Dine & Crime: P‑Seminar Krimi-Dinner

Gestern hatte ein Englisch-P-Seminar zum Krimi-Dinner geladen. Bei so einem Spiel übernehmen die Gäste verschiedene Rollen, wie man sie aus alten Krimis kennt. Am Schluss wird einer als Täter oder Täterin entlarvt. Dazwischen geht es im besten Fall hochdramatisch zu, und man kriegt etwas zu essen.

In der Aula waren zwei große Tische aufgebaut, aus der Mensa geholt. Angenehme Beleuchtung, Tischdecken, Platzkarten. Jeder Tisch bekam die gleiche Geschichte und die gleichen Rollen und spielte für sich; die Trennwand dazwischen sorgte dafür, dass zumindest unser Tisch fast nichts vom Nachbartisch mitbekam. Der allerdings, so hieß es danach, musste gelegentlich innehalten, weil wir so laut waren. (Außerdem war die Trennwand als Möglichkeit vorgesehen, Beweisstücke anzupinnen. Aber da nicht vorgesehen war, irgendwelche Fäden zwischen ihnen zu spinnen, nutzten wir diese Möglichkeit überhaupt nicht.)

Es war die zweite derartige Veranstaltung; bei der ersten waren nur Schüler und Schülerinnen als Gäste vorgesehen, diese hier richtete sich an Lehrer und Lehrerinnen. Die waren teilweise ein bisschen angehübscht, ich hatte mein 1950er-Jahre-Holzfäller-Outfit an. Wir waren neugierig gespannt und standen am Anfang in einer Reihe und wurden nach und nach abgeholt und mit unseren Rollen versehen zu unseren Plätzen geführt – es hatte nur ein ganz klein bisschen was von der Mannschaftsauswahl im Sportunterricht.

Die Gespräche wurden alle auf Englisch geführt. Gut die Hälfte der Gäste waren Englischlehrer und ‑lehrerinnen, der Rest kam aus anderen Fächern – ich hatte vorher gar nicht darüber nachgedacht, dass das für die ja vielleicht eine zusätzliche Hemmschwelle sein könnte. So oder so, sie machten sich alle ausgezeichnet: Respekt. Wenn alle meine Schüler und Schülerinnen so gut reden könnten, wäre ich zufrieden.

Es gab drei Akte und drei Gänge. Die Gänge waren… spartanisch; ich fühlte mich ein bisschen an eine Szene aus Hook (1991) erinnert. Aber gut, ohne Küche und für wenig Geld ist das für Schüler und Schülerinnen wohl auch schwer. Und der Scone zum Nachtisch (mit Erdbeermarmelade) war wirklich sehr lecker.

Es war, um es jetzt endlich mal zu sagen, ein gelungener und rundum vergnüglicher und sehr unterhaltsamer Abend. Wir spielten zweieinhalb Stunden.

Ich kenne bei solchen Spielen zwei Varianten. Die eine findet sich etwa in Eine Leiche zum Souper. Vier spannende Krimirätsel für 4–8 Spieler (DuMont 1989, damals noch im Studium gekauft). Dabei erhalten alle Spieler und Spielerinnen pro Akt neue Informationen über sich und über andere, die sie geschickt an die anderen vermitteln müssen. Wer der Mörder oder die Mörderin ist, erfährt auch sie erst frühestens im letzten Akt, falls überhaupt. Die andere Variante kenne ich aus dem Web, wo ich mal solche Murder Parties gesucht und gesammelt habe – da wissen Täter oder Täterin von Anfang an, was in Wirklichkeit geschehen ist. Variante zwei gefällt mir erkenntnistheoretisch mehr, aber Variante eins ist vermutlich besser spielbar.

Wir spielten Variante eins und stürzten uns alle sofort ins Rollenspiel. Ich baute Versatzstücke aus Knives Out (2019) und Sleuth (1972) ein. Eine Figur war vermutlich gar nicht misogyn gedacht, aber wurde sehr schön so gespielt – die beiden Ermittlerinnen waren Frauen. Das zankende Nachbar-Ehepaar war allerliebst gespielt.

Wir wussten zwar noch nicht, ob wir am Ende die Täter sein würden, lenkten aber vorsorglich den Verdacht auf Mitspieler und Mitspielerinnen, wann immer es irgendwie ging. Zum Beispiel erfuhren wir, dass die Tochter des Gastgebers zu ihrem bis dato unbekannten Freund in dessen schwarzes Auto gestiegen war – prompt wurde dem Nachbarn an den Kopf geworfen, er habe doch ein schwarzes Auto, worauf sich wilde Theorien entwickelten, den Abstreitungen des Nachbarn nicht geglaubt, ihm Gewalt angedroht wurde – ich fühlte mich an das Spiel Werwolf/Mafia erinnert, bei dem es je nach Rolle auch eher darum geht, andere in Verdacht zu bringen.

Ein bisschen schade war, dass unser freies Rollenspiel durch geskriptete Dialoge unterbrochen wurde, die dazu gedacht waren, den Plot voranzubringen und neue Inormationen unter die Anwesenden zu bringen. Das hätten wir auch so geschafft, denke ich. Überhaupt kenne ich das manchmal vom Tabeltop-Rollenspiel: Gib den Leuten gute Laune und Rollen, dann läuft das fast von alleine. Ein echter Gewinn ist aber die Strukturierung durch die Gänge beim Essen.

Jetzt muss ich das auch endlich mal im Englisch-Unterricht einsetzen.

3 Antworten auf „Dine & Crime: P‑Seminar Krimi-Dinner“

  1. Ja. (Nicht weitersagen. Und die Hälfte der Gäste hielt mich am Ende auch dafür, vor der Auflösung. Da half kein Abstreiten mehr.)

  2. Schade, dass ich nicht mitspielen konnte. Deine Schilderung hört sich jedenfalls interessant an und hoffentlich sind P‑Seminarleiterin und Teilnehmer ebenfalls zufrieden.
    In meinem Seminar gibt es eine Art “Pen und Paper Spiel” zu Sherlock Holmes (ein Pastiche zum Spiel “S.H.’s Kriminalkabinett aus den 80er Jahren und ich hoffe der Schüler hat das im Kreuz… )

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