen Anspruch hätten.

    Ich wünsche gutes Pausieren. Manchmal möchte frau eben etwas anderes tun, höchst analog über eigene Angelegenheiten nachdenken oder leben.

    Und wenn die Lust dann wieder da ist, was zu veröffentlichen, ist es umso schöner.

  15. Oha! Vielen Dank für das “Bescheid sagen”. Ich stelle mir das Aufhören ja viel Schwieriger vor, als das Weitermachen… aber ich habe ja auch niemals so regelmäßig gebloggt, obwohl wir gemeinsam anfingen. Ich bin gespannt, was daraus entsteht und ob bzw. in welcher Weise wir daran teilhaben können. Alles Gute für Euch!

  16. Lieber Herr Rau,
    herzlichen Dank, ich war in Sorge.
    So weiß ich, dass es Ihrer Frau gut geht-aber sie fehlt mir…
    Viele Grüße Ihnen beiden recht unbekannterweise,
    eine der verschiedenen Evas

  17. Oh wie schade! Wegen “zu viel um die Ohren” habe ich es erst heute bei Frau Brüllen gelesen – Feedly sei Dank!
    Aber es ist beruhigen, dass es Ihr/ Ihnen gut geht.
    Der Blog bleibt in jedem Fall in meinem Reader und ich hoffe dort bald wieder von Frau Rau lesen zu dürfen.

    Viele Grüße aus Sachsen

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