Studiumschnuppern an der Uni

Am Montag bis Mittwoch können wie in den Jahren zuvor auch schon Schüler im Rahmen eines „Probestudiums Informatik“ Studienluft schnuppern, es gibt Vorlesungen für sie und Workshops. Die Vorlesungen in diesem Jahr:

  • Prof. Dr. Hans Jürgen Ohlbach: „Paralleles Programmieren für moderne Multicore-Prozessoren“
  • Prof. Dr. Volker Heun: „Bioinformatik oder: Über Pfannkuchen bei Bill Gates bis Futurama“
  • Martin Werner: „Ubiquitous Computing: Informatik im Alltag“

Der Monopteros oben? Die Vorlesungen sind im Hauptgebäude der LMU (Haltestelle: Universität), die Workshops im Informatikgebäude (Haltestelle: Tivolistraße). Beide Stationen kenne ich, zu ihnen fahre ich von meiner nächstgelegenen Haltestelle jeweils in verschiedene Himmelsrichtungen los. Um so überraschter war ich, als die Landkarte zeigte, dass man vom einen Ort zum anderen bequem zu Fuß in zehn Minuten laufen kann – quer durch den Englischen Garten. Mein Orientierungsvermögen ist nicht so besonders.

Viel Zeit verbringen die Schülerinnen und Schüler in den Workshops. Angeboten werden in diesem Jahr:

  • 3D-Programmierung mit VPython
  • Handy-Programmierung Android
  • Technische Informatik, Betriebssysteme und IT-Sicherheit

Und was sind das für Schülerinnen und Schüler? Erst mal: es sind viele. Sie sind freiwillig da. Und sie haben alle keine Angst vor Computern. Mitgehörten Gesprächsfetzen entnehme ich, dass wir uns um die zukünftige IT-Generation gar nicht so viel Sorge machen müssen.

Am LMU-Informatikgebäude wird gerade viel gebaut. Deshalb sieht es vor den Computerräumen – im Kellergeschoss – auch tatsächlich ein wenig so aus wie bei The IT Crowd:

Es ist schön zu sehen, wenn Schüler gerne und selbstständig arbeiten. Warum kann denn Schule nicht so sein? Zum einen, weil Schule das ganze Jahr über ist statt Ausnahmesituation. Zum anderen, weil in der Schule keine Freiwilligen sitzen. (Beides ist auch anders denkbar, wäre aber eine äußerst große Umstellung.) Der Staat – hoffentlich im Auftrag der Gesellschaft – möchte, dass Schüler in vielen Bereichen gebildet werden, auch wenn die Schüler das nicht wollen. (Oder können die Schüler das dann doch als Erwachsene nachholen?) Und schließlich: weil ein Schnupperstudium/-praktikum in anderen Fächern nicht so funktionieren würde. Ich glaube wirklich, dass Informatik da anders ist als andere Fächer. Vorlesungen in Germanistik, Religion, Wirtschaft, Mathematik, Chemie, jeweils mit einem praktischen Teil? Der praktische Teil am Programmieren macht den Unterschied. „Code is poetry“, richtig, aber anders als bei anderen Formen der Poesie kriegt man bei Code sofort Rückmeldung, ob etwas funktioniert oder nicht. Der praktische Teil bei der Literaturwissenschaft bedeutet: Lesen und mit Leuten darüber reden. Das geht schwerer.

5 Thoughts to “Studiumschnuppern an der Uni

  1. Genau! Hm… dabei stelle ich mir vor, dass man zumindest hinsichtlich des Metrums gut automatisch überprüfen lassen kann. Man braucht ein Wörterbuch von Wörtern mit Angabe der Silben- und Betonungszahl, gerne auch mit Varianten. Dann stelle ich mir das duchaus machbar vor. Schüler tippt Text ein, Maschine spuckt aus: jambischer Fünfheber mit weibliche Endung. Oder: unregelmäßiges Metrum, vier Jamben und ein Trochäus dazwischen. Der Schüler bastelt so lange herum, bis es passt.

    Zugegeben: das Metrum ist nur ein kleiner Aspekt. Und auch: erfahrene Leser analysieren das selber sehr schnell. Aber vielen Schülern fällt das trotzdem kolossal schwer.

    Aber der Vorteil des Programmierens ist nicht nur die unmittelbare Rückmeldung, sondern auch die permanente Versuchung, da noch ein bisschen zu verbessern, und dort noch etwas zu schrauben. „Nur ganz kurz noch!“ denke ich mir selber oft, und wenn das erledigt ist, kommt die nächste Idee.

    Andererseits, baby steps und beliebige Erweiterbarkeit, das gibt es bei menschlicher Sprache doch eigentlich auch. Fehlt wirklich nur die Rückmeldung?

  2. „Aber der Vorteil des Programmierens ist nicht nur die unmittelbare Rückmeldung, sondern auch die permanente Versuchung, da noch ein bisschen zu verbessern, und dort noch etwas zu schrauben. “Nur ganz kurz noch!” denke ich mir selber oft, und wenn das erledigt ist, kommt die nächste Idee.“

    Deswegen halte ich auch die Entwicklung von IDEs für natürlichsprachige Texte für eine sehr gute Idee. Dieses Paper denkt in diese Richtung: http://www.springerlink.com/content/v6rq8616w6g62512/

  3. Gratuliere, Frau Klugscheisser! (Wir haben es uns alle so vorgestellt.)

    ke, interessante Idee, habe noch nie darüber nachgedacht. Wir hacken ja eh sehr auf Gliederungen herum in der Schule, da könnte man schon mal ansetzen.

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