Abitur 2017: Neue Termine

By | 11.2.2017

Das Abitur in Bayern: Es wird zentral gestellt, aber an den Schulen vom jeweiligen Fachlehrer korrigiert; eine zweite Lehrerin an der Schule ist Zweitprüferin der Klausuren; die beiden einigen sich auf eine Note. (Können sie sich nicht einigen, wird ein dritter Prüfer herangezogen.) Es gibt in drei Fächern schriftliche Klausuren, im Anschluss daran mündliche Prüfungen in zwei Fächern. Die erste der schriftlichen Prüfungen war traditionell Deutsch, vielleicht aus historischen Gründen, vielleicht weil die Korrektur dieser Aufgaben am längsten dauert.

Inzwischen ist die Reihenfolge aber offen, und das liegt daran, dass immer wieder Teile der Aufgaben bundeslandübergreifend gestellt werden. Und damit müssen diese Prüfungen natürlich am selben Tag stattfinden, und das wird erschwert durch die unterschiedlichen Ferien- und Schuljahrestermine in den veschiedenen Ländern.

Und so begab es sich, dass die Abiturprüfungstermine für 2017 so festgelegt wurden:

  • 03.05.2017 Mathematik
  • 09.05.2017 Deutsch
  • 12.05.2017 3. Fach (häufig und zum Beispiel Englisch)
  • 22.05. – 26.05.2017 1. Mündliche Prüfung
  • 29.05. – 02.06.2017 2. Mündliche Prüfung

Damit hätten die Lehrer und Lehrerinnen in Bayern je nach Fach etwas mehr oder etwas weniger als drei Wochen Korrekturzeit gehabt; an diese hätten sich die Pfingstferien angeschlossen, in denen die Zweitkorrektoren die Klausuren bearbeitet und mit den Erstprüfern besprochen hätten.

Denn als Termin für die Bekanntgabe der Noten war der Montag nach den Pfingstferien festgelegt und mitgeteilt worden: der 19.06.2017.

Das ist jetzt aber nicht mehr so. Am Freitag, 10.02.2017 hat das bayerische Kultusministerium die Gymnasien informiert, dass die Ergebnisse bereits am 02.06.2017 am Nachmittag mitgeteilt werden müssen, das ist der Freitag vor den Pfingstferien. Hier die Pressemitteilung des Kultusministeriums: Nach „eingehender Prüfung“ habe man „pädagogische Erwägungen“ vorgenommen und danke jetzt „allen, insbesondere den betroffenen Lehrkräften, für die Bewältigung der mit der Terminverlegung verbundenen Auswirkungen.“

Denn die Lehrer und Lehrerinnen sind alles andere als begeistert. Für eine reguläre Klausur hat man laut Schulordnung drei Wochen Korrekturzeit, und für diese Abiturprüfung hat man jetzt weniger als das – obwohl die Prüfungen umfangreicher und wichtiger sind und nach der Korrektur noch die Korrektur durch den Zweitprüfer erfolgen und mit diesem besprochen werden muss.

– Was waren das für „pädagogische Erwägungen“ des Kultusministeriums, die zu dieser Entscheidung geführt haben? Ich vermute, dass es keinesfalls nur solche waren. Vielmehr gab es eine vom Kultusministerium nicht erwähnte Petition, die am 05.02.2017 um eben diese Terminverlegung bat:
https://www.openpetition.de/petition/online/abi-nomtenbekanntgabe-am-2-juni (Tippfehler bereits im Original).

Die Petition wurde etwa 25.000 mal unterschrieben, zum Großteil von Bürgern aus Bayern. Eingereicht wurde die Petition von Schülerinnen und Schülern; den Text der Petition und Pro-Contra-Kommentare dazu kann man durchaus mal lesen. Die Kurzfassung: Wenn man erst nach den Ferien seine Noten erfährt, und danach erfährt oder entscheidet, dass man in die mündliche Ergänzungsprüfung in einem oder mehreren Fächern muss, dann bleibt zu wenig Zeit zur Vorbereitung darauf – diese Prüfungen finden tatsächlich in der Woche nach den Ferien statt. Sie sind verpflichtend für die Schülerinnen und Schüler, die bei den schriftlichen Abiturprüfungen zu schlechte Ergebnisse hatten und sie verbessern müssen, um das Abitur überhaupt zu bestehen. Und im Vergleich zu früheren Jahrgängen fühlen sich die Petitionseinreicher dadurch benachteiligt.

Meine Beurteilung des Verhaltens der Petitionsunterzeichner:

Den Vergleich mit früheren Jahren halte ich für zu simpel; in früheren Jahren war die Gewichtung schriftlicher zu mündlicher Noten auch 2:1 statt wie jetzt 1:1 – da hat sich auch keiner beklagt, dass es jetzt leichter ist, gute Noten zu kriegen und überhaupt bis zum Abitur zu kommen. Mich stört, dass die Ergänzungsprüfung, die eigentlich als Maßnahme für den Notfall gedacht war, jetzt schon bereits vorher mit eingeplant wird. Ich kenne keinen Statistiken, wie viele Schüler in Bayern in diese Prüfungen gehen, ich nehme mal an, Tendenz steigend. (Dazu passt auch, dass immer mehr Schüler schon sehr früh planen, die 11. Jahrgangsstufe als Versuchsballon zu besuchen – deren Wiederholung wird schon eingeplant, bevor sie nötig ist.) Allerdings finde ich es gut, wenn Schülerinnen und Schüler Werkzeuge wie Petitionen kennen und nutzen.

Meine Beurteilung des Verhalten des Kultusministeriums:

Pädagogische Erwägungen, my foot. Es ist Wahljahr und man will nichts riskieren, und die Rechtsabteilung warnt sicher davor, irgendwem irgendwas zu geben, was irgendwie der Anlass zu einer Klage sein könnte. Bloß nicht noch mehr schlechte Presse in der Bildungspolitik.

Meine Beurteilung des Verhalten der Schulleitungen:

Man wünschte sich, die würden wenigstens beim Kultusministerium anrufen und sich beschweren. Aber Behördenleiter denken da realistisch, fürchte ich. (Mit meiner Schulleitung habe ich noch nicht gesprochen, versteht sich.)

Wie es weitergehen wird:

(Reines Raten meinerseits. Ich bin eh nur am Rande betroffen.) Die Verbände werden darauf hinweisen, dass das aber nicht schön ist. Das Kultusministerium wird den Schulen erlauben, den korrigierenden Lehrkräften falls nötig einen Tag frei zu geben für die Korrektur, wobei der Unterricht dieses Tages dann von anderen Lehrkräften zu vertreten ist. Diese werden sich ärgern. Die Lehrkräfte werden ein wenig schneller und weniger sorgfältig korrigieren als sonst, die Noten werden zum Ausgleich nicht schlechter werden, die Zweitprüfer werden nur pro forma kurz über die Arbeiten schauen. Das lässt sich alles schon irgendwie regeln. Man wird mit dem Gedanken spielen, die mündlichen Ergänzungsprüfungen dann besonders schwer zu machen, aber das natürlich nicht umsetzen. (Ernsthaft und völlig unironisch.) Der Respekt der Lehrer vor dem Kultusministerium wird nicht weiter sinken, weil das nicht geht, und dem Kultusministerium wird das egal sein und egal sein dürfen.

9 thoughts on “Abitur 2017: Neue Termine

  1. Quirks

    Auch wenn es kaum realistische Chancen auf eine erneute Terminverschiebung gibt, könnte man erwägen, ob man die Gegenpetition auf openPetition ‚Bekanntgabe der Abiturergebnisse am 19. Juni 2017‘ (https://openpetition.de/!xwftd) zeichnen möchte.
    So als Zeichensetzung…

  2. Tanja

    Mir gefällt dein Raten. Klingt realistisch, wär‘ bei uns so ähnlich.

  3. ixsi

    Erwähnenswert halte ich die Termine für die Abiprüfungen. Hier in Niedersachsen wird gern damit argumentiert, dass die Termine mit bundesweiten Aufgaben in allen teilnehmenden Bundesländern gleich sein müssen und demnach Mathe immer der letzte oder vorletzte Termin ist. Aber: Deutsch und Englisch werden bei uns in der Woche vor Mathe geschrieben, völlig unabhängig von Bayern. Angesichts der schon im Juni beginnenden Ferien wäre hier also durchaus ein Spielraum gewesen, um Deutsch und Englisch vor die Osterferien (die in diesem Jahr die Haupt- und Nebenfachprüfungen trennen) zu legen, um die Korrekturbelastungen in den Hauptfächern zu reduzieren.

  4. Herr Rau Post author

    Die Petition habe ich schon mal unterzeichnet, sie ist mindestens so seriös wie die ursprüngliche. Deren Argumentation ist übrigens hanebüchen, aber die Entscheidung des KuMi hat ja auch rein gar nichts damit zu tun. Benachteiligt sind die Schülerinnen und Schüler, die in die Nachprüfung müssen, keinesfalls, wir sind die Termien noch einmal durchgegangen.
    Besonders benachteiligt sind übrigens die Kollegen im dritten Prüfungsfach: Die haben während dieser verkürzten Korrekturzeit auch noch Kolloquien.

    Schöne Idee des Kollegen: In diesen Wochen nur Videos zeigen, in allen Fächern, zwei Klassen pro Aufsicht führende Lehrkraft, weil der Rest mit Korrektur beschäftigt ist.

  5. Kurt Zobrist

    Nachdem die Lehrer ja sowieso nie richtig arbeiten und man die Frösche nicht fragen muss, wenn man den Teich trocken legt (und ähnliche Äußerungen, die es schon öfter in den Medien gegeben hat), werden wir mit der Petition leider keinen Erfolg haben. Trotzdem finde ich sie als Zeichen wichtig.
    Viel netter als die Idee mit den Videos fände ich ja, dass alle besonders betroffenen Kollegen eine „Überlastungsanzeige“ einreichen. Wer rechnerisch seine gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht einhalten kann und somit in Folge der drohenden Überlastung sich oder andere gefährdet, muss das dem Arbeitgeber anzeigen. Die Verpflichtung Missstände anzuzeigen gelten für Beamte sonst ja auch meist nochmal verstärkt.
    Im Rahmen der Fürsorgepflicht müsste der Arbeitgeber dann Abhilfe schaffen und außerdem übernimmt er ohne entsprechende Abhilfe die Verantwortung für die Folgen. In manchen Kollegien könnten da schon einige Leute die Voraussetzung dafür erfüllen. Wäre ja schade, wenn ein Kollege dann die Wahl zwischen Korrektur oder Kolloquium treffen muss, weil beides nicht geht oder einfach mal die Schule bis auf Notbetrieb zu ist, weil alle zu viel mit Prüfen beschäftigt sind. Da freuen sich dann alle Eltern doch so wie bei den Kindergärten in Streikzeiten…

  6. Herr Rau Post author

    Ja, an Überlastungsanzeigen denken wir auch. Nur für den Fall. Aber die Abhilfe, die da der Vorgesetzte schaffen muss, besteht sicher darin, dass die etwas freikriegen und ich dafür Vertretungsstunden mache. Also doch wieder Videos. (Außer ich bin selber überlastet, klar.)

  7. Herr Rau Post author

    Danke, drucke ich aus und lege es in der Schule auf die Theke. Bei uns ist die Reaktion ja sehr gemäßigt.

  8. Steff

    Zum Merkurartikel: da wird ja manches Wahre angesprochen, auch in unterhaltsamer Form. Leider aber in einer maximal groben Hau-Drauf-Manier, die für Diskussionen in dieser Zeit leider immer typischer wird. Sind wir denn schon so abgestumpoft, dass uns feinsinnigere Beiträge wie z.B. hier von Herrn Rau nimmer anrühren? Dass man uns die Argumente mit dem Spaten ins Gesicht trümmern muss? Dass wir es unter einer Generalmobilmachung nimmer machen? Brauchen wir dieses Geschrei, um unsere Gedanken ordnen zu können?
    Es klang oben schon an, vielen Dank an den Gastgeber hier für seine Art, sich den Dingen zu nähern.

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