osterferienreif

By | 14.4.2011

Dieses vorgezogene G9-Abitur ist eine Belastung für alle Lehrer. Dementsprachend blank liegen auch Nerven im Lehrerzimmer. Unterstützung durchs Kultusministerium: null. Gleichzeitig: zwei Klausuren in der Q11, Zweitkorrektur Leistungskurs im K13-Abitur, schriftliche und mündliche Abiturprüfungen von Externen – so geht es nur mal mir. Normalerweise schafft man das, in dem man seine sonstigen Arbeiten in anderen Klassen auf andere Termine verlegt. Zum Beispiel zwischen Ostern und Pfingsten, nur dass da das ganze Spiel mit dem G8-Abitur noch einmal wiederholt wird.

Schülermails in der letzter Zeit schwanken zwischen kommentarlosen Anhängen und ausführlichen Botschaften. Merke: Wenn man mit „Sehr geehrter Herr Rau“ anfängt, hört man „mit freundlichen Grüßen“ auf; wenn man mit „Lieber Herr Rau“ anfängt, schließt man mit: bis morgen, herzliche Grüße, viele Grüße, schöne Grüße. Und jeweils umgekerht. Wer sich nicht traut, das Wort „Lieber“ zu verwenden, nimmt dann halt: „Hallo“. Ich hätte mir als Schüler auch eher den Arm abgebissen als „lieber“ zu schreiben, auch wenn die Lehrer das immer so wollten. (Bei Musterdankesbriefen an Onkels oder Tanten.)
— Und das alles sollte eigentlich eine Einleitung sein, um einen Blogeintrag von Lothar zu verlinken, der einen schönen Formbrief für kommentarlose Anhänge vorstellt. Leider ist der Blogeintrag verschwunden, jetzt hänge ich etwas in der Luft. Wenn er nochmal erscheint, verlinke ich ihn.

War heute in Buchhandlung, nach was Hübschem zum Nichtengeburtstag suchen (2 Jahre). Zum einen: schön, auch mal nicht in der Vorweihnachtszeit nach so etwas zu suchen. Ist viel leerer. Aber: die meisten Bilderbücher, die ich gesehen habe, habenn mir nicht gefallen. Und zwar allein schon mal und vielleicht vor allem das Layout und die Typographie der Titelbilder. Das sieht so aus, als hätte ich das gemacht: Irgendein langweiliger bunter Zeichensatz, gut gemeinte Verteilung über die Seite. Ich kann es vorerst nicht besser beschreiben als: so hätte ich das auch gemacht, und mir gefallen meine typographischen Experimente nicht besonders. Hab’s auch nie gelernt. Ich weiß, dass es auch anders geht, weil ich schöne Kinderbücher kenne. Aber sie hatten keine davon da.

Ansonsten: kaum ist das mit dem Sperren von Kinderpornographieseiten vom Tisch, kommt der nächste Versuch: außerdeutsche Glücksspielseiten sollen von Deutschland aus nicht mehr erreichbar sein. Lesen: Indiskretion Ehrensache und den schlicht „Lügner“ betitelten Eintrag im Lawblog. Es geht nicht und ging nie um Kinderpornographie, sondern um die prinzipielle technische Möglichkeit, deutschen Internetbenutzern bestimmte Seiten sperren zu können. Glücksspiele; Killerspiele; urheberrechtlich Bedenkliches – auch wenn das im Ursprungsland legal ist. Das ist konsequent und verständlich, aber trotzdem falsch. Mich selbst betrifft das zum Beispiel so: bei Project Gutenberg gibt es jede Menge Material, das in den USA gemeinfrei ist, in Deutschland aber noch geschützt ist. (So ist das Urheberrecht halt.) Ich möchte trotzdem auf Project Gutenberg zugreifen können. „Ich möchte“ ist natürlich kein Argument gegen einen bestehenden rechtliche Lage.

In der Lehrerrundmail gefunden: Audiogames. Zum Beispiel ein Autorennspiel mit schwarzem Bildschirm – man hört nur den Motor, die Straße, die anderen Autos und eine manchmal ruhige, manchmal fast hysterische Stimme „easy left“, „right“ oder „RIIIIGHHHT!!!!“ sagen. Auch das Menü ist audio only. Es gibt aber auch Adventures und viel mehr, habe bisher nur ein paar ausprobiert.

Ach ja, und wenn man sein Google auf Englisch stellt, kann man als Suchkriterium einen Schwierigkeitsgrad für dei Sprache der gesuchten Seite angeben: Beginner, Intermediate oder Advanced. Außerdem kriegt man angezeigt, wieviel Prozent der gefundenen Seiten auf welchen Schwierigkeitsgrad entfallen. Der Wunschtraum für Englischlehrer: man sucht einen Text zu einem Thema und mit einem gegebenen Schwierigkeitsgrad. Ich habe ein bisschen experimentiert, die Ergebnisse haben mich aber noch nicht überzeugt. Einstieg zum Thema bei lifehacker.

(Und nächstes Jahr fahre ich vielleicht auch auf die re:publica, wenn sich das schulisch machen lässt. Als Fortbildung oder so.)

17 thoughts on “osterferienreif

  1. Pingback: Google hilft beim Verstehen

  2. Herr Rau Post author

    Danke für die Empfehlungen. Wimmelbücher gehen bei der Nichte immer (und die sehen fast alle auch gut aus). Akkuratus2 hatte ich noch nicht gesehen, sieht außen okay aus, innen noch besser. Man muss der Kleinen ja auch bald mal Science Fiction beibringen.

  3. Holger

    Noch eine Nichtenempfehlung: Das Grüffelo – lässt sich unser kleiner mittlerweile von der großen (5) vortragen; die kann zwar noch nicht lesen, das Buch aber schon auswendig. http://www.grueffelo.de/

  4. Beelzebub Bruck

    Ich bräuchte gar keine Unterstützung vom Kultusministerium, es würde reichen, wenn die Kollegen aus der Spaßfachschaft nicht auch noch dauernd entweder im Weg stehen oder nette kleine Alltagsschikanen einbauen würden, ob ungewollt oder nicht.

  5. adventskranz

    Das Lehrerleben ist ein hartes.

    Neben den vielen Dienstreisen, Budgetschwierigkeiten und Urlaubsknappheiten muss man auch noch permanent um seinen Job bangen.

  6. Herr Rau Post author

    Verdammt, ein Insider. Damit konnte ja niemand rechnen.

  7. Beelzebub Bruck

    Nur einer von 79 Millionen, der Rest geht noch zur Schule.

  8. Andreas Kalt

    Auch für die Nichte (und den Onkel mit typografischem Anspruch): „Schau her, was ich schon alles kann“ von Stefan Baumann (der Autor hat Kommunikationsdesign studiert und ist Dozent für Zeichnen und Grafik, die Texte im Buch sind – wenn sich mein Laienauge nicht täuscht – in Futura gesetzt. Oder: „Die Kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle. Die Ausgabe aus dem Gerstenberg Verlag ist typografisch auch gut.

  9. Herr Weese

    …seltsam, irgendwie hab’ ich die ganze Zeit gedacht, das hieße “Nichtgeburtstag”. Für den Zweck hätte ich eine DVD von “Alice im Wunderland” empfohlen oder sowas…

  10. Herr Rau Post author

    Raupe Nimmersatt: Gibt’s natürlich schon. Das gehört in jeden Haushalt.

  11. Apuk

    Göttlich für kleine postmoderne Literaten: „Und vergiss nicht, dir die Zähne zu putzen“ von Philippe Corentin – nicht halb so pädagogisch, wie der Titel klingt, dafür wird der Spieß aber ganz schön umgedreht: Zunächst hat ein kleines Krokodil Lust, ein kleines Mädchen zu probieren. Nur mit dem Mädchen hat es nicht gerechnet…

  12. Tanja

    Wir Schweizer schreiben viel schneller „Liebe/r“, ist mir auch schon aufgefallen. Wir kombinieren auch mit „freundliche Grüsse“, aber gut zu wissen, dass das in Deutschland nicht üblich ist.

    Gibt es keinen Kinderbuchladen mehr in München? Hatte nicht Jutta Langreuter mal einen? Es ist sehr schwierig, heutzutage pfiffige, mutige, originelle Kinderbilderbücher (Bajazzo Verlag, Hammer Verlag, Moritz Verlag etc.) an den Mann/die Frau zu bringen. In der Folge werden die Bilderbuchsortimente seicht, aber die Mehrheit der Kundschaft will es leider so (rosa für Mädchen, blau für Bübchen). Dass es immerhin die Wimmelbücher noch in den Mainstream schaffen, ist ein Segen.

    Schöne Osterferien dir.

  13. Herr Rau Post author

    Den Kinderbuchladen („Leselotte“) gibt es noch, ich habe ihn mir notiert und auch das mädchenhungrige Krokodilbuch. Dann kann ich mich rechtzeitig für Weihnachten umsehen.

  14. Petra

    Den Hinweis auf das Project Gutenberg habe ich nicht recht verstanden. Finde auch die Navigation recht schwierig.
    Ich kenne allerdings das Projekt Gutenberg von Spiegel online.
    Habe die Isabella gefunden und freue mich aufs Lesen.
    Kleiner Tipp – Alice Behrend – Die Reise des Herrn Sebastian Wenzel.
    Es gibt in Berlin eine Alice-Behrend-Straße, die jahrenlang von keinem Taxifahrer gefunden wurde, weil sie neu erbaut wurde im ehemaligen Niemandsland zwischen Ost und West.

  15. Herr Rau Post author

    Bei Projekt Gutenberg gibt es ja nur deutsche Texte, und immer nur kapitelweise auf einmal. Project Gutenberg (gutenberg.org) ist das größere Projekt und hat damit nichts zu tun; dort gibt es zwar auch deutschsprachige Texte, aber vor allem englischsprachige.

    Und in den USA ist so ziemlich alles, das dort vor 1923 veröffentlicht wurde, public domain. Egal ob britisch oder amerikanisch oder was auch immer. Und so sind manche Bücher von P.G. Wodehouse in den USA gemeinfrei und in Europa nicht – da gilt 70 Jahre nach dem Tod des Autors.

    Von Arnim würde ich auch gerne mal Die zerbrochene Postkutsche lesen. Klingt interessant, gibt’s aber nicht im Netz.

    Alice Berend: kannte ich gar nicht, ist notiert, danke.

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