Die Spannerkehre

Die Spannerkehre:

Typisches Manöver jüngerer oder älterer Herren beim Passieren eines Schaufensters, das halbgekleidete Damen zeigt (es kann auch ein Plakat sein, oder eine Straßenmusikerin). Sie gehen daran vorbei und drehen ja nicht den Kopf, um nach sechs oder sieben Schritten stehen zu bleiben und so so zu tun, als schauten sie sich nach etwas völlig anderem um. Und dabei schauen sie sich das Schaufenster noch einmal gründlich an.*

Das hat mir vor bestimmt 15 Jahren Tiane beigebracht, wo immer sie jetzt sein mag. Ich konnte aus eigener Erfahrung mit dem Manöver aufwarten, bei dem Passanten einen kleinen Haken schlagen, um den Leuten auszuweichen, die in der Fußgängerzone Handzettel verteilen. Ich dachte immer, diese kleinen Haken seien elegant und unauffällig. Aber aus der Perspektive desjenigen, der die Zettel verteilt, fallen diese Bewegungen sofort auf.

(Und wo ich dabei bin, fällt mir noch eine Gelegenheit ein, wo sich Leute für unglaublich originell halten. Einer nach dem anderen. Wenn bei einer Tagung – es war ein Anglistentag an der Uni Augsburg – Leute an den groß mit “Information” überschriebenen Informationsschalter kommen und leutselig-zaghaft anheben mit: “Ich bräuchte mal eine etwas ungewöhnliche Information…”, dann wollen sie alle das gleiche: Wissen wo das Klo ist.)

*Ich sag aber nicht, welches Plakat mich jetzt wieder daran erinnert hat.

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