Schneefrei! (2019 Edition)

Am Freitag, den 11. Januar 2019 fiel an den Gymnasien im Landkreis der Unterricht aus. Die Entscheidugn des Landratsamts wurde am Donnerstagmittag bekannt gegeben; Jubel in den Klassenzimmer. Und so musste am Freitag nur eine kleine Rumpfbesatzung an Lehrern und Lehrerinnen in der Schule bleiben – um Schüler oder Schülerinnen, die dennoch in die Schule gekommen wären, Herberge bieten zu können. Tatsächlich waren aber alle zu Hause geblieben, jedenfalls nicht in der Schule.

Ich will das hier nur aus Chronistenpflicht festhalten. Denn dass es das letzte Mal im März 2006 und Januar 2007 schneefrei gegeben hat, das weiß ich nur deshalb, weil ich das hier im Blog aufgeschrieben habe.

Erste Semester- und vorletzte Schulwoche (vor den Herbstferien)

Heftchen mit Tafelbildern

Am Wahlsonntag letzte Woche erstmals Schäufele gemacht, sehr lecker geworden, dazu ebenfalls erstmal Kartoffelknödel.

Davor die Schüler und Schülerinnen der 7. Klasse weitere Tafelbilder machen lassen, zu den Episoden von Michael Köhlmeiers Nibelungen-Nacherzählung (Youtube). Sie haben die Episoden untereinander aufgeteilt, so dass jeweils ein Paar eine Episode hörte und ein Tafelbild dazu machte. Obwohl viele daran gedacht hatten, ihre eigenen Kopfhörer mitzunehmen, war weder mit denen noch mit den verschlisseneneren Kopfhörersätzen im Computerraum gut zu arbeiten – dass Audioaufnahmen bei uns nicht gehen, bin ich ja gewöhnt, aber jetzt kann man nur noch sporadisch an manchen Rechnern etwas hören, manchmal leise, manchmal gar nicht, manchmal nur über PC-Lautsprecher. Auf die Audioeinstellungen hat man keinen Zugriff. Dass man mit Computern mehr machen kann als nur Word, das hat sich noch nicht überall herumgesprochen. – Wenn dann endlich mal WLAN ist, können die Schüler und Schülerinnen so etwas mit dem Handy machen, aber derzeit musste ich ein paar bitten, das zu Hause zu Ende zu bringen. Es war tatsächlich eine Bitte, und ging auch problemlos.

Die Ergebnisse habe ich in einem kleinen Heftchen gesammelt und ausgeteilt, nachdem jedes Team ihren Teil der Geschichte anhand des projizierten Tafelbildes erklärte.

Heftchen mit Tafelbildern

Ich mag Heftchen.

An der Uni hat die Vorlesungszeit begonnen, dieses Semester gebe ich relativ kurzfristig Informatikdidaktik 2 statt wie bisher Informatikdidaktik 1. Aber gut, so habe ich weniger Zeit, mich nervös zu machen, und habe die Sommerferien dafür mehr genossen. Genossen habe ich auch die Vorlesung, ich glaube, die wird mir Vergnügen bereiten. Auf die Frage: „Was erwarten Sie sich inhaltlich von dieser Vorelsung? Was hoffen Sie hier zu lernen?“ kam erst einmal keine Antwort, so dass ich doch die Kärtchen und Magnete zückte, um in Gruppenarbeit Stichwörter an die Tafel pinnen zu lassen:

Whiteboard mit beschrifteten Kärtchen

Und schon war eine Methode vorgestellt. Mein Hauptproblem, ehrlich gesagt: Ich weiß oft nicht, was ich lehren soll. Das wie ist leichter.

Bei Wikipedia kurz zu Vorlesung recherchiert, ob man die hält oder gibt oder liest, und auf diese schöne Beschreibung gestoßen:

Heutzutage ist es in der Regel von den Dozenten der Vorlesungen gewünscht, dass Studenten aufzeigen, um Nachfragen zu stellen. Auch versuchen Dozenten manchmal die Studenten direkt anzusprechen und durch das Stellen von Fragen aktiv an der Vorlesung zu beteiligen.

Bin nur ich, oder klingt das leicht resigniert? So mit „aufzeigen“ und „versuchen zu beteiligen“?

– Auf Twitter habe ich zum ersten Mal eine Umfrage erstellt:

Ich vermute jedenfalls mal, dass in den wenigsten Schulbibliotheken Kochbücher sind, selbst wenn sie dorthin gehören. Selber habe ich aus Kochbücher viel gelernt (schöner Blogeintrag dazu), und je einmal Delia Smith, Jamie Oliver und Yotam Ottolenghi würden sich eigentlich gut machen. Diese Bücher sind auch zeitlos, anders als das Buch von Christian Wulff, das ich bei den Neuerscheinungen gesehen habe. Soll sein, soll sein, soll sein, aber was bei Schulbibliothekn für Bücher rausgehauen wird, die nie einer liest, nur weil der Etat da ist, das will ich gar nicht wissen.

Herr Rau: Wie ich im Unterricht aussehe

Herr Rau im Unterricht

Frau Rau würde schon lange gerne mitkriegen, wie ich eigentlich im Unterricht bin. Sie kennt mich ja doch eher nur privat, Lehrermodus poppt da selten auf. Aber so einfach geht das halt nicht. Immerhin einen Einblick kriegt sie jetzt: Schülern und Schülerinnen meiner drei Montagsklassen drückte ich eine Kamera in die Hand mit der Bitte, mich zu fotografieren, für Frau Rau. Das hat denen übrigens sofort eingeleuchtet, gar keine lange Erklärung nötig. Hier sind die Bilder:

7. Jahrgangsstufe:

Ich habe kein Faksimile einer hochmittelalterlichen Handschrift, also ließ ich den mir verehrten Abdruck des (wohl sehrspätmittelalterlichen) Voynich-Manuskripts herumgehen. Den Großteil der Doppelstunde über präsentierten die Schüler und Schülerinnen an der Dokumentenkamera, auf einem Bidl sieht man mich hinten in der Bank sitzen. Zwischendurch immer wieder mal am Rechner. Gerne auch am Stehpult; die Tafel nur mäßig geputzt.

12. Jahrgangsstufe:

Romeo and Juliet. Rot und klein sieht man meinen dreißigseitigen Würfel auf dem Stehpult. Unterschiedliche Vorl- und Mitlesepositionen.

11. Jahrgangsstufe:

Das war die Bella-Ciao-Stunde vorgestern.Es sieht vor allem deshlab so leer aus, weil ja kein Schüler und keine Schülerin auf dem Bild sein soll. Ansonsten: Ja, schon lehrerzentriert.

Insgesamt: Weitausladene Gesten, viel Mimik, viel Abwechslung in der Körperhaltung. Wenigstens scheine ich gut gelaunt gewesen zu sein und mich gut amüsiert zu haben. So viel Spaß wie ich können die Schüler und Schülerinnen kaum gehabt haben, aber hoffentlich immerhin etwas.

Ich kenne mich privat ja nur von innen, aber ich nehme an, dass mich so die wenigsten kennen. Auf Partys, bei Einladungen, auch als Gastgeber, sitze ich in einem Eck, bewege mich nicht viel und sage nicht viel. Aus Trägheit, aus Müdigkeit, aus dem Bewusstsein heraus, dass die anderen ganz wunderbar ohne mich zurecht kommen – und aus dem Gefühl, dass alle anderen eh bessere Geschichten zu erzählen haben, dass ich nichts Interessantes beizutragen habe. Ich sage mir dann auch, dass das nicht stimmt, aber dann bringe ich ungeschickt eine blasse Anekdote und lasse es dann wieder.

Hier noch einmal alle Bilder als Diashow, weil ich sie doch so gelungen finde und mindestens so eitel bin wie der Nächstbeste:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Personalausflug 2018 und Lake Wobegon, wieder einmal

Herr Rau in Wirtschaft am Tisch mit Faust an Stirn

Freitag am Vormittag brav Unterricht gemacht. Das Englischbuch der 10. Klasse hat zwar schöne Hörverstehensaufgaben, aber ein ein äußerst ungünstiges Text-Vokabel-Verhältnis: Auf eine DreiviertelSeite Buch kommen um die dreißig Lernvokabeln, da will ich uns nicht sehr schnell durch das Buch peitschen. Also bleibt viel Zeit für andere Übungen, oder weitere Hörverstehensaufgaben.

Das heißt für mich: Geschichten aus Lake Wobegon. (Was das ist, steht ansatzweise in diesem Blogeintrag von 2004.) Da gibt es eine, The Living Flag, hier gerade auf Youtube zu hören:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
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Das ist eine schöne Geschichte für Einsteiger, nur drei, vier Minuten lang: Die Bürger in Lake Wobegon beschließen, zum jährlichen flag day eine patriotische living flag aufzubauen, indem sie rote, weiße und blaue Mützen tragen und dann eine amerikanische Flagge formen. Alle schwitzen, es ist ein heißer Tag, endlich steht die Flagge. Da möchte der erste die Flagge von oben sehen…

Schön ist auch „Storm Home“, die hatte ich ausgedruckt in der Hinterhand, und teile sie sicher auch mal aus, aber die Schüler und Schülerinnen der 10. Klasse haben auch so genug verstanden, und manche sogar an den richtigen Stellen gelacht. Es geht um Kindheit in Lake Wobegon, und Ängste der Kindheit, geschürt von älteren Geschwistern (etwa der Furcht, im Winter mit der Zunge an der metallenen Wasserpumpe kleben zu bleiben, wenn man mit der Zunge daran leckt – ungeachtet der Tatsache, dass es keinen Grund gibt, das überhaupt erst zu tun). Und wie jedes Kind weitab wohnende Kind in der Schule eine andere Familie als storm home zugewiesen bekam, falls ein Schneesturm den Heimweg unmöglich machen würde. Auch eine sehr schöne Geschichte, habe ich online nicht gefunden.

Danach war Personalausflug nach Oberammergau. Ein Stück den Kolbensattel hinauf, Kaffee und Kuchen, dann wieder hinunter – und zwar entweder mit dem Sessellift, zu Fuß, oder mit dem Alpine Coaster, einer Sommerrodelbahn. Ich bin nach unten gelaufen, und bin wohl der letzte, der so erfahren hat, wie Mountainbiker auf den Berg hinaufkommen:

Blick auf Sommerrodelbahn, mit Mountainbikern an Schlepplift

Auf dem Bild sieht man die Rodelbahn, dahinter Radler auf dem Weg nach unten, und davor Radler auf dem Weg nach oben, nämlich mit dem Schlepplift. (Es gibt da ausgewiesene Radlerabfahrten, daher lohnt sich das wohl mit dem Lift.)

Abends dann in der Wirtschaft:

Die schlechtesten Kässpatzen meines Lebens gegessen, ansonsten.

Die Wochen vor den Pfingstferien – jedes Jahr das gleiche? (Und Schafsherden, sprachlich.)

Vielleicht läuft es in manchen Jahren tatsächlich besser, in anderen Jahren schlechter; vielleicht vergesse ich auch im Lauf des Jahres immer wieder, wie anstrengend die Zeit vor den Pfingstferien ist. Aber diesmal ist es bestimmt wirklich schlimmer!

Die Vorlesung läuft gut, der Unterricht auch, ich korrigiere meine Schulaufgaben rechtzeitig, halte Abitur, holte wöchentlich unsere Kartoffelkombinat-Kiste, koche fast jeden Abend, wofür ich einkaufe; dann kam noch ein schneller Podcasts dazwischen, Ukuleletreffen, Leserunde, Verwandtenbesuch. Ich organisiere einen Wettbewerb und – verflixte Sucht – programmiere an einer kleinen App herum, immer nur noch kurz ein Stückchen. All das nicht wirklich anstrengend, aber zeitlich schwer unter einen Hut zu kriegen – einen Slot für in drei Tagen einplanen, notieren, und dann drei Tage nicht mehr daran denken, so versuche ich das.

Nicht mehr geschafft: Zwei kurze und eine lange Nachholschulaufgabe korrigiert, Aufgaben für die mündliche Abiturprüfung Informatik nach den Ferien erstellt – das muss ich in den Pfingstferien machen, die ich sonst einigermaßen frei habe.

Im Englischunterricht Q11 Denotation-Connotation gemacht, dabei Autonamen der 1960er (Thunderbird, Falcon, Charger, Comet, Mustang, Barracuda) mit Namen der 1970er (Rabbit, Pinto, Colt, Civic, Starlet, Gremlin) und 1980er Jahren verglichen (Escort, Fiesta, Cavalier, Sierra, Metro, Astra, Cortina, Orion, Nova, Maestro). Jahr 2000: Silverado, Explorer, Camry, Accord, Taurus, Civic, Focus, Caravan, Cherokee. – Nicht mit allen kann man gleich viel anfangen. Bei der Aufgabe, die Wörter gaunt, lanky, skinny, slender, slim, thin nach positiven oder negativen Konnotationen zu sortieren, gab es Unterschiede: skinny ist für meine Schüler und Schülerinnen erst mal deutlich positiver besetzt als für Englischsprecher meiner Generation – und, wie die Google-Recherche zeigt, gilt das auch heute noch. Liegt auch an „skinny jeans“, denen nichts Negatives anhängt. Aber Vorsicht bei der Google-Bilder-Suche; erst öffentlich zeigen, wenn man sich vergewissert hat, dass die Bilder altersangemessen sind.

Die Anwendung auf die Praxis ist dann für Schüler und Schülerinnen noch eimal schwieriger: Es ging darum, bei einem Text nach interessanten Konnotationen zu suchen. Eine Gruppe von Leuten „flocked outside“, und das führte zu einem Abstecher zu collective nouns, speziell zu denen aus der Jagd- und Fachsprache: Es heißt „a flock of sheep“, aber „a pride of lions“. Oder geht auch „herd of sheep“? Wikipedia gibt Antwort. Bei Enten „a paddling of ducks“ auf dem Wasser, sonst „a plump of ducks“. Was ein dotterel ist, muss ich auch nachschlagen, ein Haufen davon heißt jedenfalls trip.

Vertretungsstunde, Konferenzen, vorgemachte Dramenanalyse

Vertretungsstunde: Spontan und unvorbereitet und verspätet, weil sonst keiner da war. Die Klasse, ich kannte sie ein bisschen aus dem Vorjahr, war in der Aula verteilt und wartete. Wenige spielten Karten, viele lasen die Deutschlektüre, andere unterhielten sich, ein paar trieben Gymnastik. Also blieben wir da und ich unterhielt mich mit einigen. Das mit der Gymnastik musste ich etwas bremsen, leider, wegen fehlender Hilfestellung und keinen Matten und so. Dafür demonstrierte ich Foxtrott zu Musik vom Handy.

Dienstagnachmittag Arzttermin, Mittwochnachmittag Vorlesung. Donnerstagnachmittag Konferenz in kleinerem Kreis, Adrenalin und Gegenantrag; danach Teamtreffen zur Vorbereitung des Freitags, danach Elternsprechabend. Freitagmittag Konferenz in kleinem Kreis zum Mediencurriculum. Lief okay. Danach Weiterarbeiten am Curriculum.

Samstag Biergarten mit angereister Berliner Verwandtschaft, Sonntag dann Nichtenkommunion. Dazwischen Korrekturen.

Davor mal mit Deutschklasse Dramenanalyse getrieben; da schreiben sie bald Schulaufgabe, geübt ist alles, also machten wir das so: Ein Schüler versprach, einen auch mir unbekannten Text mitzubringen, den ich dann quasi vor Augen der Schüler und Schülerinnen mir aneignen würde. Also vormachen, wie ich mit einem solchen Text umgehe, wenn ich ihn denn analysieren will. Also brachte der Schüler sechs Buchseiten Václav Havel mit, aus Largo Desolato. Das war für mich sehr interessant, für die Schüler und Schülerinnen hoffentlich auch.

1. Ich beschrieb beim Lesen, was mir auffiel. Stilmittel, Wiederholungen, unklare Stellen, Referenzen auf andere Stellen, Assoziationen. Erst mal neutral, ohne große Deutung. „Da ist ein unvollständiger Satz.“

2. Sobald ein Stilmittel, ein Wort, irgendein Element zum zweiten Mal auftauchte, zum Beispiel ein unvollständiger Satz, formulierte ich mehrere Hypothesen, was es damit auf sich haben könnte. Olbram sagt ein zweites Mal zu Leopold, dass sie es doch alle gut mit ihm meinen, und wird zum zweiten Mal überraschend wortgleich von Lucies Stimme aus dem Off unterbrochen. Das kann Zufall sein. Oder Lucie hat gelauscht. Oder das Stück foppt uns, gleitet ins Absurde ab. Bei der dritten Wiederholung festigt sich dann die Hypothese, und ich baue andere Punkte ein, die mir auffallen. Manches bleibt offen, das halte ich aus, anderes wird erst spät klar, manches übersehe ich sicher auch. Das Wichtige, glaube ich, ist das, dass man eine Weile konkurrierende Erklärungen mit sich herumträgt und erst nach und nach sich für eine davon entscheidet.

Alles Dinge, die ich im Bereich der reader-response theory schon an der Uni aufgeschnappt hatte, aber vermutlich wird das im Klassenzimmer nicht so klar. Also mehr vormachen?

Typische Schulwoche: Nathan, Fahrenheit, Lyrik, Konferenzen

Am Montag Datenbankentwürfe in der 9. Klasse – die Schüler haben Klassendiagramme für ein Fantasy- oder Science-Fiction-Spiel gezeichnet und präsentiert, dann in einem Diagramm-Editor verfeinert; nächster Schritt: Umsetzen in Tabellen für eine Datenbank. In der 11. Jahrgangsstufe: Vorbereitung für Fahrenheit 451 im Englischunterricht, einen Radio-Beitrag zu Ray Bradbury angehört und Fragen dazu gestellt oder beantwortet. Davor noch abgestimmt, mit welchem englischsprachigen Land außerhalb UK/USA wir uns beschäftigen – ich bot Irland und Indien an, dazu kamen die Vorschläge Neuseeland, Südafrika, Australien. Wär mir auch recht gewesen, aber die Entscheidung fiel für Indien. In Deutsch 10 die Ergebnisse des Mebis-Workshops besprochen. Workshop: Das ist eine bestimmte Moodle-Aktivität, bei der Schüler und Schülerinnen die Lösung einer Aufgabe abgeben, die dann von zugewiesenen anderen Schülern und Schülerinnen nach gegebenen Kriterien kommeniert wird. Thema war: Einen Fernseh-Fünfteiler entwerfen, mit kurzen Inhaltsangaben zu den Episoden, jeweils den Akten eines klassischen Dramas entsprechend, also mit Exposition, steigender Handlung, Wendepunkt, fallender Handlung, Katastrophe. Danach weiter Nathan.

Am Dienstag Informatik-Klausur in Q11. In 7 mit Algorithmik weitergemacht, ohne das Wort zu verwenden – zweite Schritte mit Scratch. Am Nachmittag Lehrerkonferenz. Schön fand ich, dass auch SMV-Vertreterinnen da waren, um bestimmte Punkte anzusprechen. In Bayern ist das nicht vorgeschrieben oder üblich, aber ich freue mich über jeden Kontakt. Ein weiteres Thema war das Medienkonzept, von dem ich über Twitter mitkriege, dass das auch bei anderen Schulen angekommen ist und zu laufen scheint. Meine Rede: Wenn so etwas endlich mal top-down kommt, dann wird das auch gemacht.

Mittwoch: Weitermachen mit Lyrik in 6. Klasse. Anlass: Einige Schüler und Schülerinnen mussten aus Gründen Gedichte aufsagen. Aber Gedichte stehen ja eh im Lehrplan. Erst mal Begriffe geklärt: Silbe (und der Unterschied Sprechsilbe und Silbentrennung), Betonung (und damit erklärt, warum der Schüler im Vortrag „Penelope“ und „Persephone“ falsch, nämlich nach deutschem Muster, betont hatten), Verteilung von betonten und betonten Silben. Ich kann nie vorhersagen, welche Schülerinnen ein Ohr für Metrik haben und welche nicht, aber das Thema interessiert sich, und ein paar wussten schon, dass man später irgendwann mal Aufsätze über Gedichte schreiben würde; der Gedanke faszinierte sie sichtlich ob dessen Unvorstellbarkeit. – Mittags kurzes Team-Treffen, danach noch ein paar Informatik-Reste in 11.

Donnerstag: Nathan-Analyse, close reading. Die Schulaufgabe (Prüfung) mit dem Thema Drama ist war erst im Mai, aber dazwischen liegen Austausch und Berlinfahrt und Ferien, deswegen muss das alles jetzt schon vorbereitet werden. Thema der Prüfung ist immer ein Ausschnitt aus einem unbekannten Drama, der Übungsaufsatz auch, aber geübt wird anhand des bekannten Nathan. Der fällt dieser Klasse leichter als sonst; sprachlich ist das nämlich kein leichtes Stück, aber dafür geht das dann im Jahr darauf mit dem Faust besser. Meine Lieblingsstelle: „Denn ist nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt? – Zu sagen: – ausgenommen, was die Kirch‘ an Kindern tut.“ Deckt sich mit meinem Menschenbild. Danach weiter Lyrik.

Freitag: Konkretes Arbeiten an Fahrenheit 451. Ich hatte mir beim Lesen Arbeitsaufträge gesammelt, dazu Vorschläge von den SuS, Paare gebildet, die die Ergebnisse jeweils präsentieren müssen. Ein Schüler fragte, ob Guy Montags Entwicklung als Heldenreise gesehen werden könnte. Habe ich so noch nie gesehen, ist aber dann doch ein verfolgenswerter Gedanke; schauen wir uns an, was er am Montag erzählen wird. – Sicher sind nur wenige meiner Arbeitsaufträge originell, die meisten sind offensichtlich: Symbole im Roman, Parallelen zwischen konkreten Neben- und Hauptfiguren, das ist alles naheliegend. Und die Lösungen dafür gibt es zuhauf im Web. Das wird mit diesem Kurs kein Problem sein – aber grundsätzlich ist es schon möglich, die Antworten zu recherchieren und einfach abzuschreiben. Das bringt wenig; Ziel ist ja nicht, dass die SuS die Symbolik in Fahrenheit 451 kennen (obwohl das dann später im mündlichen Abitur vorausgesetzt werden wird), sondern dass sie Symbolik in einem Werk erkennen können. – Die meisten SuS haben Papierausgaben, nur ganz wenig Kindle ist im Gebrauch.

Kleiner Unterrichtsbesuch

Getsern war die Praktikantin da, unerwartet. Nicht meine Praktikantin, aber sie wollte sich dann auch eine Stunde von mir anschauen – die war dann etwas turbulenter als früher. Eine 6. Klasse, Deutsch. Der Teil der Klasse, der ein Smartphone mitgenommen hatte, machte Bilder vom Kamishibai (für den späteren Homepage-Eintrag), und ich zeigte den Schülern und Schülerinnen dann draußen, wie man am Smartphone Bilder beschneidet und mit Bluetooth austauscht.

Der andere, größere Teil kriegte eine Bastelanleitung für die Knalltüte (Blogeintrag) und musste den versprachlichen – Zielpublikum weider Homepage, und dort auch mit Bildern, aber die Anleitung sollte erst einmal auch ohne Bilder verständlich sein. Kein ganz realkistischer Fall, zugegeben. Danach mussten die von draußen die Knalltüte anhand der Aufsätze nachbauen. Weiter als bis Punkt 4 kam dabei aber niemand. (Nachtrag: In der Folgestunde präsentierte ich meine Musterlösung, und wir probierten sie an einer aus einer anderen Klasse entliehenen Schülerin aus. Was soll ich sagen: Mit meiner Lösung klappte das. Nicht ganz fair, weil ich aus den Fehlern meiner Klasse lernen konnte; aber es zeigt, dass eine funktionierende Lösung eben durchaus möglich ist.)

Heute ist Verabschiedung eines Kollegen, der sich auf eine Stelle am Kultusministerium beworben hatte und dafür auch genommen wurde. Ich hatte mich zeitgleich auf eine andere Stelle beworben, die mich sehr gereizt hatte, etwas mit der Umsetzung der Digitalisierung-Pläne für Schulen, aber das Ministerium hat sich für einen anderen Bewerber entschieden. Schade, aber die Stelle war auch für A13/A14 ausgeschrieben, und ich bin eh schon A15. Mir gefällt es an meiner Schule gut, dazu ein bisschen Uni, und Praktikumslehrer, aber wenn noch mal etwas Spannendes kommt, versuche ich das gerne – nur auf Schulleitung oder auch nur Mitarbeiter habe ich gar keine Lust. Also gibt es nicht viel Angebote für mich.

Ich muss mehr bloggen. Dass Eltern (mein Vater hat heute Geburtstag, noch lange soll es ihm gut gehen!) über ihre Kinder aus Blogs erfahren, ist ja schon leicht gruslig, aber meine Eltern kriegen Informationen eher über das Blog von Frau Rau als von hier, das ist extra gruslig und muss sich mal wieder ändern.

Fleisch, Calliope, Eulenspiegel, Tempelritter

Calliope und Eightball

Calliope und Eightball

Über Calliope habe ich ja noch gar nicht geschrieben, glaube ich. Das ist schon seit einiger Zeit die letzte heißeste Sache in Schul-Microcomputern, und der Hype ist absolut gerechtfertigt. Ich habe ja in meinem Klassenzimmer eine magische Billiardkugel, die man umdrehen kann und die einem dann eine Orakelantwort auf eine Entscheidungsfrage gibt – Yes, No, Maybe, Not Sure und so weiter. Kleine und große Schüler greifen immer wieder mal zu dieser Kugel. Ich habe einfach eine Calliope danebengelegt, mit Batteriekästchen daran. Wenn man die Calliope schüttelt, piepst sie und gibt auf ihren 5×5 Leuchtdioden eine lesbare Laufschrift aus: Ja, Nein, Kaum, Sicher, Vielleicht. Frag Herrn Rau. Das interessiert die Schülerinnen und Schüler ebenso. Und bald verteile ich Calliopes an meine 6. Klasse zum Ausprobieren im Informatikunterricht.


Fleischteile in Plastik

Zum Geburtstag hatte ich Gutscheine für kaufnekuh.de gekriegt. Dort kauft man Anteile an einer Kuh, und wenn die Kuh ganz verkauft ist, wird sie geschlachtet und das Fleisch an die Käufer verteilt. Nach etwas Reifezeit kam heute die Kiste mit dem Fleisch an. Kommt ins Tiefkühlfach.


Meine 6. Klasse hatte sich beim Kinderkanal für die Quizshow „Deutschlands beste Klasse“ beworben und einen schönen Videofilm produziert. Gestern kam die Nachricht, dass wir leider nicht zu den gehören, die eingeladen werden – es gab aber auch 1100 Anmeldungen. Aber mit Film könnte man noch mal etwas machen.

Im Arbeitsheft ging es in einigen Aufgaben um Eulenspiegel, und sie wollten mehr von ihm erfahren. Also brachte ich ein paar Geschichten mit und las sie vor, brave und schulbekannte, aber auch die, die man sonst gerne mal nicht zeigt, darunter die, „wie Eulenspiegel einer Wirtin in das Bett schiss und ihr einredete, das habe ein Pfaffe getan.“ Sehr vergnüglich.


Im meiner zehnten Klasse muss jetzt jede Stunde von einem Schüler oder einer Schülerin eröffnet werden, mit Begrüßung und irgend etwas Interessantem zum Einstieg. Wir hatten schon Rätsel, Bilder, Witze, Wissenswertes – darunter neulich etwas zu Freitag dem 13., der deshalb als Unglückstag gilt, weil Jacques de Molay – der letzte Großmeister des Templerordens – an diesem Tag hingerichtet wurde. Das habe der Schüler aus verlässlicher Quelle. (Assassin’s Creed vielleicht?) Im Zusammenhang mit Aufklärung und Nathan war schon mal vorab ganz kurz von Templern und Illuminaten die Rede gewesen. Jedenfalls bot es sich an, gleich mal das Recherchieren und Beurteilen von Quellen zu üben. Diese Begründung für den Aberglauben kam mir sehr unwahrscheinlich vor, und Wikipedia, und die Links und Quellenangaben dort bestätigten das auch.

— Danach in Erörterung eingestiegen, aber das wird ein eigener Beitrag.


Elternsprechabend. Diesmal voll ausgebucht, anders als in den Jahren zuvor, aber wieder sehr angenehm und freundlich und interessant. Zumindest für mich gewinnbringend. Danach noch traditionell Imbiss mit dem Elternbeirat – von diesem üppig organisiert.

Euromyths, Offline-Kommunikationssystem, Bilder von oben, Schulmöbel (Schulwoche)

Sideboard

Für den Englischunterricht, Q11: Alle Schüler und Schülerinnen kriegen einen Buchstaben A-Z zugewiesen und suchen sich aus dieser Liste von Europa-Mythen aus der britischen Presse eines aus und präsentieren das den Mitschülern: http://blogs.ec.europa.eu/ECintheUK/euromyths-a-z-index/

Meine Favoriten: Erstens P wie „Pets, dead“: Haustiere müssen laut einer Europa-Regelung vor der Beerdigung in einem pressure cooker gekocht werden. (Stimmt nicht: Es gab vergleichbare Regelungen für BSE-Fälle.) Zweitens R wie „Recycling“: Laut einem EU-Gesetz müssen Frauen ihr gebrauchtes Sexspielzeug zum Recyclen abgeben bevor sie neues kaufen können. (Stimmt nicht. Aber man kann laut EU Elektrogeräte natürlich beim Verkäufer zur Entsorgung abgeben.) Stand alles so in englischen Zeitungen.

Mit der sechsten Klasse haben wir heute für ein Projekt Klassenaufnahmen von oben gemacht, ein Schüler hatte seinen Quadrocopter dabei, Handy drangemacht, trotz Wind gab es ordentliche Aunahmen. Leider haben wir es trotz Bluetooth noch nicht geschafft, die Filme auf einen anderen Rechner (also meinen) zu kriegen, das kommt dann noch.

Wir haben ja das Lehrerraumprinzip an meiner Schule. Schüler wandern, die Lehrer haben feste Klassenzimmer, jedenfalls die meisten – ich zum ersten Mal, da ich sonst viel im Computerraum bin. Nachdem es eine Weile gedauert hat, bis ich mein Sideboard hatte, arbeite ich noch an der Ausstattung. Hier habe ich schon mal Magic Eight-Ball und Kamishibai deponiert:

Sideboard

Das ist mein Offline-Whatsapp-Ersatz-Kommunikationssystem für die Unterstufe:

Drehregeal für Grußkarten

Hier habe ich wieder mal eine Unterstufe gefragt, diesmal am Anfang des Schuljahrs, wie gut sie den Computer schon beherrschen, und wie sehr sie das möchten. Ein o für die Mädchen x für die Jungs. Und ja, die Jungs trauen sich schon enorm viel zu, abe auch die Mädchen wollen größtenteils den Rechner beherrschen. Ich sehe das als Auftrag und bin gespannt auf die Haltungen am Schuljahresende:

Tafel

— Reste vom Wandertag der Lehrer, a.k.a. Personalausflug. Ja, wir waren unter anderem in einer Käserei:

Stuhl im Käselöcherdesign

Und das war der Wandertag mit den Schülern:

leeres Ortsausgangsschild

(Mir ist tatsächlich mein Mitteilungsbedürfnis abhanden bekommen, ich weiß auch nicht wie, sonst hätte ich das alles zwischendrin mal gepostet.)