Supreme Court in der Oberstufe, dann etwas Spaß mit jambischen Fünfhebern

Eigentlich sind wir in der zwölften Klasse ja gerade bei Shakespeare, ich wollte erst danach zum amerikanischen Regierungssystem und zur Tagespolitik kommen. Vielleicht falsch geplant, die midterm elections sind ja schon Anfang November.

Also schob ich heute mit Erlaubnis der Schülerinnen und Schüler eine aktuelle Stunde ein, erinnerte kurz an Congress, President, Supreme Court und gegenseitig Kontrolle (so wie sie früher vielleicht auch funktionierte) und zeigte dann als, uh, Listening Comprehension die letzte Folge von Last Week Tonight with John Oliver. Darin ging es um Brett Kavanaugh, den vom Präsidenten vorgeschlagenen Richter am Obersten Gerichtshof, dem vor allem von Christine Blasey Ford sexuelle Übergriffe in seinen Jugendjahren vorgeworfen werden. Der Senat muss der Nominierung des Kandidaten zustimmen; es gab eine Anhörung von Kavanaugh und Ford (aber keinen anderen Zeugen). Ich weiß nicht, wie man das in ein paar Jahren sehen wird, ich schreibe ja auch für meine Zukunft, aber diese Anhörung war beeindruckend. Ford, in einer schwierigen Situation, macht einen guten Eindruck. Der Senat macht keinen guten Eindruck. Kavanaugh macht einen unglaublich schlechten Eindruck. Muss man fast anschauen, um es zu glauben – hier eben bei John Oliver, kein faires Portrait, aber anders kann man das kaum betrachten:

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Jemand hat einen Zusammenschnitt von Kavanaugh-Szenen mit Samuel L. Jackson in seiner Rolle in Pulp Fiction:

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Damit leitete ich über zu, uh, einem Ausschnitt aus Pulp Fiction. Ja, ganz kurz gezeigt, eine zeigbare Szene. Denn eben diese gibt es auch in iambic pentameter, jambischen Fünfheber, dem Metrum Shakespeares und von Nathan oder Iphigenie, und schon waren wir wieder bei Shakespeare.

J: Your pardon; did I break thy concentration?
Continue! Ah, but now thy tongue is still.
Allow me then to offer a response.
Describe Marsellus Wallace to me, pray.
B: What?
J: What country dost thou hail from?
B: What?
J: How passing strange, for I have traveled far,
And never have I heard tell of this What.
What language speak they in the land of What?
B: What?
J: The Queen’s own English, base knave, dost thou speak it?
B: Aye!
J: Then hearken to my words and answer them!
Describe to me Marsellus Wallace!

Den Rest des Textes findet man bei Google. Das lasen wir dann, nach Inspiration durch Samuel L. Jackson, mit verteilten Rollen. Aber so bedrohlich wie Jackson hat das keiner hingekriegt.

Und hier gibt’s einen Tumblr mit Pop-Liedern in Sonnetform, da kann man Sonett wiederholen. Keiner im Kurs hat allerdings den Text von diesem hier als „Johnny B. Goode“ erkannt. „Dancing Queen“ dann schon eher.

Nachtrag: Nicht in dieser Stunde gemacht, aber zuvor mal. Der Twitter-Bot unter https://twitter.com/pentametron überprüft eingehende Tweets auf Twitter daraufhin, ob sie jambische Fünfheber sind, und wenn er zwei hat, die sich auch noch reimen, werden sie veröffentlicht. Die kann man dann paarweise vorlesen. Strenger Zeilenstil natürlich, kein Enjambement.

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5 Thoughts to “Supreme Court in der Oberstufe, dann etwas Spaß mit jambischen Fünfhebern

  1. Holla die Waldfee: Tagespolitik, Kultfilm, John Oliver und Shakespeare kombiniert, Hut ab! Was hatten denn die SuS zum Kavanaugh-Fall zu sagen? Ihre Einschätzung dazu teile ich zwar, aber es bleibt halt doch eine subjektive Einschätzung und die öffentliche Übertragung solcher Befragungen in den USA bereitet mir immer etwas Bauchschmerzen. Trotzdem (oder gerade deshalb?) wäre ich in dieser Englischstunde sehr gern Gast gewesen und hätte fleißig mitdiskutiert.

  2. Wir haben nicht viel über Kavanaugh selber diskutiert. Das ist eh einer meiner Fehler, ich neige dazu, tolles Material hinzuklatschen, und dann zu wenig daraus zu machen, weil das Material schon toll ist. (Gilt auch für Texte.) Betont habe ich jedenfalls, dass ich es nicht für sinnvoll halte, von hier aus und auf Basis von John Oliver herauszufinden, was damals wirklich passiert ist. Aber dass sich jemand, der sich so verhält, und sei es auch unter Druck, nicht als Verfassungsrichter geeignet ist, da waren wir uns einig.

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