Abitursemaphoren

Colaflaschen auf Tisch

Colaflaschen auf Tisch

Abituraufsicht gehabt. Ganz wichtig dabei: Immer nur ein Schüler oder eine Schülerin darf gleichzeitig auf eine Toilette, von denen es zwei gibt. Es ist schwieriger, als man denkt, sich als Aufsicht zu merken, ob gerade jemand in diesen ist oder nicht. Deshalb dienen, schon seit Generationen von Aufsichten, also seit bestimt schon ein paar Jahren, diese Flaschen als Merkzeichen – man kippt sie oder schiebt sie nach vorn, wenn die Toilette besetzt ist, und bringt sie wieder in Ausgangslage, wenn die Toilette frei ist. „Semaphor“ heißt so etwas in der Informatik. Im Bild oben ist die rechte Toilette besetzt.

Und ja, es sind zwei Toiletten und drei Flaschen. Auch das Traditon? Vielleicht ja eh nur Beschäftigung während des Aufsichtführens.

Daneben stehen übrigens die Kicker der offenen Ganztagsschule, die nachmittags bespielt werden. Nur um mal zu zeigen, dass es auch ganz große Kicker gibt:

großer Kickertisch

Wege zur Hochschulreife, Prüfungsanforderungen I-II-III

Stichwörter: Abitur, externe Bewerber, Begabtenabitur, Einheitliche Prüfungsanforderungen Abitur, mündliche Prüfungen

In Bayern gibt es viele Wege zur Hochschule. Die allgemeine Hochschulreife kriegt man mit dem Abschluss des Gymnasiums oder der Beruflichen Oberschule; die fachgebundene mit der Fachoberschule. Einen allgemeinen Hochschulzugang erhält man – nach einem Beratungsgespräch – auch als Handwerksmeister oder Absolvent einer Fachakademie oder Fachschule. Einen fachgebundenen Hochschulzugang gewährt eine Hochschule auch jemandem mit Berufsausbildung und Berufspraxis, nach einem Beratungsgespräch und einem bestandenen Prüfungsverfahren, das in der Hand der Hochschule liegt (Link zu KuMi).

Man kann die allgemeine Hochschulreife auch über das Begabtenabitur erreichen: Dazu braucht man eine abgeschlossene Berufsausbildung und im Anschluss daran eine mindestens fünfjährige Berufstätigkeit, außerdem muss man mindestens 25 Jahre alt sein. Das machen nicht viele, glaube ich – gedacht ist was für Menschen, die besonders begabt sind, aber halt durch die Schullaufbahnentscheidungen kein Abitur erworben haben. (Details hier beim Kultusministerium.) Das Begabtenabitur wird im Kultusministerium abgelegt, es gibt drei schriftliche Prüfungen (Deutsch; Mathematik oder Fremdsprache; wissenschaftliches Fachgebiet) und vier mündliche (noch einmal das wissenschaftliche Fachgebiet; Mathematik oder Fremdsprache, je nach Wahl der schriftlichen Prüfung; Geschichte; ein gesellschaftswissenschaftliches oder ein naturwissenschaftliches Fach). Die schriftlichen Prüfungen sind 5 Stunden (wissenschaftliches Gebiet, Deutsch) oder 3 Stunden lang (Fremdsprache), die mündlichen jeweils 30 Minuten. Ich habe leider nicht herausgefunden, was alles als „wissenschaftliches Fachgebiet“ zählt, also ob damit auch Geisteswissenschaften gemeint sind, oder ob sich das mit Bio/Physik/Chemie doppeln darf – das wären ja dann drei Prüfungen zu einem Gebiet, das kann ich mir nicht vorstellen.

Ich weiß von dieser Begabtenprüfungen, weil ich während meiner Unizeit daran beteiligt war, im Rahmen des gewählten Fachgebiets Informatik. Die schriftliche Prüfung dazu entspricht „Leistungskursniveau“ – die Regelungen dazu stammen aus Zeiten, als es noch Leistungskurse gab, und die Prüfung dauert ja auch 5 Stunden statt 3 wie im Informatikabitur am Gymnasium. Na ja, nimmt man halt noch die Datenbanken dazu. Tatsächlich unterscheiden die von der Kultusministekonferenz beschlossenen Einheitlichen Prüfungsanforderungen auch für das Fach Informatik (1989/2004) zwischen Grund- und Leistungskursniveau:

[Der Schwerpunkt ist bei] den Grundkursen die Vermittlung einer wissenschaftspropädeutisch orientierten Grundbildung, den Leistungskursen die systematische, vertiefte und reflektierte wissenschaftspropädeutische Arbeit. […]

Grundkurse führen in grundlegende Sachverhalte, Probleme, Zusammenhänge, Strukturen und Fragestellungen des Faches ein. In ihnen werden wesentliche Arbeitsmethoden und grundlegenden Zusammenhänge erarbeitet. Schülerinnen und Schüler können wesentliche informatische Arbeitsmethoden nutzen und fachübergreifende bzw. fächerverbindende Zusammenhänge exemplarisch erkennen.

Leistungskurse befassen sich methodisch ausgewiesener und systematischer als die Grundkurse mit wesentlichen, die Breite, die Komplexität und den Aspektreichtum des Faches Informatik verdeutlichenden Inhalten, Theorien und Modellen. Sie orientieren sich stärker an der Systematik der Fachwissenschaft, sind auf sichere und selbstständige Anwendung informatischer Methoden und ihre Übertragung und theoretische Reflektion gerichtet. Die Schülerinnen und Schüler lernen im Leistungskursfach fachübergreifende bzw. fächerverbindende
Zusammenhänge zu erkennen.

An der Uni hielten wir – vor allem mein Kollege – Kontakt zu den Kandidaten für die Informatik-Prüfungen und haben sie beraten.

— Häufiger als die Begabtenprüfung dürfte die Teilnahme als Andere Bewerberinnen und Bewerber an Gymnasien sein, obwohl ich keinerlei Zahlen darüber habe. Es braucht keine besonderen Bedingungen, um als externer Bewerber das Abitur abzulegen – im Referendariat habe ich gelernt, dass man nicht automatisch das Recht dazu hat, sondern glaubhaft machen muss, dass man sich ernsthaft vorbereitet hat. Das gilt wohl nicht mehr. (Immer noch gilt, dass man so oder so maximal zwei Versuche hat, das Abitur abzulegen.)

Als anderer Bewerber hat man acht Prüfungen, vier schriftliche und vier mündliche. Die schriftlichen sind die drei regulären schriftlichen Abiturprüfen, also Deutsch, Mathematik und ein weiteres Fach; dazu kommt eine von der Schule erstellte Prüfung. Die mündlichen sind dann die restlichen Fächer – insgesamt müssen Deutsch, Mathematik, zwei Fremdsprachen, Geschichte, eine Naturwissenschaft dabei sein, und ein paar Details beachtet werden (KuMi-Seite dazu). Die mündlichen Prüfungen dauern 30 Minuten, der Inhalt sind Grundkenntnisse und – schau an, das wusste ich nicht – nur die letzten beiden Kurshalbjahre.

Ich hatte bisher nie mündliche Prüfungen bei anderen Bewerbern, nur schriftliche – und mündliche Zusatzprüfungen. Die sind etwas ganz Besonderes; es gibt sie auch für reguläre Abiturteilnehmer: Man kann in den schriftlichen Fächern eine mündliche Zusatzprüfung machen, 20 Minuten, mit 20 Minuten Vorbereitung, die dann mit den vorliegenden schriftlichen Noten „im Verhältnis 2:1 gewertet“ wird. Der Stoff ist identisch zu den bereits abgelegten schriftlichen Prüfungen, allerdings kann man ein Semester ausschließen und ein Schwerpunktsemester wählen.

Die Rolle dieser Prüfungen ist in manchen Kreisen… umstritten. Man kann an ihnen teilnehmen in der Hoffnung, die Abiturgesamtnote in der Nachkommastelle etwas zu erhöhen. Das sind die wenigsten. Die meisten müssen an den Prüfungen teilnehmen, weil sie sonst nicht auf die Mindestpunktzahl im Abitur kommen. Gedacht war das vermutlich als Notlösung, aber inzwischen scheint das von vielen Schülerinnen und Schülern von vornherein einkalkuiert zu werden – deshalb auch das große Drunterunddrüber bei dem diesjährigen Abiturtermin: Die Korrekturzeit für die Lehrer wurde plötzlich verkürzt, damit die Ergebnisse vor den Pfingstferien bekannt gegeben werden können, damit die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit haben, sich auf die eventuellen Zusatzprüfungen nach den Ferien vorzubereiten. Wir erinnern uns, das ist der gleiche Stoff wie bei der bisherigen Prüfung. Auslöser dieser kurzfristigen Änderung war laut Kultusministerium nicht die von Schülerinnen und Schülern vorbereitete Petition zur Vorverlegung des Termins.

An meiner Schule gibt es wohl weniger mündliche Zusatzprüfungen als an anderen, offizielle Zahlen dazu kenne ich keine. (Dabei wäre das mal interessant.) Trotzdem sind das jedes Jahr einige zusätzliche Nachmittage. Das mit dem G8 eingeführte Prinzip, in der Oberstufe die – traditionell immer besseren – mündlichen Leistung gleich zu gewichten wie die schriftlichen, führt dazu, dass es bei den rein schriftlichen Abiturprüfungen enttäuschende Ergebnisse gibt, die durch die Zusatzprüfungen nie ganz ausgeglichen werden können.

— Zurück zu den anderen Bewerbern: Ich weiß nicht, wie diese sich auf die Prüfungen vorbereiten. Zum Teil gibt es wohl Institute dafür, aber ich weiß nicht, in welchem Umfang diese besucht werden. Ich habe mal nach Online-Aussagen zu den Prüfungen gesucht und in diesem Foren-Thread gefunden:

Das Gymnasium, an dem ich die Prüfungen geschrieben habe, meinte, dass zuletzt vor einigen [Jahren?] der letzte bestanden hätte. Auch die Durchfallquote sei hoch. Jedoch kann ich dir Entwarnung geben. So schwer ist es auch wieder nicht, wenn man weiß was man tut.

Der Autor oder die Autorin des Beitrags klingt insgesamt recht vernünftig, schreibt aber auch:

Ich habe ungefähr 2 Wochen vor Prüfungsbeginn mit dem Lernen begonnen(Mathe ungefähr 3 Wochen davor). Die mündlichen Fächer sind ziemlich billig.

Ich vermute mal, dass es sich dabei um eine große, große, große Ausnahme handelt. Ich zitiere: „Auch die Durchfallquote sei hoch.“ Offizielle Zahlen dazu kenne ich keine, und aus meiner Schule darf ich nicht berichten, aber das kann schon stimmen. Ich weiß nicht, wie die anderen Bewerber und Bewerberinnen sich tatsächlich vorbereiten; nicht alle scheinen zu wissen, was sie erwartet; Kontakt zwischen Instituten und der Schule gibt es wenig. Ich habe gehört, die Zahl der anderen Bewerber steigt jedes Jahr, auch hier wüsste ich gerne offizielle Zahlen.

Exkurs: Einheitliche Prüfungsanforderungen, Bildungsstandards, Anforderungsbereiche

Es gibt von der Kultuministerkonferenz beschlossene Einheitliche Prüfungsanforderungen für das Abitur mit ursprünglich fachspezifisch unterschiedlichen Anforderungsbereichen.

In Informatik entspricht EPA I in etwa reiner Reproduktion: die Wiedergabe von Bekanntem; auch die Verwendung geübter Techniken in einem wiederholenden Zusammenhang. EPA II entspricht spezifischem Transfer: die selbstständige Übertragung von Gelerntem auf vergleichbare neue Situationen. EPA III entspricht für mich dem nichtspezifischen Transfer: die bewusste und selbstständige Auswahl und Anpassung geeigneter gelernter Methoden und Verfahren in neuartigen Situationen. Im schriftlichen Abitur sollen ein Großteil der Aufgaben EPA II sein, daneben auch EPA I und III (wobei ersteres überwiegt). Für mündliche Prüfungen habe ich nur gefunden, dass „unter Beachtung der Anforderungsbereiche“ grundsätzlich jede Note erreichbar sein muss.

Für einige Fächer, darunter Deutsch, Englisch und Mathematik, gibt es seit 2012 Bildungsstandards für die allgemeine Hochschulreife, die die älteren Einheitlichen Prüfungsanforderungen von 2002 ablösen. Dort sind für alle Fächer die Anforderungsbereiche so definiert:

Anforderungsbereich I umfasst das Wiedergeben von Sachverhalten und Kenntnissen im gelernten Zusammenhang, die Verständnissicherung sowie das Anwenden und Beschreiben geübter Arbeitstechniken und Verfahren.

Anforderungsbereich II umfasst das selbstständige Auswählen, Anordnen, Verarbeiten, Erklären und Darstellen bekannter Sachverhalte unter vorgegebenen Gesichtspunkten in einem durch Übung bekannten Zusammenhang und das selbstständige Übertragen und Anwenden des Gelernten auf vergleichbare neue Zusammenhänge und Sachverhalte.

Anforderungsbereich III umfasst das Verarbeiten komplexer Sachverhalte mit dem Ziel, zu selbstständigen Lösungen, Gestaltungen oder Deutungen, Folgerungen, Verallgemeinerungen, Begründungen und Wertungen zu gelangen. Dabei wählen die Schülerinnen und Schüler selbstständig geeignete Arbeitstechniken und Verfahren zur Bewältigung der Aufgabe, wenden sie auf eine neue Problemstellung an und reflektieren das eigene Vorgehen.

Bei Abiturprüfungen ist der Schwerpunkt II, daneben I und III (bei Grund- und Leistungskursniveau unterschiedlich gewichtet). Was genau bei Deutsch und Englisch welchem Anforderungsbereich entspricht, ist in den Bildungsstandards nicht wirklich erklärt; eine Operatorenliste wird bewusst vermieden (was ich auch für sinnvoll halte), es gibt allerdings viele Beispielaufgaben mit Erklärungen, welchem Anforderungsbereich sie zuzuordnen sind. In den Lösungshinweisen zum bayerischen Abitur taucht weder bei Informatik noch Englisch das Wort „Anforderungsbereich“ auf, lediglich bei Deutsch steht ohne weitere Details etwas wie: „Beide Teilaufgaben erfordern vornehmlich Fähigkeiten aus den Anforderungsbereichen II und III.“ Zusätzlich gibt es bei Deutsch ausführliche Beschreibungen für gute und ausreichende Leistungen; in den anderen Fächern gibt es das nicht, da in diesen ja einfach Punkte zusammengezählt werden.

In meinen Informatikklausuren notiere ich mir seit kurzer Zeit übrigens, welche Aufgaben EPA I, II und III sind, und bemühe mich, das Verhältnis dabei wie beim Abitur zu haben.

Abifeier 2016

Abifeier-Disclaimer

Das Abimotto dieses Jahr war: 12 Jahre Druck – endlich Diamanten. (Unter den Abi-Mottos der letzten Jahre noch eines der besseren.) Immerhin vergleichen sich die Schülerinnen und Schüler mit Diamanten, das ist schon in Ordnung. Kann man was damit machen, auch wenn es Steine sind und Ressourcen und Schüler mehr sind als das; Rohdiamanten und so weiter, die man erst noch zum Funkeln bringen muss, diamond in the rough.

Positiv war, wie schon letztes Jahr: Zur Verleihung der Zeugnisse zieht nicht mehr jeder Schüler, jede Schülerin einzeln mit einem angespielten Lied ein, sondern die Schüler machen das in (meist) Dreiergruppen mit einem gemeinsamen Lied. Das macht das ganze sehr viel besser.
Negativ: Früher haben sich Lehrer und Lehrerinnen fein gemacht und vorne ins Publikum gesetzt, wo ihnen Plätze freigehalten wurden. Die Plätze waren auch diesmal frei, aber die Lehrer sammelten sich im Hintergrund, oberhalb der Aula, ohne sich groß feingemacht zu haben. Weil es da kühler war. Ich sehe das eher als ein weiteres Symptom für den Rückzug vom Schulleben, von denen mir in letzter Zeit einige auffallen.

Zur Kleidung: Da darf ich diesmal nicht so viel schreiben, weil ich weiß, dass Leute das lesen. :-) Also: Mir sind weder bei den jungen Frauen und Männern modische Trends aufgefallen. Zwei junge Frauen in Hosen; eine mit kurzen Haaren (Respekt), eine mit einem schönen und auffälligen 80er-Jahre-Bob, den sie aber schon seit Jahren trägt. Sonst alle Haare noch mädchenhaft lang.

Es gab Reden von Schulleiterin, Landrat, Bürgermeisterin, Elternsprecherin, Oberstufenkoordinatorin, und einem Schüler. Die Schülerrede eckte bei ein paar Kollegen ein wenig an. „Da muss man doch mehr differenzieren“ und so. Aber so ein bisschen anecken soll eine Rede auch, oder wenigstens irgendetwas an so einem Nachmittag. Klar macht man sich keine Freunde, wenn man beginnt mit „Liebe Menschen, liebe Lehrer“, und nach dem einsetzenden Gelächter meint: „Wenn ich fertig bin, klatscht hier niemand mehr.“ Aber ich fand’s okay. Der vorletzte Satz, nach einer Reihe von mehr oder weniger ironischen Danksagungen, war: „Danke für das Wort ‚abiturrelevant‘, ich will es nie wieder hören.“ Ich fürchte, das Wort haben die Schüler öfter verwendet als die Lehrer.

Ganz am Anfang der Veranstaltung wurde, ohne dass das thematisiert wurde, das hier an die Wand geworfen:

Abifeier-Disclaimer

Warum diese Distanzierung von sich selbst? Weil irgendwie ironisch immer gut ist? Aus Angst davor, aus Versehen Stellung zu beziehen? Das ist unnötig.

Nach der Verabschiedung löste sich alles sehr schnell auf. Gut, so kam ich noch in den Biergarten, aber eine halbe Stunde Stehempfang nach der Feier wäre schön, dann könnte man sich noch unterhalten. (Danach gehen die Abiturienten mit ihren Familien essen, und später tanzen.)

— Die Abizeitung war brav, und letztlich mit wenig Inhalt, der auch für Außenstehende interessant war. Einer der wenigen solchen Artikel kritisierte, dass männliche Schüler nicht beim Oberstufenkurs „Gymnastik und Tanz“ mitmachen durften. An anderen Gymnasien geht das sehr wohl, und die Gründe, die die Sportlehrer dagegen vorbrachten, schienen mir äußerst fadenscheinig. Ansonsten kriegte jede Schülerin, jeder Schüler zwei Seiten: Lieblingsfächer, -nachbarn, Lebensmotto, vorbildliche Lehrer, schon interessant, aber vor Jahren gab es mehr Fragen: Stärken, Schwächen, Ziele, drei Lehrer für die einsame Insel, Lieblingsschullektüre. (Letzteres sehr spannend für Deutschlehrer!)

Kommende Abiturienten wissen hoffentlich, was Lehrer, wenn sie die Abizeitung lesen, und das tun nicht alle, wirklich interessiert: „Du kommst auch drin vor“ hat Hanns Dieter Hüsch seine Autobiographie genannt, und so hält man als Lehrer-Leser immer unauffällig Ausschau nach dem eigenen Namen. Diesmal tauchte so ziemlich jeder auf.

Insgesamt: Abistreich, Abifeier, Abizeitung hat dieser Jahrgang gut gemacht; es war ein netter Jahrgang mit interessanten Menschen. (Aber das ist eigentlich immer so.) Das Abitur haben sie verdient.

Weitere Abiturbeobachtungen: Kunst

Kunst-Abitur Material

Vor drei Jahren hatte ich meine erste Aufsicht im Fach Musik, letzte Woche war ich zum ersten Mal bei Kunst dabei. Das war sogar noch spannender.

Im Kunst-Abitur können die Schülerinnen und Schüler zwischen drei Themen wählen, die alle einen praktischen und einen theoretischen Teil haben, jeweils unterschiedlich gewichtet. Für den praktischen Teil bringen die Schüler selber mit:

  • Bleistifte
  • Bunt- und Filzstifte
  • Fineliner
  • Tusche und Federn
  • Deckfarben und Pinsel
  • Schere, Cutter
  • verschiedene Klebemittel (Flüssigkleber, Klebestift, Tesafilm)
  • Lineal

Die Liste des Materials, das von der Schule bereitzuhalten ist, ist deutlich länger. Für dieses Jahr zum Beispiel:

  • schnitzfähige Seife
  • eine Tube Zahnpasta
  • Nylonstrümpfe (ein Strumpf pro Schüler)
  • milchige Lotion (insgesamt eine Tube)

und natürlich Papiere und Kartons, Werkzeug, Zeichenmaterial. Der arme Kunstlehrer kriegt diese Liste ein paar Tage vorher und muss das Zeug dann einkaufen:

Kunst-Abitur Material

Aufbewahrt werden müssen Abiturarbeiten ja zwei Jahre; das gilt – nehme ich mal an – auch für die mit diesem Material gestalteten Werke. Zahnpasta aund Handcreme halten ja hoffentlich so lange… Tatsächlich fotografiert der findige Kunstlehrer die Werke mehrfach, druckt sie auf dem Farblaser im Kunstraum aus und legt die entstandenen Ausdrucke in die Mappe mit Material. Mappe, ja: Denn während in den anderen Fächern 8 bis 20 Seiten beschriebenes Papier (A4) abgegeben werden, besteht eine Kunst-Abituraufgabe aus vielen Teilaufgaben, bei denen Zeichnungen und Gemälde in Wasserfarben entstehen, auf Papier oder Karton, in kleinen und großen Formaten. Da ist das Einsammeln umständlicher.

Schön ist auch zu sehen, wie selbstständig die Schülerinnen und Schüler mit dem Material im Kunstraum umgehen. Stehen auf, waschen Pinsel aus, stecken die Heißklebepistole ein, kleben einfach mal was, machen am Tisch weiter. Das hat mir gefallen.

— Im Eck des Kunstraums steht übrigens ein Trockenschrank:

Trockenschrank für Kunstunterricht

Klar, wenn eine Klasse am Ende einer Stunde zwei Dutzend frische Bilder hat, die noch trocknen müssen, dann kann man die weder am Platz liegen lassen (weil die nächste Klasse kommt) noch einfach aufeinander legen (weil noch feucht). Dafür gibt es dann so eine Trockenschrank. Unten in ein Drahtfach wird das Bild gelegt, dann das nächste Drahtfach daraufgeklappt.

Abistreich 2015

Heute war Abistreich an meiner Schule. Ich bin ja – inzwischen wohl bekanntlich – kein großer Freund dieser Veranstaltungen, aber aus Solidarität war ich trotzdem da, auch wenn ich gar keinen Unterricht hatte. Der Termin war zwar geheim, aber man kriegt es ja doch irgendwie mit.
Den nach allem, was man hört, etwas unglücklichen Anfang habe ich verpasst. Mir ist keine höfliche Formulierung dafür eingefallen, wie îch den Umgang mancher Abiturienten in dieser liminalen Phase mit Wasser, Bier und Wasserpistolen beschreiben möchte.

Dann gab es ein paar launige Durchsagen, ganz ordentlich gemacht. Die erste informierte die Schüler, dass sie alle im Hades seien und sich erst nach Prüfungen zu Zeus retten könnten. Die Prüfungen kamen dann doch nicht sehr, und leider, leider wurde das Bild von Hades und Zeus nicht fortgeführt: Schulleiterin und Stellvertreter als Hera und Zeus, die Lehrer als ihnen untertane, aber zanksüchtige, eitle Menge von Göttern, die Schüler als die armen Sterblichen, die unter den Kaprizen der Götter leiden. Was hätte da ein Prometheus erstehen können! Geschichten um Opfer und Opferungen, Rachsucht und Ungerechtigkeit, aber auch dem einen oder anderen glücklichen Ausgang. Ich behalte das mal im Auge für einen Aufsatzzyklus in der Unterstufe.

Draußen die üblichen Spiele. Tauziehen, Hula-Hoop (wo ich kläglich versagte), Limbotanzen. Der Höhepunkt war sicher das Bubbleball-Spiel zwischen Schülern und Lehrern mit vollem Einsatz:

abistreich_2015_1

abistreich_2015_2

Danach noch Musik und Würste.

Votivtafeln 2015

abitur_2015_votivtafeln2

Das ist mal ein Brauch, der mir gefällt: Seit einigen Jahren – in Schulzeit umgerechnet: schon immer – wünschen Freunde und Verwandte den Abiturienten vor den Prüfungen mit Plakaten Glück. Am Anfang, noch im alten Schulgebäude, waren das nur wenige Plakate, und zwar, wenn die Erinnerung nicht täuscht, vor allem von Mitgliedern des Abiturjahrgangs aus dem Vorjahr, die diejenigen ihrer Weggefährten, die es beim ersten Mal nicht geschafft hatten, auf diese Weise beim zweiten Versuch Glück zusprachen.

Inzwischen hängen die jüngeren Schulkameraden die Poster auf, also aus dem aktuellen Jahrgang 11, die den Älteren Glück wünschen, und auch immer mehr Eltern sind involviert.

abitur_2015_votivtafeln

Wie ist das so als Schüler ib den Prüfungen? Zählt man nach, wie oft einem Glück gewünscht wird? Kriegt jeder Schüler ein Poster, oder ist das wie mit den amerikanischen Valentinskarten, von denen manche ganz viele und andere keine kriegen?

— Ich weiß, Votivtafeln stellt man in Kirchen erst dann auf, wenn das glückliche Ereignis eingetreten ist. Insofern bräuchte man einen zutreffenderen Begriff für diese Erscheinungsform. Aber ich fand das Wort so schön.

(Historisches: 2007 habe ich die Poster erwähnt, 2008 nur Graffiti, im selben Jahr gab es Bildchen auf den Sitzplätzen. Fotographioert habe ich die Bilder 2015 zum ersten Mal – man kriegt halt nicht immer mit, wenn Traditionen entstehen.)

Abiturrede 2014

(Nachgetragen, hier mein kurzer Bericht der Abifeier. Einige Stellen sind Insiderwitze, die ich nicht verstanden habe; wie bei allen Reden kommt es sehr auf den Vortrag und vor allem die konkrete Situation an – was mit einem etwas anderen Publikum vielleicht nicht funktioniert hätte, funktionierte hier gut.)

Sehr geehrte Anwesende,

dass ich nun hier als Repräsentant der Stufe vor Ihnen stehe, ist wohl überraschend, sowohl für Mitglieder der Stufe, als auch für einige Lehrer und nicht zuletzt für mich selbst.
Warum soll ich, soll jemand mit meinen Deutschnoten eine Rede schreiben und vortragen?
Ich bin in der Stufe weder besonders engagiert, noch halte ich mich komplett raus.
Ich bin kein schlechter Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Ich bin nicht der fleißigste Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Ich bin nicht der größte Schüler, bin aber auch kein [Name gestrichen].
Und ich kann zwar Einiges, aber ein [Name gestrichen] bin ich nicht.

Ich bin so eine Art Mittelding in einer Stufe, die sich aus vielen unterschiedlichen Charakteren zusammensetzt, und vielleicht qualifiziert mich das als Repräsentant, denn wir waren und sind eine Stufe aus vielen Gegensätzen und unterschiedlichen Typen – Typen und Persönlichkeiten, die durch zwölf Jahre Schulzeit zu dem wurden, was sie sind. Diese Jahre haben uns geprägt, wie es vermutlich keine andere Zeit in unserem Leben wieder tun wird.

Vor zwölf Jahren… beziehungsweise dreizehn Jahren… obwohl, bei manchen hat’s auch vierzehn Jahre gedauert, ich werde hier aber keine Namen nennen. Jedenfalls wurden wir damals in einem riesigen Labyrinth ausgesetzt, als Proviant wurde uns lediglich eine Tüte voller ungesunder Süßigkeiten mitgegeben, die nicht einmal einen Tag gehalten hat. Vielen Dank dafür!
An diesem Tag standen wir am Anfang unserer schulischen und persönlichen Entwicklung. Ein langer Weg, auch wenn es mir im Nachhinein viel kürzer vorkommt als es tatsächlich war.

Die Grundschulzeit zum Beispiel ist schon zu großen Teilen aus meiner Erinnerung verschwunden, diese ersten vier Jahre, an deren Ende wir uns mit Erreichen des Gymnasiums wie die Größten fühlten, nur um uns dort am untersten Ende der Nahrungskette wiederzufinden.
Und von da an begann der lange Weg durch das Labyrinth hin zum Abitur. Schon früh standen wir an der ersten wichtigen Kreuzung und mussten uns zwischen Latein und Französisch entscheiden, wobei natürlich galt: Latinam linguam sapientes eligunt!
Auch auf unserem weiteren Weg hatten wir einige Hürden zu überwinden. Beispielsweise mit dem Umzug in ein neues Schulgebäude und hier muss ich [der Schulleiterin] widersprechen, denn das neue Gebäude war für mich eher ein Labyrinth als das alte. Ich habe länger gebraucht, um das System mit Buchstaben und Zahlen zu verstehen, als ich es hier öffentlich zugeben möchte.
Und nicht zuletzt hatten wir auch mit uns selbst zu kämpfen, denn je älter wir wurden desto mehr ließ unsere Motivation nach… und unser Interesse… und unser Fleiß… und nicht zu vergessen: Auch unsere Aufmerksamkeit. Ich möchte mich hier kurz bei allen Lehren entschuldigen, die das zu ertragen hatten.
Und je mehr Salat wir aßen, desto mehr schrumpfte unser Bizeps, aber das gehört nicht hierher.

Wie auch immer, mit dem Erreichen der 11. Klasse rafften wir uns nochmals auf und gingen mit frischer Kraft ans Werk. Voller Tatendrang begannen wir zu lernen und ich bin mir sicher, dass das die meisten auch ganze 4 ½ Wochen durchgezogen haben. Danach… na ja, aber darüber will ich lieber erst gar nicht sprechen, lieber möchte ich sagen, dass die letzen Meter im Labyrinth, die Oberstufe also, wohl die beste Zeit unserer Schullaufbahn war.
Ein besseres Verhältnis zu Lehrern, endlich ein eigener Raum zur Entspannung, der jedoch durch Umzüge und zunehmende Vermüllung immer weniger Platz zur Entspannung bot, mit 18 schließlich die Möglichkeit, Entschuldigungen selbst zu unterschreiben und nicht zuletzt ein durch großartige Studienfahrten gestärktes Gemeinschaftsgefühl, all dies trug dazu bei, dass diese zwei Jahre trotz Klausuren- und Abiturstress zu einer unvergesslichen Zeit wurde. Manchen hat es sogar so gut gefallen, dass sie gleich drei Jahre daraus gemacht haben.

Und diese ganzen Jahre, nicht nur die letzten zwei, haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind und an dieser Stelle möchte ich kurz einigen Menschen danken, die uns auf diesem Weg geholfen haben.
Natürlich unseren Lehrern, die es nicht immer leicht hatten und besonders [der Oberstufenbetreuerin], die uns in den letzten zwei Jahren viel hinterher laufen musste. Und es soll hier auch ein Dank an das übrige Schulpersonal, das einen reibungslosen Schulalltag ermöglichte und uns regelmäßig mit frischen Leberkassemmeln versorgte. Und auch die Menschen außerhalb des Schullebens haben ihren Anteil daran, dass wir alle heute hier sind. Familie, Freunde oder auch der der Fußballtrainer und Geigenlehrer haben uns auf diesem Weg der schulischen und persönlichen Entwicklung begleitet. Vielen Dank!

Es tut mir sehr leid aber es ist noch nicht ganz vorbei, ein bisschen müssen Sie mich noch aushalten, denn ich möchte noch kurz ein paar Gedanken darüber verlieren was uns nun erwartet.
Unser Abimotto beschreibt uns als Verwirrte, als Suchende, die nun endlich an ihr Ziel gelangt sind. Doch sind wir wirklich am Ziel? Im eigentlichen Labyrinth sind wir noch weit vom Ziel entfernt, wir glauben gerade dem Labyrinth entkommen zu sein, aber wir befinden uns noch mittendrin und noch dazu an einer äußerst wichtigen Kreuzung. Wir können nun entscheiden, was wir mit diesem Zeugnis anfangen, und dabei stehen uns viele Wege offen. Das Großartige an dieser Kreuzung ist, dass es keinen falschen Weg gibt. Der Weg, den wir nehmen ist nicht falsch solange wir ihn selbst wählen. Einige behaupten, der beste und einzig richtige Weg mit Abitur wäre Studium, Beruf, Rente und schließlich tot umfallen. Aber das ist nicht wahr, wir haben nun die Freiheit vollkommen selbstständig über unsere Zukunft zu entscheiden, und was wir mit unserem Abitur machen, ist uns allein, jedem einzelnen überlassen.
Wir können Rap-Star, Perlentaucher oder sogar Lehrer werden. Wenn es das ist was wir wollen, dann ist es das Beste, was wir aus unserem Abitur machen können. Und ich möchte jeden auffordern, diese Entscheidung für sich zu treffen und sich nicht von anderen reinreden zu lassen.

Ihr habt die Wahl, nutzt sie!
Vielen Dank!

Abiturfeier 2014

Gestern war die Abifeier. Ich kannte nur einen kleinen Teil des Jahrgangs und hatte nur wenige Schüler davon im Seminar (11. und die erste Hälfte der 12. Jahrgangsstufe), bin aber trotzdem hin.

abitur2014_gruppenfoto

Beste Rede des Abends: Die des Schülers, der für die Abiturienten sprach. Das Reden machte ihm sichtlich Spaß, aber er wirkte dabei nicht wie jemand, der sich grundsätzlich gerne reden hört. Sehr entspannt vorgetragen, mit einem überraschenden Einstieg. („Manche haben sich gewundert, als sie hörten, dass gerade ich die Rede halten würde. Ich bin kein besonders fleißiger Schüler, aber ich bin auch kein [Name eines Mitschülers]. Ich bin kein besonders schlechter Schüler, aber ich bin auch kein [Name eines anderen Mitschülers].“) Und so weiter. Das Gelächter unter den Erwachsenen war am Anfang etwas ungläubig, aber in der Situation hat die Rede gepasst.
Es folgte ein Blick zurück, mit angemessenem Maß an Selbstkritik, und ein Blick nach vorn, mit angemessenem Optimismus. Mir fehlte zumindest eine Note von Kritik an konkreter Schule oder Schulsystem, aber man man nicht alles haben.

abitur2014_pferd

Gegenpunkte dazu setzen Elternbeirat und die betreuende Oberstufenkoordinatorin, die die Abiturienten vorsichtig daran erinnerten, dass sie es doch eigentlich ganz gut hätten. Der stellvertretende Landrat wünschte den Abiturienten ein „Chillen Sie erst mal“, auch angesichts der vielen der Abizeitung zu entnehmenden Reisepläne nach Neuseeland. Nu. Besser gefiel mir der sehr authentisch wirkende neue Oberbürgermeister der Stadt, der nicht nur ein paar Spitzen gegen das G8 abließ, sondern den Abiturienten angesichts der Neuseeland-Popularität riet, sich doch mal per Zug in Europa umzusehen, nur so als Vorschlag.

Dauer: knapp 4 Stunden, mit einer halben Stunde Pause dazwischen. Gelobt sei ein Schüler, der wenigstens ein kleines anarchisches Zeichen setzte und die ganze Veranstaltung über, Zeugnisübergabe eingeschlossen, mit einem Eselskopf herumlief. Vielen Dank dafür!

Die Kleidung war bei den Herren etwas festlicher als die letzten Jahre, bei den Damen dominierte das Cocktailkleid, eine Handbreit überm Knie, aber auch ein paar lange Kleider gab es. Am besten gefielen mir aber die schlichten Sommerkleider, gepunktet oder mit Blumen. Bei der Abiturzeignisvergabe ist es im Gebäude immer recht warm, da passt die sommerfrische Kleidung vielleicht eher als die edle.
Beste Frisur des Abends: kurz. (Und gepunktetes Kleid dazu.) So richtig Jean Seberg in „Außer Atem“. Kurz gefällt mir überhaupt bei den meisten Frauen am besten. Populär scheinen zur Zeit aber Brautlocken zu sein.

Abimottos – die Dialektik der Originalität

Was ist ein Abimotto? Das Abimotto ist ein doppeldeutiger Wortwitz, eine Wortspielerei in der sich möglichst die Buchstaben ABI wiederfinden sollten. Der Leitspruch ist unverwechselbares Merkmal eures Abi-Jahrgangs. Perfekt umgesetzt ist es, wenn die Schüler der gesamten Schule genau wissen, welche Jahrgangsstufe gemeint ist, sobald das Motto auch nur erwähnt wird.
http://www.abiball-planer.de/abimotto/

Sagen wir mal so: perfekte Abimottos in diesem Sinn gibt es wenig. Zumindest weiß schon ein Jahr danach kaum einer mehr, welches Motto zu welchem Jahrgang gehörte. Die Mottos sind aber auch völlig austauschbar. Nur dass 2007 irgendwas mit James Bond war, das wusste man noch – wie an Dutzenden von anderen Schulen in jenem Jahr ebenso.
Mit Recherche im Web und freundlicher Hilfe von Ehemaligen habe ich dann doch noch folgende Liste zusammengekriegt:

  • 2019 Westminster Abi – der Adel dankt ab (Nachtrag)
  • 2018 Abi rouge (Nachtrag)
  • 2017 Habi Potter – Vom Stein zum Weisen (Nachtrag)
  • 2016 12 Jahre Druck – endlich Diamanten(Nachtrag)
  • 2015 Abi-lymp – Auch Götter müssen einmal gehen (Nachtrag)
  • 2014 LABIrinth – 12 Jahre Verwirrung und trotzdem am Ziel (Nachtrag)
  • 2013 Abi heute – Captain Morgen
  • 2012 Ab(i)wesend – für immer entschuldigt
  • 2011 Rasso’s Eleven – Time for Another Job (G8)
    2011 GRG 9 – der letzte Einsatz (G9)
  • 2010 Strebergarten – endlich weg vom Tulpenfeld
  • 2009 Abistokratie – der Adel geht, der Pöbel bleibt
  • 2008 Germany’s Next Top Student
  • 2007 Abi007 – die Abigenten – Der Jahrgang der ihn liebte
  • 2006 Abiglam
  • 2005 Abikalypse – das Ende aller Plage
  • 2004 GlABIator
  • 2002 Das Wars – vergessen du musst was jemals du gelernt
  • 2001 Abimeister
  • 2000 Keines! Nach Auskunft eines Teilnehmers bisher. Toll!

Gut finde ich eines davon, brauchbar ein zweites.

Was sein muss: ein Wortspiel und ein nachgeschobener Slogan als Ergänzung. Die Mottos oben reihen sich nahtlos ein in folgende Listen von Abimottos – hunderte, aus denen man auswählen kann, alle ununterscheidbar in ihrer Suche nach Einzigartigkeit:

http://www.abi-stoff.de/abimotto-abschlussmotto/
http://abitipps.de/organisation/abimottos/abimotto-vorschlaege
http://www.abiball-planer.de/abimotto/
http://www.abital.de/abimotto.htm

(Zur Originalität: Ein Original ist, was kopiert wird. So wie gute Lieder gecovert werden.)

Ich weiß nicht, wie Abimottos entstehen; es würde mich interessieren. Ich nehme mal an, dass Listen aushängen, wer für was zuständig ist. Bestimmte Schüler gehen in den Arbeitskreis „Abizeitung“, andere in den Arbeitskreis „Abimotto“. Dann blättern manche davon im Web die Abimottolisten durch und schreiben sich die Mottos heraus, die ihnen gefallen; dazu kommen ein paar eigene Ideen. In der Abimotto-Gruppe setzen sich dann zwei oder drei Vorschläge durch (auf welcher Basis?), über die dann alle im Jahrgang abstimmen, die bei der Abstimmung mitmachen. Nach welchen Kriterien entscheiden die? Spielen die Personen der Leute, die das Motto vorschlagen, eine Rolle? Vermutlich ist es tatsächlich nur das Ausmaß, in dem das Motto als unverwechselbar witzig empfunden wird.

Die Option, auf ein Motto zu verzichten, oder ein ernsthaftes Motto zu wählen, gibt es nicht. Das hieße zu viel Originalität wagen.

Nur dass es nicht verloren geht…

In Coburg hat ein Schulleiter alle Deutsch-Abituraufgaben pauschal um einen Punkt nach oben gesetzt. Offiziell war der Schulleiter, der auch Deutschlehrer war, wohl Drittprüfer – ungewöhnlich, dass es nur einen Drittprüfer für einen ganzen Jahrgang gibt, aber tatsächlich braucht man den selten, nämlich nur dann, wenn sich Erst- und Zweitprüfe rnicht einig werden.
Das mit der eigenmächtigen Notenverbesserung darf er natürlich nicht, aber die Noten gelten trotzdem, sagt das Kultusministerium.

Fachlich beruft sich der Schulleiter wohl darauf, dass die Korrekturen der Deutschlehrer „zu penibel“ waren.

Das Ministerium gibt dem Schulleiter fachlich recht, wohl in Form des zuständigen MB, der extrem fleißig gewesen sein muss, um sich die Arbeiten gründlich genug angesehen zu haben.

Der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbands stellt sich – siehe Neue Presse – voll hinter das Kultusministerium.

Ich kann mir das mit den zu penibel korrigierten Arbeiten nicht vorstellen. Es sieht eher so aus, als will ein Schulleiter ein Exempel statuieren (dass ich so etwas je schreiben würde…) und seinen Deutschlehrern zeigen, wer der Chef ist. Aus der Ferne lässt sich das schlecht beurteilen. Positiv allerdings, dass es Schulleiter gibt, die sich so etwas trauen. Aber so richtig böse wird das Kultusministerium in dem Fall ja auch nicht werden.

(Alle Links aus den lehrerforen.de)