Zweite Schulwoche: Alles neu (Hose, Nibelungen, Venediggeschichten)

Neue Kleidung:

Selfie im Spiegel

In Berlin bei fein und ripp im Schaufenster gesehen, also Frau Rau, die so etwas sieht, und die mich am Ärmel zupfte, und dann sagte ich ja, kann ich mir gut vorstellen, und dann sind wir da rein. Schuhe und Mütze auch noch dazu, aber der Ausgangspunkt war die Hose – schwedische Forstarbeitermontur, siebzig Jahre eingelagert, ans Licht befördert und jetzt in Berlin verkauft. Hat nur ganz leicht nach Kiste gerochen.

In der Schule so gut wie nicht kommentiert, nur eine aufmerksame Schülerin traute sich etwas zu sagen.

Neue Lektüre:

Das Nibelungenlied in der 7. Klasse. Da macht man Mittelalter, und höfische Epik interessiert mich so gar nicht, das Nibelungenlied deutlich mehr. (Und englische Artusepik am meisten, die kommt dann auch noch.) Das kann man auch als Schullektüre lesen, muss man aber nicht – an Prosaübersetzungen gibt es eine von Franz Fühmann, die hätte mir am besten gefallen, weil sie sehr nah am Text ist. Dann gibt eines Jugendbuchfassung von Auguste Lechner, der für mich jedes Flair fehlt. Die habe ich schon mal vor Jahren gelesen, geht, aber ich wollte das nicht noch einmal, auch weil mich die geglättete lineare Erzählreihenfolge stört. Und es gibt eine Fassung von Michael Köhlmeier (den man von den Sagen des klassischen Altertums kennt), die den Schülern und Schülerinnen am besten gefiel. Ich hatte ihnen alle drei Anfänge gezeigt, auch um zu zeigen, dass es verschiedene Fassungen eines Stoffes geben kann. Mir sagte der Köhlmeier am wenigsten zu, weil der Tonfall so ein charmanter Plauderton ist und vor allem Nacherzählung und Kommentar mischt.

Der Kompromiss: Wir lesen das gar nicht, sondern hören uns die Köhlmeier-Fassung in einzelnen Episoden an (hier bei Youtube), nach jeder Episode machen die Schülerinnen und Schüler ein eigenes Tafelbild dazu – am Anfang noch sehr grafisch, mit Pfeilen und Herzen, später immer mehr in Stichpunkten, und schon sind wir bei der Textzusammenfassung, neu in der 7. Klasse.

Neue Bücher:

Thomas Mann, „Tod in Venedig“, und Daphne du Maurier, „Don’t Look Now“ – letztes heißt auf Deutsch, zumindest in der berühmten Verfilmung, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Deswegen habe ich früher die beiden Titel auch immer durcheinandergebracht, auch weil die Verfilmungen beide aus der gleichen Zeit sind. Es gibt auch inhaltliche Gemeinsamkeiten: Rot als Symbol- und Signalfarbe, der vergebliche Versuch, aus der todbringenden Stadt zu entkommen, das Unheimliche und Dräuende, die von der Polizei kleingeredete Gefahr, die Stadt selber natürlich mit ihren Gerüchen und ihrer Symbolik.
Bei Mann sind die Sätze des Erzählers und das Innenleben Aschenbachs interessant sind – mein Lieblingssatz ist ein langer aus der Sicht Aschenbachs (wie überhaupt der Erzähler sich erst im letzten Drittel bemerkbarer macht, finde ich), der voller heißer Luft und halbgaren Gedanken beginnt, so dass ich mich schon echauffieren möchte… aber noch im letzten Drittel der – langen – Periode kommen die Gedanken Aschenbach dann selber so traumhaft vor: Traumhaft in dem Sinn, dass sie nachts unglaublich klug scheinen und am Morgen dann unverständlich-oberflächlich sind.
Der Plot selber ist simpel, während er bei du Maurier verrätselt ist, so verrätselt, dass man auch am Ende nicht weiß, was das eigentlich genau passiert ist. Hier ist es die Situation, die fasziniert.

Neue Nachrichten:

Ich hatte mich schon gefreut, dass meine Buchhandlung mir als Antwort auf eine Frage eine PGP-verschlüsselte Mail geschickt hat. Dazu muss sie ja auch meinen (öffentlichen) PGP-Schlüssel haben. Den hatte ich vielleicht mal mitgeschickt, als Anhang? Erinnern konnte ich mich nicht daran. Also antwortete ich, dass ich die Bücher gleich holen würde – und antwortete ebenso verschlüsslte, wozu ich den (öffentlichen) PGP-Schlüssel der Buchhandlung haben musste. Den fand ich auch online, in einer Art Verzeichnis.
Kurzum: Die Buchhandlung war etwas überfordert davon, eine verschlüsselte Mail erhalten zu haben, und konnte sie auch nicht entschlüsseln. Ich klärte auf, soweit möglich: Die Buchhandlung hatte den E-Mail-Client Thunderbird installiert, und dazu das Verschlüsselungs-Addon Enigmail, und jemand hatte mal einen Schlüssel für die Buchhandlungsadresse angelegt, und meinen (öffentlichen) Schlüssel hatte sich Enigmail gemerkt, und ich habe den dann dort gelöscht, und gut war’s. Thunderbird/Enigmail schicken nämlich standardmäßig verschlüsselte Mails, wenn sie einen passenden Schlüssel parat haben.

4 Thoughts to “Zweite Schulwoche: Alles neu (Hose, Nibelungen, Venediggeschichten)

  1. Ahhhh, fein und ripp hatte ich bei meinem letzten Berlin-Besuch erst am letzten Abend entdeckt., da war er nicht mehr auf. Konnte nur den Laden von außen als Erinnerung fotografieren, für den nächsten Besuch.
    Ihr habt sehr gut gewählt, was ich so sehe.

  2. Fein und Ripp ist seit Frau Raus Blog notiert für den nächsten Berlinbesuch. Sie sehen prima aus!
    Tod in Venedig – dem haben H.s an Ort und Stelle nachgespürt, da sie gefühlt 30mal schon dort waren und hoffentlich noch 5mal dort sein werden.
    Das Nibelungenlied haben H.s in der Schule in einer zweisprachigen Ausgabe gelesen – mhd und hauptsächlich Übertragung und gleich der Nibelungen Klage drangehängt. Die Deutschlehrerin Dr. Raschhofer-Schleritzko vermochte zu motivieren.
    Es ist klasse, wie Sie das in die heutige Zeit transferieren.

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