Die Wochen vor den Pfingstferien – jedes Jahr das gleiche? (Und Schafsherden, sprachlich.)

Vielleicht läuft es in manchen Jahren tatsächlich besser, in anderen Jahren schlechter; vielleicht vergesse ich auch im Lauf des Jahres immer wieder, wie anstrengend die Zeit vor den Pfingstferien ist. Aber diesmal ist es bestimmt wirklich schlimmer!

Die Vorlesung läuft gut, der Unterricht auch, ich korrigiere meine Schulaufgaben rechtzeitig, halte Abitur, holte wöchentlich unsere Kartoffelkombinat-Kiste, koche fast jeden Abend, wofür ich einkaufe; dann kam noch ein schneller Podcasts dazwischen, Ukuleletreffen, Leserunde, Verwandtenbesuch. Ich organisiere einen Wettbewerb und – verflixte Sucht – programmiere an einer kleinen App herum, immer nur noch kurz ein Stückchen. All das nicht wirklich anstrengend, aber zeitlich schwer unter einen Hut zu kriegen – einen Slot für in drei Tagen einplanen, notieren, und dann drei Tage nicht mehr daran denken, so versuche ich das.

Nicht mehr geschafft: Zwei kurze und eine lange Nachholschulaufgabe korrigiert, Aufgaben für die mündliche Abiturprüfung Informatik nach den Ferien erstellt – das muss ich in den Pfingstferien machen, die ich sonst einigermaßen frei habe.

Im Englischunterricht Q11 Denotation-Connotation gemacht, dabei Autonamen der 1960er (Thunderbird, Falcon, Charger, Comet, Mustang, Barracuda) mit Namen der 1970er (Rabbit, Pinto, Colt, Civic, Starlet, Gremlin) und 1980er Jahren verglichen (Escort, Fiesta, Cavalier, Sierra, Metro, Astra, Cortina, Orion, Nova, Maestro). Jahr 2000: Silverado, Explorer, Camry, Accord, Taurus, Civic, Focus, Caravan, Cherokee. – Nicht mit allen kann man gleich viel anfangen. Bei der Aufgabe, die Wörter gaunt, lanky, skinny, slender, slim, thin nach positiven oder negativen Konnotationen zu sortieren, gab es Unterschiede: skinny ist für meine Schüler und Schülerinnen erst mal deutlich positiver besetzt als für Englischsprecher meiner Generation – und, wie die Google-Recherche zeigt, gilt das auch heute noch. Liegt auch an „skinny jeans“, denen nichts Negatives anhängt. Aber Vorsicht bei der Google-Bilder-Suche; erst öffentlich zeigen, wenn man sich vergewissert hat, dass die Bilder altersangemessen sind.

Die Anwendung auf die Praxis ist dann für Schüler und Schülerinnen noch eimal schwieriger: Es ging darum, bei einem Text nach interessanten Konnotationen zu suchen. Eine Gruppe von Leuten „flocked outside“, und das führte zu einem Abstecher zu collective nouns, speziell zu denen aus der Jagd- und Fachsprache: Es heißt „a flock of sheep“, aber „a pride of lions“. Oder geht auch „herd of sheep“? Wikipedia gibt Antwort. Bei Enten „a paddling of ducks“ auf dem Wasser, sonst „a plump of ducks“. Was ein dotterel ist, muss ich auch nachschlagen, ein Haufen davon heißt jedenfalls trip.

Tagged: Tags

4 Thoughts to “Die Wochen vor den Pfingstferien – jedes Jahr das gleiche? (Und Schafsherden, sprachlich.)

  1. […]
    Bei der Aufgabe, die Wörter gaunt, lanky, skinny, slender, slim, thin nach positiven oder negativen Konnotationen zu sortieren, gab es Unterschiede
    […]

    Ooooohhh! Ich will auch!

    Von positiv nach negativ sortiert in meinem Sprachgefühl:
    slender, slim, thin, lanky, skinny, gaunt

    Anmerkungen:

    Die Häufigkeit hat sehr viel mit dem Sprachgefühl zu tun, daher habe ich mal ngrams zur Häufigkeit befragt. Seltene Worte sind ja oft eher neutral oder negativ konnotiert.

    Netter Graph zur Häufigkeit bei ngrams:
    https://books.google.com/ngrams/graph?content=slim%2Cskinny%2Cthin%2Cgaunt%2Cslender%2Clanky&year_start=1800&year_end=2008&corpus=15&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2Cslim%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Cskinny%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Cthin%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Cgaunt%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Cslender%3B%2Cc0%3B.t1%3B%2Clanky%3B%2Cc0

    Von der Häufigkeit her sind skinny, gaunt, und vor allem lanky extrem selten im Vergleich, skinny wird allerdings häufiger wie es scheint. Und die Statistik wird bei „thin“ auch etwas verfälscht, weil das im Gegensatz zu den anderen Wörtern auch für alle möglichen Gegenstände verwendet werden kann. Auf Personen bezogen denke ich nicht dass es zehnmal häufiger ist als die anderen Wörter.

    „slim“ und „thin“ sind relativ neutral für mich, wobei „thin“ eher ein wenig ins negative rutschen kann, ich denke da an dünne Suppe (ja, auch wenn es um Personen geht), dünnhäutig sein und dergleichen.
    …und natürlich an Bilbo!
    “I feel thin, sort of stretched, like butter scraped over too much bread.”
    Aber für einen Hobbit ist „dünn“ auch sehr negativ schätze ich, die essen ja sehr gerne.

    „slender“ ist – möglicherweise durch Slender Man – ein wenig in negative Konnotation gerutscht. Aber ansonsten finde ich es recht positiv, am häufigsten scheint es für Frauen und junge Männer verwendet zu werden, z.B. „a slender blonde“ oder „a slender gentleman“

    „lanky“ kenne ich so spontan nur aus einer Quelle, einem Country-Song von Alan Jackson. Es wird dort für Beine verwendet („got long and lanky feet“), und ist im Kontext mild negativ gemeint, wie die häufigste Deutsche Übersetzung „schlacksig“.
    Lustig auch dass die Südstaatler (Jackson ist aus Georgia) wie die Süddeutschen (vor allem Schwaben) wohl gerne mal das Wort „Füße“ für Beine verwenden. :)

    „skinny“ ist für mich auch eher negativ. Haut, die sich geradeso über die Knochen zieht.
    Aber ich denke bei dem heutigen idealisierten Körperbild ist „skinny“ tatsächlich für viele eher positiv, ja. Sonst würde wohl auch keiner es in der Werbung benutzen, etwa für die erwähnten Jeans.

    Ich denke „gaunt“ kennen viele Leute heute ja praktisch nur aus den Namen oder Beschreibungen von irgendwelchen bösen Fantasy Figuren (z.B. der Gaunt Summoner aus dem Warhammer Universum), ich weiss nicht ob es früher (in den 1800er Jahren) auch so negativ konnotiert war, aber heute würde ich das schon sagen. Zombies, ausgemergelte alte Leute (Keith Richards z.B.), Mumien und böse Dämonen sind „gaunt“.

    Gruß
    Aginor

  2. Der Fuß als solches reicht bis zum Knie, oberhalb davon beginnt der Oberschenkel. „Bein“ (wie in Elfenbein, Beinhaus oder Jochbein) meint das, was der Nieder- und Mitteldeutsche als Knochen bezeichnet, die in oberdeutschen Varianten des Hochdeutschen aber eher als Hundefutter gelten. „Ich habe mir das Bein gebrochen.“ zieht in Oberdeutschland logischerweise die Frage nach sich: „Wo?“, in weniger differenzierten Mundarten und im Hochdeutschen lautet die Frage „Welches?“, womit dann der rechte oder linke Fuß gemeint ist. :-)

  3. >Von positiv nach negativ sortiert in meinem Sprachgefühl:
    >slender, slim, thin, lanky, skinny, gaunt

    Für mich ist „lanky“ deutlich positiver. Selten, weil nur für Cowboy-Schauspieler angewandt, und James Stewart, denke ich (aber der hat ja auch Cowboys gespielt). „Thin“ wird neutral für alles mögliche verwendet, bei Menschen ist es aber oft negativ. Siehe eben genau Bilbo! „Thin“ ist kurz vor dem Verschwinden. Ansonsten sehe ich das alles auch so. Für die Schüler ist „slender“ auch durch „slender man“ überlagert; und bei „gaunt“ sehen wir das auch alle so. Ausgemergelt, ausgezehrt, zäh, und für mich mit Lovecraftschen Nightgaunts verbunden. (Bin im Urlaub, daher erst jetzt.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.