Personalausflug 2018 und Lake Wobegon, wieder einmal

Herr Rau in Wirtschaft am Tisch mit Faust an Stirn

Freitag am Vormittag brav Unterricht gemacht. Das Englischbuch der 10. Klasse hat zwar schöne Hörverstehensaufgaben, aber ein ein äußerst ungünstiges Text-Vokabel-Verhältnis: Auf eine DreiviertelSeite Buch kommen um die dreißig Lernvokabeln, da will ich uns nicht sehr schnell durch das Buch peitschen. Also bleibt viel Zeit für andere Übungen, oder weitere Hörverstehensaufgaben.

Das heißt für mich: Geschichten aus Lake Wobegon. (Was das ist, steht ansatzweise in diesem Blogeintrag von 2004.) Da gibt es eine, The Living Flag, hier gerade auf Youtube zu hören:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Das ist eine schöne Geschichte für Einsteiger, nur drei, vier Minuten lang: Die Bürger in Lake Wobegon beschließen, zum jährlichen flag day eine patriotische living flag aufzubauen, indem sie rote, weiße und blaue Mützen tragen und dann eine amerikanische Flagge formen. Alle schwitzen, es ist ein heißer Tag, endlich steht die Flagge. Da möchte der erste die Flagge von oben sehen…

Schön ist auch „Storm Home“, die hatte ich ausgedruckt in der Hinterhand, und teile sie sicher auch mal aus, aber die Schüler und Schülerinnen der 10. Klasse haben auch so genug verstanden, und manche sogar an den richtigen Stellen gelacht. Es geht um Kindheit in Lake Wobegon, und Ängste der Kindheit, geschürt von älteren Geschwistern (etwa der Furcht, im Winter mit der Zunge an der metallenen Wasserpumpe kleben zu bleiben, wenn man mit der Zunge daran leckt – ungeachtet der Tatsache, dass es keinen Grund gibt, das überhaupt erst zu tun). Und wie jedes Kind weitab wohnende Kind in der Schule eine andere Familie als storm home zugewiesen bekam, falls ein Schneesturm den Heimweg unmöglich machen würde. Auch eine sehr schöne Geschichte, habe ich online nicht gefunden.

Danach war Personalausflug nach Oberammergau. Ein Stück den Kolbensattel hinauf, Kaffee und Kuchen, dann wieder hinunter – und zwar entweder mit dem Sessellift, zu Fuß, oder mit dem Alpine Coaster, einer Sommerrodelbahn. Ich bin nach unten gelaufen, und bin wohl der letzte, der so erfahren hat, wie Mountainbiker auf den Berg hinaufkommen:

Blick auf Sommerrodelbahn, mit Mountainbikern an Schlepplift

Auf dem Bild sieht man die Rodelbahn, dahinter Radler auf dem Weg nach unten, und davor Radler auf dem Weg nach oben, nämlich mit dem Schlepplift. (Es gibt da ausgewiesene Radlerabfahrten, daher lohnt sich das wohl mit dem Lift.)

Abends dann in der Wirtschaft:

Die schlechtesten Kässpatzen meines Lebens gegessen, ansonsten.

Supreme Court in der Oberstufe, dann etwas Spaß mit jambischen Fünfhebern

Eigentlich sind wir in der zwölften Klasse ja gerade bei Shakespeare, ich wollte erst danach zum amerikanischen Regierungssystem und zur Tagespolitik kommen. Vielleicht falsch geplant, die midterm elections sind ja schon Anfang November.

Also schob ich heute mit Erlaubnis der Schülerinnen und Schüler eine aktuelle Stunde ein, erinnerte kurz an Congress, President, Supreme Court und gegenseitig Kontrolle (so wie sie früher vielleicht auch funktionierte) und zeigte dann als, uh, Listening Comprehension die letzte Folge von Last Week Tonight with John Oliver. Darin ging es um Brett Kavanaugh, den vom Präsidenten vorgeschlagenen Richter am Obersten Gerichtshof, dem vor allem von Christine Blasey Ford sexuelle Übergriffe in seinen Jugendjahren vorgeworfen werden. Der Senat muss der Nominierung des Kandidaten zustimmen; es gab eine Anhörung von Kavanaugh und Ford (aber keinen anderen Zeugen). Ich weiß nicht, wie man das in ein paar Jahren sehen wird, ich schreibe ja auch für meine Zukunft, aber diese Anhörung war beeindruckend. Ford, in einer schwierigen Situation, macht einen guten Eindruck. Der Senat macht keinen guten Eindruck. Kavanaugh macht einen unglaublich schlechten Eindruck. Muss man fast anschauen, um es zu glauben – hier eben bei John Oliver, kein faires Portrait, aber anders kann man das kaum betrachten:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Jemand hat einen Zusammenschnitt von Kavanaugh-Szenen mit Samuel L. Jackson in seiner Rolle in Pulp Fiction:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Damit leitete ich über zu, uh, einem Ausschnitt aus Pulp Fiction. Ja, ganz kurz gezeigt, eine zeigbare Szene. Denn eben diese gibt es auch in iambic pentameter, jambischen Fünfheber, dem Metrum Shakespeares und von Nathan oder Iphigenie, und schon waren wir wieder bei Shakespeare.

J: Your pardon; did I break thy concentration?
Continue! Ah, but now thy tongue is still.
Allow me then to offer a response.
Describe Marsellus Wallace to me, pray.
B: What?
J: What country dost thou hail from?
B: What?
J: How passing strange, for I have traveled far,
And never have I heard tell of this What.
What language speak they in the land of What?
B: What?
J: The Queen’s own English, base knave, dost thou speak it?
B: Aye!
J: Then hearken to my words and answer them!
Describe to me Marsellus Wallace!

Den Rest des Textes findet man bei Google. Das lasen wir dann, nach Inspiration durch Samuel L. Jackson, mit verteilten Rollen. Aber so bedrohlich wie Jackson hat das keiner hingekriegt.

Und hier gibt’s einen Tumblr mit Pop-Liedern in Sonnetform, da kann man Sonett wiederholen. Keiner im Kurs hat allerdings den Text von diesem hier als „Johnny B. Goode“ erkannt. „Dancing Queen“ dann schon eher.

Nachtrag: Nicht in dieser Stunde gemacht, aber zuvor mal. Der Twitter-Bot unter https://twitter.com/pentametron überprüft eingehende Tweets auf Twitter daraufhin, ob sie jambische Fünfheber sind, und wenn er zwei hat, die sich auch noch reimen, werden sie veröffentlicht. Die kann man dann paarweise vorlesen. Strenger Zeilenstil natürlich, kein Enjambement.

Feature Creep? Englisch-Schulaufgabe im Wandel der Zeiten: 1979/1980

Schulaufgabenangabe, eine Seite

Beim Stöbern in meinen alten Schulunterlagen habe ich das hier gefunden:

Schulaufgabenangabe, eine Seite

Es handelt sich allem Anschein nach um eine Nachholschulaufgabe (Schulaufgabe: angekündigte große Leistungserhebung) im Fach Englisch, 6. Klasse. Ich vermute, dass sie für einen anderen Schüler oder eine andere Schülerin angelegt wurde, und der Rest der Klasse das Blatt als Übung erhalten hat. Denn erstens hätte ich dieses Blatt zurückgeben müssen, wenn es sich um eine echte benotete Prüfung gehandelt hätte, und zweitens sehen mir die Rotstiftanmerkungen zu sehr nach meiner eigenen Schrift aus; auch der dicke Filzstift wirkt nicht sehr lehrerhaft. (Andererseits sehe ich auch heute bei der Durchsicht von Kollegen-Schulaufgaben gelegentlich solche Filzstifte, und schaudere.)

Ich habe meinen Englischunterricht in guter Erinnerung. Englisch gelernt habe ich auch, obwohl ich nicht weiß, wie viel meine USA-Besuche und meine Lektüre amerikanischer Comics und später Bücher dazu beigetragen haben; mit den Comics fing ich richtig wahrscheinlich erst in der 7. Klasse an. In der 6. Klasse war meine Zeugnisnote zum Halbjahr: 3, zum Schuljahrsende: 2.

Will heißen: Schlecht war der Unterricht nicht. Pattern drill, keine Fotos in den Büchern, nur blaue und rote Farbe bei den Zeichnungen. Und die Schulaufgaben waren eine Seite lang.

Heute hat eine Schulaufgabe in der 6. Klasse vier Seiten.

In der Softwareentwicklung gibt es das Konzept feature creep: Das eigentlich funktionale Programm kriegt noch ein paar Fähigkeiten mehr, und noch ein paar, bis es unübersichtlich und unnötig umständlich und kompliziert wird. Ist da bei den Schulaufgaben etwas Ähnliches geschehen? Man bemüht sich, darin alles abzuprüfen, was die Schülerinnen und Schüler je gelernt haben könnten. Und ja, lobenswert, es ist gerne mal ein Hörverstehensübung dabei und Gelegenheit zu einer gelenkten, aber doch eigenständigen Textproduktion. Aber das viermal im Jahr, jeweils vier Seiten.

Ich würde gerne sagen, dass das eine schleichende Entwicklung ist, aber das sind bestimmt schon seit 20 Jahren vier Seiten. Wann ist denn das passiert? Und warum? Und ist das wirklich sinnvoll – könnte man nicht auch mal auf zwei Seiten prüfen? Einfach – weniger? Was in der Prüfung von damals sicher fehlt, ist mehr oder weniger frei gestalteter Text; der ist heute immer dabei. Das ist auch gut, aber da könnte man das simple past doch gleich mitprüfen statt separat noch einmal eine halbe Seite dazu.

– Darf ich die Schulaufgabe oben überhaupt veröffentlichen, obwohl der Urheber ein anderer Lehrer oder eine andere Lehrerin ist? Aber ja, entnehme ich dem Heft 3 von Schule & wir aus dem Jahr 2016:

Texte und Angaben von schulischen Leistungserhebungen gelten nach der Rechtsprechung nicht als Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes (vgl §2 UrhG). Daher genießen sie auch keinen Schutz vor Vervielfältigung, Weitergabe oder öffentlicher Zugänglichmachung. Davon ausgenommen sind Angabentexte zentral gestellter schulischer Abschlussprüfungen wie etwa des Abiturs.

(Ich bin allerdings kein Jurist und kann nichts darüber sagen, wie sehr das auch für eine vor vierzig Jahren erstellte Schulaufgabe gilt.)

Pork Pie, selbstgemacht, erster Versuch

fertig gebackener Pork Pie

Als Jugendlicher hat mich das Wort „Pastete“ irritiert, vor allem als Übersetzung für das englische pie. Was war an einem apple pie pastetenhaft? Die Pastete, die ich kannte, war eine feinere Leberwurst, nur halt in eckig.

Pasteten werden in Formen gebacken. Die können rund oder eckig sein, mit Deckel oder ohne, mit Teigmantel oder ohne. Auf Deutsch geht das mit der Pastete und der Terrine und der Königin-Pastete und der Wildpastete im Blätterteigmantel arg durcheinander, auf Englisch gibt es pie und paté und pasty, und das verstehe ich. (Obwohl es auch da noch terrine und rillettes gibt, zugegeben.) Jedenfalls würde ich apple pie und pork pie ungerne mit „Pastete“ übersetzen.

Ein Pork Pie ist klein gewürfeltes Schweinefleisch (Salz, Pfeffer, vielleicht Thymian, als Geheimtipp ein paar Tropfen englische anchovy essence) in einer Teighülle, im Ofen gebacken, nach dem Erkalten mit noch flüssiger Schweinesülze (oder Brühe mit Gelatine) aufgefüllt. Wird kalt gegessen.

Ich kenne die aus englischen Supermärkten, esse sie recht gern, und die Lektüre eines noch zu verbloggenden historischen Werks zur englischen Küche hat mich darauf gebracht, sie einmal selbst zu machen. Das ist noch nicht so recht gelungen, aber ich kann schon mal darüber bloggen.

Der Knackpunkt ist nämlich der Teig. Zu Mehl und Salz wird eine heiße Schweineschmalz-Wasser-Kombination gegeben, und der noch warme und formbare Teig wird dann traditionell um einen runden Holzzylinder gewickelt. Füllung rein, Teigdeckel drauf, mit etwas Eigelb festkleben, Loch rein. Das heißt dann raised pork pie. Die meisten heutigen Rezepte nehmen statt des Holzzylinders herkömmliche Förmchen, die – wie man das kennt – innen mit Teig ausgekleidet werden, und in denen der Pie gebacken wird.

Dieses Formen hat bei mir nicht gut geklappt. Zum einen habe ich eine moderne Super-Duper-Holzform benutzt statt eines einfachen Zylinders, und ich bin mir nicht sicher, ob die besser ist. Vermutlich tut es ein großes Glas übrigens genauso. Aber hauptsächlich wird es am Teig gelegen haben: Der war zu weich. Entweder war es das Rezept, oder – wahrscheinlicher – ich habe die Anleitung zu wörtlich genommen und den Teig zu warm verarbeitet. Kälter hätte er vermutlich besser gehalten und weniger an der Holzform geklebt.

Die Holzform und die Füllung:

Pork Pie Form und Fleischmasse

Üblicherweise ist die Holzform ein glatte Zylinder ohne Löcher. Aber hey, habe ich mir gesagt, kaufst du das neuentwickelte Supermodell mit Kerben und Löchern, alles, damit der Teig sich danach besser löst. Ja, Pustekuchen. Das nächste Mal nehme ich auch mal ein Marmeladenglas zum Vergleich.

Hier, arg unglücklich und viel zu niedrig, der Teig zu dick, ein gefüllter Rohling:

Roher, gefüllter Pie

Vier fertige Pies bereit für den Ofen:

Rohe Pies auf Backblech

Vier Pies nach dem Ofen, bereit zur Füllung mit gelierter Schweinsfußbrühe*:

Gebackene Pies mit Einfülltrichter

Ein angeschnittener Pie:

Angeschnittener fertiger Pie

Er hat sehr gut geschmeckt. Einen habe ich eingefroren.

Das Rezept und schöne Fotos von einem richtig gelungenen Pie poste ich, sobald ich solche mal habe. Das Originalrezept für den Teig lautet eh: „1 stone of flour, 4 lb. of lard, 4 pints of slightly salted water“, und muss dementsprechend abgewandelt werden.

*Dabei an das schöne Wort head cheese erinnert worden. So heißt weißer Pressack oder Presskopf oder Schwartenmagen auf Englisch. Sollte man nicht meinen.


Nachtrag: So, jetzt habe ich es noch einmal versucht, und fühle mich schon etwas sicherer. Diesmal habe ich nur einen Pie gemacht – eine gute Idee für den Anfang. Hier wird der Teig um die Holzform gewickelt:

Teighülle um Holzform

Ich glaube, die Superspezialform mit den Schlitzen ist gar keine so gute Idee, eine rein runde Form ist besser. Denn die Hauptschwierigkeit besteht darin, die fertige Teighülle von der Holzform zu lösen, ohne sie wieder zu zerstören. – Der Teig wird flachgedrückt, die Form aufgesetzt, und dann der überstehende Rand nach open getrieben. Schön rund kriegt man die Form, wenn man den Holzzylinder mit dem Teig daran ein wenig über die Arbeitsfläche rollt. Und schön löst sich die Form, vielleicht, wenn man den Holzzylinder innerhalb der Form drehen kann – und das geht mit der Superspezialform gar nicht. Das nächste Mal nehme ich einfach ein Glas.

Immerhin sieht das Ergebnis schon ein wenig besser aus als zuvor:

roher fertiger Pork Pie

Und so gebacken:

fertig gebackener Pork Pie

Aufgeschnitten:

angeschnittener Pork Pie

Der Teig weiterhin zu dick. Vielleicht klappt es nächstes Mal mit einem Glas als Form besser. Man kann natürlich auch eine herkömmliche Backform nehmen und innen mit Teig auskleiden, aber dann ist das kein raised pork pie mehr. Und man kann das auch ohne jegliche Form machen, indem man einen Klumpen Teig aushöhlt oder die Ränder an der Füllung entlang nach oben pappt – heißt es.


Das (überarbeitete) Rezept für 1 Pork Pie aus einer Form von 8,5 cm Durchmesser (Marmeladenglas)

Die Füllung:

  • 180g Schweineschulter (oder anderes Schweinefleisch) in kleine Stückchen schneiden, von so einem guten halben Zentimer Durchmesser
  • dazu eher mehr Salz als wenig, Pfeffer, etwas frischen Thymian (weil der gerade da war, ansonsten irgendwas anderes), ein guter Schuss asiatische Fischsoße als Ersatz für anchovy essence, alles mischen.

Der Teig, für 1 runde Form von etwa 7,5 cm Durchmesser:

  • 150g Mehl und
  • 1 guter halber Teelöffel Salz in eine Schüssel geben,
  • 70g Schweineschmalz und
  • 100ml Wasser in einem Topf erhitzen, heiß ins Mehl geben und (mit einem Holzlöffel) verrühren, dann mit den Händen verkneten, sobald das geht. Das gibt eine weißliche, gut formbare, aber sehr weiche Masse.

Zusammenbau:

  • Möglichst kurz glatt kneten, dann ein Viertel davon für den Deckel beiseite legen, den Rest ausrollen oder flachdrücken. Dann das Marmeladenglas in die Mitte der Teigscheibe und den Rand an den Seiten andrücken und heraufziehen. Das Glas immer wieder mal drehen, es ist ziemlich schwierig, das Glas herauszukriegen, ohne die eben erstellte Form zu zerstören. Das Glas mit dem Teig auch mal einfach hin und her rollen, das gättet. Aufpassen, dass keine Löcher entstehen, sonst fließt am Ende das Gelee dort hinaus.
  • Mit dem Fleisch füllen; da ich gerne ein bisschen mehr Gelee im Pie habe, packe ich das Fleisch nicht zu dicht. Über dem Fleisch muss noch ein Teigrand sein.
  • Diesen Teigrand innen mit verquirltem Ei bestreichen, aus dem Teigrest einen Deckel formen und den auf das Fleisch legen. Andrücken, aber der Teigrand muss weiter überstehen.
  • Den Teigrand nach innen drücken, und zwar mit je einem Finger auf zwei gegenüberliegenden Stellen. Wenn man das ein paarmal ringsum macht, gibt es so eine Art sternförmiges Muster.
  • Ein kleines Loch formen (für den Dampf und um später mit Gelee aufzufüllen) und den Teigdeckel mit dem verquirlten Ei bestreichen.

Eine halbe Stunde bei 180 Grad, dann noch einmal eine ganze Stunde bei 160 Grad backen.

Wenn das ausgekühlt ist, mit ein wenig verflüssigtem Gelee füllen. Ich hatte dazu einen (zersägten) Schweinefuß gekauft und eine Stunde mit einer Karotte und Zwiebel gekocht, und danach wohl noch ein wenig weiter eingekocht und gesalzen – das wird dann im Kühlschrank schön fest, und zum Befüllen erwärmt und verflüssigt man das dann wieder. Alternativ nimmt man Gelatine und gekörnte Hühner- oder Fleischbrühe. Mit einem Trichter füllt man das in das Loch, das man oben gebohrt hat, so dass das flüssige Gelee die letzten Hohlräume füllt und das ganze auch noch ein wenig saftig hält. Wenn der Pie allerdings ein Loch unten hat, dann fließt das Gelee da wieder heraus.

(Die Fischsoße macht keinen echten Unterschied, glaube ich, der Thymian passt aber sehr gut. Mehr Wasser, weniger Schmalz: Geht wohl auch. Und das mit der gelierten Brühe… wenn’s klappt, lecker; wenn’s nicht klappt, auch gut.)

Ein Spiel für die Klasse: Super-Babel

Von Robert Abbott gibt es ein altes, schmales dtv-Bändchen Kartenspiel als Kunst, in dem nicht nur das Spiel Eleusis vorgestellt wird, wenn auch in der alten Fassung (Blogeintrag dazu), sondern auch ein Spiel namens Babel, mit der Vielspielerversion Super-Babel. Babel ist ein nicht-rundenbasiertes Spiel, wie ich sie sehr schätze (Blogeintrag dazu).

Super-Babel habe ich jetzt mit einer 6. und einer 10. Klasse gespielt, jeweils mit 15 Schülern und Schülerinnen – der Rest war auf Chor- und Orchesterwoche. Man müsste das aber auch gut mit einer ganzen Klasse spielen können, und wenn man das auf Englisch spielen lässt, kann man es vielleicht sogar als Sprachübung verkaufen.

Bei Super-Babel braucht man pro 3 Spieler ein Kartenspiel zu 52 Blatt. Als ehemaliger Pokerspieler habe ich genug Spiele zu Hause, gerne auch mit verschiedenem Rücken, das macht das Sortieren nach dem Spielende einfacher. Für 15 Schüler und Schülerinnen sind das also 5 Kartenspiele, gemischt. Jeder Spieler erhält 10 Karten. Bestimmte Kombinationen kann man bei einem Spielleiter gegen Punkte eintauschen, gibt dabei die zehn Karten ab und erhält zehn neue. (Aus den abgelegten Karten wird ein neuer Stapel gebildet.)

Man kommt an die gesuchten Kombinationen, indem man Karten mit den anderen Spielerinnen tauscht – immer eine gleiche Anzahl, also zwei gegen zwei oder drei gegen drei oder eine gegen eine. Der Rest ist Verhandlungssache. Die Spielerinnen und Spieler laufen also im Klassenzimmer herum und rufen „Suche Karo“ oder „Suche Achter, biete Herz“, und tauschen nach Lust und Laune. Wer ein abgabefertiges Blatt hat, tauscht das gegen Punkte ein, und sobald ein Spieler 200 Punkte erreicht hat, ist eine Partie zu Ende.

Das Erklären des Spiels dauerte knapp zehn Minuten, ein Spiel knapp vierzig Minuten. Mit Müh und Not kriegt man das also in eine Einzelstunde, aber wir haben eh Doppelstunden, und so spielten wir zwei Runden.

Die Kombinationen für Super-Babel kommen vom Pokern:

  • Straight: 5 aufeinanderfolgende Karten. Das As kann dabei hoch oder niedrig sein, aber nicht beides, also etwa A2345 oder TJQKA (T steht für Ten), nicht aber QKA23.
    Wert: 5 Punkte.
  • Flush: 5 verschiedene Karten in einer Farbe, wobei Farbe hier suit heißt: Pik, Herz, Karo (oder „Raute“, wioe es in der 6. klasse heißt), Kreuz. Verschieden heißt, dass zum Beispiel nicht zwei Kreuz Vier verwendet werden dürfen – es gibt ja alle Karten fünffach.
    Wert: 7 Punkte.
  • Full House: Einmal 3 verschiedene Karten von gleichem Wert (und damit automatisch verschiedener Farbe) und einmal 2 verschiedene Karten von gleichem Wert (auch die dann von verschiedener Farbe).
    Wert: 10 Punkte.
  • Four of a Kind: 4 verschiedene Karten von gleichem Wert, also von jeder Farbe eine.
    Wert: 15 Punkte
  • Straight Flush: 5 aufeinanderfolgende Karten in einer Farbe. Ansonsten siehe straight und flush.
    Wert: 20 Punkte.
  • Royal Flush: TJQKA von einer Farbe, also der höchstmögliche straight flush.
    Wert: 21 Punkte.
  • Doppel-Straight: 10 aufeinanderfolgende Karten, As weiterhin hoch oder niedrig, aber nicht in der Mitte.
    Wert: 30 Punkte.
  • Doppel-Flush: 10 verschiedene Karten in einer Farbe (Pik, Herz, Karo, Kreuz).
    Wert: 40 Punkte.
  • Doppel-Straight-Flush: 10 aufeinanderfolgende Karten in einer Farbe, As hoch oder niedrig.
    Wert: 80 Punkte.

Wichtig: Zum Abgeben braucht man entweder zwei reguläre Kombinationen oder eine Doppel-Kombination. Ein Full House allein kann man also nicht beim Spielleiter eintauschen, wenn man einmal Four of a Kind (mit den anderen Karten, versteht sich) hat, dann schon. Alle zehn Karten werden abgegeben und gegebn neue getauscht.

Bei 15 Spielerinnen und Spielern war ich als Spielleiter schon gut beschäftigt. Man muss schnell mischen können; wenn Luft blieb, bereitete ich schon einmal Päckchen à zehn Karten vor und mischte den Ablagestapel. Als Ergänzung wäre noch eine für alle einsehbare Punkteliste an der Tafel gut, oder zumindest die führenden drei Spieler und Spielerinnen.

Eine schöne Sache für die Tage vor den Ferien.

Nachtrag: Geht auch mit einer 11. Klasse in und auf Englisch. Man muss sie schon ermahnen, wirklich nur Englisch zu reden, und man muss als Regel einführen, dass man einander nicht die Karten zeigen darf, weil es sonst zu leicht ist, sich ums Reden zu drücken. Aber dann geht es. Vorher gemacht: Kartenvokabular eingeführt – deal, dealer, cut the cards, hand, winning/losing hand, ante, shuffle (overhand und riffle), wild cards, taking a trick, follow suit und, für dieses konkreteSpiel wichtiger: suit (spades, hearts, diamonds, clubs), und die Namen der Karten, insbesondere Jack, Queen, Ace, Deuce, Trey.

Angelesenes zur irischen Ort(h)ographie, soviel wie für 1 Portion reicht

Meine Irlandeindrücke der letzten Woche muss ich erst noch verarbeiten. Ein schönes und interessantes Land, über das ich fast nichts wusste, wie ich jetzt weiß – dabei hatte ich sogar eine Irland-Vergangenheit, ohne Böll, aber mit Synge und Joyce, Brendan und Domic Behan, J.P. Donleavy, James Stephens, Lord Dunsany sowieso (aber der zählt nicht, glaube ich, obwohl: Biographie und Autobiographie ebenfalls), und Lady Gregory und das Mabinogion, und eigentlich waren es doch eine Menge Bücher aus Irlands wilder Zeit. Dazu Christy Moore rauf und runter, da lernt man auch viel. Und doch.

Die Wegweiser auf den Straßen sind alle zweisprachig Englisch-Irisch, auch sonst sieht man viele irische Namen. Wie diese Namen ausgesprochen werden, das hat aber erst auf den zweiten Blick mit der Schreibung zu tun. Das Amt des Regierungschefs heißt zum Beispiel Taoiseach. Dabei ist das vielleicht gar nicht so schwer. Ich habe mich bei Wikipedia und anderen Seiten kundig gemacht und fasse hier mal zusammen, was in 1 Lektion irischer Ortographie für den Urlaub passt.

Also: Es gibt wie im deutschen Vokale und Konsonanten. Die Vokale gibt es als Kurzvokal (häufig durch die Buchstaben a, e, i, o, u ausgedrückt; die Lautung entspricht ungefähr der deutschen) oder als Langvokal (durch die Buchstaben á, é, í, ó, ú ausgedrückt; auch hier ungefähr wie im Deutschen, nur halt in der langen Fassung). Dass die Lang- und Kurzvokale sich nicht nur durch die Länge unterscheiden, und dass es auch Diphtonge gibt: Erst mal geschenkt.

Und dann gibt es eine ganze Menge Konsonaten. Anders als im Deutschen gibt es die Konsonaten alle in zwei Versionen: slender (palatalisiert, Zungenrücken angehoben) und broad (nicht-palatalisiert). In der Umgebung von hellen, vorderen Vokalen (e, i) werden Konsonanten palatalisiert ausgesprochen, in der Umgebung von dunklen, hinteren Vokalen (a, o, u) nicht.

Auch im Deutschen gibt es diese Unterscheidung. Das „K“ in „Kuh“ wird (weil danach ein dunkler Vokal kommt) anders ausgesprochen als das „K“ in „Kind“ (mit einem hellen Vokal). Das hört man nicht, weil das für die Bedeutung im Deutschen egal ist. Mehr fällt das bei dem Laut auf, der mit „ch“ geschrieben wird: in „ich“ ist der anders (nach hellem Vokal, palatal) als in „ach“ (nach dunklem Vokal, velar). Wenn man das „ich“ mit dem anderen, unpassenden ch-Laut ausspricht, wird man zwar verstanden, hört sich aber schweizerisch an.

Im Irischen ist diese Unterscheidung wichtig, und zwar nicht nur beim „ch“, sondern bei allen Konsonanten. Ob ein Konsonant slender oder broad ausgesprochen wird, sieht man an den Buchstaben drumherum: Sind die hell (e,i), dann: slender, sind sie dunkel (a, o, u), dann: broad. Beim irischen Wort „Sinn“ ist sowohl das „S“ als auch das „n“ slender, da in der Umgebung eines Buchstabens, der für einen hellen Vokal steht.

Zum Üben habe ich irische Wörter genommen, die ich kenne, und anhand der Liste bei Wikipedia versucht herauszufinden, wie man sie aussprechen müsste, und dann mit der korrekten Aussprache verglichen. Mit etwas Übung und reichlich Nachschlagen geht das auch: man kann von der Schreibung tatsächlich gut auf die Lautung schließen.

Siobhán:

  • S: slender s (ähnlich deutsch „sch“)
  • io: leider schwierig; Regel sagt /ʊ/, ich höre aber immer nur einen unbetonten Schwa-Laut
  • bh: broad w/v (dass es broad sein muss, sieht man am o und á drumrum)
  • á: langes a (der Akzent steht immer für Länge), wobei ich das a stets offener höre, als es die IPA-Umschrift mich Laien vermuten ließe
  • n: broad n (muss ja, wegen á)

Kein Wunder, dass Wikipedia sagt:

Alternative Schreibweisen von Siobhán sind Siavon, Siobhan, Siobhain, Siobhann, Siobhon, Siovhan, Shivaune, Shivaun, Shavon, Sioban, Shivonne, Shvaugn, Shivaughn, Shivaughne, Shavaughn, Shavaughne, Shavaugn, Shavaugne, Shavaun, Shavaune, Sheavaughn, Shavone und Chevonne.

Siobhán ist übrigens das Äquivalent zu „Johanna/Jean“. Die Verkleinerungsform („Jeanette“) ist:

Sinéad:

  • S: slender s
  • i: kurzes i
  • n: slender n
  • éa: é ist wieder langes e, das a braucht man für den Folgekonsonant)
  • d: broad d (broad: sieht man am a vorer)

Taoiseach:

  • T: broad t (weil danach dunkler Vokal)
  • aoi: langes i, weil das bei ao so ist (das i ist für den folgenden Konsonanten da)
  • s: slender s (also wieder „sch“)
  • ea: in unbetonter Stellung ein Schwa
  • ch: broad ch (wie in deutsch „ach“)

So heißt das Amt des Regierungschefs im Parlament. Das irische Parlament heißt:

Dáil Éireann:

  • D: broad d
  • ái: langes a (und Zwischenvokalzeichen für den Folgekonsonant)
  • l: slender l (am i davor sieht man, dass es slender sein muss)
  • Éi: langes e (und eingeschobenes i)
  • r: slender r
  • ea: in unbetonter Stellung ein Schwa
  • n: broad n

Im Parlament sitzen unter anderem folgende Parteien:

Fianna Fáil:

  • F: slender f (slender sieht man an folgendem i)
  • ia: ein echter Diphtong, /iə/ – Diphtonge gibt es vor allem bei ia und ua, sonst sind es meistens Zwischenvokale
  • nn: broad n
  • a: Schwa
  • F: broad f (broad sieht man am folgenden á)
  • ái: kein Diphtong (weil nicht ia und ua), sondern ein langes a (wegen Akzent), gefolgt von Zwischenvokalzeichen
  • l: slender l (damit es auch wirklich klar slender ist, muss eben das i zwischen á und l)

Fine Gael:

  • F: slender f
  • i: kurzes i (wenn betont)
  • n: slender n
  • e: Schwa
  • G: broad g
  • ae: langes e, das kam überraschend, und es zählt vor allem trotzdem als dunkles Vokalzeichen, da hier vor einer Rechtschreibreform Mitte des 20. Jahrhunderts „aedhea“ geschrieben wurde, also mit einem „a“ am Schluss – Gaedheal statt heute Gael
  • l: broad l (das Vokalzeichen davor ist zwar hell, früher stand da aber ein dunkles)

Sinn Féin:

  • S: slender s
  • i: kurzes i (in betonter Stellung)
  • nn: slender n
  • F: slender f
  • éi: langes e (wir erinnern uns, der Akzent) – gilt für é und éi, aber ist das i dann nicht völlig unnötig?
  • n: slender n (aber das wäre auch ohne das i slender)

Dann noch Aongus > mit langem /i:/ vorne, broad consonants in der Mitte und hinten. Ebenso Aoife > mit langem /i:/ vorne, aber slender f (daher das i in der Schreibung), Schwa am Ende. Saoirse > mit /i:/ in der Mitte, vorne ist das s broad, in der Mitte slender, Schwa am Ende – alles sind Vornamen. I think he’s got it!

Zum merken für mich:
Ao(i) ist /i:/.
Ae(i) ist /e:/.
S in der Umgebung von e und i ist „sch“, sonst „s“.
Wenn ein Akzent darauf ist, ist es immer lang und ein Monophtong, auch wenn noch so viel Vokalbuchstaben drumrum sind.

Und wie sich das r oder l als broad oder slender consonant nun ahören, und was die ganzen h sollen, das ist wieder eine andere Geschichte und wäre sicher etwas für eine 2. Portion.

Links:

Die Wochen vor den Pfingstferien – jedes Jahr das gleiche? (Und Schafsherden, sprachlich.)

Vielleicht läuft es in manchen Jahren tatsächlich besser, in anderen Jahren schlechter; vielleicht vergesse ich auch im Lauf des Jahres immer wieder, wie anstrengend die Zeit vor den Pfingstferien ist. Aber diesmal ist es bestimmt wirklich schlimmer!

Die Vorlesung läuft gut, der Unterricht auch, ich korrigiere meine Schulaufgaben rechtzeitig, halte Abitur, holte wöchentlich unsere Kartoffelkombinat-Kiste, koche fast jeden Abend, wofür ich einkaufe; dann kam noch ein schneller Podcasts dazwischen, Ukuleletreffen, Leserunde, Verwandtenbesuch. Ich organisiere einen Wettbewerb und – verflixte Sucht – programmiere an einer kleinen App herum, immer nur noch kurz ein Stückchen. All das nicht wirklich anstrengend, aber zeitlich schwer unter einen Hut zu kriegen – einen Slot für in drei Tagen einplanen, notieren, und dann drei Tage nicht mehr daran denken, so versuche ich das.

Nicht mehr geschafft: Zwei kurze und eine lange Nachholschulaufgabe korrigiert, Aufgaben für die mündliche Abiturprüfung Informatik nach den Ferien erstellt – das muss ich in den Pfingstferien machen, die ich sonst einigermaßen frei habe.

Im Englischunterricht Q11 Denotation-Connotation gemacht, dabei Autonamen der 1960er (Thunderbird, Falcon, Charger, Comet, Mustang, Barracuda) mit Namen der 1970er (Rabbit, Pinto, Colt, Civic, Starlet, Gremlin) und 1980er Jahren verglichen (Escort, Fiesta, Cavalier, Sierra, Metro, Astra, Cortina, Orion, Nova, Maestro). Jahr 2000: Silverado, Explorer, Camry, Accord, Taurus, Civic, Focus, Caravan, Cherokee. – Nicht mit allen kann man gleich viel anfangen. Bei der Aufgabe, die Wörter gaunt, lanky, skinny, slender, slim, thin nach positiven oder negativen Konnotationen zu sortieren, gab es Unterschiede: skinny ist für meine Schüler und Schülerinnen erst mal deutlich positiver besetzt als für Englischsprecher meiner Generation – und, wie die Google-Recherche zeigt, gilt das auch heute noch. Liegt auch an „skinny jeans“, denen nichts Negatives anhängt. Aber Vorsicht bei der Google-Bilder-Suche; erst öffentlich zeigen, wenn man sich vergewissert hat, dass die Bilder altersangemessen sind.

Die Anwendung auf die Praxis ist dann für Schüler und Schülerinnen noch eimal schwieriger: Es ging darum, bei einem Text nach interessanten Konnotationen zu suchen. Eine Gruppe von Leuten „flocked outside“, und das führte zu einem Abstecher zu collective nouns, speziell zu denen aus der Jagd- und Fachsprache: Es heißt „a flock of sheep“, aber „a pride of lions“. Oder geht auch „herd of sheep“? Wikipedia gibt Antwort. Bei Enten „a paddling of ducks“ auf dem Wasser, sonst „a plump of ducks“. Was ein dotterel ist, muss ich auch nachschlagen, ein Haufen davon heißt jedenfalls trip.

Telefonspiele in der Oberstufe

Zwei Themen behandle ich gerade im Englischunterricht der elften Klasse – erstens Indien: Vorgabe war ein englischsprachiges Land außer UK/US; ich hatte auch noch Irland angeboten, die Schüler Südafrika, Australien oder Neuseeland, aber bei der Abstimmung kam dann doch Indien heraus. Was weiß ich über Indien? Nicht viel. Salman Rushdie, Rohinton Mistry (aber da ist das meiste vergessen), Slumdog Millionaire, viel Kipling, ein Sachbuch, also nichts. Und ich lese, vielleicht meine beste Quelle, was Mademoiselle Readon auf Read on my Dear, read on. über Indien schreibt, etwa Eine Banane – ich muss mal die älteren, englischsprachigen Texte durchgehen, ob da etwas für meine Schüler und Schülerinnen dabei ist.

Im Buch gibt es etliche Texte und vor allem auch Hörverstehenstexte dazu, bei mindestens zwei davon geht es um call centers.

Das zweite große Thema ist die mündliche Schulaufgabe, die irgendwann nach den Pfingstferien ansteht. Habe ich noch nie gemacht, ich weiß nur, dass es eine Aufwärmphase, einen kurzen Einzelvortrag und dann vor allem einen Dialog zwischen den beiden gleichzeitig Getesteten gibt.

Da bietet es sich doch an, auch hier ein bisschen Telefonieren zu spielen. Die Schülerinnen und Schüler kriegten einen Dialog und ein paar Telefonfloskeln und sollten dann eigene Dialoge schreiben, etwa ein Kundengespräch bei Erwerb und Ausstattung einer geheimen Superschurken-Festung oder beim Inselkauf (für eben jene geheime Festung) – siehe Punkt 4 unter 6 Companies That Are Clearly Catering to Supervillains. Aber natürlich konnte es auch einfach nur ums Pizzabestellen gehen – obwohl das keiner mehr am Telefon macht.

— Nachdem in der Folgestunde die meisten Schüler und Schülerinnen ihre Dialoge vorgelesen hatten, wurden wir immer wieder durch Telefonanrufe unterbrochen. Und das kam so: An meiner Schule gibt es in jedem Klassenzimmer ein Telefon – man kann von diesen zwar nicht andere Klassenzimmer anrufen, wohl aber etwa von der Bibliothek aus angerufen werden. Und da hatte ich eine sehr gut sprechende Schülerin hingesetzt, unbemerkt von den anderen; es war die erste Stunde des Tages, da ging das gut.

Vor ein paar Jahren habe ich das schon mit einer 6. Klasse gemacht und darüber gebloggt… kurz nachgeschlagen: 2009 war das, schon länger her, aber seit damals hatte ich nun mal fast kein Englisch mehr. Für die 11. Klasse musste ich das nur wenig abwandeln. Die Vorgehensweise:

  • Die Schülerin erhielt eine Klassenliste.
  • Und ein Blatt mit allgemeinen Anweisungen: Alle drei Minuten oder so anrufen, ein Schüler geht ans Telefon, Namen erfragen, ausrichten lassen, dass man eine andere, jeweils vorher ausgewählte Schülerin sprechen will, dieser dann einen Auftrag geben. (Im Klassenzimmer wird dann dieser Auftrag den Mitschülen wiedergegeben und dann ausgeführt.)
  • Dazu ein Blatt mit kurzen Aufträgen, darauf in Stichpunkten die jeweils nötigen Informationen:
    • Name des Anrufer/der Anruferin: z.B. Robert Johnson/Elizabeth Perkins (je nach Geschlecht)
    • Der Auftrag: z.B. Nachfragen, ob genug Kreide da ist; Kreide holen lassen aus dem Lehrerzimmer. Oder: Nachschauen, ob es für die Q11 heute Stundenplanänderung gibt. Oder: Nachschauen, was es zum Mittagessen in der Mensa gibt. Oder: Versuchen Sie, die Teilnahme an einem Trainingsseminar für Vorstellungsgespräche zu verkaufen, Uhrzeit usw. angegeben.

(Wie diese Aufgaben konkret aussehen, sieht man auch in dem Blogeintrag von 2009.)

Hat alles funktioniert und war sehr lustig, zumindest für mich, und hoffentlich auch für die anderen. Diese Telefone werden sonst nämlich fast nie benutzt; wir möchten auch nur ungern wegen Nichtigkeiten im Unterricht gestört werden. (Will heißen, einen Nichtigkeitentelefonierer gibt es demnach schon.)

Was Schüler und Schülerinnen übrigens gar nicht gut können: sich den Namen des Anrufers geben lassen, ihn sich eventuell buchstabieren lassen und ihn aufschreiben. Selbst beim vierten oder fünften Anruf haben es nicht alle geschafft, dem Namen des Anrufers zu erfragen. Dabei ist das das erste, was man im Büro beim Telefondienst eingetrichtert bekommt. (Oder kenne ich das aus amerikanischen Familienserien?)

Nächster Schritt: Einige zusätzliche Telefonnummern zuteilen lassen (geht problem- und kostenlos bei meinem VoIP-Anbieter), mit Aufgaben besprechen, und dann den Schülern und Schülerinnen die Nummer geben, wenn ich individuell und spontan eine Hörverstehensaufgabe stellen möchte.

Ray Bradbury, Fahrenheit 451 (2018)

Vieles an dem Buch hat sich sehr gut gehalten, manches ist erstaunlich gut extrapoliert. Zugegeben: Die Männer gehen arbeiten und die Frauen bleiben zu Hause, und als der emotional mitgenommene Guy Montag sich im Wohnzimmer erbricht, ist es seine Frau Mildred, die sofort den Wischmopp zum Saubermachen holt.

Aber das betrifft kein zentrales Thema des Buchs. Anders ist es bei Folgendem: In der Welt von Fahrenheit 451 sind Bücher verboten. Das Medium Buch wird dabei keineswegs anderen Medien gegenüber als etwas prinzipiell Besseres dargestellt; Faber erklärt, dass die wichtigen Dinge, wegen derer Bücher nach und nach verboten wurden, sich genau so gut in Hörspielen oder Fernsehsendungen mitteilen lassen. Um die Inhalte geht es, nicht um die Form. Weiterhin sind zwar Bücher verboten, und es gibt einen autoritären, vielleicht totalitäten Staat, der über Medien die Gesellschaft belügt und ruhig hält – aber es war nicht der Staat, der die Bücher abgeschafft hat, sondern die Gesaellschaft selber. Die Gesellschaft hat beschlossen, nicht mehr Originale zu lesen, sondern nur Wikipedia-Fassungen davon; die Gesellschaft hat beschlossen, dass Gedanken, die Unwohlsein auslösen können, nicht mehr veröffentlicht werden. Bücher enthalten kritische und unliebsame Inhalte, das führt zu Unfrieden, deshalb verzichtet man auf sie.

So weit, so gut. Das sehen meine Schüler und Schülerinnen sofort ein. Zensur nicht gut – aber um Zensur, das habe ich betont, geht es ja gar nicht, allenfalls um Selbstzensur. Es ist ja eben nicht der Staat, der das eingreift. Sondern: Die Minderheiten. Je größer die Gesellschaft, desto mehr Minderheiten, so erklärt es im Buch der Feuerwehrmann Beatty, der allerdings zu den Bösen gehört. Niemandem darf man in solch einer großen Gesellschaft auf den Schlips treten – zu empfindlich sind „the dog-lovers, the cat-lovers, doctors, lawyers, merchants, chiefs, Mormons, Baptists, Unitarians, second-generation Chinese, Swedes, Italians, Germans, Texans, Brooklynites, Irishmen, people from Oregon or Mexico.“ Der Markt sorgt dafür, dass man niemanden verschreckt (diesen Effekte halte ich für realistisch). „Colored people don’t like Little Black Sambo. Burn it. White people don’t feel good about Uncle Tom’s Cabin. Burn it. Someone’s written a book on tobacco and cancer of the lungs? The cigarette people are weeping? Burn the book.“ Alles um des lieben Friedens willen.

Vor dem Hintergrund der Kommunistenhatz der frühen 1950er Jahre in den USA ist das verständlich. Und doch: Liest sich das nicht wie eine Verteidigung gegen die damals noch gar nicht so existierende political correctness? Können die Minderheiten nicht einfach zufrieden sein mit dem, was für die Mehrheit gut genug ist? Der Negerkönig von Takatukaland soll nicht mehr so heißen, ist das schon der erste Weg Richtung Fahrenheit 451? Mir fehlt ein wenig das Verständnis dafür, dass die Minderheiten vielleicht mit manchen Vorwürfen Recht haben könnten. Wie man dann mit diesen Problemen umgeht, ist eine andere Frage, aber man sollte die Vorwürfe als legitim anerkennen. Da macht es sich Bradbury zu leicht, finde ich.

Die Schüler und Schülerinnen konnte ich nicht überzeugen. Hier geht es um Verbrennung von alten Pipi-Langstrumpf-Ausgaben, da um eine Petition, ein Bild eines jungen Mädchens aus dem Museum zu nehmen – ein Bild, das übrigens für das Titelbild der Ausgabe von Nabokovs Lolita gewählt wurde, das sich im Hause Rau befindet. Würde man heute auch nicht mehr machen, und ist das auch schon ein Schritt Richtung Fahrenheit 451?

Vom Gendern halten die beiden Klassen, die ich heute dazu gefragt habe, übrigens auch nichts. Als Anrede für eine einzelne Frau ist die weibliche Form schon begrüßenswert (Bundeskanzlerin, Studiendirektorin, Schülerin), aber das generische Maskulinum ist voll akzeptiert.

Gedichterunde im Englischunterricht

In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte präsentiert. Erst mein üblicher Dreischritt von – im weitesten Sinn – Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. Im Sonett 15 aus dem Amoretti-Zyklus von Edmund Spenser (Link zum Text) wird eine Frau gepriesen, in dem ihre Eigenschaften mit den Kostbarkeiten verglichen werden, die Händler aus Ost- udn Westindien zurückbringen – Haare wie Gold, Augen wie Saphire, Lippen wie Rubine. Die Seele der Frau ist natürlich noch besser, wird aber im Vergleich zum Rest nur kurz, wenn auch als Schlusspointe, abgehandelt.

Danach folgt Shakespeares Antwort darauf, sozusagen: das Sonett 130 (Link zum Text), „My mistress‘ eyes are nothing like the sun“, wo er die Geliebte geradezu herutnermacht: Musik klingt schöner, Parfum riecht besser, Koralle ist roter als ihr Mund – und doch ist sie mindestens so gut wie all die anderen Frauen, die man mit übertriebenen vergleichen überhäuft.

Als drittes „Reported Missing“ von Barry Cole (Text, Audio): Jemand, ein Mann, meldet einem Polizisten eine geliebte Frau als vermisst – in blumigen Vergleichen, wären der Polizist gerne konkrete Angaben hätte, also wenigstens Augenfarbe, Haarfarbe, aber kriegt nur blumige Bilder. Mit dem Gedicht lässt sich auch gut das Vorlesen üben, weil man eigentlich bis zu drei verschiedene Tonfälle dafür braucht

(Die Kombination der Gedichte ist nicht originell, die ersten beiden macht man sicher irgenwann im Studium, den Barry Cole dazu habe ich aus einem Schulbuch.)

Bei den Gedichten geht es mir einmal um das Verhältnis zwischen dem Mann und seiner Geliebten, zum anderen um Metaphorik. „My love is like a red, red rose“, eine Zeile von Robert Burns, nehme ich gerne als Einstieg: Was hat die Geliebte, oder der, mit einer Rose gemein? Nach der theoretischen Diskussion plus Tafelbild kommt man das folgende Gedicht von Edmund Waller (17. Jahrhundert), wieder eine Rose, wieder als Teil eines Vergleichs, aber hier ist der Sprecher so nett, den Vergleich für den Adressaten oder die Adressatin zu erklären:

Go, lovely Rose –
Tell her that wastes her time and me,
That now she knows,
When I resemble her to thee,
How sweet and fair she seems to be.

Tell her that’s young,
And shuns to have her graces spied,
That hadst thou sprung
In deserts where no men abide,
Thou must have uncommended died.

Small is the worth
Of beauty from the light retired:
Bid her come forth,
Suffer herself to be desired,
And not blush so to be admired.

Then die – that she
The common fate of all things rare
May read in thee;
How small a part of time they share
That are so wondrous sweet and fair!

Aber es stimmt schon, jüngere Gedichte kommen besser an bei Schülerinnen und Schülern. Deshalb habe ich die Sequenz beendet mit zwei Gedichten des von mir sehr geschätzten e.e.cummings (experimentell und zugänglich, also irgendwie safe), beide wieder mit viel Symbolik.

„o by the by“ ist ein kleines, heiteres Gedicht, das nur auf den ersten Blick kryptisch wirkt. (Hier ist der Text.) Wenn man sich ein Bild von der Situation im Gedicht mal, unten ein grüner Hügel, darauf eine Person oder zwei („little you-i“), darüer blauer Himmel… wenn man nur wüsste, was mit „threw/his wish at blue“ gemeint ist… aber auch das ist doch eigentlich klar, finde ich. Bilder zu diesem Wunsch am Himmel haben wir hier:

(it dived like a fish
but it climbed like a dream)
throbbing like a heart
singing like a flame

Singing like a flame? Sind das die Gasflammen früher, die ein kleines Geräusch gemacht haben? Aber vor allem klingt das Gedicht auch einfach schön, besonders in den letzten Versen.

Das Gedicht kam gut an, aber noch mehr eines von Cummings‘ bekanntesten Gedichten: „Somewhere I have never travelled“ (Text hier). Auch das ist voller Bilder, wieder geht es auch um eine Blume, aber diesmal sind die Bilder nicht so leicht zu fassen, nicht so leicht zu analysieren.

Gelernt habe ich dabei auch etwas. Ich hatte das Gedicht immer für ein Liebesgedicht gehalten, weil… na ja, man ist so geprägt. Ein Gedicht, von jemandem (also einem Mann) an jemand anderen (eine Frau), und es geht klar um Liebe und Gefühl. Und vielleicht ist das Gedicht auch so entstanden; ich weiß es nicht. Aber viel besser finde ich: In diesem Gedicht spricht eine Vater, oder eine Mutter, an das noch ganz kleine Kind. Das erklärt auch „in your most frail gesture“, „the power of your intense fragility“ und den feinen letzten Vers: „nobody,not even the rain,has such small hands“. Das Öffnen und Schließen in den Strophen 2 und 3 weckt auch Assoziationen mit einem kindlichen Versteckspiel.

In dem Gedicht spricht nur einer, er spricht über eine andere Person, und ein bisschen zu ihr, aber sicher nicht mit ihr; die andere Person übt eine zauberhafte Macht auf ihn aus, ohne tatsächlich selbst wirklich aktiv zu sein. Ja, das ist eher ein Kleinkind; keine Partnerin.