Schon am Donnerstag
An meiner Schule wurden bereits die Abiturienten verabschiedet – bereits am Donnerstag und nicht erst am Freitag, wie im Rest Bayerns. Das liegt daran, dass wir hier relativ viele (aber insgeamt imme rnoch wenige) jüdische Schüler und Schülerinnen haben, und auch diejenigen, die den Sabbat halten wollen, sollen dennoch an einer schöne Abiturfeier am Abend teilnehmen können.
Zweiteilung
Wie ich das aus meiner alten Schule kenne, ist die Verabschiedung zweigeteilt: Ein formeller Teil in der Schule mit der Überreichung der Zeugnisse, und eine lockere Abendveranstaltung mit Essen.

(Verabschiedung in der Schule. Ohne Filter oder Absicht, nur manuelle Schusseligkeit.)
Abschiede
Davor (schon vorletzte Woche, noch vor den mündlichen Zusatzprüfungen) haben sich noch einige Schüler und Schülerinnen von mir plaudernd im Büro verabschiedet, das war sehr schön. Ich habe sie gezwungen, in mein Poesiealbum zu schreiben, das war zumindest für mich sehr schön. Außerdem habe ich ein Schälchen mit „Streber und stolz darauf“-Buttons im Büro, da können sich alle einen nehmen; gesünder als Süßigkeiten.
Ein Schüler aus just jenem verabschiedeten Abiturjahrgang macht gerade ein Orientierungspraktikum an der Schule, weil er zumindest die Möglichkeit in Betracht zieht, Lehrer zu werden. So komme ich jeden Morgen zu einer Tasse Kaffee, außerdem setzt er energisch meinen älteren Plan (der auch von ihm stammt) um, die Pinwand meinem Schreibtisch gegenüber durch ein Regal für Bücher und Nippes zu ersetzen.
(Ein besonderer Schüler, das weiß er hoffentlich; er liest auch hier mit. Überhaupt drei andere Schüler aus meinem Deutschkurs haben hier immer wieder mitgelesen, erfuhr ich gestern, mit besonderem Augenmerk darauf, ob ich nicht doch versehentlich etwas über anstehende Klausuren ausplaudern würde. Die Warten sicher auf Manöverkritik der Festreden, aber das mache ich lieber im persönlichen Gespräch als hier.)
Der Jahrgang
Das war ein besonderer Jahrgang mit sehr viel leistungsfähigen, vor allem aber leistungswilligen Schülern und Schülerinnen. Deutlich überdurchschnittliche Schnitte insgesamt, aber verdient; außerdem habe ich sehr das Gefühl, dass viele davon, oder jedenfalls einige, und damit vielleicht mehr als sonst, Dinge aus meinem Unterricht mitgenommen haben. Und sei es nur „liminale Orte“, die sich manche vorgenommen hatten, irgendwie in das Deutschabitur einzubauen.
Musikauswahl
Beim Abitur treten Schülerinnen und Schüler schon immer (also seit 2004) alleine oder zu zweit oder zu dritt zu einem selbst gewählten Musikstück auf die Bühne. Ein Schüler wählte Boston, „More Than a Feeling“, ich sprach ihn darauf an. Dass die jungen Leute „Don’t Stop Believin’“ kennen, geht aus das Verwenden des Stücks in aktuellen Fernsehproduktionen zurück, aber Boston?
Wer Tipps zum automatischen Mitklatschen (auf 1-2-3-4) sucht: YMCA, Pretty Woman, Barbie Girl (in einer Coverversion) und Offenbachs Can-Can liefern das!
Nur ein Musikstück wurde zweimal verwendet. Ist das dann so, wie wenn früher zwei Frauen auf einer Party das gleiche Kleid anhatten, ein Fauxpas? (Spieltheoretisch spannend: Es gibt Lieder, die mehr Punkte bringen, und andere, die weniger bringen. Aber alle Punkte werden auf 0 gesetzt, wenn das Lied mehrfach verwendet wird. Erinnert mich an das Spiel Finchley Central, wo die Spielenden der Reihe nach Londoner U-Bahn-Stationen nennen; wer zuerst als einziger „Finchley Central“ wählt, hat gewonnen; alle Doppelnennungen scheiden immer aus.)
Haare und Kleidung
Wie immer traditionell festlich. Ein wenig mehr rückenfrei bei den Damen als sonst, glaube ich, aber ich kann das noch nicht als Trend bestätigen. Schönes Schuhwerk, als Sandale oder geschlossen. Wieder nur eine einzige Kurzhaarfrisur bei den Damen.
Die Abendveranstaltung
Fand im Festsaal des Augustiner-Kellers statt. Am einen Ende war die Bühne, am anderen Ende waren etwas erhöht Boxen, in denen alle Lehrkräfte saßen, im Hauptbereich dazwischen die Tische mit Abiturientinnen und Familie. Eigentlich war diese Trennung eine gute Idee, weil so die ehemaligen Schüler und Schülerinnen gleich wussten, wo sie Lehrkräfte fanden, um mit ihnen zu sprechen oder ihnen sogar Briefchen zu reichen. Viele verabschiedeten sich herzlich, auch von mir, nicht alle von allen, natürlich, und aus verschiedenen Gründen. Aber das war schön, diese Abschiede.
Das leidige Abimotto, wenn es überhaupt eines gab, spielte keine Rolle; Programmpunkte gab es nur zwei, die waren okay. Aber bei einem Quiz waren vier Lehrer auf der Bühne und keine Lehrerin. Wenn man nicht explizit gelernt hat, dass das schlecht ist, und dass man automatisch und ohne bösen Willen oft auf dieses Muster verfällt, dann passiert das.

(Im Festsaal des Augustiner-Kellers, ganz am Anfang.)
Abistreich und Abizeitung
Abizeitung kommt noch, Abistreich gab es keinen: souverän!
Und weiter geht es
Mit dem Rest des Schuljahres. Das ist noch einen Monat lang, man glaubt es fast nicht.
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