KW 6 und 7, Rückblick

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Zehn Tage ist es her seit meinem letzten Blogeintrag eine meiner längsten Pausen jemals; ich bin erschöpft. Abends koche ich weiterhin leckere Sachen, ich mache soliden Unterricht, aber den Kopf habe ich nicht frei. Eine leichte Erkältung will einfach nicht weggehen, die Eltern werden immer älter und machen Sorgen, wenn auch nicht im Umfang von anderswo. Frau Rau ist mir eine große Stütze, kann ich nur empfehlen. Zum Lesen komme ich ab und an, aber nichts Schweres.

Schule allgemein

Wenn ich kurz nach 7 an der Schule ankomme, ist es schon halbwegs hell.

Es hagelt Zwischenzeugnistermine, das heißt: Zwischenzeugnisse gibt es wenige, vielmehr fast nur LSB, Leistungsstandberichte. Das ist eine Auflistung aller Noten in den den jeweiligen Fächern, mit Durchschnitt auf zwei Nachkommastellen.

Die Referendare und Referendarinnen des alten Seminars haben sich mit einer Einladung zu Snack und Umtrunk verabschiedet, am Montag nach den Faschingsferien kommen die neuen.

11: Codierung und Verschlüsselung

Codierung heißt: Information effizient, oder sicher, redundant, oder nicht redundant, beides in digitale Form bringen. Farben werden im Web gerne so codiert #b6c19e, auf vielen Webseiten kann man Rätselspiele dazu betreiben: https://yizzle.com/whatthehex/

Verschlüsselung heißt: so codieren, dass nur Befugte die Information entnehmen können.

Q12: Romantik und Der Sandmann

Ach, vieles von dem, was sich bewährt hat, nur dass ich sämtliche alte Folien als Obsidian/Markdown-Dateien neu angelegt habe.

Neu: Die Schüler kriegten einen Überblick über verschiedene Ausprägungen des Sandmann-Motivs, von der Antike bis Gaiman, und am Ende präsentierte ich diese Tabelle mit selbst gesuchten Merkmalen:

AntikeHoffmann 1816Andersen 1841Bassewitz 1912SandmännchenGaiman 1989
Über-natürlichXXXXXX
TräumeXXXXX
wohl-gesonnenXXXXx
weiße Milch?X
Augen?XXXx
Geschich-tener-zählerXX
SandXXX
MondxXX
Vater-ProblemeX

Gedacht war das auch als Vorübung zu einer späteren Einheit, wo die Schüler und Schülerinnen sechs oder sieben Aschenputtel-Varianten (beginnend bei Herodot) kriegen und dann selber versuchen müssen, Merkmale in so einer Tabelle zusammenzufassen.

Q13: Jenny Erpenbeck, Heimsuchung

Ich bin ja sehr gegen diese Form des Literaturpreises. 2260 Gymnasien in Deutschland, jeweils 100 Schüler und Schülerinnen pro Jahrgang, und das drei Jahre lang, macht 678000 verkaufte Exemplare eines Buches. Außerdem will ich mir die Lektüre nicht vorschreiben lassen. Davon abgesehen ist das Buch aber nicht schlecht und als Lektüre auch ganz gut geeignet.

Sicher kein Schwerpunkt des Werks, aber in „Der Großbauer und seine vier Töchter“ werden etliche Rätsel gestellt – eine Gattung, mit der ich als Student, als ich sie in Gedichtsammlungen entdeckte, immer meine Schwierigkeit hatte:

Es kam ein Vogel federlos,
saß auf dem Baume blattlos,
da kam die Jungfer mundlos
und fraß den Vogel federlos
von dem Baume blattlos.

Diese Schwierigkeit kam vermutlich daher, dass ich das mit Denksportaufgaben verwechselt habe. Diese Rätsel sind aber eher Scherzfragen verwandt, glaube ich; man kennt die Lösung (und kann sich dadurch ausweisen) oder eben nicht, und durch Überlegen kommt man kaum darauf.

Tolkien, als alter Germanenfreund, hat den Hobbit voll mit solchen Rätsel gepackt:

Alive without breath,
As cold as death;
Never thirsty, ever drinking,
All in mail never clinking.

Für alle Rätsel in Heimsuchung habe ich eine Lösung (und einen Beleg in außrtextlichen Quellen), nur nicht für dieses:

Rot ist die Geburt,
grün ist das Leben,
weiß ist der Tod.

Das ist nämlich eher in der Reihenfolge grün-rot-weiß überliefert. Aber gut, auch für diese Variante hat ein Schüler eine akzeptable Idee gefunden.

Heimsuchung beginnt mit drei vorangestellten Zitaten und einem Prolog; ich begrüße das. Das erste Zitat, aus Woyzeck, ist sehr schön, das dritte Zitat, ein „arabisches Sprichwort“, ist als Erstbeleg ein türkisches Sprichwort, das in Thomas Manns Buddenbrooks auftaucht. Wo es Thomas Mann wirklich her hat, weiß ich nicht.

Q12/13: Künstliche Intelligenz

Damit meint man: Maschinelles Lernen, was ein Fachausdruck ist. Das gibt es vor allem in drei Geschmacksrichtungen:

  • Supervised learning (wenn man gelabelte Daten hat, also mit einer Lösung versehen; dann kann man anhand der Lösung ein Modell trainieren, etwa mit einem Neuronalen Netz)
  • Unsupervised learning (wenn man Daten hat, aber keine Label; dann kann man immerhin noch Gruppen erkennen oder Tokenization für LLM durchführen)
  • Reinforcement Learning (wenn man eine Bewertungsfunktion für Entscheidungen hat; damit kann man ein Modell trainieren, etwa ein Computerspiel zu spielen)

Hilfreiche Programme dazu gibt es viele. Eines heißt NetLaboratory https://klassenkarte.de/netlab/netlaboratory.html, mit dem man Neuronale Netze auf zweidimensionale gelabelte Datensätzen trainieren kann. In einem Musterbeispiel hat man gelabelte Daten für Würgeschlangen, Viper und Nattern – die Daten sind jeweils Kopfgröße und Gesamtlänge, und die grünen, roten und blauen Punkte sind die bekannten gelabelten Daten:

Im Bild sieht man, wie ein Schüler ein Neuronales Netz so trainiert hat, dass wirklich alle Beispieldaten korrekt identifiziert werden – auch die drei roten Ausreißer, die nicht so gut zum Rest der roten Punkte passen und eher bei den blauen und grünen liegen. Das geht also schon, dass selbst diese Ausreißer korrekt erkannt werden. Ob man das wirklich will oder nicht, ist eine andere Frage. Eventuell ist das Netz nämlich überangepasst, so dass auch die Ausreißer bei den Trainingsdaten erfasst werden, aber dafür Daten in der freien Wildbahn dafür falsch zugewiesen werden.

Ansonsten ist der Kurs weiterhin au 12 und 13 gemischt, alle mit unterschiedlichen Notenschlüssen und Semesterenden und -anfängen und Klausur oder Nichtklausur, aber mit etwas Buchführung geht das schon.

Jetzt noch ein Tag, dann Fe-ri-en.


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2 Antworten zu „KW 6 und 7, Rückblick“

  1. Welch wunderbarer und interessanter Beitrag. Und mögest Du die Ferien genießen!

  2. Bleistifterin

    ich glaube, bei Gaiman fehlt ein Kreuz für Sand ..
    alles spannend!
    schöne Ferien!

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