Abimottos – die Dialektik der Originalität

Was ist ein Abimotto? Das Abimotto ist ein doppeldeutiger Wortwitz, eine Wortspielerei in der sich möglichst die Buchstaben ABI wiederfinden sollten. Der Leitspruch ist unverwechselbares Merkmal eures Abi-Jahrgangs. Perfekt umgesetzt ist es, wenn die Schüler der gesamten Schule genau wissen, welche Jahrgangsstufe gemeint ist, sobald das Motto auch nur erwähnt wird.
http://www.abiball-planer.de/abimotto/

Sagen wir mal so: perfekte Abimottos in diesem Sinn gibt es wenig. Zumindest weiß schon ein Jahr danach kaum einer mehr, welches Motto zu welchem Jahrgang gehörte. Die Mottos sind aber auch völlig austauschbar. Nur dass 2007 irgendwas mit James Bond war, das wusste man noch – wie an Dutzenden von anderen Schulen in jenem Jahr ebenso.
Mit Recherche im Web und freundlicher Hilfe von Ehemaligen habe ich dann doch noch folgende Liste zusammengekriegt:

  • 2019 Westminster Abi – der Adel dankt ab (Nachtrag)
  • 2018 Abi rouge (Nachtrag)
  • 2017 Habi Potter – Vom Stein zum Weisen (Nachtrag)
  • 2016 12 Jahre Druck – endlich Diamanten(Nachtrag)
  • 2015 Abi-lymp – Auch Götter müssen einmal gehen (Nachtrag)
  • 2014 LABIrinth – 12 Jahre Verwirrung und trotzdem am Ziel (Nachtrag)
  • 2013 Abi heute – Captain Morgen
  • 2012 Ab(i)wesend – für immer entschuldigt
  • 2011 Rasso’s Eleven – Time for Another Job (G8)
    2011 GRG 9 – der letzte Einsatz (G9)
  • 2010 Strebergarten – endlich weg vom Tulpenfeld
  • 2009 Abistokratie – der Adel geht, der Pöbel bleibt
  • 2008 Germany’s Next Top Student
  • 2007 Abi007 – die Abigenten – Der Jahrgang der ihn liebte
  • 2006 Abiglam
  • 2005 Abikalypse – das Ende aller Plage
  • 2004 GlABIator
  • 2002 Das Wars – vergessen du musst was jemals du gelernt
  • 2001 Abimeister
  • 2000 Keines! Nach Auskunft eines Teilnehmers bisher. Toll!

Gut finde ich eines davon, brauchbar ein zweites.

Was sein muss: ein Wortspiel und ein nachgeschobener Slogan als Ergänzung. Die Mottos oben reihen sich nahtlos ein in folgende Listen von Abimottos – hunderte, aus denen man auswählen kann, alle ununterscheidbar in ihrer Suche nach Einzigartigkeit:

http://www.abi-stoff.de/abimotto-abschlussmotto/
http://abitipps.de/organisation/abimottos/abimotto-vorschlaege
http://www.abiball-planer.de/abimotto/
http://www.abital.de/abimotto.htm

(Zur Originalität: Ein Original ist, was kopiert wird. So wie gute Lieder gecovert werden.)

Ich weiß nicht, wie Abimottos entstehen; es würde mich interessieren. Ich nehme mal an, dass Listen aushängen, wer für was zuständig ist. Bestimmte Schüler gehen in den Arbeitskreis „Abizeitung“, andere in den Arbeitskreis „Abimotto“. Dann blättern manche davon im Web die Abimottolisten durch und schreiben sich die Mottos heraus, die ihnen gefallen; dazu kommen ein paar eigene Ideen. In der Abimotto-Gruppe setzen sich dann zwei oder drei Vorschläge durch (auf welcher Basis?), über die dann alle im Jahrgang abstimmen, die bei der Abstimmung mitmachen. Nach welchen Kriterien entscheiden die? Spielen die Personen der Leute, die das Motto vorschlagen, eine Rolle? Vermutlich ist es tatsächlich nur das Ausmaß, in dem das Motto als unverwechselbar witzig empfunden wird.

Die Option, auf ein Motto zu verzichten, oder ein ernsthaftes Motto zu wählen, gibt es nicht. Das hieße zu viel Originalität wagen.

20 Antworten auf „Abimottos – die Dialektik der Originalität“

  1. Die Originalitätsdefinition gefällt mir :)
    Die Austauschbarkeit erleben LehrerInnen sicher stärker, da sie alle Jahre wieder…
    Zwischen die Entstehungsschritte schiebt sich bei uns seit ein paar Jahren noch der Schritt „Das Abimotto-Kommittee legt die Auswahlliste der Schulleitung zur Genehmigung vor.“
    Da hat dann sowas wie „Abihuana – mit einer Tüte fing es an“ leider keine Chance. Das Höchste an individueller Passung war bisher „Abitainer – Bildung im Kasten“ (Containerklassenzimmer aus Raumnot).

  2. Nö. Die Geschmäcker sind halt doch verschieden. :-)
    2011 ist mir zu martialisch, 2002 glorifiziert wie so viele die Dummheit und das Nichtwissen. Star Wars allein reicht mir noch nicht.

    Bei 2011 (G9) gibt es hier eine Diskussion unter jungen Menschen zur Entstehung des Logos: http://www.psd-tutorials.de/forum/150_eigene-bilder-und-entwa-rfe-vorstellen/115992-abi-logo.html

    2008 und 2010 sind brauchbar, aber das weiß man auch erst, wenn man die Situation kennt. Beim einen geht es um den Umzug ins neue Schulgebäude am Tulpenfeld, beim anderen war es wirklich ein Top-Jahrgang. Und beide kommen ohne das Wort „Abi“ aus.

  3. Ich merke, dass ich alt werde, weil mich immer mehr aufregt, dass die Abiturienten mittlerweile einfach all das outsourcen, was man früher (damals! in der guten alten Zeit!) relativ mühelos selbst auf die Reihe brachte:
    Abiball organisieren
    Abimotto finden
    Abiturfeier organisieren
    Raum für Abiturfeier organisieren
    Abschiedstour nach Bulgarien organisieren

    Das ist mittlerweile hier nichts mehr, was man als Klasse selber hinkriegt.
    Das ist ein MARKT.

    *ARGH

    ** end of rant

  4. @susann: Du unterstellst, dass diese Dienstleistungen heute outgesourced werden, weil die Schüler das selber nimmer „hinkriegen“ und „auf die Reihe kriegen“. Ich kann dich nicht widerlegen, meld aber zweifel an den Ursachen an: zum einen, weil ich grad selbst meinen Sohnemann durchs Abiturjahr begleiten durfte und immer wieder staunte, zu welcher Selbstorganisation diese inhomogene Jahrgangsgruppe fähig war. Kreativ und flexibel sind sie auch.
    Es ist einfach so, dass den Jahrgängen vor zwanzig Jahren diese Optionen schlicht fehlten, wer weiß, wie begierig sie danach gegriffen hätten.
    Und außerdem find ich das ständige Wehklagen anstrengend.

  5. Ständiges Wehklagen ist anstrengend – aber eine zu häufige Abwesenheit davon, wie sie mir gelegentlich begegnet, ist auch keine Lösung.

    Kreativ und flexibel… sieht man das auch am Abimotto? :-)

    Vor fünfundzwanzig Jahren gab es keine Mottos, keine T-Shirts, keine Fahrten. Wir hätten wahrscheinlich auch die heutigen Möglichkeiten genutzt. (Aber ich hätte nie ein Shirt mit einem Stufen-Spruch angezogen.) Unsere Abizeitung und unser Abiball waren aber kreativer als die, die ich in den letzten fünfzehn Jahren gesehen habe. Waren halt die 80er.

  6. wir hatten vor 27 jahren weder abifeier, noch abimotto, noch abizeitung. wir haben uns nur am baggersee auf einezweidrei flaschen wein getroffen, über dem feuer wurst gegrillt und artig das eine oder andere abschiedslied zur gitarre gegrölt.
    das wiederholen wir jetzt alle 7 jahre und möge es nicht missen.
    motto 2002 glorifiziert nicht die dummheit, das ist eine realität, die zu 99% zutrifft.

  7. @thomas (nicht Herrn Rau)
    so ähnlich war das bei meinem Jahrgang auch. Woran man schon erkennen kann, dass der Auftritt, die Performanz bei Jugendlichen, aber auch beim Rest der Gesellschaft heute einen völlig überzogenen Stellenwert hat. Zumindest galt in unserer Generation noch der Anspruch „mehr zu sein als zu scheinen bzw. zu haben“. Natürlich gab es damals auch schon graduelle Unterschiede. Und wir wären vielleicht heute auch nicht anders…
    Die heutigen rites de passage bei Abiturfeiern spielen natürlich auch deshalb so eine wichtige Rolle, weil die sonst üblichen Feierlichkeiten oder damit verbundene biographische Zäsuren nicht mehr oder viel später stattfinden oder an Bedeutung verloren haben (Konfirmation / Firmung, Führerschein, Volljährigkeit, Wehr- und Zivildienst, Hochzeit). Man muss sich nur mal diese aufgebretzelten Bräute auf der Abiturfeier anschauen. Oder mal genau hingucken, welcher Autohaus-Sprößling welches Kabrio zum Abitur geschenkt bekommt. ‚Tschuldigung: Manches ist schlicht obszön.
    Und dann noch etwas: Das Outsourcen geschieht ja auch deshalb, weil je nach sozialem Hintergrund des Jahrgangs im Vergleich zu früher sehr viel mehr Geld zur Verfügung steht. Es gibt Gymnasien, die versteigen sich lächerlicherweise dazu, im Restaurant des Bayerischen Landtags zu feiern, ein paar Flure und Treppenstufen vom Maximilianeum entfernt (viel präpotenter geht’s wohl nicht). Die Choreographie vieler Abiturfeiern schwankt zwischen „Wetten,dass…“, Oscarverleihung und Nobelpreis. Aber warum sollte unser Nachwuchs nicht genau so peinlich sein, wie unser täglich Medien-Durchfall? Man macht ja nur einmal im Leben Abitur, heißt die stereotype Reaktion. Stimmt schon, nur manche müssen’s ertragen, dass sie dann auch noch als der bleibende Pöbel (siehe das bescheuerte Abiturmotto von 2009) bezeichnet werden.

  8. Manchmal habe ich den Eindruck…
    Nach einhelliger Meinung wird alles rund ums Abi die letzten zehn Jahre stetig traditioneller, bzw. es haben sich neue Traditionen herausgebildet und auf diese wird auch Wert gelegt.
    Darin kann ich wirklich kein Problem erkennen, im Gegenteil.
    Man stelle sich vor, die letzten zehn Jahre wäre es genau andersrum gelaufen und den Abschlussjahrgängen wäre ein „Drumherum“ noch gleichgültiger geworden, als es in den Jahren davor war. Die Kommentare darauf kann ich mir lebhaft vorstellen ;)

  9. Abi ’89 – wir hatten kein Motto, keine Shirts, aber eine ziemlich umfangreiche Zeitung und einen Umzug. Weil wir bei letzterem vor geschlossenen Toren standen (dank des Jahrgangs vor uns, der die Schule ziemlich demoliert hatte), zogen wir durch die Innenstadt und lärmten, soffen und gröhlten. Da wir in Summe ca. 160 Abiturienten waren (Kooperation der beiden Kleinstadtgymnasien während er Oberstufe), muss das ganze auf den braven Bürger ziemlich beeindruckend gewirkt haben. Dennoch: Wir waren die brave Generation, aufgewachsen unter Kohl, die am Sparkassenbörsenplanspiel teilnahm, BWL studierte und sich eine gesicherte Zukunft als Beamter erträumte. Die Bewegten, das waren die Jahrgänge davor. Die hatten allerdings z.T. noch die Generation von Stalingrad am Pult. Auf uns wirkten dann später die 68er Lehrergeneration wie anachronistisches Gesindel mit ihren Vollbärten, den verfilzt ausgeleierten Wollpullovern und ihrem Entsetzen angesichts unseres totalen politischen Desinteresses.

  10. Ach seufz, das kommt mir soooo bekannt vor, stehen wir doch auch bald vor „der Qual der Wahl“… Und ja, Sie haben recht, die wenigsten davon sind sonderlich kreativ…

    Bei uns scheitern viele lustige Sprüche allerdings auch an der Schulleitung, die sich durch das ein oder andere Wortspiel persönlich angegriffen fühlt…

  11. > Schulleitung, die sich durch das ein oder andere Wortspiel persönlich angegriffen fühlt…

    Die Zeit für Angriffe sollte eigentlich vorher sein; bei Abimotto, -zeitung, -feier ist dann wieder Zeit für Frieden. Aber wenn schon ein Angriff, dann wenigstens bewusst und absichtlich (habe ich das letzte Mal im letzten Jahrtausend erlebt), statt dass die Schüler danach sagen „das war doch gar nicht so böse gemeint“. Das kommt auch noch in diesem Jahrtausend vor. :-)

  12. Gute Nacht Herr Rau,
    auch die jetzige Q11 Ihres Gymnasiums überlegt seit Kurzem, welches Abimotto passend wäre. Jedoch ist es natürlich so, dass die Mehrheit der Stufe von Mottos überzeugt ist, für die sie sich in 10 Jahren ziemlich schämen wird. Jegliche produktive Beiträge der Schüler werden meist sofort abgelehnt. Nachdem ich Ihren Beitrag nun gelesen habe, ärgert es mich umso mehr, dass Vorschläge wie „einfach kein Motto zu machen“ überhaupt nicht akzeptiert und mehrheitlich abgelehnt werden. Die Lehrer unserer Schule sollten somit nicht sofort die ganze Stufe verurteilen, wenn mal wieder ein unproduktives Abimotto entstanden ist. Nicht alle Schüler sind mit diesem Motto einverstanden gewesen. Der Gruppenzwang und die Unreife haben es möglich gemacht.

  13. >Die Lehrer unserer Schule sollten somit nicht sofort die ganze Stufe verurteilen,

    Würde ich nie zu tun, dazu sind die Schüler zu verschieden. Außer wenn sie alle das gleiche Uniform-T-Shirt mit dem Logo anhaben. :-)

    Danke für den Einblick.

  14. An meiner Schule (ich mache erst 2016 Abitur, wer weiß, welches geistreiche Motto unser Jahrgang haben wird) wurde dieses Jahr das Abimotto von der Schulleitung „zensiert“. Das war der Doppeljahrgang und das Motto sollte erst lauten : „So voll war der Jahrgang noch nie.“
    An das letztendliche Motto kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiß noch, dass deswegen das angebliche Zitat: „Niemand hat die Absicht, das Abimotto zu zensieren“ an unserer Schule verbreitet wurde.
    Scheint wohl nur Ärger zu geben mit dem Abimotto.

  15. Ja. Wobei die richtige Art von Ärger eine gute Sache ist, denke ich, und nicht jeder an eienr Schule das Ziel haben muss, jeglichen Ärger zu vermeiden. Das ursprüngliche Motto und das Zitat sind um Längen besser als das meiste, was ich sonst mitkriege. Zensur ist technisch der falsche Ausdruck – entweder die Abifeier/-zeitung ist eine Koproduktion von Schülerjahrgang und Schule, dann muss man sich einigen, oder eine alleinige Produktion der Schüler, dann müssen die gar nichts. Oder nicht viel.

  16. Bei uns ist es üblich, dass der Schulname miteingebunden wurde, das war in unserem Fall Böll. Da kommen dann Dinge wie „Abi zündet – die Böller gehen ab“, „Red Böll – Abi verleiht Flügel“, „Big Böll Theory“ und derlei Dinge raus, was ich schon origineller fand als diese ganzen Abi-Sprüche. Böll bietet sich dafür aber auch an, das ginge mit anderen Namen schwieriger.
    Bei uns lief das dann schon über Facebook mit der Abstimmung – es gab eine Gruppe, in die die Vorschläge gepostet wurden und unter beliebtesten Vorschlägen wurde dann noch mit einer Art Strichliste abgestimmt. Es gewann in unserem Jahrgang ein Motto ohne Böll (das kommt auch mal vor), leider. Es gibt aber auch kluge Abi-Mottos, ich fand z.B. „KABIale und Liebe – ein Drama in 13 Akten“ sehr schön, aber unseres gehörte leider auch nicht zu den sonderlich klugen oder witzreichen, sondern basierte auf einer Sitcom…

  17. Ich hab’s nicht so mit Wortspielen bei Abimottos.
    Bei einem Gespräch in der S-Bahn neulich sagte ein Schüler der Q11 hinsichtlich des Abistreiches tatsächlich, es sei so ein bisschen das Ziel, einen originellen zu machen, damit man damit in Erinnerung bleibe. Gilt das am Ende auch für Abimottos? Dem jungen Mann musste ich jedenfalls sagen, dass es in den letzten zwanzig Jahren keinen Abistreich gab, der in Erinnerung geblieben wäre. Für die Liste an Mottos oben musste ich viel recherchieren…

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