Lebenszeichen: Griechische Sagen, Who’s on First, Oscar Wilde, schnell mal das meiste notiert, was los war

Ich schmettere derzeit jedem Kollegen, der über zuviel Vertretung oder fehlendes Wissen bei den Schülerinnen und Schülern klagt, ein frohes: „Schule muss mehr sein als Unterricht!“ entgegen. Meine Hoffnung, dass die Kollegen dabei einen Zusammenhang herstellen (oder mir wenigstens widersprechen), wurde bisher noch nicht durch eine eindeutige Reaktion als eine begründete bestätigt.

Das mit dem „mehr als Unterricht“ höre ich etwas zu oft im Moment.

***

Griechische Sagen: Kommen sehr gut bei der 6. Klasse an, aber die wollen wirklich sehr viel wissen, da reicht mein sehr solides Halbwissen nicht ganz aus. Hier meine Diagramme dazu:

theogonie1

theogonie2

Aber natürlich fehlt immer noch was: Was war mit der Mutter von Prometheus? — Mir kommt es dabei vor allem darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler das als ein gewachsenes Flickwerk verstehen, dass nie unbedingt jemand an all das gleichzeitig geglaubt hat. Dass Aphrodite nicht die Tochter von Zeus ist, oder doch schon, auch, dass es jedenfalls mindestens zwei Mythen gibt, die sich widersprechen, und dass Aphrodite nach dem anderen Mythos aus dem Geschlechtsteil des Uranos stammt, als das ins Meer fiel, nachdem Kronos es abgeschnitten hatte.

Ich zeigte diesmal gleich am Anfang das Kamishibai, und die Schüler und Schülerinnen spielten mit meinem Bildern zum Urteil des Paris (ganz unten hier) gleich etwas, das fast schon ein bisschen Powerpoint-Karaoke ist, erzählten also die gerade gelesene und gesehene Geschichte unvorbereitet mit den Bildern nach. Ging gut.

***

The Importance of Being Earnest: Mit der Q11 gelesen. Oll, aber gut. Mit Psychologietests Persönlichkeitsprofile der Charaktere festgestellt und spätestens da festgestellt, dass die eigentlich alle eher keine netten Menschen sind. Danach kurz Inszenierungsmöglichkeiten verglichen – eigentlich wollte ich nur Ausschnitte aus dem Film von 2002 zeigen, aber der war dann so interessant, dass wir den ganz ansagen. Die Inszenierung erinnert mich sehr an die Jeeves-und-Wooster-Serie mit Stephen Fry und Hugh Laurie, ist nur etwas besser. Firth ist solide, Rupert Everett vor allem in der ersten Hälfte brillant, Judi Dench ist Judi Dench, und Frances O’Connor als Gwendolyn ist sa-gen-haft mit hingehauchter Verführung. Hier eine Fassung von 1986 zum Vergleich, man achte auf das „That makes me so nervous“:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Und hier 2002:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

(Später lässt sich Gwendolyn den Namen „Ernest“ auf ihren Po tätowieren.)

***

Früher waren vielleicht die Lehrer cool, die mit der Zigarette ins Klassenzimmer kamen, was schon zu meiner Schulzeit extrem selten vorkam, selber gehe ich wenigstens ab und zu mit der vollen Kaffeetasse in den Unterricht. (Essen und Trinken – außer Wasser – ist Schülern und Schülerinnen im Unterricht verboten.) Aber die Teetasse mit Teebeutel drin, die ich beim Kollegen sah, ist noch cooler.

***

Später dann mal in der Q11 die ersten paar Takte des Klassikers „Who’s on First“ (Youtube) gezeigt, dann ausgeteilt und eine Audioversion dazu hören lassen. Dass das ein immer noch sehr lebendiges amerikanisches Kulturgut ist, sieht man auch an der Fassung von Jimmy Fallon mit Billy Crystal und Jerry Seinfeld. Immerhin kennen ein paar Schüler Jimmy Fallon, die anderen, na ja, nicht mehr so.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Danach probierten die Schülerinnen und Schüler den paarweisen Vortrag in Ausschnitten. Ein Klassenzimmer voller Leute, die gleichzeitig und durcheinander „Who’s on First“ üben, das ist schön.

Euromyths, Offline-Kommunikationssystem, Bilder von oben, Schulmöbel (Schulwoche)

Sideboard

Für den Englischunterricht, Q11: Alle Schüler und Schülerinnen kriegen einen Buchstaben A-Z zugewiesen und suchen sich aus dieser Liste von Europa-Mythen aus der britischen Presse eines aus und präsentieren das den Mitschülern: http://blogs.ec.europa.eu/ECintheUK/euromyths-a-z-index/

Meine Favoriten: Erstens P wie „Pets, dead“: Haustiere müssen laut einer Europa-Regelung vor der Beerdigung in einem pressure cooker gekocht werden. (Stimmt nicht: Es gab vergleichbare Regelungen für BSE-Fälle.) Zweitens R wie „Recycling“: Laut einem EU-Gesetz müssen Frauen ihr gebrauchtes Sexspielzeug zum Recyclen abgeben bevor sie neues kaufen können. (Stimmt nicht. Aber man kann laut EU Elektrogeräte natürlich beim Verkäufer zur Entsorgung abgeben.) Stand alles so in englischen Zeitungen.

Mit der sechsten Klasse haben wir heute für ein Projekt Klassenaufnahmen von oben gemacht, ein Schüler hatte seinen Quadrocopter dabei, Handy drangemacht, trotz Wind gab es ordentliche Aunahmen. Leider haben wir es trotz Bluetooth noch nicht geschafft, die Filme auf einen anderen Rechner (also meinen) zu kriegen, das kommt dann noch.

Wir haben ja das Lehrerraumprinzip an meiner Schule. Schüler wandern, die Lehrer haben feste Klassenzimmer, jedenfalls die meisten – ich zum ersten Mal, da ich sonst viel im Computerraum bin. Nachdem es eine Weile gedauert hat, bis ich mein Sideboard hatte, arbeite ich noch an der Ausstattung. Hier habe ich schon mal Magic Eight-Ball und Kamishibai deponiert:

Sideboard

Das ist mein Offline-Whatsapp-Ersatz-Kommunikationssystem für die Unterstufe:

Drehregeal für Grußkarten

Hier habe ich wieder mal eine Unterstufe gefragt, diesmal am Anfang des Schuljahrs, wie gut sie den Computer schon beherrschen, und wie sehr sie das möchten. Ein o für die Mädchen x für die Jungs. Und ja, die Jungs trauen sich schon enorm viel zu, abe auch die Mädchen wollen größtenteils den Rechner beherrschen. Ich sehe das als Auftrag und bin gespannt auf die Haltungen am Schuljahresende:

Tafel

— Reste vom Wandertag der Lehrer, a.k.a. Personalausflug. Ja, wir waren unter anderem in einer Käserei:

Stuhl im Käselöcherdesign

Und das war der Wandertag mit den Schülern:

leeres Ortsausgangsschild

(Mir ist tatsächlich mein Mitteilungsbedürfnis abhanden bekommen, ich weiß auch nicht wie, sonst hätte ich das alles zwischendrin mal gepostet.)

Kontextualisierungen

Im Englischunterricht soll gerade brav alles kontextualisiert werden. Das führt zu – bewusst albernen? – Aufgabenstellungen wie im letzten Abitur:

Describe the way a conflict with far-reaching consequences is dealt with in a literary work by an English-speaking author.
Write a review for an English edition of your school magazine.

Damit es ja einen Kontext für die Aufgabe gibt, muss man für die englische Ausgabe der Schülerzeitung schreiben. Das ist immer der Standardkontext; ich musste mal in einem Arbeitskreis ähnliche Aufgaben stellen, und schon da lief auch alles immer auf Schülerzeitungen heraus.

Alternativ könnte man doch Vokabeln so abfragen:

Du bist mit deinen Eltern zu Besuch bei deiner Tante in England. Deine Mutter schreibt einen Einkaufszettel auf Deutsch. Hilf deiner nicht deutsch sprechenden Tante, mit diesem Einkaufszettel zurecht zu kommen. Auf dem Zettel stehen:

  • „Buntstifte“
  • „Wachsmalkreide“
  • „die Adresse des englischen Oberhauses“
  • „die Adresse des englischen Unterhauses“
  • „ein Kuchen mit der Aufschrift ‚Alles Gute zur konstitutionellen Monarchie'“

Man kann auch eine Liste von Suchaufträgen daraus machen im Web, bei denen man der Tante helfen soll, und schon hat man wieder einen Kontext! Oder, um noch ein letztes Mal zum Spiel „Keep Talking and Nobody Explodes“ zu kommen, man findet einen Bombenkoffer, den man entschärfen muss, und eine Anleitung dazu, und in der Anleitung steht, dass man bestimmte Wörter buchstabieren muss und so weiter. Da hat sich auch keine Schülerin über fehlenden Kontext beklagt. „Ein verrückter Milliardär bietet dir eine Million, wenn du ihm sagen kannst…“ Yay, noch ein Kontext! Da muss man sich doch nicht immer mit der Schülerzeitung begnügen.

Bundeskanzlerin werden

Am Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels nehmen viele Schulen teil, auch wir machen das regelmäßig. (Schon oft darüber gebloggt, wie über alles.) Dabei ermitteln wir für jede 6. Klasse einen Klassensieger oder eine Siegerin, und alle diese lesen dann in der Aula gemeinsam vor den versammelten 6. Klassen vor, um einen Schulsieger zu ermitteln – und danach geht es weiter zum Landkreiswettbewerb und so weiter.

Manche Schülerinnen und Schüler haben nichts gegen den Wettbewerb, aber scheuen es, eventuell in der Aula vor größerem Publikum lesen zu müssen. Das verstehe ich völlig. Aber sie sollen ja auch vorlesen lernen, und sie sollen lernen, vor Publikum zu stehen. (Wieviel man das lernen kann und wieviel einfach Übung oder Machen ist: andere Frage.) Ich erkläre das so, dass wir ja hoffen, dass irgendwer aus den 6. Klassen mal später Bundeskanzlerin werden wird. (Das kann auch ein Junge sein.) Und als Bundeskanzlerin muss man ja auch vor vielen Leuten stehen und reden, immer wieder. Eine schwierige Arbeit, aber wir brauchen gute Leute, die sie machen können.

Nebenbei: Nicht jeder muss Bundeskanzlerin werden, das habe ich versichert. Aber trotzdem: Ich mache auch jedes Jahr vier Dinge, vor denen mir graut, weil ich sie zum ersten Mal mache, und eigentlich machen will, aber ich dazu aus meiner Komfortzone heraus muss. Zugegeben, mir graut schnell. Danach bin ich aber froh, und im nächsten Jahr graut mir dann weniger, wenn ich das noch einmal machen muss.

– Ansonsten: Heute in Englisch, 11. Klasse, „Keep Talking And Nobody Explodes“ gespielt. (Hier schon mal kurz vorgestellt.) Mit Warnung vorher, und Erklärung, und Kontext – immerhin geht es um das Entschärfen einer Bombe, und wer das nicht sehen will, darf natürlich das Klassenzimmer verlassen. Zwei Schüler hatten sich vorbereitet und stellten das Spiel den anderen vor, die alle auf Handy oder Papier das Bombenentschärfer-Handbuch vor sich hatten. Mit dem Erklären von Dingen ist es so eine Sache, oft erklärt man Dinge, die gar nicht hilfreich oder nötig sind; kann man gar nicht genug üben.

Bei dem Spiel geht es darum, dass ein Spieler eine Bombe mit verschiedenen zu entschärfenden Modulen vor sich sieht, und die anderen haben das Handbuch, sehen aber die Bombe nicht; und der eine Spieler muss beschreiben, was er sieht (mit korrekter Aussprache, da sonst Missverständnisse), und die anderen müssen das Handbuch schnell nach den nötigen Informationen durchsuchen („scanning“) und diese dem ersten Spieler mitteilen (präzise, korrekte Aussprache). Welche Drähte müssen durchgeschnitten, welches Passwort muss eingegeben, eventuell buchstabiert, werden?

Technisch läuft das Spiel ohne Adminrechte und Installation, man muss es nur kaufen (15 Euro oder so) und starten – dabei nicht über Steam kaufen, sondern als direten Download, klar, weil man sich sonst immer erst bei Steam einloggen und das vor allem installieren müsste. Die Schülerinnen und Schüler kapieren das Spiel unterschiedlich schnell, die besten sind dabei weit, weit schneller als ich es bin. Bin halt träge geworden und auch nicht so gut beim räumlichen Vorstellungsvermögen. Mann, waren die fit.

The Good Old Days

Ich bin ja gerade in England und habe fünf volle Tage schönsten Wanderns in den Cotswolds hinter mir. Zuerst wollte ich regelmäßig davon bloggen, aber das machte Frau Rau viel besser als ich; und ich hatte mehr Vergnügen daran, abends dazusitzen, aus den Fenstern zu schauen, zu lesen – keinesfalls erschöpft, aber ein bisschen überwältigt. Einen bebilderten Blogeintrag dazu hole ich nach, wenn ich wieder in Deutschland bin.

(Danach beginnt gleich die Kolloquiumswoche; einen Großteil der Abiturkorrekturen habe ich mit ziemlichem Aufwand vorher korrigieren können, aber ein bisschen was steht noch aus.)

Beim abendlichen Fernsehen hier entdeckte ich eine Sendung, die mich um Fassung ringen ließ; ich dachte alle wichtigen Sendungen und Serien zumindest dem Namen nach zu kennen, aber das war und ist wohl nicht so.

„The Good Old Days“ ist eine britische Serie, die von 1953 bis 1983 im Fernsehen lief, ich sah – ohne jegliche Vorwarnung – eine Folge von 1973:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Was war denn das? Ein aus der Zeit gefallenes Kabarett mit alten Nummern, leicht angestaubt wie bei der Muppet-Show. Ein marktschreierischer Master of Ceremonies mit schlechten Witzen, ganz Kermit. Kostüme wie beim Königlich Bayerischen Amtsgericht – und ja, das Publikum ist echtes Publikum; man kam edwardianisch kostümiert zu den Aufführungen. Und das Publikum amüsiert sich wie bei Heinz Schenk im Blauen Bock. Dazu zeitgenössische Künstler, etwa Sandie Shaw („Puppet on a String“), die alte Balladen singen, und Artisten. WTF?

Stellt sich heraus, dass „The Good Old Days“ eine Sendung war, die das englische Kabarett des frühen 20. Jahrhunderts nachahmte. Moderne Künstler natürlich, aber Akrobatik im Stil von damals, sentimentale Balladen und frivole Music-Hall-Lieder, wie ich sie sonst nur aus Geschichten von P.G. Wodehouse kenne.

Geht das in Deutschland, heute? Die Sänger müsste hinter den Liedern zurücktreten, sich verkleiden, nicht aus der Rolle fallen; das fällt sicher schwer. Außerdem gibt es in Deutschland keinen gleichartigen Fundus an wirklich alten Liedern, die das Publikum wie in England, früher zumindest, mitsingen könnte. Die Lieder der 30er und 40er Jahre sind durch den Nationalsozialismus verbrannt. Vielleicht eine einmalige 1970er-Jahre-Show stattdessen? Disco noch einmal nachspielen?

Kickstarter: Englisch-Lektüren

Charlotte Dincher, eine bloggende Englischlehrerin, ist unzufrieden mit den vorhanden Lektüren zumindest für den Anfangsunterricht und will selber welche schreiben. Dazu hat sie ein Kickstarter-Projekt „LehrerLieblingsLektüre“ ins Leben gerufen.

Kickstarter: Da kann man Projekte vor oder am Anfang der Entwicklung unterstützen, indem man sich finanziell beteiligt. Scheitert das Projekt, krieg man sein Geld zurück, gelingt es, kriegt man die zuvor versprochenen Goodies – meist um so mehr, je mehr man mitfinanziert hat.
Auf der Kickstarter-Seite kann man sich von einer von Charlottes zwei Lektüren das erste Kapitel herunterladen: Text, Vokabelfußnoten, Fragen zum Text, Lehrermaterial (einschließlich Lückentest).

Anders als Charlotte habe ich keine Probleme mit den vorhandenen Lektüren. Ich habe schon länger kein Englisch mehr unterrichtet, aber damals auch schon ab dem ersten Lernjahr Lektüren gelesen, auch im G8, und mit Vergnügen.
Allerdings wünsche ich mir tatsächlich schon lange eine Englisch-Lektüre, mit der ich mehr machen kann: einen Robin-Hood-Dramentext etwa, den man als Hörspiel aufnehmen oder als Schauspiel aufführen kann, das Ergebnis dann auch vielleicht auf die Homepage. Als Audiodatei das ganze von Muttersprachlern gelesen. Am liebsten wäre mir das als Open Educational Resource (OER) unter einer sehr freien Lizenz, aber ich zahle auch Geld dafür, sofern das Material digital und bearbeitbar ist und die Ergebnisse veröffentlicht werden dürfen. Weil ich solche Vorhaben also prinzipiell gut finde, werde ich das Kickstarterprojekt unterstützen – auch wenn ich am Gymnasium in Bayern in der 6. Jahrgangsstufe dann doch lieber mit gemischten Lektüren arbeiten oder Roddy Doyle lesen werde. Charlotte bietet zwar auch an, eine Lektüre nach Wunsch zu schreiben (für 240€), aber so weit geht der Wunsch bei mir noch nicht. Aber interessante Idee.

Bilingualer Sachfachunterricht Informatik

Bis Weihnachten unterrichte ich das Fach Informatik in meiner aktuellen 10. Klasse auf Englisch. Das Konzept dahinter heißt „Bilingualer Sachfachunterricht“ und klingt nur ein bisschen nach Lachundsachgeschichten, wird aber tatsächlich vom bayerischen Kultusmi­nisterium wie auch von der Kultusministerkonferenz gefördert.
Vom ISB (dem pädagogischen Arm – oder Fuß, oder welcher Körperteil auch immer, da gibt es verschiedene Ansichten – des Kultusministeriums) gibt es eine eigene Webseite dazu: http://www.bayern-bilingual.de/, und hier gibt es 140 Seiten von der KMK (pdf).

Auf Englisch heißt das „Content and language integrated learning“ (CLIL), keine geringere Mundvoll. Der Gedanke dahinter: Die Inhalte des Sachfachs stehen im Vordergrund, also Informatik. Nebenbei wird auch noch das Englisch der Schüler und Schülerinnen verbessert, vor allem bei Hörverstehen, Sprechfertigkeit und Wortschatz, so heißt es. Und außerdem, so die Theorie, lernen die Schülerinnen und Schüler die fachlichen Inhalte besser – weil sie besser aufpassen oder weil ich als Lehrkraft mir mehr Mühe geben muss.
Im bilingualen Sachfachunterricht gibt wird das Englisch der Schülerinnen und Schüler natürlich benotet, die deutschen Fachbegriffe werden ebenfalls gelernt, und Prüfungen sind wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Eine Schule kann einen ganzen bilingualen Zug einrichten, eine Jahrgangsstufe, ein Fach, auch nur für drei Monate, oder eine einzelne fremdsprachliche Stunde pro Woche in einem Sachfach vorsehen, da gibt es die verschiedensten Modelle.

Darf man das so einfach? In Bayern ja. Dazu muss die Lehrkraft letztlich auch die Fremdsprache unterrichten dürfen. Meistens wird CLIL also in Kombination mit Geschichte und Geographie angeboten, weil diese Lehrer gerne auch mal Englischlehrer sind. (Gelegentlich gibt es das auch in Französisch.) Die Kombination mit Informatik ist seltener, weil das ein junges Fach ist und es nicht so viele Informatik-Englisch-Lehrkräfte gibt, auch wenn Englisch tatsächlich eines der wenigen Fächer ist, das man mit Informatk zusammen studieren kann.

Ich glaube, Informatik eignet sich ganz besonders dafür. Erstens arbeiten wir in der 10. Jahrgangsstufe ohnehin kaum mit dem Buch, aus, uh, verschiedenen Gründen. Zweitens ist viel Fachsprache ohnehin Englisch, angefangen von den Kontrollstrukturen der Programmiersprachen. Drittens, aber das darf man sicher nicht laut sagen, ist Informatik kein Fach, bei dem sich Eltern oder Schüler große Sorgen machen müssen, ob man deswegen nicht vorrücken darf. Bei Mathematik hätte man da vielleicht mehr Bedenken, auch weil das in Bayern jeder bis einschließlich Abitur belegen muss. Viertens ist Informatik ein Fach, bei dem Schüler vielleicht aktiver sind als in anderen Fächern; der Unterricht ist schon mal inhaltlich eher handlungsorientiert. Das Fach besteht viel aus Tun und weniger aus Reden. Damit zusammen hängt Punkt viereinhalb, der mir erst im Lauf der ersten Stunden aufgefallen ist: In Informatik – jedenfalls ab der Mittelstufe – wollen Schüler tatsächlich etwas vom Lehrer wissen. Zugegeben, das ist oft nur: „Warum funktioniert das nicht?“ oder „Wie kann ich das machen?“ Das gilt jedenfalls für alles, was mit Programmierung zu tun hat. Im Deutschunterricht fagen Schüler nie „Warum ist mein Satz grammatisch falsch?“, weil sie das nicht erkennen können. Beim Programmieren kriegen sie nach jeder Zeile Feedback, ob der Programm-Satz korrekt war oder nicht.
Und ichg laube, das Sprachenlernen und -verwenden fällt leichter, wenn es einen echten Redeanlass gibt. Im Deutsch- udn Englischunterricht versucht man natürlich diese Anlässe zu schaffen. Aber so richtig natürlich sind sie nicht immer.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie das weitergeht. Die Klasse kenne ich schon vom Deutschunterricht vor zwei Jahren, und ein Muttersprachler-Gastschüler ist auch dabei. Bei den Schülerinnen und Schülern wirkt das Verwenden der englischen Sprache ganz natürlich, sind sie ja eh gewohnt, aber mehr weiß ich erst nach Weihnachten, da will ich das evaluiert haben.

(Freue mich über Hinweise zur CLIL-Forschung, da sichte ich gerade.)

Male and Female Vocabulary

Bei Slate wird von einer Studie berichtet, bei der untersucht wurde, welche Vokabeln es gibt, die eher von Männer gekannt werden oder eher von Frauen. Bei den Top Ten der Wörter, die Männer deutlich wahrscheinlicher kennen als Frauen, kenne ich alle. Pfft, was ein Claymore ist, weiß ich seit frühen Rollenspieltagen, Kevlar kennt jeder Computerspieler, den Rest auch. Bei den zehn Wörtern, die deutlich mehr Frauen kennen als Männer, kannte ich tatsächlich nur sieben. (Nicht gekannt: ein Hormon, eine Pflanze, eine Basteltechnik. „Taupe“ kannte ich allerdings.)

Gemma Elwin Harris (Hrsg.), Big Questions from Little People

big_questionsDieses Buch entstand als Benefizprojekt für die englische NSPCC (National Society for the Prevention of Cruelty to Children). An zehn englischen Grundschulen – Alter der Kinder: 4 bis 12 – wurden Fragen eingesammelt, auf die die Kinder gerne eine Antwort gehabt hätten. Diese Fragen gingen dann an Experten, was sich so ziemlich alles vom Wissenschaftler bis zur Fernsehbekanntheit sein konnte. Die versuchten die Frage kurz und verständlich zu beantworten. Darunter sind namhafte Leute: Noam Chomsky, Richard Dawkins, David Crystal, David Attenborough, Philip Pullman, Simon Singh, Rupert Sheldrake.

Die Fragen sind eine bunte Mischung. „Warum ist Pipi gelb? Warum ist Blut rot? Warum ist der Himmel blau? Wo kommt der Wind her? Wer hatte das erste Haustier? Wo kommen die Namen der Städte her?“
Etwa achzig davon gibt es, jede ist auf etwa zwei Seiten (um die 330-380 Wörter) beantwortet. Es gibt Fragen ähnlichen denen, die jede Woche von Randall Munroe auf seiner Seite what if? beantwortet werden: „Wenn eine Kuh ein Jahr lang nicht furzt, und dann alles auf einmal, kann sie dann in den Weltraum fliegen?“, und sehr spezifische Fragen wie: „Mochte Alexander der Große Frösche?“ Bei vielen Fragen geht es um naturwissenschaftliche Phänomene (Tiere, Regenbogen, Klima, der menschliche Körper), bei anderen um Ethik und Philosophie („Warum sind manche Menschen gemein?“ „Warum gibt es Kriege?“ „Warum bin ich ich?“).

Mir gefällt am Buch – abgesehen davon, dass ich generell Antworten auf Fragen mag – die Textsorte. Die Texte sind leicht verständlich, wenig dicht, und kurz. Für den Englischunterricht die Schule kann ich so etwas brauchen.
Aber auch als Textsorte für Schüler gefällt mir das. „Erklären“ ist an der Schule ohnehin völlig unterrepräsentiert. Gelegentlich finde ich bei Aufgabenstellungen diesen Operator, aber gemeint ist dann doch immer „Begründe deine Ansicht“, und das ist doch etwa anderes. Schüler sollten öfter etwas erklären müssen.

Die Fragen sind sehr unterschiedlich gut beantwortet. Viele sind nachvollziehbar, verständlich. Warum Flugzteuge fliegen können etwa (nichts mit dem Gesetz von Bernoulli zu tun hat), warum Pipi gelb ist. Andere finde ich wohlmeinend-herablassend. Auf die Frage: „Warum schmeckt Kuchen so gut?“ lautet die gegebene Antwort letztlich, dass das wie Magie und überhaupt ganz toll ist, dass aus so einfachen Zutaten etwas so leckeres entsteht. „Warum kochen wir unser Essen?“ dagegen: Hinweis auf rohes Essen, auf die historische Entwickung, dann drei knackige Gründe. Solide beantwortet. Die Frage „Where does ‚good‘ come from?“ wird meiner Meinung nach auch nicht bwantwortet, weil man dann zugeben müsste, dass das Gute eine Erfindung ist. Aber das ist sicher auch Ansichtssache. Auf die Frage: „Warum kriegen Mädchen Kinder und Buben nicht?“ lautet die Antwort, neben einigen Punkten zur Entwicklung eines Fötus: Liegt an den Hormonen, Östrogen beziehungsweise Testosteron. Nun ist das mit dem „Warum“ ja immer so eine Sache, das kann man so oder so verstehen. Mich hätte die Antwort mit den Hormonen nicht befriedigt, weil ich letztlich hätte wissen wollen, warum es überhaupt diese Arbeitsteilung in Kinderkrieger und Nichtkinderkrieger gibt.

Am wenigsten zufrieden bin ich aber mit der Antwort darauf, ob Zucker wirklicht schlecht für einen ist (Annabel Karmel, parenting author).
Zucker wird nicht verdammt, okay, und generell ist die Antwort schon richtig. Aber Fruchtzucker wird als irgendwie besser als raffinierter Zucker hingestellt, denn: „[th]ese forms of sugar haven’t been played about with“. Zucker sei außerdem schlecht für die Zähne. Gut, das sehe ich ein. Aber dann wird als Beleg dafür angeführt, dass man ja vielleicht dieses Experiment kenne, wo man einen Zahn oder eine Kupfermünze in ein Glass „fizzy drink“ legen könne. Nach ein paar Stunden schon würde man ja sehen, was dann damit geschehe!

Bitte was? Ich hätte ja gedacht, dass alles, was da geschieht, an der Kohlensäure liegt, bei Cola auch noch an der Phosphorsäure, und nicht am Zuckergehalt.

Also frischauf ans Werk, ausprobieren. Ich habe fünf gleichermaßen gebraucht aussehende 5-Cent-Münzen gesucht. Jede liegt im Moment in einem Glas mit jeweils 200ml Flüssigkeit, Raumtemperatur. Cola mit und ohne Zucker, Limo mit und ohne Zucker, und Zuckerwasser ohne Kohlensäure. Dann wollen wir doch mal sehen, wie die Münzen am Schluss aussehen.

Inhalt der Gläser:

  1. Coca-Cola: 10,6 g Zucker pro 100 ml (Kohlensäure, Phosphorsäure)
  2. Coca-Cola zero: 0 g Zucker pro 100ml (Kohlensäure, Phosphorsäure)
  3. Sprite: 9,1 g Zucker pro 100 ml (Kohlensäure, Zitronensäure)
  4. Sprite zero: 0 g Zucker pro 100 ml (Kohlensäure, Zitronensäure)
  5. Zuckerwasser, selbst hergestellt: 10 g Zucker pro 100 ml. (Das sind etwa 4 Teelöffel pro eher kleinem Glas, was schon einiges and Umrühren erforderte.)

Verbleiben im Glas: 7 Stunden.

Versuchsanordnung:

zucker_versuchsanordnung

So sahen die Münzen vorher aus:

zucker_muenzen_vorher

So sahen die Münzen danach aus (die Seite, die oben lag):
zucker_muenzen_nachher1

So sahen die Münzen danach aus (die Seite, die unten lag):
zucker_muenzen_nachher2

Meine Interpretation der Ergebnisse:

Die kohlensäurehaltigen Flüssigkeiten haben das Metall angegriffen beziehungsweise gereinigt. Das Zuckerwasser überhaupt nicht. Die Unterseiten der Münzen, die auf dem Glasboden lagen, sind weniger angeriffen als die Oberseiten. Der Zusammenhang, der im Buch hergestellt wird, stimmt nicht.

Das heißt nicht nicht, dass Zucker den Zähnen nicht doch schadet. (Weil die Bakterien den essen.) Und auch sonst beweist das Experiment nichts, weil ein Experiment nicht viel beweisen kann. Durch Experimente überprüft man seine Vermutungen. Nötig wären jetzt weitere Experimente, mit Messung des Säuregehalts, mit verschiedenen Kombinationen von Säure- und Zuckergehalt, mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser ohne Zitronen- oder Phosphorsäure, dann hat man mehr Daten und kann seine Vermutungen immer genauer überprüfen. Und als bewiesen kann man Sachen annehmen, wenn man eine Theorie dazu entwickelt hat und diese Theorie ermöglicht, Voraussagen zu treffen. Gibt es natürlich alles schon, siehe Chemieunterricht.

(Nebenbei: Fehlgeschlagene Experimente gibt es nicht, oder nur insofern, als sie falsch geplant oder fehlerhaft durchgeführt worden sind. Ein Experiment, bei dem nicht das herauskommt, was man erwartet hat, dürfte sogar ein höchst interessantes Experiment sein. Es kommt halt leider nicht immer das heraus, was man sich erhofft, aber aber ist etwas anderes.)

Stand by Me, Jahrzehnte danach

Different Seasons ist eine 1982 erschienene Sammlung von vier langen Kurzgeschichten – oder Kurzromanen? – von Stephen King. „Novella“ heißt diese Länge auf Englisch, und das Terminologieproblem ist noch das geringste bei Texten dieser Länge: Sie lassen sich einzeln auch schlecht verkaufen. King gelang das nur, indem er vier davon zusammenpackte. Die erste wurde als Shawshank Redemption verfilmt, die zweite als Apt Pupil, für die vierte ist ein Film in Produktion. (Eine Geschichte um einen geheimnisvollen Club und eine geheimnisvolle Bibliothek, ganz klassisch und weniger ernst gemeint als die anderen Geschichten. Kann ich mir als Film schwer vorstellen.) Und die dritte, die Herbstgeschichte, heißt als Film Stand by Me.

„The Body“, die ursprüngliche King-Geschichte, ist schon mal sehr gut. Sie spielt in der tiefen Vergangenheit der späten 1950er Jahren, wird aus dem Rückblick erzählt. „Möchtet ihr mal eine echte Leiche sehen?“, fragt einer von vier Freunden, der weiß, wo die Leiche des bei einem Unfall ums Leben gekommenen Jungen aus der Nachbarschaft liegt. Die vier machen sich auf dorthin, eigentlich nur eine Wanderung von ein, zwei Tagen, aber für die Jungen wird es eine Reise. Keine Monster, kein übernatürlicher Horror, nichts Phantastisches.
Der Film fügt dem einen passenden Soundtrack hinzu, einen tollen Regissseur (Rob Reiner), und tolle Schauspieler. Wil Wheaton, einer davon, und in Fankreisen wohlbekannt, hat neulich auf seinem Blog einen kurzen Film von Herve Attia vorgestellt. Attia schneidet Aufnahmen aus Filmklassikern mit neuen Aufnahmen der Originaldrehorte zusammen, Jahrzehnte danach. So auch bei Stand by Me:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Stand by Me 1986 ( FILMING LOCATION ) from Herve Attia on Vimeo.

Schnüff.

Im Schülerbuch Green Line New 4 ist ein Auszug aus der King-Geschichte; ich habe damit aber noch nie gearbeitet. Es gibt eine Penguin-Schülerausgabe von „The Body“, mit vereinfachtem Wortschatz und britischer Rechtschreibung. Den habe ich im letzten Jahrtausend mal mit einer 9. Klasse angefangen – aber dann musste ich plötzlich als Vertretung mit zum Englandaustausch, und dann kam das Schuljahresende, so dass ich nicht wirklich zum Arbeiten mit dem Text kam.

Die aktuelle Ausgabe ist eine „2nd Revised edition“ und laut Amazon einige Seiten dicker als meine alte Ausgabe. Das heißt vermutlich nicht viel, aber zumindest in der alten Ausgabe fehlt ein essentieller Teil, und es wäre schön, wenn auch unwahrscheinlich, wenn sie doch noch aufgenommen worden wäre: Die Geschichte, die der junge Gordie (und spätere Erzähler des Buchs) am Lagerfeuer erzählt. Wie sich der gehänselte Dicke bei seiner Umwelt anlässlich des örtlichen Blaubeerkuchen-Wettessens rächt, indem er a) vor dem Wettbewerb eine große Portion Rizinusöl trink und b) ein Tempo beim Blaubeerkuchenessen anschlägt, das er unmöglich durchhalten kann.

Den Ausschnitt kann man auch bei empfindlichem Magen ansehen, er ist in seiner Übertriebenheit verhältnismäßig behutsam umgesetzt:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Juvenil, kindisch! Also das muss doch in eine Schülerausgabe! Liest sich auch in der Geschichte gut.

— Attia hat das auch mit anderen Filmen gemacht. Ich habe mir das bei American Graffiti angesehen, auch ein schöner Film; spielt ebenfalls in der Vergangenheit. So gut wie Stand by Me funktioniert das nicht, da hilft das häufige Voice-over sehr.