In meinem Referendariat, letztes Jahrtausend, wurden wir ziemlich am Anfang auf ein Phänomen hingewiesen, ob en passant oder hervorgehoben, das weiß ich nicht mehr: dass sich nämlich auch unsere Persönlichkeit in den folgenden zwei Jahren Ausbildung auf eine bestimmte Art verändern würde. Es gab auch einen Namen dafür, aber den weiß ich leider nicht mehr; irgendetwas mit -knick oder -kurve oder -delle. Wenn ich mich richtig erinnere, und das ist nicht sicher.
Auf Mastodon wies mich @poupou auf ein Konzept hin, das wohl genau das gemeinte ist: die Konstanzer Wanne. In einer Konstanzer Studie aus dem Jahr 1978 (der ich selber nicht nachgegangen bin, laut einer Quelle von Cloetta, Dann und Müller-Fohrbrodt) geht es darum, dass junge Lehrerinnen und Lehrer „in den ersten beiden Berufsjahren ihre in der Erstausbildung erworbenen liberalen Vorstellungen und Haltungen weitgehend an die in der Regel konservativeren vorherrschenden Einstellungen des Kollegiums vor Ort“ angleichen. Nach den ersten Berufsjahren komme man aber aus dieser Phase heraus, daher die Wannenform.
Ob ich im Referendariat in dieser Wanne gelandet bin, weiß ich nicht mehr; aufgefallen ist mir nur, dass ich entscheidungsfreudiger wurde: Das Herumtrödeln nach dem Kino, was man denn jetzt tun solle, dauerte bei weitem nicht mehr so lange. Oder so erzähle ich mir traditionell die Geschichte; die echte Erinnerung daran ist lange überdeckt.
Mir ist dieses Konzept nur wieder eingefallen, weil vor Woche die väterlich aus der Ferne betrachteten neuen Referendare an der Schule gelandet sind und langsam beginnen, Kontakt aufzunehmen.
Vermutlich gibt es das schon längst nicht mehr, oder es funktioniert anders. So liberal wie früher wird man an der Uni auch nicht mehr, kann ich mir vorstellen.
Ich glaube übrigens nicht, dass uns das Konzept damals unter dem Namen „Konstanzer Wanne“ gezeigt wurde. Das war irgendetwas anderes, ein noch sprechenderer Begriff, glaube ich; vielleicht fällt er mir irgendwann einmal noch ein.
Nachtrag, ein paar Monate später: Inzwischen bin ich wieder überzeugt, dass das schon immer und auch damals schon „Konstanzer Wanne“ hieß. So ist das mit den Erinnerungen.
Online findet man ein bisschen etwas dazu, etwa hier: https://fhburgenland.contentdm.oclc.org/digital/api/collection/p15425dc/id/65563/download
Die vielleicht bekannteste Studie zum professionsspezifischen Verhalten von
Berufsanfänger stammt von der Konstanzer Gruppe um Cloetta, Dann und
Müller-Fohrbrodt (1978), bekannt geworden unter dem Namen „Konstanzer
Wanne“. Sie beschreiben den Praxisschock junger Lehrerinnen und Lehrer
beim Eintritt in den Berufsalltag. Anfänger gleichen in den ersten beiden
Berufsjahren ihre in der Erstausbildung erworbenen liberalen Vorstellungen
und Haltungen weitgehend an die in der Regel konservativeren vorherr-
schenden Einstellungen des Kollegiums vor Ort an.
Schreibe einen Kommentar